Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Rauchen Alle Themen
Alternative zum Rauchen

Snus statt Zigarette – sind die Tabaksäckchen wirklich gesünder?

Snus gefährlich
Bei Snus handelt es sich um Tabaksäckchen, die man sich unter die Ober- oder Unterlippe schiebt Foto: Getty Images
Artikel teilen
Martin Lewicki
Freier Autor

1. August 2025, 4:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Es ist unbestritten, dass Zigarettenrauchen gesundheitsschädlich ist. Als gesündere – oder eher weniger ungesunde – Alternative werden Tabaksäckchen angepriesen, bekannt als Snus. FITBOOK-Autor Martin Lewicki klärt, ob die Tabaksäckchen tatsächlich ungefährlich sind.

Der Mensch hat offenbar einen Hang zu aufputschenden und stimulierenden Substanzen. Anders lässt sich der weitverbreitete Konsum von Alkohol, Koffein und Nikotin nicht erklären. Während Koffein in begrenzten Mengen (bis zu 400 Milligramm über den Tag verteilt) ein unbedenklicher Wachmacher ist, sorgen Alkohol und Nikotin in Zigaretten für gesundheitliche Schäden.1 Deswegen suchen viele Menschen nach einer Alternative zu Zigaretten. Populär sind sogenannte Tabaksäckchen, die man sich hinter die Ober- oder Unterlippe klemmt. Unter dem Namen Snus wird der Oraltabak vertrieben. Aber sind diese Tabaksäckchen wirklich unbedenklich?

Was ist Snus genau?

Snus kommt aus Skandinavien und hat dort eine lange Tradition. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es als Alternative zu Zigaretten angewendet. Dabei handelt es sich um ein Pulver, das aus Tabak, Wasser, Salz und Aromen besteht. Durch den Tabak enthält Snus wie Zigaretten auch Nikotin. Das Salz soll dabei helfen, die Resorption des Nikotins in der Mundhöhle zu verbessern.

Snus kommt meistens in vorportionierten Tabaksäckchen daher, etwa so groß wie ein Kaugummi-Dragee. Man klemmt sie sich unter die Ober- oder Unterlippe. Anschließend gelangt das Nikotin durch die Mundschleimhaut innerhalb von 15 bis 30 Minuten in das Blutsystem.2 Dabei werden vergleichbare Nikotinspiegel wie durch eine Zigarette erreicht, so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Allerdings wurden bei Verwendung von hoch dosierten Produkten deutlich höhere Spiegel als bei Zigaretten beobachtet: Dem BfR lagen Nikotinsäckchen mit bis zu 47,5 Milligramm Nikotin vor.3 Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält 7,5 bis 13,4 Milligramm.4

Auch interessant: Tabak, E-Zigaretten oder Shishas – was ist schädlicher?

Ist Snus gesünder als Zigaretten?

Generell ist Snus weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten. Denn durch das Verbrennen des Tabaks entstehen beim Zigarettenrauchen prinzipiell mehr Schadstoffe. In einer Metaanalyse wurden sechs schwedische Studien ausgewertet, die untersuchten, wie sich das Risiko für Krankheiten entwickelt, wenn man von Zigaretten auf Snus umsteigt.5 Die Auswertung ergab, dass sich das Risiko für Mundhöhlenkrebs, Magenkrebs sowie kardiovaskuläre Krankheiten um etwa die Hälfte reduziert, wenn man von Zigaretten zu Snus wechselt.

Snus bei Jugendlichen beliebt

„Meine ersten Berührungen mit Snus hatte ich während meines Abiturs. Selbst probiert habe ich es jedoch nie – vermutlich, weil ich zu oft mitbekam, wie schlimm das erste Mal sein kann: Kreislaufzusammenbrüche und Erbrechen en masse. Mit 18/19 Jahren war Snus in meinem Umfeld extrem präsent. Ich denke, dass Fußballer daran eine große ‚Mitschuld’ tragen. Viele von ihnen kommunizieren zwar nicht offen, dass sie Snus konsumieren – aber man muss nur mal kurz auf TikTok gehen und ‚Fußballer mit Snus’ in die Suchleiste eingeben, um dann zu sehen, wie viele Snus tatsächlich nehmen. Es gibt regelrechte Mythen darüber, wer Snus nimmt. Fans analysieren Bilder und Videos, und sobald irgendwo die markante, runde Dose auftaucht, gilt der Fußballer als überführt – und auf Social Media wird ein Riesending daraus gemacht. Ich finde, das Image dieser kleinen Tabakpäckchen ist viel zu positiv. Ich habe gesehen, wie viele daran hängen geblieben sind und den Schulalltag ohne Snus kaum noch überstehen konnten. Der Gipfel war für mich, als ich mitbekam, wie Freunde – deren Vorrat leer war – benutzte Beutel aus dem Müll holten, um wirklich jeden letzten Tabakrest noch herauszusaugen – einfach, weil es ohne nicht mehr ging.“

Mehr zum Thema

Wie gesundheitsschädlich sind die Tabaksäckchen?

