Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Demenz Herzgesundheit Alle Themen
Laut Studie

So stark wirkt sich bereits ein einziger Saunagang auf das Immunsystem aus

Aufenthalte in der Sauna beeinflussen das Immunsystem
Bereits ein einziger Saunagang kann sich laut Studie erheblich auf das Immunsystem auswirken Foto: Getty Images/ webphotographeer

30. Oktober 2026, 14:14 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Saunieren kann zur Entspannung beitragen und gilt auch als zuträglich für das Immunsystem. Doch welche Mechanismen stecken im Detail dahinter? Welche Veränderungen treten unmittelbar – also nach nur einem Saunagang – auf, und was hat der Anstieg der Körpertemperatur damit zu tun? In diesem Zusammenhang haben finnische Forscher in einer Studie spannende Erkenntnisse gewonnen.

Sauna beeinflusst das Immunsystem – aber wie?

Man tut nicht viel mehr, als sich in eine Sauna hineinzusetzen. Doch unanstrengend ist das Ganze deshalb noch lange nicht. Der Körper reagiert auf die Hitze mit einer deutlichen Kreislaufbelastung: Die Blutgefäße in der Haut weiten sich, der Herzschlag beschleunigt, es wird mehr Blut durch den Körper gepumpt. Auch deshalb ist Saunieren nicht für jeden Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen geeignet.

Bei anderen Erkrankungen wiederum, beispielsweise bei Depressionen, könnten regelmäßige Saunabesuche einen günstigen Effekt haben.1 Auch soll das Saunieren mit einem geringeren Risiko für unter anderem bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Atemwegserkrankungen einhergehen können.2,3

Als mögliche Erklärung für diese Zusammenhänge gilt eine veränderte Immunaktivität durchs Saunieren. Frühere Untersuchungen hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass regelmäßiges Saunieren die Konzentration des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) verringern könnte. Außerdem wurden Anstiege der weißen Blutkörperchen nach Saunagängen beobachtet.4

Die Autoren der vorliegenden Studie sind den konkreten Prozessen näher auf den Grund gegangen.5 Ziel der Untersuchung war es, genauer zu verstehen, wie der Körper unmittelbar auf die Hitze der Sauna reagiert.

Auch interessant: 14 Tage täglich Sauna – was das mit meinem Körper gemacht hat

Details zur Untersuchung

Es nahmen 51 Erwachsene an der Untersuchung teil, sie alle stammten aus der finnischen Stadt Jyväskylä. Bei den 27 Frauen lag das Durchschnittsalter bei 50 ± 9 Jahren, die 24 Männer waren im Schnitt 50 ± 10 Jahre alt. Der mittlere Body-Mass-Index (BMI) lag in beiden Gruppen bei 27, was als adipös eingestuft wird.

Die Teilnehmer bezeichneten sich als beschwerdefrei. Personen mit akuten oder bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden ausgeschlossen, allerdings wiesen die teilnehmenden Frauen und Männer mindestens einen objektiven Risikofaktor dafür auf (z. B. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte oder eine familiäre Vorbelastung).

Was bewirkt ein Saunagang à 30 Minuten?

Alle Teilnehmer mussten einmalig für 30 Minuten saunieren, wobei nach der Hälfte dieser Zeit eine zweiminütige Dusche vorgesehen war. Die durchschnittliche Temperatur der Sauna betrug 73 ± 2 Grad Celsius bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 10 bis 20 Prozent. Die Teilnehmer durften sowohl während des Saunagangs als auch in der anschließenden, ebenfalls 30-minütigen Erholungsphase Wasser trinken.

Die Wissenschaftler entnahmen den Teilnehmern einmal vor dem Saunagang, unmittelbar danach und noch einmal 30 Minuten nach dem Saunieren Blutproben. Zusätzlich wurde bei den Frauen und Männern die Körpertemperatur im Ohr gemessen.

Weiße Blutkörperchen und Zytokine im Blick

Im Blut bestimmten die Forscher die Zahl verschiedener weißer Blutkörperchen und außerdem die Konzentrationen von 37 Zytokinen – dies sind wichtige Botenstoffe, mit denen Zellen des Immunsystems miteinander kommunizieren und ihre Reaktionen koordinieren. Es wurden bei der Analyse auch mögliche Veränderungen des Blutplasmavolumens betrachtet. Das Blutplasma ist der flüssige Bestandteil des Bluts – beispielsweise durch Flüssigkeitsverschiebungen kann sich seine Menge verändern, was in der Konsequenz auch die Konzentrationen einzelner Blutbestandteile beeinflussen kann.

