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Jeder Dritte Deutsche gefährdet

Symptome, die auf Jodmangel hindeuten

Jodmangel
Um die 90 Prozent des mit der Nahrung aufgenommenen Jods werden über den Urin ausgeschieden. Auf Jodmangel reagiert der Körper u.a. mit einer vergrößerten Schilddrüse.Foto: Getty Images, Collage: FITBOOK

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit bis zu einer Milliarde Menschen unter Jodmangel leidet. Auch Deutschland gilt aufgrund der jodarmen Ackerböden als Risikogebiet, etwa jeder Dritte ist hierzulande unterversorgt mit Jod. Erfahren Sie in unserem Artikel, wie man die Jodversorgung korrekt bestimmen kann, wie viel Jod man täglich zu sich nehmen sollten und wie man einem Mangel vorbeugt.



Eine Monitoring-Studie auf Basis von Daten des Robert-Koch-Instituts geht davon aus, dass ein großer Teil der deutschen Bevölkerung Gefahr läuft, zu wenig Jod zu sich zu nehmen. Dem Survey zugrunde liegen eine Untersuchung mit Kindern und eine Untersuchung mit Erwachsenen – die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) und die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS). Die Daten zeigten, dass bei etwa 30 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen das Risiko einer unzureichenden Jodaufnahme besteht.¹

Betroffen von Jodmangel sind vor allem Bergregionen oder solche, die eine größere Entfernung zum Meer aufweisen, etwa die Alpen². Auch der Jodgehalt von Ackerböden spielt eine wichtige Rolle. Da dieser in der Bundesrepublik besonders niedrig ist, gilt selbst der Norden Deutschlands trotz seiner Nähe zur See ebenso als gefährdet.


Was ist Jod?

Doch was ist Jod eigentlich und wieso ist es so wichtig für unseren Körper? Jod ist ein Spurenelement, das insbesondere bei der Bildung von Schilddrüsenhormonen eine zentrale Rolle spielt. Indirekt wirkt es sich so auf zahlreiche unserer Stoffwechselprozesse aus. Auch für Knochen, Wachstum und die Entwicklung des Gehirns ist Jod unentbehrlich.

Wird unser Jodbedarf über eine längere Zeit nicht ausreichend gedeckt, kann dies zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen. Ebenso gilt eine Vergrößerung der Schilddrüse als häufiges Symptom. Dabei handelt es sich um eine Kompensationsreaktion des Körpers, mit der versucht wird, dem Hormonmangel entgegenzuwirken. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man in der Medizin auch als Struma oder Kropf. Kommt es innerhalb der vergrößerten Schilddrüse zu Knötchenbildung, so spricht man von einer Struma Nodosa. Solche Knötchen sind meistens gutartig, in seltenen Fällen können sie aber auch bösartig sein. Doch Achtung: Selbst gutartige Knötchen können Probleme wie etwa eine (nun in die entgegengesetzte Richtung ausgeartete) Überfunktion der Schilddrüse auslösen.

Wie viel Jod sollten wir zu uns nehmen?

Für Jugendliche und Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)³ eine Zufuhr von 180 bis 200 Mikrogramm (μg) Jod pro Tag. Je nach Alter schwankt der Tagesbedarf an Jod. So sollten Babies zwischen vier und zwölf Monaten beispielsweise 80 μg zu sich nehmen, Kleinkinder im Alter von einem bis vier Jahren 100 μg und Grundschulkinder zwischen sieben und zehn Jahren 140 μg. Schwangere und Stillende haben mit jeweils 230 und 260 μg einen erhöhten Jodbedarf – das Spurenelement ist wichtig für die Gehirnentwicklung des Kindes.

Wie wird die Jodversorgung gemessen?

Da sich ein Jodmangel hauptsächlich auf die Schilddrüse auswirkt, wird beim Arzt zunächst meist der TSH-Wert bestimmt. TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon (auch Thyreotropin oder Thyrotropin). Es handelt sich dabei um ein Schilddrüsenhormon, anhand dessen festgestellt werden kann, ob der Patient oder die Patientin eine gesunde Schilddrüsenfunktion aufweist. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung wird untersucht, ob eine vergrößerte Schilddrüse vorliegt – ein häufiges Anzeichen für einen Jodmangel. Die direkte Bestimmung der Jodversorgung wird über den Urin vorgenommen. Hierzu misst man die Jodausscheidung. Da um die 90 Prozent des mit der Nahrung aufgenommenen Jods über den Urin ausgeschieden werden, gilt die Messung als verlässlich. Auch in Studien zur Erfassung der Jodversorgung der Gesamtbevölkerung wird diese Methode verwendet.

