1. Juni 2026, 14:01 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Geschwollene und schmerzende Lymphknoten sind vielen Menschen während einer Infektion vertraut. Treten Lymphknotenschwellungen jedoch schmerzlos auf, kann dies auf Lymphdrüsenkrebs hindeuten – eine bösartige Erkrankung, die oft nur unspezifische Beschwerden verursacht.
Das Lymphsystem ist Teil des Abwehrsystems des Körpers und für die Bekämpfung von Infektionen verantwortlich. Es besteht aus einer Reihe von Lymphknoten und -gefäßen, die die Lymphflüssigkeit, die Infektionen bekämpfende weiße Blutkörperchen enthält, durch den Körper transportieren. Durch das Lymphsystem werden Fremdkörper und andere schädliche Stoffe gefiltert und zerstört. Lymphdrüsenkrebs ist ein allgemeiner Begriff für eine Krebserkrankung im Lymphsystem. Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphom sind die zwei Haupttypen von Lymphdrüsenkrebs. Wie man diese unterscheidet und an welchen Symptomen man Lymphdrüsenkrebs erkennt, erfahren Sie bei FITBOOK.
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Welche Symptome deuten auf Lymphdrüsenkrebs hin?
In den frühen Stadien verursacht Lymphdrüsenkrebs so gut wie keine Symptome. Einzig geschwollene Lymphknoten können ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Sie können an den Lymphknoten am Hals, Achselhöhle, Bauch, Leiste, in der oberen Brust und sogar hinter dem Brustbein auftreten. Dazu kommt, dass Anzeichen eines frühen Lymphoms sehr unspezifisch sind:1
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- starkes Kältegefühl
- Schüttelfrost
- Fieber
- Kurzatmigkeit
- Juckreiz
- Appetitlosigkeit
- Magenschmerzen
- schmerzlose, anhaltende Schwellungen der Lymphknoten
Ebenso kann es zu der sogenannten B-Symptomatik kommen:
- Fieber
- Nachtschweiß
- Gewichtsabnahme
Im späteren, fortgeschrittenen Verlauf, bei welchem auch das Knochenmark befallen ist, können noch weitere Symptome hinzukommen, wie Blutarmut, Infekt- und Blutungsneigung. Je nach Organ- und Gewebe-Befall können auch Beschwerden wie Husten, Atembeschwerden, Bauch-, Knochen- und Gelenkschmerzen und Verdauungsbeschwerden auftreten.
Arten von Lymphdrüsenkrebs
Es gibt verschiedene Typen von Lymphomen, die sich darin unterscheiden, welche Zellarten betroffen sind und wie die Erkrankung verläuft. Bei den zwei Haupttypen handelt es sich um das Hodgkin-Lymphom (Hodgkin-Krankheit, Morbus-Hodgkin) und das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL).
Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin)
Beim Hodgkin-Lymphom handelt es sich um ein bösartiges (malignes) Lymphom, das von entarteten Lymphzellen, genauer gesagt von B-Lymphozyten, ausgeht. Dabei gehören die B-Lymphozyten zu den weißen Blutkörperchen und sind zusammen mit den T-Zellen ein wichtiger Teil des menschlichen Immunsystems. Denn diese Abwehrzellen produzieren Antikörper gegen Krankheitserreger, Bakterien und Viren. Der Unterschied zwischen dem Hodgkin-Lymphom und dem Non-Hodgkin-Lymphom lässt sich allerdings nur unter dem Mikroskop erkennen. Während sich beim Hodgkin-Lymphom sogenannte Reed-Sternberg-Zellen nachweisen lassen, handelt es sich dabei um mehrkernige Riesentumorzellen, die beim Non-Hodgkin-Lymphom nicht vorkommen.
Non-Hodgkin-Lymphom
Findet man keine „Reed-Sternberg-Zellen“, werden eine Vielzahl an unterschiedlichen Typen von bösartigen Tumorerkrankungen des lymphatischen Systems unter „Non-Hodgkin-Lymphome“ (NHL) zusammengefasst. Auch hier entstehen Lymphome durch entartete B-Lymphozyten und in weniger Fällen auch T-Lymphozyten, die für die Virusabwehr verantwortlich sind. Non-Hodgkin-Lymphome unterteilt man in niedrigmaligne und hochmaligne, also hochgradig böse, NHL. Bei Letzteren breiten sich schnell wachsende entartete Zellen vom Ursprungsort – häufig einer der Lymphknoten – im ganzen Körper aus und befallen andere Organe und Gewebe.2,3
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Welche Ursachen stecken hinter der Erkrankung?
