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Studie liefert Hinweise

Gibt es bald eine Impfung, die vor Alzheimer schützen kann?

Impfung gegen Alzheimer
Können wir die Alzheimer-Gefahr irgendwann wegspritzen? Foto: Getty Images
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Mara Pollokat
Mara Pallokat

4. August 2026, 19:51 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Kann ein altbekannter Impfstoff eine unerwartete Rolle im Kampf gegen Alzheimer spielen? Forscher haben sich genau dieser Frage gewidmet und dabei Beobachtungen gemacht, die neue Impulse für die Demenzforschung liefern. Noch sind viele Fragen offen, doch die Ergebnisse einer neuen Pilotstudie geben Anlass für weitere Untersuchungen.

Ein internationales Wissenschaftsteam hat untersucht, ob der Tuberkulose-Impfstoff BCG frühe biologische Prozesse beeinflussen kann, die mit Alzheimer in Verbindung stehen. Die Forscher begleiteten dafür 23 Erwachsene im Alter von mindestens 55 Jahren über einen Zeitraum von einem Jahr. Alle Teilnehmer erhielten zwei BCG-Impfungen im Abstand von einem Monat. Von den Probanden galten zwölf als gesund. Elf Teilnehmer wiesen bereits biologische Veränderungen auf, die als typische Alzheimer-Biomarker gelten. Im Rahmen der Studie analysierten die Wissenschaftler Blutproben, Liquorproben sowie verschiedene krankheitsrelevante Marker.1

BCG steht für „Bacillus Calmette-Guérin“. Der Lebendimpfstoff wurde ursprünglich zur Vorbeugung von Tuberkulose entwickelt. Darüber hinaus kommt er heute auch als Immuntherapie bei bestimmten Formen von Blasenkrebs zum Einsatz, da er gezielt das Immunsystem stimuliert. Genau dieser Effekt rückte nun bei der Alzheimer-Forschung in den Mittelpunkt.

Veränderungen bei gesunden Studienteilnehmern

Nach Angaben der Forscher sank bei den gesunden Teilnehmern die Konzentration des für Alzheimer typischen Eiweißes Amyloid-beta im Nervenwasser deutlich. Gleichzeitig fanden sich Hinweise auf eine längerfristige Aktivierung bestimmter Immunzellen. Bei den Teilnehmern, die bereits Alzheimer-Biomarker aufwiesen, ließ sich dieser Effekt hingegen nicht beobachten. Die Autoren der Untersuchung sehen darin einen möglichen Hinweis darauf, dass BCG die Immunabwehr im Gehirn beeinflussen könnte.

Als Erklärung führen die Wissenschaftler das Prinzip der sogenannten trainierten Immunität an. Dabei bleiben bestimmte Immunzellen über längere Zeit in erhöhter Alarmbereitschaft und reagieren schneller auf Bedrohungen. Nach Ansicht der Autoren könnten diese Zellen dadurch auch im Gehirn effizienter beim Abbau schädlicher Eiweiß-Ablagerungen wie Amyloid helfen. Ob dieser biologische Effekt tatsächlich das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung senkt oder den Verlauf der Krankheit verändert, lässt sich auf Grundlage der kleinen Pilotstudie jedoch noch nicht beantworten.

Auch andere Impfungen zeigen interessante Zusammenhänge

Für Prof. Dr. Christoph Kleinschnitz, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, ordnen sich die Ergebnisse in bereits bekannte Beobachtungen ein. „Ich finde die Ergebnisse interessant und sie reihen sich in frühere Impfstudien zu Gürtelrose und Grippe ein, die ebenfalls zeigen konnten, dass diese Impfungen bei gesunden Menschen das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, signifikant reduzieren können.“ Nach seinen Angaben gibt es inzwischen sogar erste Hinweise auf mögliche Vorteile für bereits Erkrankte. „So verstarben etwa gegen Gürtelrose geimpfte Demenzpatienten seltener im Verlauf der Studie als ungeimpfte Demenzpatienten.“

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Warum Impfungen das Gehirn schützen könnten

Wie Impfungen einen möglichen Schutzeffekt für das Gehirn entfalten, ist bislang nicht vollständig geklärt. Kleinschnitz erläutert: „Wahrscheinlich ist es so, dass bestimmte Immunzellen – sogenannte Fresszellen – im Blut und im Gehirn die schädlichen Eiweißablagerungen besser entfernen können. Sie werden durch die Impfung aktiviert.“

Besonders intensiv untersucht wurde dieser Zusammenhang bisher bei Impfungen gegen Gürtelrose. Dazu erklärt der Neurologe: „Beim Herpes-Zoster-Virus ist es so, dass dieses Virus lebenslang im Nervensystem verbleibt und jeder Ausbruch eine Entzündungsreaktion auslösen kann, die das Gehirn auf Dauer schädigt und eine Demenz verstärken könnte. Durch die Impfung werden diese Virusausbrüche reduziert.“

Experten mahnen zur Vorsicht

Trotz der vielversprechenden Beobachtungen betonen sowohl die Studienautoren als auch Prof. Dr. Kleinschnitz die Grenzen der Untersuchung. Die Arbeit war als Pilotstudie angelegt und sollte vor allem biologische Mechanismen näher beleuchten. Aussagen über einen tatsächlichen Schutz vor Alzheimer oder eine wirksame Behandlung der Erkrankung lassen sich daraus derzeit nicht ableiten. Von einer Impfung gegen Alzheimer kann nach dem aktuellen Stand der Forschung daher keine Rede sein. Die Ergebnisse liefern viel mehr Ansatzpunkte für größere Studien, die den möglichen Zusammenhang zwischen BCG-Impfung, Immunsystem und Alzheimer genauer prüfen sollen.

Quellen

  1. Weinberg, M.S., Kodali, M.C., Li, Z. et al. (2026). Bacillus Calmette–Guérin (BCG) immunotherapy reprograms CNS immunity and alters Alzheimer’s biomarkers: results from two open-label clinical trials. Nature. ↩︎

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