Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Nachgefragt bei Ernährungsexpertin

Aroniabeere – wie gesund das neue „Superfood“ wirklich ist

Ein Zweig mit Aroniabeeren. Sind die gesund?
Ein Zweig mit Aroninabeeren. Die Früchte haben viele sekundäre Pflanzenstoffe. Foto: Getty Images

Wer sich gesund ernähren will, der sollte sich die Aroniabeere genauer anschauen. Die eigentlich in Nordamerika beheimatete Beere wird auch in Ostdeutschland angebaut und findet sich unter anderem in Nahrungsergänzungsmitteln wieder.

Acaibeeren, Acerola und Goji – das sind nur drei Vertreter den sogenannten „Superfoods“, die besonders nährstoffreich sind und als gesund gelten. Der tatsächliche gesundheitliche Nutzen dieser Lebensmittel ist allerdings umstritten, Kritiker sprechen von „Lifestyleprodukten“. Auch Aronia wird hierzulande zunehmend als gesundes Superfood vermarktet. Für FITBOOK Grund genug, sie einem Check zu unterziehen.

Was ist Aronia?

Aronia ist eine Beere, die in Deutschland auch als Schwarze Apfelbeere oder Schwarze Eberesche (Aronia melanocarpa) bekannt ist. Hierzulande wird sie hauptsächlich in Brandenburg und Sachsen angebaut, länger schon in Osteuropa. Ursprünglich stammt sie aus Nordamerika. Geerntet werden kann die Beere im August. Sie ist etwa erbsengroß und violett-schwarz.

Welche Nährstoffe liefert die Aroniabeere?

100 Gramm Aroniabeeren kommen auf 114 Kalorien. Sie haben 2,5 Gramm Eiweiß, zwei Gramm Fett, drei Gramm Ballaststoffe und 20 Gramm Kohlenhydrate (18 davon sind Zucker). Aroniabeeren sind darüber hinaus reich an sekundären Pflanzenstoffen, wie den Flavonoiden und phenolischen Säuren, so Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind in vielen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Nüsse oder Vollkornprodukten enthalten. Mit einer normalen Mischkost nimmt der Mensch im Schnitt 1,5 Gramm am Tag auf. Die Stoffe geben den pflanzlichen Lebensmitteln ihre Farbe und sollen laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) möglicherweise vor verschiedenen Krebsarten schützen und den Blutdruck senken. Die DGE empfiehlt einen hohen Verzehr oben genannter Lebensmittel, um eine gute Versorgung mit sekundären Pflanzenstoffen sicherzustellen.

„Zudem enthalten Aroniabeeren Vitamin C (13,7 mg pro 100 g), Folsäure (20 µg), Zink (0,15 mg) und Eisen (0,9 mg)“, erklärt Krehl weiter. Klingt, also ob die Aronia erstmal gesund wäre.

Auch interessant: Was steckt in sekundären Pflanzenstoffen?

Ist die Aronia also ein „Superfood“?

Das Oxford English Dictionary definiert das Superfood als ein „nährstoffreiches Lebensmittel, das als besonders förderlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden gilt“. In Deutschland gibt es keine gesetzliche Regelung, was als Superfood gilt und was nicht. Daniela Krehl beschreibt Superfood so: „Als Superfoods werden meist natürliche und exotische Lebensmittel mit größeren Mengen an Vitaminen und/oder Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen angeboten.“ Die Aroniabeere befindet sich also klar im Rahmen dieser Definitionsversuche. Ihr Vorteil gegenüber exotischem Superfood: eine bessere Ökobilanz, da die Transportwege deutlich geringer sind.

Auch interessant: Warum die Superfrucht Avocado so gesund ist

Kann ich Aroniabeeren roh essen?

„Die Beere hat einen herb-süß-säuerlichen Geschmack und eignet sich daher eher für die Verarbeitung als für den sofortigen Verzehr“, erklärt Krehl. Jedoch können die enthaltenen Gerbstoffe bei empfindlichen Menschen Bauchschmerzen verursachen. Die Verträglichkeit sei besser, wenn man getrocknete Beeren oder reinen Aroniasaft zu oder nach den Mahlzeiten zu sich nimmt.