Die Krebserkrankung entsteht also, wenn Lymphzellen, beispielsweise in der Milz oder in Stammzellen im Knochenmark unkontrolliert wachsen. Welcher Auslöser genau dahintersteckt ist allerdings bis dato nicht bekannt. Man hat in der Wissenschaft lediglich eine Kombination aus Faktoren ausmachen können, die möglicherweise das Risiko, an Lymphdrüsenkrebs zu erkranken, erhöhen.
Das sind bei einem Hodgkin-Lymphom:
- eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers
- angeborene und erworbene Erkrankungen des Immunsystems, wie beispielsweise HIV
- genetische Veranlagung
- langjähriges Rauchen
Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom können zusätzlich diese Risikofaktoren ursächlich sein:
- bestimmte Autoimmunerkrankungen, wie z. B. Rheuma
- eine Infektion mit Hepatitis B und C
- der „Magenkeim“ Helicobacter pylori
- chemische Substanzen, wie bestimmte Pestizide
- radioaktive Strahlung
- ein höheres Alter
- starkes Übergewicht
Wie diagnostiziert man die Erkrankung?
Wenn ein Arzt eine auffällige Schwellung oder ein anderes Symptom entdeckt, wird er bei Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs eine Biopsie des vermeintlichen Lymphoms anordnen. Dabei werden Zellen aus den vergrößerten Lymphknoten entnommen und an einen Spezialisten, einen sogenannten Hämatopathologen, geschickt, der die Zellen untersucht, d. h., feststellt, ob es sich um ein Lymphom handelt und wenn ja, welcher Zelltyp vorliegt.
Bestätigt sich der Verdacht auf ein Lymphom, folgen weitere Untersuchungen. Sie helfen dabei festzustellen, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat. Dafür kommen unter anderem Bluttests, Gewebeuntersuchungen sowie bildgebende Verfahren wie Ultraschall, CT oder eine sogenannte PET/CT zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine spezielle Untersuchung, die sichtbar machen kann, wo sich besonders aktive Krebszellen im Körper befinden. In manchen Fällen wird zusätzlich das Knochenmark untersucht.4,5,6
Einstufung von Lymphomen
Die Krankheitsstadien einer Lymphdrüsenkrebserkrankung teilte man in vier Stadien ein:
1. Stadium
Beteiligung einer einzelnen Lymphknotenregion oder eines eingegrenzten Bereichs außerhalb des lymphatischen Systems.
2. Stadium
Beteiligung von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf der gleichen Seite des Zwerchfells.
3. Stadium
Beteiligung von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf beiden Seiten des Zwerchfells oder von Organen außerhalb des lymphatischen Systems.
4. Stadium
Örtlich nicht begrenzte Beteiligung eines oder mehrerer nicht lympathischer Organe, wie Lunge, Leber oder Knochenmark, mit oder ohne Befall der Lymphknoten.
Zudem stufen Ärzte NHL-Tumore auch nach der Schnelle des Wachstums ein. Niedrigmaligne Lymphome wachsen langsam und sind weniger bösartig. Hochmaligne Lymphome sind bösartig, aggressiv und wachsen sehr schnell.7
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Bei einer Behandlung von Lymphdrüsenkrebs werden in der Regel mehrere Fachärzte zur Behandlung hinzugezogen oder in einer hämatologisch-onkologischen Station in einer Universitätsklinik behandelt. Je nachdem, welcher Typ und wie weit fortgeschritten das Lymphom ist, erstellt man einen individuellen Therapieplan, bei dem auch Alter und allgemeiner Gesundheitszustand berücksichtigt werden.
