15. Oktober 2025, 20:17 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Vielleicht haben Sie es selbst schon bemerkt: Die Nase läuft, der Hals kratzt, und ein hartnäckiger Husten bahnt sich an. Damit sind Sie aktuell nicht allein – in ganz Deutschland breiten sich Infektionen der Atemwege rasant aus. Ein sprunghafter Anstieg akuter Atemwegserkrankungen (kurz ARE genannt) sorgt für überfüllte Arztpraxen und eine wachsende Zahl an Krankmeldungen. Welche Erreger das Infektionsgeschehen dominieren, welche Symptome auf welche Virusinfektion hinweisen – und wie Sie sich jetzt mit gezielten Maßnahmen wie Impfungen, Hygiene und Frühdiagnostik effektiv schützen können.
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Infektionswelle im Herbst – fast jeder Zehnte betroffen
Die kalte Jahreszeit ist zurück – und mit ihr eine Welle an Atemwegserkrankungen. Laut aktuellen Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) waren in der 40. Kalenderwoche 2025 rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland von einer neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankung betroffen. Das entspricht etwa 8900 Erkrankungen je 100.000 Einwohner – ein hoher Wert, der verdeutlicht, wie stark das aktuelle Infektionsgeschehen ist.1
Während die Zahl grippeähnlicher Infektionen (ILI) stabil geblieben ist, schwankt die Covid-19-Inzidenz auf vergleichsweise niedrigem Niveau – mit etwa 400 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Schätzwerte stammen aus dem RKI-Projekt GrippeWeb, das auf Selbstauskünften registrierter Teilnehmer basiert.2
Drei Erreger dominieren die Infektionen
Gleich mehrere Viren sind derzeit für das hohe Krankheitsgeschehen verantwortlich – allen voran die altbekannten Rhinoviren. Sie machen derzeit etwa 35 Prozent aller Infektionen aus und gelten als Hauptverursacher klassischer Erkältungssymptome. SARS-CoV-2 ist weiterhin im Umlauf und für etwa 18 Prozent der Atemwegserkrankungen verantwortlich. Die Zahl der Covid-19-Fälle bleibt jedoch im Vergleich zum Vorjahr geringer. Die klassische Grippe (Influenza) macht momentan nur rund neun Prozent aus – typischerweise beginnt die Grippewelle erst später im Herbst oder Winter.3
„Stratus“ – die derzeit dominante Corona-Variante
Unter den zirkulierenden Corona-Varianten dominiert zurzeit die Omikron-Linie XFG, auch als „Stratus“ bezeichnet. Mit einem Anteil von etwa 80 bis 82 Prozent ist sie die am häufigsten nachgewiesene Variante. Der von Medien verwendete Spitzname „Frankenstein-Variante“ bezieht sich auf das genetische Mosaik zahlreicher Mutationen – nicht auf eine gesteigerte Gefährlichkeit.
Diese Variante verbreitet sich besonders effektiv über die oberen Atemwege, was zu einer hohen Ansteckungsrate führt, wie FITBOOK bereits berichtete.
Unterschiede bei Symptomen – welche Hinweise ernst genommen werden sollten
Viele Betroffene fragen sich: Erkältung, Grippe, Corona oder RSV? Aufgrund ähnlicher Symptome wie Fieber, Husten oder Gliederschmerzen ist die Unterscheidung schwierig. Dennoch lassen sich typische Muster erkennen:
- Corona geht häufiger mit Fieber einher als eine einfache Erkältung.
- Influenza beginnt in der Regel abrupt und heftig.
- RSV kann vor allem durch lang anhaltenden Husten auffallen – teilweise über mehrere Wochen.
Ob eine genauere Abklärung nötig ist, hängt vom individuellen Gesundheitszustand und der Schwere der Symptome ab. Insbesondere bei Risikogruppen oder wenn eine gezielte Behandlung infrage kommt, ist ein PCR-Test die zuverlässigste Methode zur Erregerbestimmung. Antigen-Schnelltests liefern vor allem bei hoher Viruslast aussagekräftige Ergebnisse. Besteht weiterhin der Verdacht auf eine Infektion, sollte ein zweiter Test nach zwei Tagen erfolgen oder direkt eine PCR-Diagnostik gewählt werden.
