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Beobachtungsstudie

Wer auf bestimmte Weise schläft, riskiert später mehr Gehirnschäden

Neue Studie zu Schlaf und Schlafmustern sowie Gehirngesundheit
Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Gehirn: Wer seine kognitive Fitness bis ins hohe Alter bewahren möchte, sollte gesundem Schlaf die gleiche Priorität einräumen wie Ernährung und Training. Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

8. Juni 2026, 13:55 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Viele gesundheitsbewusste Menschen denken, sie könnten Schlafmangel durch eine perfekte Ernährung oder extremes Training kompensieren. Doch Schlaf scheint die Gehirnalterung zu beeinflussen – unabhängig von etwa Bluthochdruck oder Übergewicht. Eine aktuelle Beobachtungsstudie zeigt: Schon alltägliche „Sünden“ bei der Schlafhygiene hinterlassen bei gesunden Menschen messbare Spuren im Gehirn. Auch wenn die Studie nicht endgültig beweist, dass schlechter Schlaf die beobachteten Veränderungen direkt verursacht, werfen die Ergebnisse neue Fragen über die Rolle des Schlafs für die Gesundheit des Gehirns auf.

Zusammenhang zwischen bestimmten Schlafmustern und ungünstigerer Hirngesundheit

Eine neue Untersuchung, die im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“ veröffentlicht wurde, liefert wegweisende Erkenntnisse darüber, wie unser Schlaf die biologische Alterung des Gehirns beeinflusst.1 Ein Forschungsteam um die Erstautorin Madeline Ally analysierte hierfür Daten von 23.377 gesunden Teilnehmern der britischen UK Biobank. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass eine Schlafdauer außerhalb des Bereichs von sieben bis neun Stunden, häufige Tagesschläfchen und ausgeprägte Schlaflosigkeit mit einer größeren Anzahl beziehungsweise einem höheren Volumen von MRT-Markern kleiner Gefäßschäden der weißen Substanz assoziiert sind.

Diese sogenannten „White Matter Hyperintensities“ (WMH) deuten auf kleine Gefäßschäden im Gehirn und werden mit einem erhöhten Risiko für vaskuläre Demenz und andere kognitive Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht. Vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Demenzform nach Alzheimer.2

Was die Studie so spannend macht

Dass schlechter Schlaf grundsätzlich mit einem höheren Demenzrisiko und kognitivem Abbau zusammenhängt, war bereits Gegenstand früherer Forschungen. Auch erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Schlafqualität und Läsionen in der weißen Substanz gab es bereits. Das Besondere an dieser aktuellen Studie ist, dass die einzelnen Verhaltensweisen separat untersucht wurden. Neu ist der Zusammenhang, dass bestimmte Schlafmuster als unabhängige Marker einer ungünstigeren Gefäßgesundheit des Gehirns dienen könnten – selbst nach Berücksichtigung wichtiger Gesundheits- und Lebensstilfaktoren.

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Methodik – so gingen die Forscher vor

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Forscher analysierten Daten von rund 24.000 Teilnehmern der UK Biobank, die zum Zeitpunkt der ersten Befragung zwischen 2006 und 2010 als gesund galten. Für eine hohe Aussagekraft wendeten die Forscher strenge Ausschlusskriterien an: Nicht in die Analyse einbezogen wurden Personen mit bestehenden neurologischen Leiden, Demenz, psychiatrischen Diagnosen oder schweren Vorerkrankungen wie Krebs oder Schlaganfällen. Das Schlafverhalten – darunter Schlafdauer, Nickerchen und Schlaflosigkeit – erfassten die Autoren anfangs per Fragebogen. Im Schnitt knapp neun Jahre später folgte der entscheidende Abgleich mittels Magnetresonanztomographie (MRT), um das Volumen der weißen Substanz im Gehirn zu vermessen. Um den reinen Effekt des Schlafs auf die Gehirngesundheit zu beurteilen, rechnete man demografische Faktoren und den Einfluss von (Lifestyle-)Faktoren wie Blutdruck, BMI, Rauchen und sportlicher Aktivität aus den Ergebnissen heraus.

Auch interessant: Mit bestimmten Gerüchen das Hirn im Schlaf trainieren – geht das?

3 Schlafgewohnheiten besonders mit kleinen Gehirnschäden assoziiert

Die Untersuchung weist darauf hin, dass bestimmte Schlafmuster mit einem größeren WMH-Volumen assoziiert waren, was auf eine beschleunigte Alterung der Blutgefäße im Gehirn hinweist. Bei der Schlafdauer wird der Effekt auf die Gehirnalterung laut den Autoren weitgehend von Kurzschlaf getrieben. Das Risiko für langen Schlaf (länger als neun Stunden) konnte aufgrund einer geringen Fallzahl nicht präzise genug erfasst werden.

