1. April 2026, 14:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Erkältungs- und Grippezeit liegt hinter uns. Jetzt ist es die Pollensaison, die vielen Menschen zu schaffen macht. Aber auch Corona treibt weiter sein Unwesen, wenn auch die meisten Fälle mittlerweile so harmlos wie eine Erkältung verlaufen. Allerdings: Spätfolgen wie Long Covid sind nicht auszuschließen. Covid-Infektionen sollte man daher weiterhin ernstnehmen. FITBOOK klärt auf, welche Variante gerade im Fokus der Gesundheitsbehörden steht. Außerdem: Was über die Linie und die durch sie verursachten Symptome bekannt ist.
Im Herbst sorgte noch die SARS-CoV-2-Variante XFG – auch „Stratus“ oder Frankenstein-Variante genannt – für steigende Infektionszahlen. Kurz vor dem Jahreswechsel meldete das Robert Koch-Institut, dass mit 38 Prozent der gemeldeten Covid-Erkrankungen eine neue Variante die Führung übernommen hatte.1 Dabei handelt es sich um BA.3.2, die Berichten zufolge auch den Spitznamen „Cicada“ trägt.2 Nun rückt die Variante erneut in den Fokus. Der Grund: Sie breitet sich weltweit zunehmend aus.3
Was weiß man über BA.3.2?
Wie bei XFG handelt es sich auch bei BA.3.2 um eine Omikron-Sublinie. Die WHO zählt sie zu den Varianten unter Beobachtung. Das bedeutet, dass Daten zu dieser Variante gesammelt und ausgewertet, sowie Krankheitsfälle getrackt werden.4,5
Forscher haben herausgefunden, dass BA.3.2 von BA.3 abstammt, einer Variante, die vor Jahren zirkulierte. BA.3.2 hat sich in zwei Sublinien diversifiziert: BA.3.2.1 und BA.3.2.2. Beide Linien weisen zwei zusätzliche Mutationen im Spike-Protein auf.6
Interessant ist, dass BA.3.2 in einer Studie mit den Varianten XFG und NB.1.8.1 verglichen und als gering durchsetzungsfähig eingestuft wurde. Der Grund dafür war, dass BA.3.2 in Laboruntersuchungen zwar eine starke Immunflucht (d. h. Antikörper können sie nicht wirksam bekämpfen), aber eine geringe Bindungsfähigkeit an den ACE2-Rezeptor zeigte.7 Das bedeutet, dass die Variante menschliche Zellen wahrscheinlich nur schlecht infizieren kann. Bei XFG sah es ähnlich aus. Als wesentlich gefährlicher identifizierten die Forscher die Coronavariante NB.1.8.1, weil sie sowohl eine starke Immunflucht als auch eine starke Bindungsfähigkeit aufwies. Tatsächlich war NB.1.8.1 bzw. „Nimbus“ zum Zeitpunkt der Studienveröffentlichung im Juli 2025 hierzulande auch ein großes Thema, u. a. weil sie mit „rasierklingenartigen Halsschmerzen“ auftreten konnte.
Was BA.3.2 aber auffällig macht, ist, dass die Virusvariante 70 bis 75 Veränderungen im Spike-Protein aufweist. Das ist der Teil des Virus, mit dem es in menschliche Zellen eindringt. „Mutationen von BA.3.2 im Spike-Protein haben das Potenzial, den Schutz durch eine vorherige Infektion oder Impfung zu verringern. Eine fortlaufende genomische Überwachung ist erforderlich, um die Entwicklung von SARS-CoV-2 zu verfolgen und ihre möglichen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit zu bestimmen“, heißt es in einem Bericht des Centers for Disease Control and Prevention, einer Behörde des US-amerikanischen Gesundheitsministeriums, vom März 2026.8
Neue Coronavariante! Was über NB.1.8.1 bekannt ist
3 Gründe, warum die neue Coronavariante XBB.1.16 Experten beunruhigt
Auf welche Symptome sollte man achten?
Bislang ist nicht bekannt, dass mit dem Durchsetzen von BA.3.2 neue, für diese Variante spezifische, Symptome auftreten. Es ist davon auszugehen, dass sich BA.3.2-Infektionen ähnlich äußern wie frühere Varianten. Dazu können starke Halsschmerzen, Heiserkeit, trockener Husten, Kurzatmigkeit, eine verstopfte oder laufende Nase, der Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn sowie Kopf- und Gliederschmerzen und extreme Erschöpfung zählen. Auch von Durchfall und Erbrechen wird im Zusammenhang mit Covid-Erkrankungen berichtet.9
Verbreitung
Die Coronavariante BA.3.2 ist international auf dem Vormarsch und rückt deshalb in den Fokus der Gesundheitsbehörden. In den USA ist der Anteil an nachgewiesenen Erkrankungsfällen noch vergleichsweise gering, wie das CDC berichtet. So wurde es (Stand 11. Februar) bei vier Reisenden und bei fünf klinischen Patientenproben nachgewiesen. Die Variante wurde aber auch in 132 Abwasserproben in 25 US-Bundesstaaten gemessen. Dies werten Fachleute als Signal für eine größere Ausbreitung.
Insgesamt trat BA.3.2 weltweit mittlerweile in 23 Ländern auf. Die WHO berichtet, dass die Linie in Amerika, der europäischen Region und der westpazifischen Region zugenommen hat (Stand: 1. Februar bis 1. März 2026). Insgesamt machte BA.3.2 zu dem Zeitpunkt aber noch einen geringen Anteil aller Fälle aus. Während etwa sechs Prozent der gemeldeten Infektionen auf die auch als „Cicada“ bekannte Variante zurückzuführen waren, waren die Varianten XFG mit 53 Prozent und NB.1.8.1 mit 23 Prozent der Fälle verbunden.10 In einzelnen Ländern ist der Anteil von BA.3.2 an der Gesamtheit der Coronafälle aber stärker gestiegen. In den Niederlanden machte sie zwischenzeitlich etwa ein Drittel der Erkrankungen aus.11
In Deutschland beläuft sich der Anteil von BA.3.2 laut RKI auf fünf Prozent (Stand: KW 12) und hat sich im Vergleich zu den Wochen zuvor kaum verändert. Im Vergleich zum Jahresbeginn, als 38 Prozent berichtet wurden, hat sie sogar abgenommen. Der Anteil der Linie NB.1.8.1. blieb in den vergangenen Wochen ebenfalls stabil bei 60 Prozent, während die Linie XFG stieg und zuletzt bei 30 Prozent lag.12
Sowohl für Deutschland als auch für andere Länder gilt, dass eine Dunkelziffer von Corona-Infektionen, darunter auch solche aufgrund von BA.3.2, nicht ausgeschlossen werden kann. Der Grund: Es wird nicht mehr wie zu Zeiten der Pandemie flächendeckend getestet. Zahlreiche Infektionen werden daher nicht registriert und erfasst.