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Bei Erregern und Infektionen: Impfstatus prüfen und auffrischen
Angesichts der Vielzahl zirkulierender Viren raten Fachleute aktuell dringend dazu, den Impfstatus zu überprüfen. Vor allem Risikogruppen sollten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beachten:
- Corona- und Grippeimpfung: Für Erwachsene mit chronischen Erkrankungen und Menschen ab 60, wird eine Auffrischung empfohlen. Die aktuelle Corona-Impfung ist auch gegen die dominierende „Stratus“-Variante wirksam.
- RSV-Impfung: Für über 75-Jährige und für chronisch schwer Erkrankte ab 60 Jahren wird eine einmalige RSV-Impfung vor Beginn der Hauptsaison (Oktober bis März) empfohlen. Für Säuglinge gibt es ein spezielles Antikörperpräparat zur einmaligen Gabe in der ersten RSV-Saison.
Auf diese Corona-Symptome sollte man jetzt achten
Wie viele haben eigentlich derzeit Corona?
Arztbesuche – deutliche Unterschiede je nach Region und Alter
Die Belastung der Gesundheitssysteme zeigt sich auch an der Zahl der Arztbesuche. Den bundesweit höchsten Wert verzeichnete zuletzt Brandenburg mit 2007 Arztbesuchen je 100.000 Einwohner. Am wenigsten Arztkontakte gab es in Hamburg, mit nur 571 Arztbesuchen je 100.000. Besonders stark betroffen sind Kleinkinder zwischen null und vier Jahren: In dieser Altersgruppe lag die Rate zuletzt bei 3303 Arztbesuchen je 100.000 Einwohner – Tendenz steigend.4
Ein Blick auf die Krankenhauseinweisungen zeigt: Besonders ältere Menschen und kleine Kinder sind aktuell stark betroffen. Am häufigsten mussten zuletzt Menschen über 80 Jahre wegen schwerer Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus – rund 33 von 100.000 in dieser Altersgruppe. Auch bei den Jüngsten sind die Fallzahlen gestiegen. Für beide Gruppen ist ein guter Schutz besonders wichtig, um schwere Verläufe möglichst zu vermeiden.5
Was die Datenlage außerdem zeigt
Die aktuelle Erkältungssaison begann schon während einer Phase erhöhter Corona-Aktivität und wurde zum Jahreswechsel von zusätzlichen Grippe- und RSV-Wellen begleitet. Zwar sind Corona-Ausbrüche insgesamt seltener geworden als im Vorjahr, dafür hat sich die Zahl der Grippe-Ausbrüche verdoppelt. Auch RSV-Infektionen nahmen etwas zu. Diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig es ist, rechtzeitig gegenzusteuern – etwa durch Impfungen, schnelles Handeln bei Krankheitsausbrüchen und gute Schutzmaßnahmen in Pflegeheimen, Kliniken und anderen sensiblen Bereichen.
Empfohlen wird, das Ausbruchsmanagement eng mit den örtlichen Gesundheitsbehörden abzustimmen und das Personal regelmäßig zu schulen. Impfungen nach STIKO-Empfehlungen sowie eine rasche Identifikation von Ausbrüchen können helfen, schwerere Krankheitsverläufe einzudämmen und das Infektionsgeschehen zu kontrollieren.
Infektionslage ernst nehmen – aber besonnen handeln
In diesem Herbst sind besonders viele Menschen von Atemwegserkrankungen betroffen – vor allem ausgelöst durch Erkältungsviren, das Coronavirus und RSV. Auch wenn viele Infektionen mild verlaufen, besteht für ältere Menschen, kleine Kinder und Personen mit Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe. Deshalb ist es wichtig, Krankheitszeichen wie Husten, Fieber oder Halsschmerzen ernst zu nehmen und im Zweifel ärztlichen Rat einzuholen. Zusätzlich hilft es, sich selbst gut zu schützen – etwa mit Impfungen, regelmäßigem Händewaschen und einem verantwortungsvollen Umgang mit ersten Symptomen.