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Natürlicher Prozess

So verändert sich der Schlaf vom Säugling bis ins hohe Alter

Wie sich der Schlaf verändert
Der Schlaf des Menschen unterliegt vielen Faktoren – ein maßgeblicher ist das Lebensalter Foto: Getty Images
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

8. Februar 2026, 8:06 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Der Schlaf eines Babys ist nicht nur deshalb etwas Besonderes, weil er für die übermüdeten Eltern eine kleine Verschnaufpause bedeutet und die Säuglinge so niedlich dabei aussehen. Im Vergleich zum Schlaf in der späteren Kindheit sowie im Jugend- und Erwachsenenalter hält er einige biologische Besonderheiten parat. Was den Babyschlaf ausmacht und wie sich unser Schlaf im Verlauf unseres Lebens verändert, erkläre ich Ihnen im Folgenden hier bei FITBOOK.

Babys haben – anders als Kinder, Jugendliche und Erwachsene – kurze Schlafphasen und sind während dieser leicht aufweckbar. Gleichzeitig besteht der Rhythmus des Menschen zu Beginn des Lebens fast ausschließlich aus Schlafen mit kurzen Unterbrechungen für die Nahrungsversorgung. Erst nach Monaten beginnt die Entwicklung des Schlafs in Richtung eines Tag-Nacht-Rhythmus. Bis dieser sich gefestigt hat, dauert es Jahre. Ist er etabliert, bleibt er das ganze Leben bestehen – mit kleinen Schwankungen sowie der Möglichkeit, kurzfristig oder chronisch gestört zu werden. Im hohen Alter verändert er sich erneut. Das alles sind keine Zufälle, sondern ist in unserer Biologie verankert.

Babys schlafen kurz, leicht und viel

Im frühen Säuglingsalter wird zwischen drei Schlafphasen unterschieden:

  • aktiver Schlaf (active sleep, AS)
  • ruhiger Schlaf (quiet sleep, QS)
  • intermediärer Schlaf (IS)

Der aktive Schlaf entwickelt sich später zum REM-Schlaf, während der ruhige Schlaf die unreife Form des NREM-Schlafs (Non-REM-Schlaf) ist. Das Gehirn von Kindern, insbesondere Babys, befindet sich noch in der Entwicklung. Die fortschreitende Hirnreifung sorgt für eine häufige Änderung von Frequenz und Stärke der hirnelektrischen Aktivität – umso häufiger, je jünger ein Kind ist.

Das Schlafprofil von Säuglingen ist durch polyphasische Schlaf-Wach-Rhythmen gekennzeichnet. Das heißt, dass sich Schlaf- und Wachphasen über den Verlauf von 24 Stunden regelmäßig abwechseln. Dies ist unabhängig von Lichteinflüssen des Tages und der Dunkelheit der Nacht. Die später dafür zuständigen Nervenzellen (genauer: Ganglienzellen) können die aufs Auge treffenden Lichtimpulse noch nicht aufnehmen und an das Gehirn weiterleiten. Wenn die Funktion sich über die ersten Lebensmonate eines Kindes entwickelt hat, werden Licht sowie Dunkelheit allmählich zu taktgebenden äußeren Schlafeinflüssen.

Die einzelnen Schlafzyklen sind kürzer, je jünger ein Kind ist. So dauert eine Phase im Säuglings- und frühen Kindesalter etwa 45 bis 60 Minuten. Zum Vergleich: Bei Erwachsenen dauert ein Schlafzyklus – REM- oder NREM-Phase – 60 bis 90 Minuten.

Auch die Arousalhäufigkeit ist bei Babys und Kindern höher als bei Erwachsenen. Damit ist der Wechsel von Tiefschlaf zu Leichtschlaf gemeint. In den ersten Lebensmonaten wachen die Kinder zudem häufiger aus dem aktiven Schlaf (also der Vorstufe des REM-Schlafs) auf als aus dem ruhigen Schlaf (NREM-Schlaf). Arousal- und Aufwachfrequenz sind charakteristisch für den instabilen Säuglingsschlaf.1

Etablieren eines Schlafrhythmus – vergebliche Liebesmüh?