Die Forscher identifizierten drei Schlafgewohnheiten, die deutlich mit einem größeren WMH-Volumen assoziiert waren:

  • weniger als sechs Stunden Schlaf
  • häufiges Nickerchen am Tag und
  • ausgeprägte Schlaflosigkeit.

Häufiges Tagesschläfchen zeigte die stärkste statistische Verbindung. Die Studie unterschied allerdings nicht zwischen kurzen Powernaps und langen Tagschlafphasen.

Die Zusammenhänge bestanden unabhängig von Lebensstil, Fitness und Vorerkrankungen. Neben diesen Hauptbefunden lieferte die Studie weitere wichtige Detailerkenntnisse.

So sah es bei Menschen über 60 Jahre aus

Auch Schnarchen und unbeabsichtigtes Einnicken am Tag standen zunächst mit Veränderungen im Gehirn in Verbindung. Dieser Zusammenhang verschwand jedoch, nachdem die Forscher bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht berücksichtigt hatten. Das spricht dafür, dass Schnarchen eher eine Folge bestehender Herz-Kreislauf-Probleme ist, während Schlafdauer und häufiges Nickerchen eigenständige Risikofaktoren darstellen könnten.

Die Ergebnisse blieben zudem stabil, als die Forschenden die Daten nur für Menschen über 60 Jahre auswerteten oder strengere Schlafempfehlungen für ältere Erwachsene zugrunde legten.

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Schlaf und Gehirn – warum die Ergebnisse alarmierend sind

Die reine Empfehlung von sieben bis neun Stunden Schlafdauer ist für sich genommen nicht neu. Was die Ergebnisse dieser Studie relevant macht, ist die aufgezeigte Unabhängigkeit des Faktors Schlaf. Guter Schlaf könnte die Blutgefäße im Gehirn unabhängig von anderen Risikofaktoren schützen. „Wichtige Aspekte der Schlafqualität spiegeln Merkmale der Gehirngesundheit wider, die vollkommen unabhängig von anderen bekannten Faktoren wie Blutdruck, BMI oder körperlicher Aktivität sind“, so die Autoren.

Die Ergebnisse sind alarmierend, weil sie bei Menschen zutage traten, die eigentlich als gesund gelten und keine diagnostizierte Schlafapnoe oder Insomnie hatten. Es geht also um die „alltäglichen“ Sünden bei der Schlafhygiene, die Jahre später mit einem höheren WMH-Volumen („White Matter Hyperintensities“) assoziiert waren.

Trotz der Datenbasis gibt es aber wichtige Einschränkungen. So beruhten die Angaben zum Schlafverhalten auf Selbsteinschätzungen der Teilnehmer, die durch Erinnerungslücken oder subjektive Wahrnehmungen verzerrt sein können. Schließlich gilt: Auch wenn zwischen der Erfassung der Schlafdaten und den MRT-Untersuchungen ein großer zeitlicher Abstand lag, können Beobachtungsstudien allein keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung treffen. Dafür sind weitere klinische Interventionsstudien erforderlich.

Fazit: Betrachten Sie gesunden Schlaf als medizinische Notwendigkeit

Die Ergebnisse sprechen dafür, Schlaf als wichtigen Bestandteil der Prävention von Gefäß- und Gehirngesundheit ernst zu nehmen. Geht man davon aus, bietet die Optimierung des Schlafs einen effektiven Hebel für die Prävention. Wer seine kognitive Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter bewahren möchte, sollte ein gesundes Schlafverhalten nicht als optionalen Luxus, sondern als fundamentale medizinische Notwendigkeit betrachten und klinischen Empfehlungen zur Schlafhygiene die gleiche Priorität einräumen wie Ernährung und Training.

5 Kernbereiche für gesunden Schlaf

Diplom-Psychologe Dr. Hans-Günter Weeß, Buchautor und Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster, empfiehlt, für gesunden Schlaf auf fünf Kernbereiche zu achten: Schlafhygiene (Handy weg), mentale Entspannung (nicht grübeln), feste Routinen, optimale Schlafumgebung und regelmäßiger Schlafrhythmus. Hier lesen Sie mehr zum Thema.

Quellen

  1. Ally M., Aslan D. H., Sayre M. K. et al. (2026): Associations of sleep behaviors with white matter hyperintensity volume in middle-aged to older adults. Alzheimer's & Dementia. ↩︎
  2. Stiftung Gesundheitswissen: Was ist vaskuläre Demenz? (aufgerufen am 08.06.2026) ↩︎

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