20. November 2025, 4:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Übelkeit, Erbrechen und ein allgemeines Krankheitsgefühl erwecken möglicherweise nicht sofort den Eindruck, dass es um etwas Ernstes gehen könnte. Allerdings kann es sich hierbei um eine Infektion mit Hepatitis A handeln – ausgelöst durch bestimmte Viren. Diese verursachen eine Entzündung der Leber, die zu einer Gelbsucht oder im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Kann es in Deutschland zu einer Ausbreitung kommen?
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Was genau ist Hepatits A?
Hepatitis A ist eine akute Entzündung der Leber, verursacht durch das Hepatitis-A-Virus (HAV). Es gehört zur Familie der Picornaviridae und ist ein einzelsträngiges RNA-Virus. Typisch ist seine enorme Widerstandsfähigkeit: Es übersteht Hitze, Kälte, Trockenheit und viele Desinfektionsmittel, bleibt also in der Umwelt lange ansteckend.
Im Körper befällt das Virus die Leberzellen und löst dort eine Entzündung aus. Diese beeinträchtigt die Filterfunktion des Organs – Stoffwechselprodukte wie Bilirubin werden nicht mehr abgebaut, was zur typischen Gelbfärbung von Haut und Augen führt.
Übertragen wird der Erreger über den sogenannten fäkal-oralen Weg. Bereits winzige Spuren von Stuhlresten reichen aus, um das Virus weiterzugeben – etwa über verunreinigte Hände, Wasser oder Lebensmittel.
Hepatitis A kommt weltweit vor, in Ländern mit hohen Hygienestandards jedoch deutlich seltener. Ein Teil der Erkrankten in Deutschland hat sich im Ausland angesteckt – das Robert-Koch-Institut (RKI) ging noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie davon aus, dass etwa 30 bis 40 Prozent der in Deutschland gemeldeten Hepatitis-A-Fälle im Ausland erworben wurden. Daher wird die Erkrankung häufig auch als „Reisehepatitis“ bezeichnet.1
Wie verbreitet sich das Virus?
Das Virus gelangt über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser in den Körper. Besonders riskant sind rohe Meeresfrüchte wie Muscheln und Austern, mit Fäkalien gedüngtes Gemüse, Obst oder Beeren, die in betroffenen Regionen geerntet wurden.
Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist häufig – etwa in Kindergärten, Pflegeeinrichtungen oder über engen körperlichen Kontakt. Schon kleinste Virusmengen genügen, um eine Infektion auszulösen.
Ebenfalls möglich ist eine Übertragung beim Geschlechtsverkehr, insbesondere bei oral-analen Praktiken. Seltener kommt es durch gemeinsam genutztes Spritzbesteck oder kontaminierte Blutprodukte zur Ansteckung.
Die größte Ansteckungsgefahr besteht ein bis zwei Wochen vor und bis etwa eine Woche nach dem Auftreten der Symptome – also in einer Zeit, in der viele Infizierte noch keine Beschwerden haben.2
Wie lange dauert es, bis die Krankheit ausbricht?
Die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Ansteckung und Krankheitsbeginn – liegt zwischen 15 und 50 Tagen, im Durchschnitt etwa vier Wochen.
Das erklärt, warum viele Erkrankte ihre Symptome zunächst gar nicht mit einer Infektion in Verbindung bringen – oft liegt die Ansteckung Wochen zurück, etwa während eines Auslandsaufenthalts.
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Welche Symptome treten auf?
Die Erkrankung verläuft in mehreren Phasen:
Frühphase (Prodromalphase):
In den ersten Tagen zeigen sich unspezifische Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen, leichtes Fieber oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch.
Ikterische Phase:
Die Leber ist nun deutlich entzündet. Der Urin wird dunkel, der Stuhl hell, und die Haut nimmt eine gelbliche Färbung an. Begleitet wird das von Juckreiz, Müdigkeit und einer Abneigung gegen fettige Speisen oder Alkohol.
Erholungsphase:
Nach einigen Wochen klingen die Beschwerden ab, die Leber beginnt sich zu regenerieren. Bei etwa zehn Prozent der Erkrankten dauert die Heilung jedoch mehrere Monate.
Kinder weisen oft einen milden oder symptomfreien Verlauf auf, während Erwachsene meist deutlich stärkere Symptome entwickeln.3
Wie gefährlich ist Hepatitis A?
In den allermeisten Fällen heilt Hepatitis A vollständig ohne bleibende Schäden aus. Eine chronische Verlaufsform, wie sie bei Hepatitis B oder C vorkommt, gibt es nicht.