Wie kann man einem Jodmangel vorbeugen?

Ein gesunder Jodlieferant ist vor allem Meeresfisch. Darüber hinaus kann Jod über Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst aufgenommen werden. Neben natürlichen Lebensmitteln ist jedoch vor allem jodiertes Speisesalz eine wichtige Quelle. Ohne jodiertes Speisesalz liegt die durchschnittliche Jodaufnahme nämlich nur bei 75 Mikrogramm, also etwa der Hälfte der empfohlenen Tageszufuhr. Zurzeit werden etwa 30 Prozent der Lebensmittel mit Jodsalz hergestellt. Dabei ist die Jodmenge, die Speisesalz zugegeben werden darf, gesetzlich geregelt. Sie liegt bei 15 bis 25 Milligramm Jod pro Kilo Salz. Verbraucherinnen und Verbraucher können auf der Zutatenliste des Etiketts erkennen, ob ein Produkt jodiertes oder nicht jodiertes Salz enthält.⁴

Extrem viel Jod findet sich in Meeresalgen, Sushiblättern und Seetang. In einem Monitoring von Bund und Ländern wurden maximale Jodgehalte von bis zu 5.500 Mikrogramm pro Gramm Trockengewicht gemessen. Beim Verzehr von solchen Algen wird die maximale Tagesdosis überschritten, weshalb diese Lebensmittel nicht für eine bedarfsgerechte Jodversorgung empfohlen werden. Beim Kauf und Verzehr von Algen sollte immer das Etikett für Hinweise zum Jodgehalt beachtet werden.⁵

Kann man auch zu viel Jod zu sich nehmen?

Sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung mit Jod können zu Problemen führen. Laut der Weltgesundheitssituation können gesundheitliche Probleme auftreten, sobald die über die Urinausscheidung gemessene Jodkonzentration über 300 Mikrogramm pro Liter Urin liegt.⁶ Da die Schilddrüse sich der Jodzufuhr anpassen kann, vertragen gesunde Menschen in Regionen mit ausreichender Jodversorgung in der Regel eine Aufnahme von bis zu 1.000 Mikrogramm (= 1 Milligramm) Jod pro Tag⁷. In Deutschland als Jodmangel-Gebiet ist die Schilddrüse jedoch weniger hohe Werte gewohnt. Deshalb rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Erwachsenen hierzulande dazu, nicht mehr als 500 Mikrogramm Jod täglich zu sich zu nehmen⁸.

Als Risikogruppen für einen Jodüberschuss gelten ältere Menschen, die mit Jodmangel aufgewachsen sind, sowie Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen – beispielsweise funktioneller Autonomie, Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis. Über eine normale Ernährung kann ein Jodüberschuss jedoch nicht erreicht werden. Selbst wenn flächendeckend jodiertes Speisesalz verwendet werden würde, läge die Jodzufuhr noch weit unter dem Grenzwert.

Fazit und Zusammenfassung

Auch wenn neben dem Jodmangel auch ein Jodüberschuss vermieden werden sollte, stellt vor
allem in Deutschland eher der Mangel eine Gefahr dar. Etwa ein Drittel der Bundesbevölkerung steht unter dem Risiko einer Jodunterversorgung. Um einem Jodmangel vorzubeugen, empfiehlt die DGE Meeresfisch als natürlichen Jodlieferanten. Neben Milch- und Milchprodukten und Fleisch ist zudem aber auch jodiertes Speisesalz essenziell. Ein Überschuss durch Jodsalz ist bei normaler Verwendung nicht möglich, da der Jodgehalt in Salz gesetzlich kontrolliert wird. Als Risikogruppen für Jodmangel gelten Schwangere und Stillende oder Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Diese sollten Jod gegebenenfalls zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel substituieren.

Quellennachweis

Quellen:
¹Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2020)
²Fuge, R. (1996). Geochemistry of iodine in relation to iodine deficiency diseases.
³Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2021)
Bundesinstitut für Risikobewertung (2021)
⁵Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2017). Jodversorgung in Deutschland: Ergebnisse des aktuellen Jodmonitoring.
⁶WHO (2007). Assessment of the iodine deficiency disorders and monitoring their elimination.
⁷Zimmermann, M. (2014). Iodbedarf und Risiken und Nutzen einer Korrektur des Iodmangels in
Populationen
.
⁸Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische 8
Gesellschaft für Ernährung (2015). Jod. In: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn, 2. Auflage 1.
Ausgabe.