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Medizinersprache und Arztbefunde richtig verstehen

Arztbefund verstehen
Eine Website macht es möglich, auch ohne Medizinstudium den Arztbefund zu verstehenFoto: Getty Images

Physiologische Lordose der HWS, vesikuläres AG, Sono Abdomen o.p.B.: Wer so etwas in seinem Befund vom Arzt liest, fragt sich meist: Was genau habe ich jetzt? Den meisten Menschen sind medizinische Fachbegriffe ein Rätsel – entsprechend beängstigend erscheinen manche Befunde. Ein Portal will Abhilfe schaffen und übersetzt die Berichte.

Viele Laien haben Probleme, den Inhalt ihrer Arztbefunde zu verstehen. Die Fachsprache der Medizinerinnen und Mediziner erscheint häufig bedrohlich. Hinter der oben genannten physiologischen Lordose der HWS steckt nichts weiter als die normale Krümmung der Halswirbelsäule. Ein vesikuläres AG ist das normale Atemgeräusch, das beim Abhören der Lunge zu hören ist. Und Sono Abdomen o.p.B. ist ein Grund zur Freude: Die Ultraschalluntersuchung des Bauches ist ohne pathologischen Befund – kurzum, es gab keine besorgniserregenden Auffälligkeiten.

Medizinische Fachsprache begegnet Patienten im Befund oder Entlassungsbrief des Krankenhauses, auf einem Rezept oder beim Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin. Das sind viele Gelegenheiten, bei denen man etwas womöglich nicht versteht.

Nicht für Patienten gedacht

Beatrice Brülke arbeitet daran mit, dass es leichter wird, Arztbefunde zu verstehen. Sie ist für die gemeinnützige Online-Plattform „Was hab‘ ich“ tätig, auf der Medizinerinnen und Mediziner ehrenamtlich Befunde für Patienten übersetzen. Brülke kennt den Grund für die meist wenig patientenfreundliche Sprache in den Schriftsätzen der Mediziner: „Der Befund oder der Entlassungsbrief sind eigentlich nicht für den Patienten, sondern für den weiterbehandelnden Arzt gedacht. Deshalb finden sich dort so viele Abkürzungen und Fachausdrücke“, erklärt sie.

Weil man aber sonst kaum schriftliche Dokumente beim Arzt bekommt, möchten viele den Befund natürlich gerne lesen – und verstehen. Denn manchmal sei der Patient so aufgeregt, dass er dem Arzt beim Termin nicht richtig folgen könne. Auch wenn der Mediziner auf Fachsprache verzichte beziehungsweise sie erkläre, sagt Ralf Suhr, Arzt und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen.

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Mehr Durchblick für medizinische Laien

Fachausdrücke sind für Mediziner unverzichtbar. „Das Vokabular, auf das Mediziner zurückgreifen, ist sehr umfangreich“, sagt Suhr. Das liege an der Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten und Diagnosen, die durch Alltagssprache nicht immer präzise zu beschreiben sind. Medizinische Fachsprache ermöglicht es, komplexe Sachverhalte kurz und knapp darzustellen. So passe der Befund einer Kernspintomographie der Schulter durchaus locker auf eine Seite, sagt Beatrice Brülke.

Die Übersetzung dieses Befundes, die dann zum Beispiel von der Plattform „Was hab‘ ich“ für den Patienten erstellt wird, könne hingegen gut und gerne vier Seiten umfassen. Obwohl weder Interpretationen noch Behandlungsempfehlungen darin zu finden sind.

Stattdessen wird der Befund nicht Wort für Wort übersetzt, sondern es werden Zusammenhänge verdeutlicht – etwa, indem die Funktion und der Aufbau der Schulter sowie die Technik der Kernspintomographie näher erklärt werden. Es geht um voraussetzungsfreies Beschreiben. Dann blicken auch Laien ohne Medizinstudium durch.

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Verstehen ist für den Patienten wichtig

Nun könnte man ja meinen, dass es nicht so schlimm sei, wenn der Patient nicht alles im Arztbefund versteht. Hauptsache, die Behandlung hilft. Aber ganz so einfach ist es nicht, denn: „Über den Erfolg einer Behandlung entscheidet auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient“, sagt Ralf Suhr von der Stiftung Gesundheitswissen. Ein Patient, der seinem Arzt vertraut, der die Behandlung versteht und auch die Entscheidung mit getroffen hat, habe bessere Aussichten, wieder gesund zu werden, sagt Suhr.

Patienten rät er, sich Fragen an den Arzt vorab aufzuschreiben, und sich auf jeden Fall auch zu trauen, nachzufragen. „Falsche oder peinliche Fragen gibt es beim Arztbesuch nicht“, betont er. Man könne sich auch eine vertraute Person als Unterstützung mitnehmen.

mit Material der dpa