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Von wegen Alterserkrankung!

Jeder 13. zwischen 18 und 29 Jahren in Studie von Arteriosklerose betroffen

Arteriosklerose
Was mit 18 klein beginnt, wächst oft jahrzehntelang unbemerkt zur Gefahr heran Foto: Rasi Bhadramani
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

1. September 2026, 13:09 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Arteriosklerose tritt bei älteren Menschen zwar häufiger auf als bei jüngeren, dennoch kann sie auch schon lange vor dem 30. Geburtstag beginnen. Eine aktuelle Studie aus Dänemark und Spanien zeigt: Sogar schon 18- bis 29-Jährige sind betroffen! Frühe Ablagerungen in den Gefäßen könnten die Basis für heftige Plaques im Alter bilden – mit allen potenziellen Gefahren für die Gesundheit.

Forscher durchleuchteten Gefäße von Erwachsenen ab 18 Jahren

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind keineswegs nur ein Problem des hohen Alters.1 Während Arteriosklerose in der Statistik auch durchaus nicht selten bei Menschen unter 55 Jahren vorkommt, liefert eine neue Studie nun Daten für die ganz junge Erwachsenenphase.

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Henning Bundgaard und Inés García-Lunar untersuchte die Verbreitung der sogenannten „stillen“ Arteriosklerose. Sie analysierten dazu die Hals- und Beinschlagadern sowie Herzkranzgefäße von 16.808 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren ohne bekannte Vorerkrankungen. Das erschreckende Ergebnis der im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie: Arteriosklerose ist oft schon im frühen Erwachsenenalter überraschend weit verbreitet.2

Gefäßablagerungen bleiben oft über Jahrzehnte hinweg klinisch unauffällig, bevor sie zu schweren Komplikationen führen. Kommt gar kein Blut mehr durch die Gefäße, droht ein akuter Herzinfarkt.

Die Mehrheit ist betroffen!

Mittels 3D-Gefäß-Ultraschall und Computertomografien gewannen die Forscher ihre Daten. Das wichtigste Ergebnis: Die Mehrheit ist betroffen! Das stärkste Ergebnis der Studie ist die Gesamthäufigkeit der „stillen“ Arteriosklerose. Sie wurde bei 57,1 Prozent aller Teilnehmer nachgewiesen – ohne bekannte Vorerkrankungen.

Von den Daten geht eine weitere eindringliche Warnung aus. Denn sie zeigten ebenfalls, dass das Volumen der Ablagerungen mit zunehmendem Alter exponentiell ansteigt. Die Verkalkung der Gefäße verhält sich demnach nicht wie eine Treppe, die man Stufe für Stufe gleichmäßig hinaufsteigt, sondern wie eine Lawine, die klein anfängt und dann immer schneller und gewaltiger wird. Was diese Ablagerungen, auch „Plaques“ genannt, so gefährlich macht: Sie beeinträchtigen den Blutstrom – und das mitunter massiv. Plaques können beispielsweise aus Blutgerinnseln, Blutfetten oder auch Kalziumablagerungen bestehen.

Auch interessant: Forscher finden möglichen Weg für Behandlung von Arteriosklerose

Frühe Arteriosklerose-Anzeichen – massive Gefahr fürs Alter

Sind in jungen Jahren oft nur winzige, einzelne Stellen betroffen, zeigt die Studie: Genau dieser Umstand bietet die Basis für ein massives Wachstum im Alter. Während die Kurve bei jungen Erwachsenen noch flach verläuft, schießt die Erkrankungshäufigkeit in der Lebensmitte und im höheren Alter steil nach oben. Die Forscher beobachteten, dass dieser Anstieg bei Frauen in der Mitte des Lebens sogar noch steiler verläuft als bei Männern.

Etwa jeder 13. junge Mensch betroffen (18 bis 29 Jahre)

Bereits in der jüngsten untersuchten Gruppe (18 bis 29 Jahre) waren 8,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen von „stiller“ Arteriosklerose betroffen. Das entspricht im Durchschnitt etwa jedem 13. jungen Menschen.

Ort der Verkalkungen – jung vs. alt

Was die Forscher noch herausfanden: Ist die Lawine erst einmal ins Rollen gekommen, breitet sich die Arteriosklerose meist auf mehrere Gefäßregionen gleichzeitig aus. Je älter die Teilnehmer waren, desto häufiger war das der Fall. Bei jüngeren Betroffenen beschränkte sich die Arteriosklerose meist auf Hals oder Beine und nur auf ein einzelnes Gefäßgebiet. Selten war über alle Altersgruppen hinweg eine reine Verkalkung der Herzkranzgefäße ohne gleichzeitige Ablagerungen in Hals oder Beinen.

In der Halsschlagader und den das Gehirn versorgenden Gefäßen begünstigen Blutgerinnsel einen Schlaganfall.

Im folgenden Video gibt Kardiologe Dr. Christopher Schneeweis Tipps für die Erhaltung der Herzgesundheit:

Bedeutung der Ergebnisse

Die Studie zeigt eindrücklich, dass Arteriosklerose ein lebenslanger Prozess ist, der oft schon im frühen Erwachsenenalter unbemerkt beginnt. Da die Gefäßverkalkung oft über Jahrzehnte hinweg keine Beschwerden verursacht, wiegen sich viele Menschen in falscher Sicherheit. Die Forscher zeigen auf, dass das Vorhandensein dieser „stillen“ Plaques ein Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse und den Tod darstellt – und zwar unabhängig von den Hauptrisikofaktoren:

(Neben körperlichen Erkrankungen, wie Rheuma, stehen auch psychische Vorbelastungen wie Angststörungen und Depressionen im Verdacht, das Risiko einer Arteriosklerose zu erhöhen.)

