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Studie

Kann man Diabetes mit Krafttraining und strikter Diät zurückdrängen?

Mit Sport und Kalorienrestriktion eine Diabetesremission erreichen – geht das?
Mit Sport und Kalorienrestriktion eine Diabetesremission erreichen – geht das? Foto: Getty Images

6. November 2026, 13:10 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung gilt bislang als nicht heilbar. Was allerdings möglich ist: die Stoffwechselerkrankung so weit zurückzudrängen, dass sich die Blutzuckerwerte normalisieren und Betroffene – zumindest zeitweise – ohne blutzuckersenkende Medikamente leben können. In diesem Fall spricht man von einer Diabetesremission. Eine neue Studie hat untersucht, ob sich eine solche Remission durch eine Kombination aus Ernährungsumstellung und regelmäßigem Training erreichen lässt. FITBOOK geht näher auf die vielversprechenden Ergebnisse ein.

Früher nannte man Typ-2-Diabetes häufig Altersdiabetes. Dieser veraltete Begriff gilt heute als irreführend, da die Stoffwechselerkrankung längst nicht mehr nur ältere Menschen betrifft. Verschiedene Faktoren können die Entstehung – auch bei Jüngeren – begünstigen, darunter Übergewicht und Bewegungsmangel.

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Studie zu früh beginnendem Typ-2-Diabetes

Die vorliegende Studie befasste sich speziell mit der sogenannten früh beginnenden Form (Early-Onset Type 2 Diabetes, EOT2D).1 Diese wird häufig als eine Diagnose vor dem 45. Lebensjahr definiert. Die Autoren schreiben, dass Typ-2-Diabetes, der in jungen Jahren auftritt, häufiger mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf einhergeht als eine spätere Diagnose. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen und einen frühzeitigen Tod.

Eine mögliche Behandlungsstrategie bei EOT2D ist der Versuch, eine Diabetesremission zu erreichen. Frühere Studien zeigten bereits positive Effekte kalorienreduzierter Ernährungsprogramme.2 Welche zusätzlichen Effekte eine Kombination aus einer solchen Ernährung und regelmäßigem Ausdauer- und Krafttraining haben kann, ist bislang jedoch kaum untersucht. Hier setzte die neue Studie an, und zwar gezielt bei jüngeren Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas. Dabei interessierten die Forscher auch, wie sich das Programm auf die Körperzusammensetzung, die Muskelgesundheit, die körperliche Fitness und die Herzfunktion auswirkt.

Details zur Untersuchung

Die Autoren führten ihre Untersuchung mit dem Titel „RESET for Remission“, übersetzt also etwa „Zurücksetzen für eine Remission“, an drei Studienzentren in England und Kanada durch. Die Studie war randomisiert und kontrolliert angelegt – während die Behandlung offen erfolgte, wurden die Ergebnisse verblindet ausgewertet.

Es nahmen insgesamt 96 Erwachsene im Alter zwischen 18 und 45 Jahren teil. Sie waren alle seit maximal sechs Jahren mit einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung diagnostiziert und adipös; der durchschnittliche BMI lag bei 35,2. Ein Teilnahmekriterium war, dass keiner der Frauen und Männer bisher mit Insulin behandelt wurde. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt.

Die Interventionsgruppe, bestehend aus 50 Personen, absolvierte ein 24-wöchiges Programm mit zwei Phasen:

  • Phase 1 (bis Woche 12): stark kalorienreduzierte Ernährung mit 800–900 Kalorien täglich. In den ersten zwei Wochen nahmen die Teilnehmer ausschließlich Mahlzeitenersatzprodukte zu sich, also beispielsweise Shakes. Ab Woche 3 war zusätzlich eine selbst zusammengestellte Mahlzeit am Tag erlaubt.

    Ab diesem Zeitpunkt begannen auch zweimal wöchentliche Trainingseinheiten (Ausdauer und Kraft), die von Fachleuten betreut wurden. Darüber hinaus war eine zusätzliche Ausdauereinheit in Eigenregie vorgesehen.
  • Phase 2 (Wochen 13 bis 24): schrittweise Rückkehr zu einer ausgewogenen Ernährung und Stabilisierung des Gewichts. Die Teilnehmer sollten ihre Ernährung peu à peu auf eine ausgewogene Kost umstellen, um ihr Gewicht langfristig zu halten. Das Training sollte nun eigenständig fortgeführt werden, beispielsweise zu Hause oder im Fitnessstudio.