In der Zeit des instabilen Säuglingsschlafs scheint es für Eltern unmöglich, bei ihren Babys bereits eine Art Schlafroutine zu fördern. Das ist ein Irrtum. Statt Uhrzeiten oder Licht- und Dunkelheit ist für den Babyschlaf in erster Linie der Faktor Ernährungszeiten ausschlaggebend. Hier können Eltern durch feste Still- und Essenszeiten die Entwicklung eines stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen. Auf diesem lässt sich dann zunehmend aufbauen, sobald das Licht als Einflussfaktor hinzukommt und sich der polyphasische Säuglingsschlaf hin zu einem Schlafmuster mit längeren Nachtschlaf- und weniger und kürzeren Tagschlafphasen verändert.

Es ist nicht nur möglich, stabile Rhythmen von Lebensbeginn an zu etablieren, sondern laut neuerer Forschung auch empfehlenswert. Denn gelingt dies nicht, erhöht sich offenbar das Risiko dafür, dass Schlafstörungen entstehen.2

Kinder entwickeln langsam einen festen Rhythmus

Im Kleinkindalter stabilisiert sich der Schlaf-Wach-Rhythmus allmählich – hin zum Tag-Nacht-Rhythmus. Das heißt, dass sich die Schlafzyklen verlängern und der REM-Schlaf einen weniger großen Anteil ausmacht als vorher. Dies geschieht jedoch nicht linear. Im Gegenteil, kann diese Entwicklung schwanken, was Eltern womöglich als einen Rückschritt in der Schlafentwicklung ihres Kindes interpretieren. Auch kurzfristige Schlafstörungen können Teil des Reifeprozesses sein. Insbesondere beim Übergang vom Tiefschlaf in den REM-Schlaf kann es zu Störungen kommen.

Von Albträumen bis Nachtschreck

In dieser Lebensphase wird das Träumen bzw. das Traumerlebnis intensiver, sodass Kinder von Albträumen betroffen sein können. Bei einem gestörten Übergang von Tief- zu REM-Schlaf können die Symptome Nachtschreck und Schlafwandeln auftreten.

Exkurs Nachtschreck

Nachtschreck, auch als Pavor nocturnus bezeichnet, zählt zu den NREM-Parasomnien, ist also ein unerwünschtes Ereignis, das während der Tiefschlafphase auftreten kann. Es ist die häufigste NREM-Parasomnie im Kleinkindalter: 34,4 Prozent der eineinhalbjährigen Kinder sind davon betroffen. Beim Nachtschreck scheinen Kinder plötzlich wach zu werden, sind es aber nicht wirklich (ähnlich wie beim Schlafwandeln). Sie sitzen typischerweise weinend, oft laut schreiend und voller Angst, manchmal auch um sich schlagend, im Bett und wehren jegliche Beruhigungsversuche ab. Sie sind gerötet, schwitzen, ihre Muskeln sind angespannt. Ebenfalls ähnlich wie beim Schlafwandeln wird davon abgeraten, das betroffene Kind zu wecken. Stattdessen hilft es, dem Kind gut zuzureden, auch wenn es dies scheinbar nicht wahrnimmt, in der Nähe zu bleiben, damit es sich nicht verletzt, und ruhig zu warten, bis die Episode von allein wieder aufhört. Es ist auch nicht ratsam, das Kind nach dem Aufwachen oder am nächsten Tag auf das Erlebte anzusprechen. Meistens erinnern sich betroffene Kinder nicht an den Nachtschreck. Die Thematisierung des Phänomens könnte sie verunsichern, zu Angst vor dem Einschlafen führen und Schlafstörungen verstärken.

Wie viele Stunden schlafen Kinder?

