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Hinweise auf Zellebene gefunden

Diese Impfung könnte laut Studie mit langsamerer biologischer Alterung verbunden sein

Was eine bestimmte Impfung mit der biologischen Alterung zu tun hat, zeigt eine Studie
Biologisch langsamer altern und jünger sein, als man laut Geburtsdatum ist – das wollen viele. Welche Rolle eine Impfung gegen Gürtelrose dabei spielen könnte, zeigt eine Studie. Foto: Getty Images
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Martin Lewicki
Freier Autor

28. Januar 2026, 17:27 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Normalerweise lassen wir uns impfen, um uns vor gefährlichen Infektionen bzw. riskanten Krankheitsverläufen zu schützen. Nun gibt es jedoch Hinweise darauf, dass eine bestimmte Impfung sogar die biologische Alterung verlangsamen könnte. Allerdings hat die neue Studie, die zu diesem Ergebnis kam, gleich mehrere Haken.

Die Ergebnisse der amerikanischen Studie mit fast 4000 Probanden klingen eindrucksvoll: Die geimpften Studienteilnehmer (mindestens 70 Jahre alt) hatten im Vergleich zu ihren nicht geimpften Altersgenossen günstigere Werte hinsichtlich systemischer Entzündungen sowie der Alterung auf Zellebene.1 Mit anderen Worten: Die geimpften Probanden wiesen ein geringeres biologisches Alter auf als die ungeimpften. Dabei ging es speziell um eine Impfung gegen Gürtelrose. Kann eine Gürtelrose-Impfung also die Alterung von Senioren verlangsamen? So einfach lässt sich das leider nicht sagen. Denn insbesondere zwei Faktoren hinterlassen große Fragen bezüglich der Studienergebnisse und ihrer Übertragbarkeit in die Praxis.

So lief die Studie ab

Frühere Untersuchungen deuteten bereits darauf hin, dass bestimmte Impfstoffe das Risiko für Erkrankungen wie Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken könnten.2,3 Dies war der Anstoß für die vorliegende Studie, in der überprüft wurde, ob Impfstoffe auch biologische Alterungsprozesse beeinflussen können. Hierzu wurden die molekularen und zellulären Biomarker von Geimpften und Ungeimpften untersucht. Diese können nämlich eine chronische, leichtgradige Entzündung aufzeigen, die mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise zunimmt und viele altersbedingte Krankheiten begünstigt.

Die Autoren der Studie stellten die Hypothese auf, dass der in den USA bis 2020 verwendete Herpes-Zoster-Impfstoff Zostavax durch die Unterdrückung der viralen Reaktivierung nicht nur vor Gürtelrose schützt, sondern auch die allgemeine Entzündungslast des Körpers reduziert und die molekulare Alterung verlangsamt. Zu diesem Zweck haben sie verlässliche Alterungsbiomarker anhand von Beobachtungskohortendaten untersucht.

Die Daten stammen aus der „Health and Retirement Study“ (HRS), einem großangelegten Längsschnittprojekt, in dem ältere US-Bürger über mehrere Jahre hinweg beobachtet wurden. Im Gegensatz zu früheren Studien zu diesem Thema, die sich hauptsächlich auf medizinische Unterlagen stützten, wurden in der vorliegenden Studie direkte Blutprobenanalysen zur Quantifizierung der biologischen Alterung herangezogen.

In die Studie hat man 3884 Personen im Alter von 70 Jahren oder älter aufgenommen, deren soziodemografische Daten und Blutproben aus der „Venous Blood Study 2016“ stammen.

Wie sich die Impfung auf biologische Alterung auszuwirken scheint

Die Forscher haben sich in Form von Blut- und anderen Messwerten erhobene Biomarker aus folgenden sieben biologischen Bereichen von Geimpften und Ungeimpften angeschaut.