In der Kontrollgruppe aus 46 Personen fanden keine Interventionen statt. Die Probanden dieser Gruppe erhielten ihre übliche medizinische Versorgung. Offensichtlich waren andere Diabetesmedikamente als Insulin kein grundsätzlicher Ausschlussgrund für die Teilnahme.

Diabetesremission nach 24 Wochen?

Der wichtigste Untersuchungsparameter war für die Forscher, ob die Teilnehmer eine Diabetesremission erreichten. Dafür mussten sie einen HbA1c-Wert – dieser gibt Auskunft über den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen Wochen – unter 6,5 Prozent aufweisen. Zudem mussten die Probanden mindestens 12 Wochen lang ohne blutzuckersenkende Medikamente ausgekommen sein.

Darüber hinaus erfassten die Wissenschaftler Veränderungen sowohl des Körpergewichts als auch der Körperzusammensetzung, also des Anteils an Fett- und Muskelmasse. Die Muskelkraft, Ausdauerleistungsfähigkeit und Herzstruktur der Probanden untersuchten sie auch. Hierfür kamen verschiedene Verfahren zum Einsatz, von Belastungstests über Röntgenuntersuchungen bis hin zu MRT.

Ergebnisse

Die Forscher stellten deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen fest. Nach 24 Wochen erreichten in der Interventionsgruppe 27 von 50 Teilnehmern eine Diabetesremission – also mehr als die Hälfte (54 Prozent). Zur Halbzeit der Studie waren es mit 58 Prozent sogar mehr, dann sank der Anteil aber noch mal leicht ab. In der Kontrollgruppe waren es lediglich 2 von 46 Teilnehmern, sprich 4 Prozent, die eine Diabetesremission erreichten.

Auch beim Körpergewicht klafften die Ergebnisse auseinander. Die Interventionsgruppe verlor durchschnittlich 7,5 Kilogramm mehr als der Kontrollgruppe. Auch die Fettmasse nahm stärker ab: Hier betrug der Unterschied zwischen den Gruppen 6,5 Kilogramm. Die fettfreie Masse – zu dieser zählen auch die Muskeln – blieb dagegen in beiden Gruppen weitgehend erhalten. Ebenso das im MRT untersuchte Muskelvolumen unterschied sich am Ende der Studie nicht wesentlich.

Allerdings verbesserten sich in der Interventionsgruppe weitere Werte der körperlichen Fitness und Muskelgesundheit. Etwa die Ausdauerleistungsfähigkeit im Verhältnis zum Körpergewicht stieg hier um 10,3 Prozent. Die Handgriffkraft (= ein Maß für die Muskelkraft) verbesserte sich gegenüber der Kontrollgruppe um 7,6 Prozent. Zudem ging die Myosteatose, also Fetteinlagerung in und zwischen den Muskeln, zurück.

Auch weitere Gesundheitswerte verbesserten sich: Der systolische Blutdruck (oberer Wert) sank im Vergleich zur Kontrollgruppe um 4 mmHg, der diastolische Blutdruck (unterer Wert) um 5 mmHg. Der Ruhepuls verringerte sich um 5 Schläge pro Minute. Auch der Langzeitblutzuckerwert HbA1c und die Triglyzeridwerte – eine bestimmte Form von Blutfetten – entwickelten sich positiv.

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Bedeutung der Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass bei jüngeren Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes eine intensive Kombination aus kalorienreduzierter Ernährung und strukturiertem Training eine hohe Remissionsrate erreichen kann. Dabei beschränken sich die Verbesserungen durch die Intervention nicht auf den Blutzuckerstoffwechsel. Es waren auch günstige Effekte auf unter anderem die Ausdauerleistungsfähigkeit, die Muskelkraft und den Blutdruck zu beobachten.