Laut Studien ist Oraltabak also weniger schädlich als das Rauchen von Zigaretten. Doch wie gefährlich ist er generell? Auch dazu gibt es einige Untersuchungen. Eine Auswertung mehrerer Studien ergab, dass der Konsum von Snus zu keinem erhöhten Risiko für eine Krebserkrankung im Mundbereich, in der Lunge, im Magen oder Bauchspeicheldrüse führt.6 Eine andere Studie aus den USA konnte keinen Zusammenhang feststellen zwischen Snus-Konsum und erhöhtem Karies im Vergleich zu Menschen, die keinen Oraltabak zu sich nahmen.7

Die Initiative „Sucht Schweiz“ stuft das Krebsrisiko durch schwedischen Snus als sehr klein ein, weil der Tabak pasteurisiert und getrocknet sei, wodurch weniger krebserregende Nitrosamine enthalten seien. Allerdings bleibe „eventuell ein Risiko für Mundhöhlen-, Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs“, wie in einer wissenschaftlichen Analyse erläutert wird. Wie bei allen Nikotinprodukten bestünde ein leicht erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Außerdem bestehe ein Zusammenhang von schwedischem Snus mit Zahnfleischschwund.

Fazit

Laut diverser Studien ist Oraltabak weniger schädlich als das Zigarettenrauchen. Es gibt zudem keine eindeutigen Belege dafür, dass ein Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen oder Herzkrankheiten und dem Snus-Konsum besteht. Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass es sich immer noch um eine Nikotinquelle handelt, die abhängig macht. Andererseits kann Snus dabei helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen, wie ebenfalls die Initiative „Sucht Schweiz“ berichtet. Denn Produkte wie Snus seien ein kleineres gesundheitliches Übel im Vergleich zu Zigaretten. Grundsätzlich sei es jedoch am besten, keine Nikotinprodukte zu konsumieren, heißt es aber weiter. Insbesondere Schwangere dürfen kein Nikotin zu sich nehmen, da es sich negativ auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib auswirken kann.

Dennis Agyemang, PETBOOK-Redakteur
Dennis Agyemang, PETBOOK-Redakteur

Ich hatte keine gute Erfahrung mit Snus

„Während meines letzten Urlaubs lernte ich abends an der Hotelbar andere Touristen kennen. Wir kamen ins Gespräch und sie boten mir Snus an. Da ich es noch nie probiert, aber schon davon gehört hatte, war ich neugierig und nahm das Angebot an. Schon wenige Sekunden, nachdem ich mir dieses kleine Ding, das wie ein Teebeutel aussah, in den Mund gesteckt hatte, merkte ich einen brennenden Schmerz im Zahnfleisch. Ein wortwörtlich ätzendes Gefühl! Aber damit nicht genug: Mir wurde schlecht und mein Kreislauf spielte verrückt. Nach etwa fünf Minuten musste ich den Snus ausspucken, weil ich das Gefühl hatte, gleich ohnmächtig zu werden, und das wollte ich nicht herausfordern. Mein Fazit: Snus ist eine Faszination, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann und die ich nicht noch einmal erleben möchte.“

Quellen

  1. Die Bundesregierung: Koffein - Die Dosis macht's (aufgerufen am 30.07.2025) ↩︎
  2. Zahnärztliche Mitteilungen. Snus und die Beeinträchtigungen der Mundgesundheit. (aufgerufen am 30.07.2025) ↩︎
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung. Gesundheitliche Bewertung von Nikotinbeuteln (Nikotinpouches). (aufgerufen am 30.07.2025) ↩︎
  4. Stopsmoking. Nikotinmenge in einer Zigarette. (aufgerufen am 30.07.2025). ↩︎
  5. Lee, PN. (2013). The effect on health of switching from cigarettes to snus - a review. Regulatory Toxicology and Pharmacology. ↩︎
  6. ee, PN. (2010). Summary of the epidemiological evidence relating snus to health. Regulatory Toxicology and Pharmacology. ↩︎
  7. Andersson, G. (1991). Snuff-induced changes associated with the use of loose and portion-bag-packed Swedish moist snuff. A clinical, histological and follow-up study. Swedish Dental Journal Supplement. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.