Weil Arteriosklerose lange „stumm“ bleibt, ist es so wichtig, sie früh zu erkennen

Die große Erkenntnis: Medizinische Aufmerksamkeit und Präventionsmaßnahmen müssten bei diesem Thema viel früher ansetzen, als es bisher üblich ist. „Arteriosklerose kann bereits im frühen Erwachsenenalter beginnen und über Jahrzehnte klinisch stumm bleiben, bevor sich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung manifestiert“, schreiben die Autoren der Studie.

Die Phase des frühen Erwachsenenalters ist deshalb entscheidend. Werden Plaques bereits in der „flachen“ Phase der Kurve entdeckt, ist das Potenzial für lebensstilbedingte oder medikamentöse Korrekturen am größten, bevor die Lawine an Fahrt aufnimmt. In der Lebensmitte sind es offenbar besonders Frauen, die eine besonders engmaschige Überwachung ihrer Gefäßgesundheit benötigen.

Stärken und Schwächen der Studie

Zu den Stärken der Studie zählt die sehr große Teilnehmerzahl aus zwei europäischen Ländern. Zudem wurden Männer und Frauen ausgewogen berücksichtigt und verschiedene Altersgruppen untersucht. Durch die modernen bildgebenden Verfahren konnten Gefäßveränderungen erkannt werden, bevor klinische Symptome oder bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorlagen.

Einschränkungen: Angaben zu möglichen Verzerrungen, detaillierten statistischen Verfahren, Nachbeobachtungszeiten oder weiteren methodischen Schwächen werden nicht beschrieben. Da ausschließlich Teilnehmer aus Dänemark und Spanien untersucht wurden, kann nicht gesagt werden, in welchem Umfang die Ergebnisse auf andere Bevölkerungen übertragbar sind.

Hauptgeldgeber der Studie ist die Novo Nordisk Foundation, Philips Healthcare und Zeiss unterstützten mit Hightech-Diagnostik. Solche Kooperationen sind in der medizinischen Forschung normal. Sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Ergebnisse beeinflusst sind, da in der Wissenschaft strikte Regeln zur Transparenz gelten.

Studienfazit

Die Studie zeigt, dass stille Arteriosklerose bereits im jungen Erwachsenenalter vorkommt und mit zunehmendem Alter deutlich häufiger wird. Von mehr als 16.000 untersuchten Erwachsenen wiesen 57,1 Prozent bereits Gefäßveränderungen auf, obwohl keine bekannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung vorlag.

Die Ergebnisse der Studie belegen keine direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge für die Entstehung von Arteriosklerose.

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Mögliche (späte) Warnsignale von Arteriosklerose

Auch, wenn sich bereits geringe Ablagerungen in den Arterien gebildet haben, bestehen zu Beginn der Erkrankung meist keine Beschwerden. Verstopfte Herzkranzgefäße verursachen beim Patienten oft ein Druck- und Engegefühl im Bereich des Brustkorbs. Überdies beeinträchtigen verstopfte Arterien die Nierenfunktion. Das erkennen Betroffene u. a. an schaumigem Urin, Wassereinlagerungen in den Beinen sowie hohem Blutdruck. Ein häufiges Warnsignal ist ein plötzlicher Ausfall des Gesichtsfeldes auf einem Auge. Auch Symptome der Schaufensterkrankheit sind ein dringender Hinweis auf arterielle Ablagerungen.

Relevante Blutwerte bei Verdacht auf Arteriosklerose

Die besprochene Studie lieferte jedoch Daten für die Früherkennung durch Bilder, nicht durch spezifische Laborparameter.

Auch interessant: Ab wann Cholesterinwerte kritisch sind – und wie man sie senkt

Wie kann ich mich vor Arterienverkalkung schützen?

Die Prävention sollte schon vor Auftreten etwaiger Arterienverkalkungen beginnen – in Form eines gesunden Lebenswandels. Risikofaktoren, wie das Rauchen oder ungesunde Ernährung, sollten vermieden und Risikofaktoren im Blut (v. a. die oben genannten Cholesterinwerte) regelmäßig untersucht werden. Außerdem empfiehlt es sich, den Blutdruck gelegentlich zu überprüfen, um so möglichst früh einen möglichen Bluthochdruck entdecken zu können.

Bei der Ernährung sollte primär auf eine pflanzenbasierte Kost (Obst, Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte) mit hohem Anteil an ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl, Nüsse etc.) geachtet werden. Stark verarbeitete Lebensmittel sollten vermieden werden – eine Übersicht der Gruppen für verarbeitete Lebensmittel (minimal bis stark verarbeitet) finden Sie hier. Ein Rauchstopp sowie der Verzicht oder die Minimierung des Alkoholkonsums sind ebenfalls ratsam. Generell hilfreich für ein langes Leben ist auch Bewegung: Die ideale Menge an Sport pro Woche liegt bei 150 bis 300 Minuten moderater Ausdaueraktivität pro Woche zuzüglich zweimal Krafttraining pro Woche.

Quellen

  1. Sniderman A.D., Thanassoulis G., Williams K. et al. (2016): Risk of Premature Cardiovascular Disease vs the Number of Premature Cardiovascular Events. Jama Cardiology. ↩︎
  2. Bundgaard H., García-Lunar I., Kofoed K. F. et al. (2026): Prevalence of Silent Atherosclerosis across Adult Life. New England Journal of Medicine. ↩︎

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