Das ist natürlich von Kind zu Kind unterschiedlich, doch gibt es einige Richtwerte:

  • Zweijähriges Kind: Gesamtschlafdauer rund 13 Stunden (Schwankungen zwischen 11 und 16 Stunden)
  • Vierjähriges Kind: Gesamtschlafdauer rund 12 Stunden (Schwankungen zwischen 10 und 14 Stunden)
  • Sechsjähriges Kind: Gesamtschlafdauer rund 11 Stunden (Schwankungen zwischen 9 und 12,5 Stunden)

Der Mittagsschlafbedarf reduziert sich zusehends:

  • Bis zum Alter von drei Jahren machen noch mehr als 50 Prozent der Kinder einen Mittagsschlaf.
  • Bei Vierjährigen sind es noch 35 Prozent.
  • Im Alter von fünf Jahren machen noch acht Prozent tagsüber ein Schläfchen.
  • Bei den Sechsjährigen sind es fünf Prozent.

Es kann kontraproduktiv sein, Kindern noch zu lange einen Mittagsschlaf aufzudrängen, obwohl sie ihn vielleicht gar nicht mehr oder nicht mehr in dem Ausmaß benötigen. Womöglich haben sie dann im späteren Verlauf des Tages Probleme, den nötigen Schlafdruck aufzubauen, um abends wieder gut in den Schlaf zu finden.

Wenn ältere Kinder plötzlich wieder einen Mittags- bzw. Tagesschlaf benötigen, kann dies ein Anzeichen für eine Störung des nächtlichen Schlafs sein.

So schlafen Teenager in der Pubertät

Mit zunehmendem Alter der Kinder bis zum Jugendalter nimmt der Bedarf an Gesamtschlafdauer ab. Schlafen Heranwachsende im Alter von zwölf Jahren im Durchschnitt ca. neun Stunden, liegt der Schlafbedarf von 16-Jährigen bei acht Stunden.3

In diesem Alter haben sich die Schlafmuster etabliert, die auch im Erwachsenenalter Bestand haben. Die erste Hälfte des Schlafs ist von längeren Tiefschlafphasen und kurzen REM-Schlafphasen gekennzeichnet. Letztere sind in der zweiten Schlafhälfte länger, während es in der Regel keine Tiefschlafphasen mehr gibt. Der Schlafdruck lässt nach und man wacht in den REM-Phasen leichter auf. Nicht selten hat man davor geträumt.

Schlafprofil

Ebenfalls im Übergang von Kindheit zur Jugend entwickelt sich das Schlafprofil, bestehend aus vier Schlafstadien, das sie dann anschließend auch als Erwachsene aufweisen (insofern ihr Schlaf gesund ist):

  1. Einschlafphase
  2. Leichter Schlaf
  3. Tiefschlafphase
  4. Traumschlaf (REM-Phase)

Auch ob jemand ein früher oder später Schlaftyp ist (Lerche vs. Eule), steht bereits im Jugendalter fest und verändert sich ein Leben lang nicht mehr grundlegend. Mehr zu den Schlaftypen erkläre ich hier. Und wer nicht weiß, ob er eine Lerche, Taube oder eine Eule ist, kann hier den Chronotypen-Test machen.

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Schlafdauer im Erwachsenenalter

Die Tagesschlafdauer von Erwachsenen liegt zwischen sieben und acht Stunden. Die Forschung hat gezeigt, dass ein durchschnittlicher Nachtschlaf von sieben Stunden mit dem geringsten Sterblichkeitsrisiko einhergeht. Wer in der Woche weniger Schlaf abbekommt, scheint dies mit einem längeren Schlaf am Wochenende nachholen zu können. Darauf weisen Studien hin.4

Gestörter Schlaf

Egal ob bei Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen – Schlaf kann auf vielfältige Weise kurzfristig oder chronisch gestört sein. Schon Einflüsse wie Licht, Geräusche, ungünstige Ernährung sowie zu wenig oder zu intensive Bewegung zur falschen Zeit können das Ein- und Durchschlafen erschweren. Auch Stress, Sorgen und innere Unruhe sind Störfaktoren. Dann gibt es Krankheiten, die sich negativ auf den Schlaf auswirken können – besonders wenn sie die Atmung beeinträchtigen, die Psyche betreffen oder mit Schmerzen einhergehen. Und schließlich gibt es noch handfeste Schlafstörungen, die eine eigene Krankheitskategorie darstellen.

