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Pavor nocturnus

Was ist der Nachtschreck und wie handeln Eltern richtig?

Nachtschreck
Der Nachtschreck ist für betroffene Familien oft eine große Belastung Foto: Getty Images, romrodinka
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

9. März 2026, 4:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Das Kind sitzt mit offenen Augen schreiend und weinend im Bett, ist nicht zu beruhigen und nimmt die besorgten Eltern nicht wahr. Was wie eine Szene aus einem Gruselfilm klingt, ist für manche Familien belastende Realität: der Nachtschreck. Ein beängstigendes Phänomen, das mit dem Schlafwandeln verwandt ist. Doch ist es auch gesundheitsgefährdend und sollten sich Eltern ärztlichen Rat holen? FITBOOK klärt auf.

Albträume erlebt jeder von uns einmal. Man wacht verschwitzt, manchmal orientierungslos und mit einem seltsamen Gefühl auf. Auch Kinder sind von Albträumen betroffen. Besonders Kleinkinder, bei denen sich das Gehirn sowie der Schlaf-Wach-Rhythmus noch entwickeln, sind häufiger von schlechten Träumen betroffen, aus denen sie weinend erwachen. Genau darin liegt der Unterschied zum Nachtschreck, auch Pavor nocturnus genannt. Während Kinder aus Albträumen erwachen, macht es beim Nachtschreck nur den Anschein, als wären sie wach. Sie haben die Augen geöffnet, nehmen aber nicht wahr, dass Mama oder Papa sie besänftigen wollen. Auch antworten können sie in der Situation nicht.

Die Symptome

Wach wirken, es aber nicht sein, ist ein wesentlicher Charakter von Pavor nocturnus. Etwa ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, schreckt das Kind aus dem Schlaf hoch. Die Ausprägung der Symptome kann von Kind zu Kind und von Fall zu Fall variieren. Typisch sind jedoch schrilles Schreien sowie angstvolles Verhalten bis zu Panik. Manche Kinder schlagen um sich. Das kann auch durch Berührungen ausgelöst werden, mit denen Eltern ihr Kind vielleicht beruhigen wollen. Während manche Kinder im Bett liegend oder sitzend angstvoll weinen, strampeln andere wild oder laufen sogar im Zimmer herum.

Begleitet wird dies von autonomer Erregung:

  • stark beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
  • beschleunigte Atmung (Tachypnoe)
  • Erröten
  • Schwitzen
  • stark angespannte Muskeln

Das Ereignis kann in der Dauer variieren. Die meisten Berichte nennen eine Zeitspanne von fünf bis 15 Minuten. In einzelnen Fällen kommt es vor, dass es länger anhält. Das Ende kommt meistens so plötzlich wie der Anfang. Das Kind ist wieder ruhig und schläft abrupt ein. Oder es wacht auf, nimmt seine Umgebung und Eltern wieder wahr, antwortet und reagiert unaufgeregt – als sei nichts gewesen. Manchmal sind sie zunächst etwas verwirrt. Unter besänftigenden Worten kann es schnell wieder zum Einschlafen gebracht werden. Am nächsten Tag erinnern sich die Kinder weder an das Nachtschreck-Ereignis noch an einen (Alb-)Traum.1

Häufigkeit

Der Altershöhepunkt für das Auftreten der Schlafstörung liegt zwischen vier und sieben Jahren.2 Während in diesem Alter bei Kindern laut bisherigem Wissensstand ca. 17 Prozent davon betroffen sind, zeigte sich bei der Analyse von Kindern im Alter von 1,5 Jahren eine Inzidenzrate von 34,4  Prozent.3 Mit Eintritt des Schulalters kommt der Nachtschreck kaum noch vor. Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist er noch seltener.

Verwandtschaft zum Schlafwandeln

Pavor nocturnus zählt zu den NREM-Parasomnien. Dies sind unerwünschte Ereignisse, die während der Tiefschlafphase auftreten können. Da 34,4 Prozent der eineinhalbjährigen Kinder davon betroffen sind, ist der Nachtschreck die häufigste NREM-Parasomnie im Kleinkindalter. Auch bei Schlafwandeln handelt es sich um eine NREM-Parasomnie. Beide zählen zu den sogenannten Aufwachstörungen. Bei diesen wacht das Kind verwirrt oder ängstlich aus dem Tiefschlaf auf. Auch Albträume, die aus dem Schlaf aufschrecken, zählen zu diesen Schlafstörungen.4

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Richtig handeln – in der akuten Situation und danach

Es wird davon abgeraten, das betroffene Kind zu wecken. Gut ist es, als Eltern gelassen zu bleiben. Womöglich hilft es, dem Kind gut zuzureden, auch wenn es dies scheinbar nicht wahrnimmt, in der Nähe zu bleiben, damit es sich nicht verletzt, und ruhig zu warten, bis die Episode von allein wieder aufhört. Es ist auch nicht ratsam, das Kind nach dem Aufwachen oder am nächsten Tag auf das Erlebte anzusprechen. Meistens erinnern sich betroffene Kinder nicht an den Nachtschreck. Die Thematisierung des Phänomens könnte sie verunsichern, zu Angst vor dem Einschlafen führen und Schlafstörungen verstärken.

Ist Nachtschreck gefährlich?

Auch wenn der Nachtschreck sehr beunruhigend sein kann, er schadet dem Kind körperlich nicht. Es handelt sich nicht um eine Krankheit oder emotionale Störung, sondern um eine Schlafstörung, die in der Entwicklung kleiner Kinder auftreten kann, aber nicht muss.5 Zu Schaden kommen könnte das Kind nur, wenn es dabei tobt und vielleicht aus dem Bett fällt oder sich anderweitig verletzt. Hier hilft es, bei dem Kind zu bleiben, bis die Episode vorbei ist. Diese starke Ausprägung muss Pavor nocturnus aber nicht unbedingt haben. Manche Kinder sitzen weinend im Bett, ohne um sich zu schlagen oder zu toben.

Quellen

  1. Haberlandt, E. (2023). Parasomnien bei Kindern und Erwachsenen als Differenzialdiagnose zu nichtläsionellen fokalen Epilepsien. Clinical Epileptology. ↩︎
  2. Stuck, B.A., Joachim T. Maurer, J.T., Schredl, M., Weeß, H.-G. ( 2009). Schlafstörungen bei Erwachsenen und Kindern Diagnostik, Differentialdiagnostik und Therapie. Praxis der Schlafmedizin. ↩︎
  3. Petit, D., Pennestri, M.H., Paquet, J. (2025). Childhood Sleepwalking and Sleep Terrors: A Longitudinal Study of Prevalence and Familial Aggregation. JAMA Pediatr. ↩︎
  4. Kindergesundheit-info.de. Von Albträumen, Nachtschreck und Schlafwandlern (aufgerufen am 2.3.2026) ↩︎
  5. Pronova BKK. Gelassen bleiben: So hilfst du deinem Kind (aufgerufen am 2.3.2026) ↩︎

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