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Muskeln abbinden

Wie gefährlich ist Blood Flow Restriction Training?

Ein Mann beim Blood Flow Restriction Training
Immer häufiger sieht man Sportler, die sich beim Krafttraining mit Bändern den Blutfluss abschnüren. Der Sauerstoffentzug soll einen besonders schnellen Muskelzuwachs bewirken. FITBOOK fragte Experten, ob man das nachmachen sollte.
Foto: Mybimaxx.de

Sportler im Fitnessstudio tragen vermehrt Bänder um Arme oder Beine. Nicht aus Style-Gründen, sondern weil ein unterbrochener Blutfluss den Muskelaufbau unterstützen soll. Bloß: Kann, was die Venen bedenklich aufgepumpt aussehen lässt, gesund sein? FITBOOK sprach mit Experten.

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Was ist Blood Flow Restriction Training?

Die traditionelle Methode des muskulären Trainings, wie Sato sie im Sinn hatte, wird inzwischen auch von Laien auf eigene Faust angewandt. Sie investieren aber nicht immer in das vorgesehene, hochpreisige Equipment. Man sieht immer häufiger Gym-Besucher, die sich mit improvisierten Manschetten, Klebeband oder Schnüren die Oberarme oder Oberschenkel abbinden. Das sieht nicht ganz ungefährlich aus.

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Blutabklemmen zum Muskelaufbau – gefährlich oder zielführend?

Dass es tatsächlich etwas bringen soll, bestätigen inzwischen zahlreiche Studien – das berichtet uns Priv.-Doz. Dr. Axel Preßler, Facharzt für Kardiologie, Innere Medizin und Sportmedizin im Münchener Facharztzentrum Marianowicz Medizin. Wie er im FITBOOK-Interview sagt, legt eine reichhaltige Datenlage nahe, dass eine befristete Sauerstoffunterversorgung für ein vermehrtes Vorkommen von Wachstumshormonen und insulinähnlicher Wachstumsfaktoren sorgt. „Mit dieser Methode des muskulären Trainings wurden auch in der rehabilitierenden Medizin bereits gute Erfolge erzielt.“

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Aber – den Blutfluss abklemmen – sollte man das doch vielleicht besser unter ärztlicher Überwachung machen? Dr. Preßler ist da nicht so streng. „Es spricht eigentlich nichts dagegen, das mit dem Blood Flow Restriction Training auszuprobieren, auch ohne die Hilfe eines Profis.“ Die Methode gelte „in der Summe als relativ verträglich“, versichert er uns, und man könne sich damit nicht wirklich schaden. Durch zu festes Abklemmen drohen gegebenenfalls kleinere Blutergüsse. Menschen mit genetischen Vorbelastungen – einer Venenschwäche etwa, der Veranlagung zu Thrombose oder Herzproblemen – sollten davon jedoch Abstand nehmen.

Kaatsu-Training

Wenn man es richtig macht, sieht Kaatsu-Training nicht mehr gefährlich aus
Foto: www.kaatsu-deutschland.de

So funktioniert Blood Flow Restriction Training

Die Bandage wird dicht zum Muskelursprung und ohne Muskelspannung angelegt. Es soll nicht der komplette Blutfluss gestoppt werden, erklärt Dr. Preßler, sondern nur der Rückfluss über die Venen. Bedeutet: Das Blut soll schon hineinlaufen, aber eben nicht mehr zurück. „Der Muskel braucht schon Blut, um arbeiten zu können, sonst könnten anhaltende Muskelschäden entstehen.“ Ob der Sitz stimmt, merke man schnell selbst. Beginnt es nach bereits einer Minute oder weniger, im entsprechenden Arm oder Bein zu kribbeln, sitzt das Band zu fest; zeichnen sich die Venen gar nicht ab, ist es zu locker. Eine zuverlässigere Kontrolle wäre mit einer Blutdruckmanschette möglich, die aber nur die wenigsten Menschen zur Verfügung haben. Als ideal gelte ein Druck von etwa 140 mmHg. „Ein guter Richtwert ist, ob man am Armgelenk noch einen Puls spüren kann“, rät Dr. Preßler. „Das zeigt, dass das Blut noch hineinschießt.“

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Experten geben grünes Licht

Auch Professor Dr. Stephan Geisler, Professor für Fitness & Health Management an der IST-Hochschule in Düsseldorf, hat persönliche Erfahrungen mit Okklusionstraining gemacht. Positive! Er ist vor vielen Jahren zum ersten Mal damit in Kontakt gekommen, als er einen diesbezüglichen Studienbericht sichtete. Die aufgeführten Thesen haben ihn schnell überzeugt. Auch für ihn selbst hat es sich inzwischen bewährt. Auf seinem YouTube-Kanal Fitnessprofessor geht er auf das Thema genauer ein:

Das passiert beim Okklusionstraining im Körper

Wie der Fitnessprof erklärt, gibt es zwei Arten von Muskelfasern: die roten, die etwas langsamer kontrahieren, und die schnelleren weißen. Um bei Letzteren das Wachstum, „beziehungsweise die Maximalkraft“ zu stimulieren, seien normalerweise schnelle Bewegungen oder Intensiv-Training mit schweren Gewichten die beste Möglichkeit, entsprechend seien besagte Muskelfasern etwa bei Sprintern besonders gut ausgebildet. Sie sollen aber auch auf sauerstoffarme Milieus gut reagieren – das hatte er schon früher gelesen und werde in mehreren Untersuchungen zum Blood Flow Restriction Training bestätigt. Mit einem Kollegen von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, einer Koryphäe im Bereich Okklusionstraining – Jun.-Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Michael Behringer – plant der Fitnessprof aktuell selbst eine Studie. Dabei soll erforscht werden, ob sich die Methode dazu eignet, beispielsweise die Wadenmuskulatur schnell aufzubauen, wenn die bestehenden Armmuskeln bereits besser ausgeprägt sind.

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Fazit zur Methode

Völlig risikofrei sei das Ganze nun auch nicht. Der Fitnessprof würde daher nicht empfehlen, das Blood Flow Restriction Training ohne professionelle Überwachung durchzuführen. „Es ist schwierig für Laien, herauszufinden, wie fest sie die Binden legen können“, weiß der Profi. So gebe es immer welche, die es übertreiben und es könne – wenn man die Extremitäten über einen längeren Zeitraum zu fest abbindet oder die Fesseln nicht mehr löst – zu Schädigungen im Gewebe kommen. Professor Geisler berichtet vom Fall eines Mannes, der mit akutem Nierenversagen ins Krankenhaus kam. Er hatte sich die Beine über Stunden mit Kabelbinder abgeschnürt.

Kaatsu Training

Bei „Kaatsu Training Deutschland“, einem Studio in Reinheim, werden Kurse und Ausrüstung nach dem japanischen Vorbild angeboten
Foto: www.kaatsu-deutschland.de

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