Daniela Krehl weist außerdem auf Folgendes hin: „Die Kerne der Aroniabeeren enthalten in geringe Mengen Amygdalin, welches im Körper Blausäure freisetzen kann“. Laut Max-Rubner-Institut ist ein regelmäßiger Verzehr von Produkten aus Aroniabeeren hinsichtlich des Blausäuregehaltes allerdings unproblematisch. Aber verträglich und nicht giftig bedeutet ja noch lange nicht „gesund“ – was kann die Aroniabeere also in dieser Hinsicht?

Aronia und Blausäure

Aronia kann im Körper geringe Mengen Blausäure freisetzen. Blausäure ist hochgiftig – bis zu einem Wert von eins bis 60 Milligramm pro Körpergewicht jedoch tolerierbar. Kommt Blausäure jedoch in toxischen Mengen vor, sorgt ein Enzym der Atmungskette dafür, dass der Sauerstofftransport im Körper verhindert wird. In der Folge können Zellen keinen Sauerstoff mehr aufnehmen und ersticken innerlich.

Wie gesund sind Aroniabeeren?

„Tatsächlich sind Aroniabeeren reich an Anthocyanen und Polyphenolen, die mit einer Reihe von gesundheitsfördernden Eigenschaften in Verbindung gebracht werden“, erklärt die Expertin Daniela Krehl. Diese Pflanzeninhaltsstoffe seien allerdings auch in anderen Beeren, wie zum Beispiel Holunderbeeren, Heidelbeeren oder Brombeeren enthalten. Die Verbraucherzentrale weist außerdem darauf hin, dass in Studien zwar ein gesundheitsfördernder Einfluss von Aronia festgestellt wurde, die Ergebnisse beziehen sich aber auf „herkömmliche Lebensmittel und nicht auf die daraus isolierten Stoffe“.

Positive Ergebnisse hinsichtlich der Gesundheitsförderung haben Studien in Bezug auf Diabetes mellitus Typ 2 und Hypertonie (erhöhter Blutdruck gezeigt, Anm. Red.) gezeigt. „In einer Studie mit Typ-1- und Typ-2-Diabetikern konnte die tägliche Aufnahme von 200 Millilitern Aroniasaft über drei Monate den Glukosespiegel bei Typ-2-Diabetikern senken“, schreibt ein Autorenteam des Bundeszentrums für Ernährung über die Beere.

Auch interessant: Eigenes Superfood herstellen aus frischer Hagebutte

Bei Bluthochdruck-Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt hatten, wurde mit einem Aroniasupplement eine Verbesserung über einen Zeitraum von sechs Wochen festgestellt. Sowohl der systolische als auch diastolische Blutdruck konnten gesenkt werden.

Was ist was?

Können Aroniabeeren vor Krebs schützen bzw. ihn heilen?

Sogar als Schutz vor Krebs wird Aronia angepriesen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung. Die aktuelle Wissenslage gäbe das allerdings nicht her, so Krehl. Zwar hätten laut Deutschem Krebsforschungszentrum Studien mit Darm-, Brust-, Leukämie- und Gebärmutterhalskrebs-Zelllinien gezeigt, dass bestimmte isolierte Polyphenole (aromatische Verbindungen, Anm. Red.) aus Aroniabeeren das Zellwachstum gehemmt haben. „Um zu prüfen, ob Aronia auch bei Menschen vor Krebs schützt, müssen jedoch bisher nicht erfolgte klinische Untersuchungen durchgeführt werden“, erklärt Daniela Krehl. Aronia hat also das Potenzial gesund zu sein.

Auch interessant: Das „Superfood“ Goji-Beere im Check

Fazit

Aroniabeeren werden vor allem zu Saft und Marmelade verarbeitet, sind aber auch als Trockenfrüchte zu kaufen. Ebenso sind sie in Kapsel- und Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt erhältlich. Aroniabeeren sind vielseitig einsetzbar. Durch ihren regionalen Anbau schaden sie der Umwelt weniger als exotische Superfoods. Hervorzuheben sind die positiven Ergebnisse, die Aronia für Bluthochdruck- und Diabetes-Patienten haben kann. Die Forschung in Bezug auf den Schutz vor Krebs muss allerdings noch vorangetrieben werden. Es bleibt festzuhalten, dass Aronia eine Bereicherung für den Speiseplan darstellt und durchaus gesund ist. Aber aufgepasst: Die frischen Beeren können Zähne und Zunge blau färben.

Themen