13. Oktober 2025, 13:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Corona-Variante „Stratus“ (XFG), im Volksmund auch „Frankenstein“-Variante genannt, ist derzeit die dominierende Mutation in Deutschland. 80 Prozent der Infizierten tragen diesen Virustyp in sich. FITBOOK erklärt, welche Symptome Ärzte bislang beobachten, wie sich das Virus aktuell in Deutschland verbreitet und warum der Begriff „Frankenstein“ überzogen ist.
Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!
Häufige Symptome der „Frankenstein“-Variante
XFG („Stratus“) ist eine SARS-CoV-2-Variante, die aus den Linien LF.7 und LP.8.1.2 entstanden ist. Trotz der schnellen Verbreitung dieser Variante gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass „Stratus“ schwerere Krankheitsverläufe verursacht als andere zirkulierende Varianten.
In früheren Covid-19-Wellen waren Geschmacks- und Geruchsverlust charakteristische Symptome. Bei „Nimbus“, in Deutschland Ende März zum ersten Mal nachgewiesen und laut Robert Koch-Institut aktuell für 12 Prozent der Coronainfektionen verantwortlich, waren es die „rasierklingenartigen Halsschmerzen“. Was sind die spezifischen Symptome von „Stratus“?
Im WHO-Risikobericht findet man keine Informationen zu den Symptomen von „Stratus“ (XFG).1 Auch gibt es bisher keine offiziellen Stellungnahmen nationaler Gesundheitsbehörden zu spezifischen Symptomen dieser neuen Variante. Verschiedene Medienquellen, insbesondere aus Indien, berichten jedoch über Beobachtungen von Ärzten. Ein auffälliges Merkmal der aktuellen Welle sei die häufige Meldung von Heiserkeit bei Covid-Patienten, vermeldete die „Times of India“ am 30. Mai.2 So würden diesmal viele Patienten über „trockenen oder gereizten Husten, begleitet von Halsschmerzen und Heiserkeit“, klagen. Ärzte verschiedener Krankenhäuser hätten demnach bestätigt, dass Heiserkeit mittlerweile ein häufiges Symptom in Ambulanzen in ganz Indien sei. Heiserkeit manifestiert sich in einer kratzigen oder rauen Stimme.
Experteneinschätzung
Auf FITBOOK-Anfrage erklärt Virologe Dr. Henning Grüll, dass sich eine Infektion mit einer der aktuell zirkulierenden SARS-CoV-2-Varianten „meist mit den ganz typischen Zeichen einer Virus-Infektion der Atemwege“ äußert. Dazu gehören Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Husten und Heiserkeit. Die Symptome einer Infektion mit der XFG-Variante („Stratus“) unterscheiden sich laut Grüll nicht von denen früherer Omikron-Varianten und stellen „auch keine Besonderheit dar“. Bei den Omikron-Varianten handelt es sich um eine Viruslinie, die seit Ende 2021 weltweit vorherrscht, bekannt für ihre hohe Übertragbarkeit, aber in der Regel mildere Krankheitsverläufe als frühere Virusvarianten.
Auch interessant: Trauriger Rekord! Mann litt zwei Jahre an akuter Corona-Infektion
XFG – „Stratus“ oder „Frankenstein“-Variante
Weil „Stratus“ wie die andere derzeit weltweit dominierende Variante „Nimbus“ das Potenzial habe, eine Corona-Welle auszulösen, sei die Wahl auf einen weiteren meteorologischen Begriff für Wolkenarten – „Stratus“ – gefallen, sagte der Virologe Dr. Ryan Gregory der Website Gavi.org.3 Die Organisation Gavi ist einer der weltweit wichtigsten Akteure bei Impfprogrammen. Virologe Gregory ist Teil eines Netzwerks von Forschern, das inoffizielle Spitznamen für neue Virusvarianten vergibt.
Skurriler und überzeichneter Name: „Frankenstein“-Variante
„The Sun“, eine britische Boulevardzeitung, bezeichnet „Stratus“ als „Frankenstein“-Variante, weil sie durch die Kombination zweier verschiedener Covid-19-Stämme entstanden ist.4 Dies geschieht, wenn eine Person gleichzeitig mit zwei verschiedenen Varianten infiziert ist, die sich dann zu einer neuen Hybridvariante verbinden. Mittlerweile ist der Begriff „Frankenstein“-Variante vollkommen im Volksmund angekommen.
Der Begriff wirkt allerdings eher reißerisch als sachlich. Er weckt Assoziationen an ein unkontrollierbares, künstlich erschaffenes Monster und schürt damit unnötig Angst. Virologe Dr. Henning Grüll ordnet ein: „Er suggeriert eine besondere Gefährlichkeit dieser Variante, für deren Annahme es jedoch keinen Grund gibt.“
Keine schwereren Krankheitsverläufe als andere Varianten
Trotz ihrer schnellen Verbreitung gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass „Stratus“ (XFG) schwerere Krankheitsverläufe verursacht als andere zirkulierende Varianten. Beide Varianten weisen mutierte Spike-Proteine auf. Das bedeutet, dass sie möglicherweise besser in der Lage sind, der durch frühere Infektionen oder Impfungen aufgebauten Immunität zu entgehen. Mit anderen Worten: Dies macht es für das Immunsystem vermutlich schwieriger, das Virus zu erkennen und zu bekämpfen.
Machen Sie mit bei unserer FITBOOK-Umfrage!
Diese drei Erreger machen Deutschland aktuell krank
Verursacht aktuell die meisten Fälle! Was über die neue Coronavariante BA.3.2 bekannt ist
Ausbreitung der „Frankenstein“-Variante in Deutschland
Laut dem Robert Koch-Institut ist die Variante inzwischen für den Großteil der Corona-Infektionen verantwortlich. Anfang Oktober machte „Stratus“ rund 80 Prozent aller nachgewiesenen Fälle aus. Noch im August lag ihr Anteil bei etwa zwei Dritteln.5, 6, 7 Damit hat sie die bisher vorherrschende „Nimbus-Variante“ fast vollständig abgelöst.
Doch nicht nur wurde die „Nimbus-Variante“ abgelöst – auch insgesamt steigen die Corona-Fallzahlen wieder an. Anfang August wurden pro Woche rund 1000 Infektionen registriert, Ende September lag die Zahl bereits bei etwa 3350. Auch die Abwasseranalysen zeigen eine erhöhte Viruskonzentration, nach einem Anstieg im Spätsommer blieb diese in den Kalenderwochen 36 bis 39 auf hohem Niveau stabil. Fachleute werten den Anstieg als typischen saisonalen Effekt, wie er mit Beginn der kühleren Monate regelmäßig auftritt.
Die „Stratus“-Variante dominiert derzeit zwar das Infektionsgeschehen, von einer kritischen Entwicklung ist Deutschland jedoch weit entfernt.
Impfstoffwirksamkeit
Auch wenn XFG den höchsten relativen Wachstumsvorteil unter den derzeitigen Linien hat, sieht die WHO derzeit keine Hinweise auf schwerere Erkrankungsverläufe oder atypische klinische Muster. Zugelassene Impfstoffe schützen weiterhin vor symptomatischen und schweren Verläufen, heißt es im Risikopapier zu „Stratus“.