Gefährlich wird die Infektion, wenn die Entzündung besonders stark verläuft oder die Leber bereits geschwächt ist – etwa bei älteren Menschen, Schwangeren oder bei bestehender Hepatitis-B- oder C-Erkrankung. Dann kann es in seltenen Fällen zu einem akuten Leberversagen kommen. Dabei fällt die Entgiftungsfunktion des Organs aus, Giftstoffe sammeln sich im Körper, und der Zustand kann lebensbedrohlich werden.
Das RKI schätzt, dass in Deutschland etwa 0,002 Prozent der gemeldeten Hepatitis-A-Fälle tödlich verlaufen. Nach überstandener Erkrankung besteht eine lebenslange Immunität.
Wie wird Hepatitis A diagnostiziert?
Eine Hepatitis-A-Infektion wird durch Blutuntersuchungen festgestellt. Typisch sind stark erhöhte Leberwerte.
Der Nachweis von Antikörpern liefert die Diagnose:
- Anti-HAV-IgM zeigt eine frische Infektion an.
- Anti-HAV-IgG weist eine frühere Infektion oder eine Impfung nach.
In Speziallaboren kann außerdem HAV-RNA im Blut oder Stuhl nachgewiesen werden – das ist besonders hilfreich, um Infektionsketten bei Ausbrüchen nachzuvollziehen.
Aktueller Ausbruch in Tschechien sorgt für Aufmerksamkeit
Seit Herbst 2025 verzeichnet Tschechien einen deutlichen Anstieg von Hepatitis-A-Fällen. Nach Angaben der dortigen Behörden handelt es sich um den größten Ausbruch seit 1989.
Bis Mitte November wurden mehr als 2300 Infektionen bestätigt, 28 Menschen sind gestorben. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2024 registrierte das Land rund 670 Fälle und zwei Todesfälle.
Besonders betroffen ist die Region Böhmen, unter anderem das Skigebiet Boží Dar an der Grenze zu Sachsen. Dort weisen zweisprachige Schilder auf die Infektionsgefahr hin und erinnern an grundlegende Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen und die Verwendung von Desinfektionsmitteln.4
Was bedeutet es für Deutschland?
Das sächsische Gesundheitsministerium teilte mit, dass aus infektionsepidemiologischer Sicht derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung in Deutschland besteht. Nach bisherigen Erkenntnissen treten die meisten Infektionen in Bevölkerungsgruppen mit unzureichenden hygienischen Bedingungen oder Drogenkonsum auf. Lebensmittel und Trinkwasser gelten bislang nicht als Hauptübertragungswege.
Trotzdem empfehlen Fachleute, den Impfschutz zu überprüfen und bei Reisen in die betroffenen Gebiete auf Hygiene zu achten. Denn Hepatitis A bleibt eine Infektion, die sich – vor allem bei niedrigen Impfquoten – vergleichsweise leicht verbreiten kann.
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So wird Hepatitis A behandelt
Eine spezifische antivirale Therapie gibt es nicht. Die Behandlung konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern und die Leber zu schonen.
Empfohlen werden:
- Ruhe und ausreichend Schlaf,
- viel Flüssigkeit,
- eine leichte, fettarme und kohlenhydratreiche Ernährung,
- völliger Verzicht auf Alkohol und leberschädigende Medikamente.
Eine strikte Bettruhe ist nicht notwendig. In schweren Fällen, etwa bei drohendem Leberversagen, ist jedoch eine stationäre Überwachung erforderlich.
Wie kann man sich schützen?
Der sicherste Schutz ist die Impfung gegen Hepatitis A. Sie besteht aus zwei Dosen, die im Abstand von sechs bis zwölf Monaten verabreicht werden. Schon nach der ersten Dosis besteht Schutz für mehrere Monate, nach der zweiten hält er viele Jahre – vermutlich sogar lebenslang.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für:
- Reisende in Länder mit hoher Hepatitis-A-Verbreitung,
- Personen mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten,
- Menschen mit chronischen Lebererkrankungen,
- Drogenkonsumierende,
- Beschäftigte im Gesundheitswesen, in Kitas oder Kläranlagen.
Auch nach Kontakt mit einer infizierten Person kann eine Impfung innerhalb von 14 Tagen eine Erkrankung noch verhindern.
Wichtig bleibt außerdem eine gute Hygiene: regelmäßiges Händewaschen, gründlich geschälte oder gekochte Lebensmittel, eigene Handtücher und Vorsicht beim Essen und Trinken in Risikogebieten.5