Mittels statistischer Verfahren untersuchten die Forscher Veränderungen im Zeitverlauf sowie Zusammenhänge zwischen Temperatur, Immunzellen und Zytokinen. Zuletzt betrachteten sie auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Effekt auf die Blutkörperchen

Die gemessene Ohrentemperatur stieg durchschnittlich von 36,4 auf 38,4 Grad Celsius an. Eine Verringerung des Plasmavolumens stellten die Forscher nicht fest.

Was allerdings passierte: Die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen stieg nach dem Saunieren signifikant an – bei den Frauen war sie auch 30 Minuten später noch leicht erhöht. Mit Neutrophilen und Lymphozyten nahmen zwei wichtige Untergruppen weißer Blutkörperchen unmittelbar nach dem Saunieren zu, erreichten allerdings nach 30 Minuten wieder ihre Ausgangswerte. Dagegen blieb eine zusammengefasste Gruppe aus Monozyten, Eosinophilen und Basophilen länger erhöht.

Was passiert mit den Immunbotenstoffen?

Bei den 37 untersuchten Botenstoffen des Immunsystems zeigten sich nur bei zwei statistisch signifikante Veränderungen: Die Werte von sCD30 und Pentraxin-3 sanken nach dem Saunagang. Bei einem dritten Botenstoff (MMP-2) deutete sich ein Anstieg an, der jedoch die statistische Signifikanzgrenze knapp verfehlte.

Die Wissenschaftler fanden 18 signifikante Zusammenhänge zwischen der Veränderung der Ohrtemperatur und Veränderungen bei den Zytokinen. Diese zeigten sich besonders stark unmittelbar nach der Sauna. Bei 16 Zytokinen hing ein stärkerer Temperaturanstieg mit höheren Werten zusammen, bei zwei weiteren war der Zusammenhang umgekehrt. Zwischen der Temperaturveränderung und der Veränderung der Zahl weißer Blutkörperchen war kein entsprechender Zusammenhang festzustellen.

Insgesamt fanden die Wissenschaftler keine deutlichen Hinweise darauf, dass sich die untersuchten Immunreaktionen grundsätzlich zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Auch schienen die üblichen Saunagewohnheiten der Teilnehmer keinen messbaren Einfluss auf die untersuchten Reaktionen zu haben. Gemeint ist, dass die beobachteten Veränderungen bei den Immunzellen und einzelnen Botenstoffen nach dem Saunagang sich unabhängig davon zeigten, wie häufig die Probanden normalerweise saunierten.

Mehr zum Thema

Mögliche Bedeutung der Ergebnisse

Die Untersuchung zeigt, dass sich die Reaktionen des Immunsystems auf einen Aufenthalt in der Sauna nicht mit einer einzigen Veränderung erklären lassen. Denn verschiedene Bestandteile reagieren auf die Hitzebelastung, in unterschiedlicher Ausprägung.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Hitzebelastung und die damit verbundenen Immunreaktionen einen Teil der oft beschriebenen gesundheitlichen Vorteile des Saunierens erklären könnten. Bisher beschreibt die Studie allerdings nur, was unmittelbar nach einem Saunagang im Blut passiert und wie sich die Werte während der anschließenden Erholungsphase entwickeln. Eine Grundlage dafür, eine bestimmte Saunafrequenz oder -dauer zur gezielten Stärkung des Immunsystems zu empfehlen, liefert sie nicht.

Saunagänger sollten sich bewusst sein: Ein vorübergehender Anstieg an weißen Blutkörperchen bedeutet nicht automatisch, dass das Immunsystem dauerhaft stärker oder leistungsfähiger wird. Ebenso lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, dass ein Saunagang Entzündungen reduziert oder vor Infektionen schützt. Vielmehr liefert die Untersuchung einen möglichen Ansatz, um die physiologischen Mechanismen hinter den gesundheitlichen Vorteilen des Saunierens weiter zu erforschen. Und nicht zuletzt, ob die beobachteten Immunreaktionen tatsächlich zu diesen Vorteilen beitragen.

Arzt ordnet die Ergebnisse für FITBOOK ein

Hinter dem vorübergehenden Anstieg der weißen Blutkörperchen steckt in erster Linie eine körperliche Reaktion auf den Hitzestress. Das erklärt Enrico Zessin, Facharzt für Innere Medizin und Sportmedizin, auf Nachfrage von FITBOOK. „Durch die erhöhte Körpertemperatur erweitern sich die Blutgefäße, der Herzschlag beschleunigt sich und das Stresshormon Adrenalin wird ausgeschüttet.“ Dadurch steige die Blutflussgeschwindigkeit deutlich an.

„Normalerweise befinden sich weiße Blutkörperchen überwiegend an den Wänden der Blutgefäße“, so der Experte weiter. „Durch die erhöhte Durchblutung werden sie abgelöst und zirkulieren vermehrt im Blut.“ Der Anstieg nach dem Saunagang sei deshalb vor allem eine mechanische und hormonelle Reaktion auf den Hitzestress. „Zytokine sind an diesem Prozess nicht direkt beteiligt.“

Welche Rolle spielen Zytokine und Hitzeschockproteine?

