26. Oktober 2026, 15:00 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
30 Marathons in 30 Tagen sind bei dem Extremsportler Jonas Deichmann (39) eigentlich fast schon erwartbar. Das Besondere an seiner jüngsten Challenge ist etwas anderes: Mit seiner extremen Ausdauerleistung hat der Extremsportler erneut Tausende Menschen selbst zum Laufen gebracht. Bei FITBOOK verrät Deichmann, wie er seinen Körper auf die Belastung vorbereitete, warum er heute besser regeneriert als früher und was Hobbyläufer von ihm lernen können.
Die Bilder erinnern an den Film „Forrest Gump“ mit Tom Hanks. Ein Mann läuft quer durchs Land. Erst allein, dann schließen sich immer mehr Menschen an. Sie laufen ein Stück mit ihm, verabschieden sich wieder – während er einfach weiterläuft. Was im Film zur Legende wurde, ließ Extremsportler Jonas Deichmann zuletzt in Baden-Württemberg auf seine eigene Weise Wirklichkeit werden. Vom 24. September bis zum 23. Oktober lief der 39-Jährige für seine „MOVE IT!“-Challenge 30 Marathons in 30 Tagen quer durch seine Heimat. Rund 1400 Kilometer ohne einen einzigen Ruhetag.
Wie Jonas Deichmann ein ganzes Bundesland zum Laufen brachte
Laut Veranstalter meldeten sich für „MOVE IT!“ Insgesamt 19.080 Menschen an, um ein Stück des Weges gemeinsam mit Deichmann zurückzulegen. Déjà-vu! Schon seine „Challenge 120“ hatte sich 2024 über Monate hinweg zu einem riesigen Gruppenevent entwickelt, was ihm damals den Spitznamen „der deutsche Forrest Gump“ einbrachte. Nun also 30 Marathons und „viele Menschen sich mit Spaß und Freude bewegt haben“. Darin sieht Deichmann ohnehin den eigentlichen Erfolg des Projekts.
Rund 682.000 gelaufene Kilometer sollen zusammengekommen sein. Das entspricht etwa 17 Erdumrundungen! Auch prominente Sportler unterstützten die Aktion, darunter die ehemaligen Fußball-Nationalspieler Timo Hildebrand und Cacau sowie Paralympics-Sieger Niko Kappel. Mit der Initiative sollen über 800.000 Euro an Spenden für regionale Vereine, gemeinnützige Einrichtungen und ehrenamtliches Engagement gesammelt worden sein. Das Ehrenamt zu unterstützen, war das Herzensanliegen von Jonas Deichmann bei dieser Aktion, der seine Kindheit in Sportvereinen verbracht hat.
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So bereitete Deichmann seinen Körper auf die 30 Marathons vor
Obwohl Deichmann schon ganz andere Dimensionen des Ausdauersports erklommen hat (u. a. 120 Langdistanz-Triathlons an 120 aufeinanderfolgenden Tagen 2024, Triathlon um die Welt 2020–2021, Rekorde im Ultracycling 2017 bis 2019) bedeuteten die 30 Marathons eine enorme körperliche Belastung für ihn. Erst einen knappen Monat zuvor war er von einer Europaumrundung auf dem Gravelbike mit seiner Partnerin Josefine Rutkowski zurückgekommen (FITBOOK berichtete). „Die wirkliche Herausforderung bei diesem Projekt war die kurze Zeit zwischen Europaumrundung und dem ersten Marathon“, erklärte uns Jonas Deichmann vor dem Start der 30 Marathons. Er musste sich in 26 Tagen gleichzeitig von der Radbelastung erholen und seinen Körper auf das tägliche Laufen vorbereiten.
Wie hat er dieses Problem für sich gelöst? Bei FITBOOK verrät er es:
- tägliche Laufeinheiten zwischen zehn und 25 Kilometern
- ergänzt durch Stabilitätstraining
- und Yoga.
„Die Ausdauer hatte ich ja vom Rad. Es ging also primär um laufspezifische Muskulatur“, so Deichmann. Denn auch, wer konditionell hervorragend trainiert ist, muss seinen Bewegungsapparat an die besonderen Belastungen des Laufens gewöhnen. Anders als beim Radfahren wirken bei jedem Schritt wiederholt Stoß- und Bremskräfte auf Muskeln, Sehnen und Gelenke.
Dass die 30 Marathons trotz seiner Erfahrung kein Spaziergang werden würden, war Deichmann übrigens schon vor dem Start klar. Im Gespräch mit FITBOOK hatte er prognostiziert, dass vor allem die Tage „zwei bis sieben schmerzhaft werden, bevor es dann besser wird“. Und schwere Momente, die hatte er dann auch.
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„Ich hatte auch schwere Momente“ – und warum sein Körper heute mehr aushält als früher
„Bei meinen 120 Ironman-Distanzen hintereinander war der Marathon ja nur die jeweils letzte Disziplin. Das war definitiv körperlich und auch mental schwieriger“, erklärt er. Trotzdem seien 30 Marathons hintereinander jetzt auch eine enorme Belastung gewesen. „Ich hatte auch schwere Momente, insbesondere da ich mich nicht perfekt vorbereiten konnte.“
Bemerkenswert ist, dass Deichmann nach Jahren voller Extremsport nicht das Gefühl hat, dass sein Körper zunehmend verschleißt. Das Gegenteil scheint zuzutreffen: „Mein Körper steckt die Strapazen deutlich besser weg als noch vor ein paar Jahren.“ Er habe inzwischen viel über Regeneration gelernt und achte heute bewusster auf Schlaf, Ernährung und aktive Erholung. So erklärt sich der Extremsportler das. Er macht damit deutlich, dass es beim langfristigen Ausdauertraining nicht allein darum geht, immer härter zu trainieren. Entscheidend ist auch, dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich an Belastungen anzupassen.
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Seine Tipps für alle, die von ihrem ersten Marathon träumen
Was können normale Freizeitsportler von einem Mann lernen, der 30 Marathons am Stück läuft? Für Deichmann beginnt der Weg zum ersten Marathon mit einem gemeinsamen Ziel: „Ich empfehle, sich einen Freund oder eine Freundin zu suchen und sich dann gemeinsam direkt bei einem Marathon in den nächsten Monaten anzumelden. Das schafft Verbindlichkeit.“ Anschließend komme es darauf an, das Training „langsam, aber kontinuierlich“ zu steigern. Wichtig aus seiner Sicht: Diese Steigerung sollte nicht nur mit Laufen, sondern auch mit Stabilitätstraining und Yoga bzw. Dehnen erfolgen, um Verletzungen zu vermeiden.
Ein bisschen Realitätssinn schadet aber auch nicht. Gerade Laufanfänger benötigen je nach Trainingsstand ausreichend Vorbereitungszeit. Ein Marathon nach wenigen Monaten ist nicht für jeden sinnvoll. Denn wie Deichmanns jüngste Challenge gezeigt hat, muss man selbst keinen Marathon laufen, um Teil von etwas Großem zu werden. Manchmal reichen schon ein paar gemeinsame Kilometer.