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Laut neuer Langzeitstudie

Diese Impfung senkt langfristig das Sterberisiko

Die Corona-Impfung senkte das Sterberisiko
Eine aktuelle Auswertung französischer Daten bringt Klarheit zur Langzeitwirkung der mRNA-Impfung gegen Covid seit 2020. Foto: Getty Images
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16. Januar 2026, 17:21 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Das Jahr 2020. Es ist eine Zeit, an die man ungern zurückdenkt. Die Straßen leer, der Blick auf Fallzahlen, Angst vor dem Ungewissen. Und plötzlich war da ein Impfstoff – neu, schnell entwickelt, mit einer Technologie, von der viele noch nie gehört hatten. Weltweit starben bis April 2024 mehr als sieben Millionen Menschen im Zusammenhang mit COVID‑19 – und doch blieb besonders bei jüngeren Erwachsenen oft ein Restzweifel: Wie sicher ist die Impfung auf lange Sicht?1 Eine groß angelegte Untersuchung aus Frankreich ist dieser Unsicherheit nachgegangen und liefert erstmals eine sehr umfassende Auswertung. Die Ergebnisse zeichnen ein deutlich klareres Bild, als viele erwartet hätten – und geben Hinweise darauf, wie sich eine mRNA‑Impfung über mehrere Jahre hinweg tatsächlich in den Sterbedaten widerspiegelt. Das Bemerkenswerte: Die langfristige Reduzierung des Sterberisikos bezog sich nicht nur auf Tod aufgrund von Corona, sondern auch auf andere gesundheitlich bedingte Sterbefälle.

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Was die Studie untersuchen wollte – und welche Lücke sie schließt

Die kurzfristige Sicherheit von mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 bestätigten Forscher früh durch Studien. Auch erste Daten zur Sterblichkeit in den Monaten nach der Impfung zeigten tendenziell ein geringeres Risiko – etwa für covidbedingte Todesfälle oder andere medizinische Ursachen.2,3 Allerdings wurden diese frühen Ergebnisse kritisch diskutiert: Viele Untersuchungen stützten sich auf kleinere Stichproben oder zeigten methodische Schwächen, etwa durch sogenannte gesunde Impflingeffekte oder unvollständige Nachverfolgung.

Was bislang fehlte, war eine umfassende Analyse mit einem längeren Zeithorizont – und genau hier setzt die neue Langzeitstudie aus Frankreich an.4 Die Ergebnisse liefern erstmals belastbare Zahlen über einen Zeitraum von knapp vier Jahren – und deuten klar darauf hin: Ein erhöhtes Sterberisiko kann nicht erkannt werden. Im Gegenteil, die Gesamtsterblichkeit war bei Geimpften durchweg geringer – auch bei Todesursachen, die nicht in direktem Zusammenhang mit Covid-19 stehen.

28 Millionen Menschen, 4 Jahre Nachbeobachtung – so lief die Studie ab

Die Analyse stützt sich auf die Gesundheitsdaten von mehr als 28 Millionen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren – also einer Altersgruppe, in der die Impfung besonders intensiv diskutiert wurde. Zum Stichtag 1. November 2021 lebten alle Teilnehmer in Frankreich. Etwa 23 Millionen von ihnen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs erhalten, während rund sechs Millionen ungeimpft geblieben waren. Die Studienverantwortlichen berücksichtigten nur Personen, die zwischen Mai und Oktober 2021 erstmals eine Impfung mit einem mRNA-Wirkstoff erhalten hatten – konkret mit dem Präparat von BioNTech/Pfizer oder Moderna.

Damit die beiden Gruppen wirklich fair miteinander vergleichbar waren, bekamen auch die ungeimpften Personen ein eigenes, zufällig vergebenes „Startdatum“. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde ihr weiterer Verlauf mit dem der geimpften Menschen abgeglichen. Die eigentliche Auswertung setzte jedoch erst sechs Monate nach diesem Datum ein. Auf diese Weise wollten die Forscher vermeiden, dass frühe Todesfälle – etwa kurz nach einer Impfung – das Ergebnis verzerren. Insgesamt wurden die Teilnehmer fast vier Jahre lang begleitet.

Statistische Analyse

Die Auswertung erfolgte mit einem statistischen Verfahren, das dabei hilft, Unterschiede zwischen den Gruppen möglichst fair auszugleichen. In die Berechnungen flossen nicht nur Alter, Geschlecht und soziale Faktoren ein, sondern auch mehr als 40 Vorerkrankungen – darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen oder psychische Diagnosen. Zusätzlich zogen die Forscher sogenannte „Negativkontrollen“ heran. Das sind Ereignisse wie Verkehrsunfälle, bei denen kein Zusammenhang mit der Impfung zu erwarten ist. Solche Kontrollwerte dienen dazu, besser einordnen zu können, ob die beobachteten Unterschiede tatsächlich mit der Impfung zu tun haben oder ob andere Risikofaktoren eine Rolle spielen könnten.

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25 Prozent weniger Todesfälle – und das nicht nur durch Covid

Während des Beobachtungszeitraums starben 0,4 Prozent der geimpften Personen – das entsprach etwa 98.000 Menschen. In der ungeimpften Gruppe lag die Sterblichkeit bei 0,6 Prozent, also knapp 33.000 Todesfällen. Insgesamt ergab sich daraus eine um rund 25 Prozent geringere Gesamtsterblichkeit in der geimpften Gruppe – selbst dann, wenn man COVID-19-bedingte Todesfälle außen vor ließ.