Zytokine sind Botenstoffe des Immunsystems, die vor allem bei Infektionen oder Gewebeschäden ausgeschüttet werden. „Bei einem normalen Saunagang wird vor allem auf den moderaten Hitzestress reagiert. Da es in der Regel nicht zu Gewebeschäden kommt, werden die Zytokine kaum ausgeschüttet“, erklärt Zessin. Erst wenn die Körperkerntemperatur weiter steige und Gewebe geschädigt werde, kämen sie stärker ins Spiel.

Eine weitere wichtige Rolle übernehmen die sogenannten Hitzeschockproteine (HSP). „Sie schützen die Zellen vor thermischen Belastungen und werden durch den Hitzestress in der Sauna vermehrt produziert. Gleichzeitig wirken sie der Zytokin-Ausschüttung entgegen“, so der Arzt.

»Einzelner Saunagang stärkt das Immunsystem nicht

Ein einzelner Saunagang führe eher zu keiner wesentlichen Verbesserung der Immunabwehr, mahnt der Arzt. „Da es rasch wieder zu dem Ausgangszustand kommt, führt ein einmaliger Saunagang eher wenig zu einer Verbesserung des Immunsystems.“

Anders sehe es beim regelmäßigen Saunieren aus – etwa zwei- bis dreimal pro Woche. „Als Anpassung des Körpers an den wiederkehrenden Hitzestress erhöht sich die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut dauerhaft. Entzündungsfördernde Zytokine nehmen ab, entzündungshemmende Interleukine nehmen zu. Gleichzeitig werden Hitzeschockproteine schneller und in größeren Mengen bereitgestellt.“ Das stärke insgesamt das Immunsystem, erklärt Zessin. Dadurch könnten Infektionen besser abgewehrt und die Regeneration nach dem Sport gefördert werden.

Einschränkungen

Mit nur 51 Teilnehmern war die untersuchte Gruppe relativ klein, und die Stichprobe zudem kaum divers: Es waren Erwachsene mittleren Alters aus einer einzigen Stadt in Finnland mit mindestens einem Herz-Kreislauf-Risikofaktor. Die Ergebnisse sind daher nicht ohne Weiteres auf alle Bevölkerungsgruppen übertragbar.

Weiterhin wurde nur der Effekt einer einzigen Saunasitzung untersucht. Eine Aussage darüber, welche Auswirkungen regelmäßiges Saunieren über Monate oder Jahre auf das Immunsystem oder das Erkrankungsrisiko hat, kann die Studie damit nicht treffen. Zudem wurde keine Vergleichsgruppe ohne Saunagang herangezogen.

Es ist auch einschränkend zu erwähnen, dass die Messungen begrenzt waren. Die Körpertemperatur wurde im Ohr bestimmt – hier stellt man nicht die Körperkerntemperatur fest. Zudem haben die Forscher mehrere Untergruppen weißer Blutkörperchen zusammengefasst. Auch wurden spezifische T-Zell-Untergruppen und natürliche Killerzellen nicht genauer untersucht, obwohl sie für die Immunabwehr eine wichtige Rolle übernehmen.

Schließlich wurden nur statistische Zusammenhänge zwischen Temperatur und Zytokinen festgestellt. Man kann nicht mit Sicherheit daraus schließen, dass die Temperaturveränderung die beobachteten Botenstoffreaktionen verursacht hat – und auch nicht, dass diese Reaktionen gesundheitlich vorteilhaft sind.

Quellen

  1. A. Mason, S. Fisher, A. Chowdhary et al. (2024). Feasibility and acceptability of a Whole-Body hyperthermia (WBH) protocol. International Journal of Hyperthermia. ↩︎
  2. Laukkanen, J, Laukkanen, T, Khan, H, et al. (2018). Combined effect of sauna bathing and cardiorespiratory fitness on the risk of sudden cardiac deaths in Caucasian Men: a long-term prospective cohort study. Progress in Cardiovascular Diseases ↩︎
  3. Laukkanen, T, Kunutsor, S, Kauhanen, J, et al. (2017). Sauna bathing is inversely associated with dementia and Alzheimer’s disease in middle-aged Finnish men. Age Ageing ↩︎
  4. Kunutsor, SK, Laukkanen, T, Laukkanen J., A. (2018). Longitudinal associations of sauna bathing with inflammation and oxidative stress: the KIHD prospective cohort study. Tylor & Francis. ↩︎
  5. Heinonen, I., Koivula, T., Hollmén, M. et al. (2026). Acute Finnish sauna heat exposure induces stronger immune cell than cytokine responses. Taylor & Francis Online. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.