In jedem Fall sollte gestörter Schlaf, besonders, wenn er länger anhält, nicht auf die leichte Schulter genommen werden. So wie eine optimale Schlafdauer vor einem erhöhten Sterberisiko zu schützen scheint, werden schlechter und zu kurzer Schlaf mit der Entstehung von Folgekrankheiten hin zu verkürzter Lebensdauer in Verbindung gebracht.5

Hohes Alter, wenig Schlaf

Mit zunehmendem Alter nimmt die Schlafdauer wieder ab – in jedem Lebensjahrzehnt (vom 40. bis 70. Lebensjahr) etwa zehn Minuten. Sowohl die Schlafeffizienz als auch die Dauer von Tiefschlaf- und REM-Phase nehmen ab. Während die Dauer der Schlafstadien ab 70 meistens stagniert, nimmt die Schlafeffizienz weiter ab. So kommt es, dass ältere Menschen in der Nacht häufiger längere Wachphasen haben, was von Nickerchen am Tag begleitet werden kann.

Was ist die Schlafeffizienz?

Die Schlafeffizienz ist das prozentuale Verhältnis von tatsächlicher Schlafdauer zur gesamten im Bett verbrachten Zeit. Berechnet wird sie, indem man die Schlafdauer (in Minuten) durch die im Bett verbrachte Zeit (in Minuten) dividiert und mit 100 multipliziert. Ein Wert von 90 (gleichbedeutend mit 90-prozentiger Schlafeffizienz) und höher gilt als sehr gut, ein Wert unter 85 könnte auf Ein- und Durchschlafstörungen hinweisen. Zur Berechnung wird häufig ein Schlaftagebuch über vier bis sieben Tage geführt, um einen Durchschnittswert zu ermitteln, da der Schlaf natürlichen Schwankungen unterliegt.

Auch, wenn es eine biologisch natürliche Entwicklung ist, dass der Schlaf im Alter „schlechter“ wird, solle man möglichst versuchen, dem entgegenzuwirken und zu optimieren. Denn es gibt gut gestützte Belege für Zusammenhänge zwischen Schlaf und kognitiven Fähigkeiten im Alter. Auch eine Verbindung zwischen Schlaf und Demenz, darunter speziell Alzheimer, gilt als erwiesen.6,7 Es kann sich also gesundheitlich lohnen, zu prüfen, ob eine Verschlechterung des Schlafs wirklich rein auf das zunehmende Alter zurückzuführen ist oder ob doch noch andere, vermeidbare oder zumindest reduzierbare Faktoren eine Rolle spielen könnten.

Quellen

  1. Zampi, C., Fagioli, I., Salzarulo, P. (2002). Time course of EEG background activity level before spontaneous awakening in infants. Journal of Sleep Research. ↩︎
  2. Wiater (2016), S. 1070 - 1077) ↩︎
  3. Iglowstein, I., Jenni, O.G., Molinari, L., Largo, R.H. (2003). Sleep duration from infancy to adolescence: reference values and generational trends. Pediatrics. ↩︎
  4. Åkerstedt, T., Ghilotti, F., Grotta, A. et al. (2019). Sleep duration and mortality - Does weekend sleep matter? J Sleep Res. ↩︎
  5. Sabia, S., Dugravot, A., Léger, D. et al. (2022). Association of sleep duration at age 50, 60, and 70 years with risk of multimorbidity in the UK: 25-year follow-up of the Whitehall II cohort study. Plos Medicine. ↩︎
  6. Himali, J.J., Baril, A., Cavuoto, M.G., et al. (2023). Association Between Slow-Wave Sleep Loss and Incident Dementia. JAMA Neurol. ↩︎
  7. Leng, Y., Li, P., Gao., L. et al. (2022). Daytime napping and Alzheimer’s dementia: A potential bidirectional relationship. Alzheimer’s & Dementia.
    ↩︎

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