Besonders deutlich war der Unterschied beim Schutz vor tödlichen COVID-19-Verläufen im Krankenhaus: Hier war das Risiko für Geimpfte rund 74 Prozent niedriger als für Ungeimpfte. Aber auch bei anderen Todesursachen – etwa Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – waren Geimpfte seltener betroffen.

Junge Erwachsene besonders geschützt – aber warum?

Besonders auffällig waren die Ergebnisse in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen. Dort lag das allgemeine Sterberisiko bei Geimpften rund 35 Prozent unter dem der Ungeimpften. Warum die Differenz in dieser Gruppe so ausgeprägt war, ist laut den Studienautoren noch nicht abschließend geklärt. Sie betonten, dass weitere Untersuchungen nötig seien, um mögliche Einflussfaktoren – etwa Unterschiede im Verhalten, im Gesundheitsbewusstsein oder in sozialen Merkmalen – genauer einordnen zu können.

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Was bei der Studie zu beachten ist

Auch wenn die französische Langzeitstudie außergewöhnlich umfangreich ist, gibt es mehrere Punkte, die man bei der Einordnung der Ergebnisse berücksichtigen sollte.

Zunächst handelt es sich nicht um eine klinische Studie mit zufälliger Gruppenzuteilung, sondern um eine reine Beobachtungsstudie. Das bedeutet: Die Forscher können zeigen, wie sich das Sterberisiko im Verlauf unterscheidet, aber nicht eindeutig feststellen, welche Faktoren dafür ursächlich sind. Zwar zeigt sich, dass geimpfte Personen im Durchschnitt seltener sterben – ob dieser Effekt direkt auf die Impfung zurückgeht oder auch durch andere Einflüsse wie Lebensstil, Gesundheitsbewusstsein oder besseren Zugang zur medizinischen Versorgung mitbedingt ist, bleibt offen.

Auch die Definition der Gruppen spielt eine Rolle. Als geimpft galt, wer im Sommer 2021 eine erste Dosis eines mRNA-Impfstoffs erhalten hatte. Spätere Auffrischimpfungen und andere Impfstofftypen fanden in der Studie keine Berücksichtigung. Aussagen über kombinierte Impfschemata oder die Wirkung von Booster-Dosen lassen sich daraus nicht ableiten.

Ein weiterer Punkt betrifft die Todesursachen

Zwar wurden fast alle Todesfälle, die während des Studienzeitraums auftraten, erfasst, doch lagen genauere Angaben zur jeweiligen Todesursache nur bis Ende 2023 vor. Das bedeutet, dass nur für etwa 60 Prozent der Fälle klar dokumentiert ist, woran die Personen gestorben sind. Für die übrigen 40 Prozent fehlen diese Informationen, was eine abschließende Einordnung erschwert. Auch wenn die bisher verfügbaren Daten weitgehend plausibel wirken und mit anderen Statistiken übereinstimmen, bleibt damit dennoch eine relevante Unsicherheit.

Außerdem ist nicht sicher, ob der Impfstatus in allen Fällen korrekt erfasst wurde. In Frankreich sind über 300.000 gefälschte Impfpässe dokumentiert. Wenn Personen ohne Impfung fälschlich als geimpft gezählt wurden, kann das die Sterblichkeitsraten in der geimpften Gruppe leicht verfälschen. Die Forscher versuchen, diesen möglichen Einfluss durch ergänzende Analysen auszugleichen – ganz ausschließen lässt er sich aber nicht.

Schließlich spielt auch die soziale Zusammensetzung der Gruppen eine wichtige Rolle. Menschen, die sich impfen lassen, unterscheiden sich häufig in mehreren Punkten von denen, die sich dagegen entscheiden – etwa beim Bildungsniveau, im Vertrauen in das Gesundheitssystem oder beim allgemeinen Gesundheitsverhalten. Solche Unterschiede lassen sich in der statistischen Auswertung zwar teilweise berücksichtigen, vollständig kontrollieren lassen sie sich jedoch nicht. Das bedeutet: Ein Teil des beobachteten Effekts könnte auf diesen sozialen Unterschieden beruhen – und nicht ausschließlich auf der Impfung selbst.

Fazit: Impfung schützt – auch langfristig

Die Studie zeigt, dass mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 das Sterberisiko nicht erhöhen, sondern mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden sind. Der Effekt war selbst bei Nicht-COVID-Todesursachen messbar – besonders deutlich bei jungen Erwachsenen. Trotz offener Fragen spricht vieles für die langfristige Sicherheit der Impfung.

Quellen

  1. Statista. Weltweite Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19) seit Februar 2020. (aufgeurfen am 09.12.2025) ↩︎
  2. Xu, S., Huang, R., Sy, L. S. et al. (2020). COVID-19 Vaccination and Non-COVID-19 Mortality Risk - Seven Integrated Health Care Organizations, United States, December 14, 2020-July 31, 2021. Morbidity and mortality weekly report. ↩︎
  3. Rosenblum, H. G., Gee, J., Liu, R. et al. (2022). Safety of mRNA vaccines administered during the initial 6 months of the US COVID-19 vaccination programme: an observational study of reports to the Vaccine Adverse Event Reporting System and v-safe. The Lancet Infectious Diseases. ↩︎
  4. Semenzato, L., Le, Vu, S., Botton, J., Bertrand, M. et al. (2025). COVID-19 mRNA Vaccination and 4-Year All-Cause Mortality Among Adults Aged 18 to 59 Years in France. JAMA Network Open. ↩︎

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