  • Entzündungen
  • angeborene Immunität (z. B. die weißen Blutkörperchen)
  • adaptive Immunität (z. B. T-Lymphozyten und T-Helferzellen)
  • kardiovaskuläre Hämodynamik (z. B. Blutdruck und Puls)
  • Neurodegeneration (z. B. die Tau-Proteine)
  • epigenetische Alterung (Veränderungen der DNA)
  • transkriptomische Alterung (Veränderungen der RNA)

Am Ende hat man aus allen Faktoren (außer der adaptiven Immunität) einen zusammengesetzten biologischen Alterungswert ermittelt. Die Datenanalyse ergab, dass Probanden, die gegen Gürtelrose geimpft waren, in mehreren Bereichen Werte aufwiesen, die mit einem jüngeren biologischen Alter assoziiert sind. Besonders ausgeprägt war es auf der molekularen Ebene bei den DNA- und RNA-Werten. Laut den Forschern deute es auf ein geringeres Alterungstempo hin, jedoch nicht auf eine Umkehrung der Alterungsprozesse. Außerdem hatten geimpfte Personen niedrigere Entzündungswerte. Auch das stützt die Hypothese, dass der Gürtelrose-Impfstoff die chronische Entzündungslast im Körper reduzieren könnte. Allerdings zeigten einige Marker der adaptiven Immunität bei Geimpften ungünstigere Werte – ein überraschender Befund, dessen Bedeutung noch unklar ist.

Weitere interessante Erkenntnisse:

  • Die Anti-Aging-Signale waren bei den molekularen Markern innerhalb von drei Jahren nach der Impfung am stärksten.
  • Die Vorteile bei den Entzündungswerten waren hingegen nach vier oder mehr Jahren am deutlichsten.
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Einschränkungen der Studie

So spannend die Ergebnisse der Studie zunächst klingen, die Untersuchung hat große Haken. Die Forscher weisen selbst darauf hin, dass sie nicht beweisen können, dass der Impfstoff die beschriebenen Unterschiede verursacht hat. Schließlich handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die keine Kausalität zwischen Impfung und Wirkung aufzeigt. Daher ist es möglich, dass Menschen, die mehr auf ihre Gesundheit achten, sich auch eher impfen lassen. Das könnte auch erklären, warum Geimpfte einen günstigeren Alterungs-Score aufwiesen als Ungeimpfte: Sie leben womöglich einfach grundsätzlich gesünder. Zudem wurden die Biomarker nur einmal erhoben. Die Studie kann also auch keine Aussagen darüber machen, wie sich die Biomarker über einen längeren Zeitraum verändert haben könnten.

Ein anderer Haken ist aber noch gravierender. Die Studie untersuchte Impfungen, die vor 2017 stattfanden. Bei allen wurde der Impfstoff Zostavax verabreicht. Dieser wird aber sowohl in den USA als auch in Deutschland nicht mehr verabreicht. Stattdessen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Personen ab 60 Jahren als Standardimpfung den Totimpfstoff Shingrix.4 Bei Zostavax handelt es sich hingegen um einen Lebendimpfstoff. Obwohl Shingrix wirksamer vor Gürtelrose schützt, lassen sich die Ergebnisse der Studie nicht auf den neueren Totimpfstoff übertragen. Somit braucht es weitere Studien mit Shingrix, um die hier beobachteten möglichen positiven Effekte der Gürtelrose-Impfung auf die biologische Alterung zu überprüfen.

Wann sollte man sich gegen Gürtelrose impfen lassen?

In Deutschland erkranken jährlich über 300.000 Menschen an Gürtelrose (Herpes zoster).5 Seit 2019 wird die Impfung als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Jedoch nur der Herpes-zoster-Totimpfstoff Shingrix. Er wird Personen ab einem Alter von 60 Jahren empfohlen. Allerdings können sich Menschen, die zur Risikogruppe gehören (z. B. mit einer Immunschwäche), bereits ab einem Alter von 50 Jahren auf Kosten der Krankenkasse impfen lassen.

Quellen

  1. Kim, J.K., Crimmins, E.M., (2026). Association between shingles vaccination and slower biological aging: Evidence from a U.S. population-based cohort study. The Journals of Gerontology. ↩︎
  2. Addario A, Célarier T, Bongue B, et al. (2023). Impact of influenza, herpes zoster, and pneumococcal vaccinations on the incidence of cardiovascular events in subjects aged over 65 years: A systematic review. Geroscience. ↩︎
  3. Eyting M, Xie M, Michalik F. et al. (2025). A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia. Nature. ↩︎
  4. Robert-Koch-Institut. Gürtelrose - Herpes zoster - Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung (aufgerufen am 28.01.2026) ↩︎
  5. GKV. Kosten für Gürtelrose-Impfung steigen überproportional (aufgerufen am 28.1.2026) ↩︎

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