Bemerkenswert ist insbesondere, schreiben die Autoren, dass trotz des deutlichen Gewichtsverlusts die Muskelmasse weitgehend erhalten blieb. Bekanntlich geht eine starke Kalorienreduktion häufig auch mit Muskelverlust einher. Und genau dieser Fall wäre bei Menschen mit Typ-2-Diabetes besonders problematisch, da die Erkrankung selbst bereits mit einer beeinträchtigten Muskelfunktion verbunden sein kann.

Generell spielt das Muskelgewebe eine wichtige Rolle für verschiedene körperliche Prozesse. Deshalb könnte auch die verringerte Myosteatose von Bedeutung sein. Jene Fetteinlagerungen im Muskel gehen oft zu Lasten der Muskelqualität und beeinträchtigen die Insulinwirkung.

Die Ergebnisse deuten zusammenfassend darauf hin, dass eine Remissionsbehandlung viele gesundheitliche Vorteile – auch über die Blutzuckerkontrolle hinaus – bieten kann. Für jüngere Betroffene könnten solche Verbesserungen besonders von Bedeutung sein.

Unabhängiger Experte zu den Ergebnissen

„Die Studie bestätigt das, was wir in den Praxen immer wieder beobachten“, erklärt Dr. Marcus Franz, Internist und Vorsorgemediziner, im Gespräch mit FITBOOK. „Wer seinen Typ-2-Diabetes konsequent angeht, insbesondere im Frühstadium der Erkrankung, kann durch regelmäßige Bewegung, eine geeignete Ernährung und Gewichtskontrolle häufig eine deutliche Verbesserung oder sogar eine Remission erreichen – auch ohne Medikamente. Das gelingt zwar nicht immer, kommt in der Praxis aber durchaus vor.“

Der Experte betont noch einmal, dass eine Remission nicht den Sieg über Diabetes bedeutet. In der Medizin bezeichne man damit „das Verschwinden sämtlicher Symptome einer Krankheit“. Dass diese auch dauerhaft wegbleiben, ist nicht garantiert. Allerdings könne eine angepasste Ernährung, regelmäßige Bewegung und eine konsequente Gewichtskontrolle durchaus dazu beitragen, das Risiko für einen Rückfall deutlich zu senken, versichert der Arzt.

Einschränkungen

Die Studie war mit nur 96 Teilnehmern und einer Dauer von 24 Wochen relativ klein. Es bleibt unter anderem unklar, ob die erreichte Diabetesremission langfristig bestehen blieb. Zudem fehlen Erkenntnisse darüber, wie sich die Ergebnisse nach Ende der professionellen Betreuung entwickeln.

Eine wesentliche Einschränkung des Studiendesigns ist, dass es keine Vergleichsgruppe gab, die ausschließlich eine kalorienreduzierte Ernährung erhielt. Daher lässt sich nicht beurteilen, welchen zusätzlichen Beitrag das Kraft- und Ausdauertraining zum Muskelerhalt und zur Verbesserung von Fitness und Muskelkraft leistete. Dabei war dies eigentlich die Fragestellung der Untersuchung. Die Interventionsgruppe erhielt insgesamt deutlich mehr Betreuung durch Ärzte, Ernährungsberater und Trainingsfachleute. Allein dieser Unterschied könnte die Erfassung von Nebenwirkungen sowie die Ergebnisse zu Lebensqualität und psychischem Wohlbefinden beeinflusst haben.

Zuletzt sind die Ergebnisse nur begrenzt übertragbar, da ausschließlich jüngere Erwachsene mit Adipositas und früh diagnostiziertem Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie an der Studie teilgenommen haben. Ob die Beobachtungen bei älteren Menschen, Patienten mit länger bestehendem Diabetes oder Menschen ohne Adipositas ähnlich ausfallen würden, bleibt offen.

Quellen

  1. Dasguptaa, K., Bouléb, N., Hensonc, J. et al (2026). Low energy diet plus supervised exercise vs. usual care alone in people with early-onset type 2 diabetes (RESET for Remission): a randomised, open-label, blinded-endpoint efficacy trial. The Lancet Regional Health: Americas. ↩︎
  2. Lean, M.†, Leslie, W., Barnes, A., et al (2018). Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. The Lancet ↩︎

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