Therapieansätze sind vielfältig und in vielen Fällen erfolgversprechend. Behandlungen, die bei Hodgkin-Lymphom und Non-Hodgkin-Lymphom infrage kommen, sind unter anderem:
- Strahlentherapie, zur Schrumpfung und Abtötung der Krebszellen
- Chemotherapie
- Immuntherapie
- Antikörpertherapie
- in bestimmten Fällen eine Stammzell-Transplantation
Oft muss ein Therapieansatz mit einem anderen kombiniert werden, damit eine Behandlung anschlagen kann. So kann eine Stammzell-Transplantation nur mit Chemotherapie funktionieren.
Häufigkeit und Prognosen der Erkrankung
Die Krebserkrankung ist in Deutschland relativ selten. Ein Hodgkin-Lymphom macht bei Männern und Frauen jeweils etwa 0,5 Prozent aller Krebsneuerkrankungen aus. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei etwa 46 Jahren, bei Frauen bei rund 43 Jahren. Auch die Non-Hodgkin-Lymphome sind vergleichsweise selten. Sie machen in Deutschland rund 3,9 Prozent aller Krebsneuerkrankungen bei Männern und etwa 3,6 Prozent bei Frauen aus.
Grundsätzlich hängt es wesentlich vom Typ und Stadium der Erkrankung ab, inwieweit Lymphdrüsenkrebs heilbar ist. Auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand eines Patienten spielen bei der Behandlung eine wichtige Rolle. Bei einem Hodgkin-Lymphom ist für viele Erkrankte eine Heilung möglich. Das Hodgkin-Lymphom zählt heute zu den am besten behandelbaren Krebserkrankungen. Durch moderne Therapien können langfristig mehr als 80 Prozent der Betroffenen geheilt werden, in frühen Stadien liegen die Heilungschancen sogar noch höher.
Die Prognose bei Non-Hodgkin-Lymphomen hängt stark vom jeweiligen Subtyp ab
Einige Formen wachsen sehr langsam und sind gut behandelbar, andere verlaufen aggressiver. Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt insgesamt bei etwa 72 Prozent für Frauen und 71 Prozent für Männer.8
Grundsätzlich hängt es wesentlich vom Typ und Stadium der Erkrankung ab, inwieweit Lymphdrüsenkrebs heilbar ist. Auch das Alter und der Gesundheitszustand eines Patienten spielen bei der Behandlung eine Rolle. Bei einem Hodgkin-Lymphom ist für viele Erkrankte eine Heilung möglich. Die Fünf-Jahre-Überlebensrate liegt bei Frauen bei etwa 91 Prozent, bei Männern bei 81 Prozent. Leider sind die Heilungschancen bei einem Non-Hodgkin-Lymphom etwas schlechter, da einige der NHL-Typen sehr aggressiv sind und schnell wachsen. Etwa 71 Prozent der Frauen und 70 Prozent der Männer überleben nach einer Diagnose die folgenden fünf Jahre. 9
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Kann man Lymphdrüsenkrebs vorbeugen?
Da die genauen Ursachen von Lymphdrüsenkrebs bislang nicht vollständig geklärt sind, lässt sich das Erkrankungsrisiko nicht gezielt senken. Dennoch empfiehlt es sich, empfohlene Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen und ärztlichen Rat einzuholen, wenn geschwollene Lymphknoten oder andere Beschwerden auftreten, die auf ein Lymphom hindeuten könnten. Darüber hinaus kann ein gesunder Lebensstil dazu beitragen, das allgemeine Krankheitsrisiko zu reduzieren. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, ein möglichst geringer Alkoholkonsum sowie der Verzicht auf das Rauchen.
Stars, die von Lymphdrüsenkrebs betroffen sind
Schauspieler Dave Coulier, der vor allem durch die Serie „Full House“ bekannt wurde, machte seine Erkrankung an einem Non-Hodgkin-Lymphom im Jahr 2024 öffentlich. Nach einer Chemotherapie galt der Krebs 2025 zunächst als überwunden. Später berichtete Coulier jedoch von einer weiteren, unabhängigen Krebsdiagnose. Anfang 2026 erklärte er, sich bei beiden Erkrankungen in Remission zu befinden.
Coulier ist bei Weitem nicht der einzige Star, der an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkrankte. Auch „Jurassic Park“-Star Sam Neill machte seine Erkrankung öffentlich. Ebenso berichtete der mehrfach Oscar-prämierte Schauspieler Jeff Bridges über seine Behandlung.