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Hormon-Überschuss beim Mann

Kann zu viel Testosteron gefährlich sein?

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Testosteron ist wichtig für die männliche Gesundheit. Doch ein Überschuss kann auch gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Foto: Getty Images/Westend61
Mara Pollokat
Mara Pallokat

2. November 2026, 13:49 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Testosteron gilt als Hormon für Kraft, Muskeln und männliche Vitalität. Doch mehr davon ist nicht unbedingt besser: Hohe Testosteronwerte könnten mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden sein. Aber wann ist der Testosteronspiegel überhaupt zu hoch? Ein Endokrinologe erklärt, welche gesundheitlichen Folgen ein Überschuss haben kann und worauf Männer achten sollten.

Bei Männern wird Testosteron überwiegend in den Hoden produziert. Das Hormon spielt eine wichtige Rolle für den Muskelaufbau, die Knochengesundheit, die Libido und die Spermienbildung. Wie es sich auf die Herzgesundheit auswirkt, ist dagegen noch nicht abschließend geklärt. Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sowohl niedrige als auch hohe Testosteronwerte das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen könnten.1 Bei dieser Herzrhythmusstörung laufen die elektrischen Signale in den Vorhöfen ungeordnet ab, wodurch das Schlaganfallrisiko steigen kann. Die Autoren vermuten einen U-förmigen Zusammenhang: An beiden Enden der Testosteronverteilung könnte das Risiko erhöht sein. Bewiesen ist dieser Zusammenhang allerdings nicht.

Wie ein Endokrinologe den möglichen Zusammenhang einschätzt

Eine wichtige Grundlage der Übersichtsarbeit ist die TRAVERSE-Studie mit mehr als 5000 Männern, die einen nachgewiesenen Testosteronmangel und ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hatten. Unter einer Testosterontherapie trat Vorhofflimmern etwas häufiger auf als unter Placebo. Schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulärer Tod waren insgesamt jedoch nicht häufiger. Die Ergebnisse und weitere Untersuchungen zur Studienlage hat FITBOOK bereits ausführlich eingeordnet.

„Diese U-Kurve ist bisher nicht wirklich durch die Daten gestützt“, sagt Dr. med. Tim Hollstein, Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Die bisherigen Untersuchungen unterschieden sich unter anderem hinsichtlich Alter und Gesundheitszustand der Teilnehmer.

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Wann ist Testosteron zu hoch?

Einen allgemeingültigen Grenzwert gibt es nicht. Die obere Grenze des Referenzbereichs hängt unter anderem vom Labor und vom Messverfahren ab. „Ein wiederholt darüber liegender Wert sollte abgeklärt werden“, erklärt Hollstein. Dabei sei auch wichtig, wie viel Testosteron frei verfügbar ist: Transporteiweiße im Blut können den Gesamtwert erhöhen, obwohl das freie Testosteron normal ist.

Mögliche Ursachen erhöhter Werte sind die Einnahme von Testosteron-Präparaten oder Anabolika. Selten können hormonbildende Tumoren oder angeborene Störungen dahinterstecken. Leicht erhöhte natürliche Werte verursachen bei Männern häufig keine Beschwerden. Bei deutlichem Überschuss können Akne, fettige Haut oder verstärkter Haarausfall auftreten. „Am Aussehen, an der sexuellen Lust oder am Verhalten lässt sich der Testosteronwert nicht zuverlässig erkennen“, betont der Experte.

Anders sieht es bei zusätzlich eingenommenen Hormonen aus: Sie können die körpereigene Hormonproduktion und die Spermienbildung unterdrücken. Auch kleinere Hoden, eingeschränkte Fruchtbarkeit, Bluthochdruck und eine erhöhte Zahl roter Blutkörperchen sind mögliche Folgen. Bei längerfristigem Anabolikakonsum können zudem die Blutfette leiden; bestimmte Anabolikatabletten können die Leber schädigen.

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Wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Bei nachgewiesenem Testosteronmangel und passenden Beschwerden kann eine ärztlich begleitete Ersatztherapie sinnvoll sein. Männer mit normalen Werten sollten dagegen nicht eigenständig zusätzliches Testosteron einnehmen. Wer bereits behandelt wird, sollte die Therapie nicht ohne ärztliche Rücksprache absetzen.

Für Männer mit natürlich hohen Werten im Normalbereich sieht Hollstein bislang keinen Anlass, diese vorsorglich zu senken. Ob Testosteron selbst das Vorhofflimmer-Risiko erhöht und ob eine Senkung helfen würde, ist nicht geklärt. Einen auffälligen Wert sollte man ärztlich überprüfen lassen. Bei einer Testosterontherapie sind regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutbild und Hormonwerten wichtig.

Quellen

  1. Maligireddy, A., Barua, S., Barua, R. (2026). Association of testosterone and testosterone replacement therapy with atrial fibrillation: an updated review. Journal of Endocrine Society. ↩︎

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