12. März 2026, 16:00 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Für das am 11. März gestartete Iron-Cage-Event müssen die Teilnehmer über 72 Stunden versuchen, 1 Million Kilogramm zu stemmen. Das hat nichts mit einem normalen Trainingsplan gemein – doch was wäre, wenn? Deswegen hat sich FITBOOK-Redakteur Michael Winges gemeinsam mit Experte Markus Bremen gefragt, was im Fitnessstudio sofort schiefgehen würde.
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Diese Gefahren sieht der Fitnessexperte
Im klassischen Krafttraining wechseln sich Belastung und Erholung bewusst ab. Den Muskelgruppen werden meist 48 bis 72 Stunden Regenerationszeit eingeräumt, bevor sie erneut intensiv trainiert werden. Deshalb würden bei einer 72-Stunden-Challenge ohne ausreichende Erholung bei vielen Hobbysportlern sehr schnell Probleme auftreten, berichtet Markus Bremen.
Für Hobbysportler sieht der Fitnessexperte die folgenden Probleme:
- massive Muskelerschöpfung
- Technikverlust durch Ermüdung
- Überlastung von Sehnen und Gelenken
- erhöhtes Risiko für Muskelverletzungen
- im Extremfall auch Rhabdomyolyse, also übermäßiger Muskelzellzerfall
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Rhabdomyolyse – Muskeln, die sich selbst auflösen
Das gravierendste Risiko eines solchen Extremereignisses stellt die sogenannte Rhabdomyolyse dar. Infolge einer massiven Überbelastung werden die Muskelzellen derart geschädigt, dass ihre Bestandteile ungehindert in die Blutbahn gelangen. Besonders kritisch ist hierbei das Protein Myoglobin – es kann die feinen Strukturen der Nieren blockieren und im schlimmsten Fall zu einem akuten Nierenversagen führen. Tatsächlich ist bei rund einem Drittel der Betroffenen eine Dialysebehandlung unumgänglich.1 Ein typisches Warnsignal für diesen Prozess ist eine tiefbraune Verfärbung des Urins.
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Was lernen wir von Ultramarathons?
Ein vergleichbares Event gab es noch nie zuvor, weshalb es schwer ist, die möglichen Risiken sicher festzustellen. Aber es lässt sich ein Blick auf vergleichbare Ultra-Formate werfen – und wo die Datenlage am aussagekräftigsten ist, sind Ultramarathons.
„Der Körper kann extreme Belastungen tolerieren – aber nur, wenn er systematisch darauf vorbereitet wurde“, sagt Markus Bremen. Genau das fehlt bei spontanen Nachstellungen solcher Formate im Fitnessstudio. Selbst bei Ultramarathon-Läufern zeigt sich, dass gut trainierte Ausdauersportler nach extremen Belastungen mit stark erhöhten Entzündungsmarkern zu kämpfen haben – und das trotz jahrelanger Vorbereitung.2 Für unvorbereitete Hobbysportler würde der Körper deutlich früher die Quittung präsentieren.
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Experte betont: »Nach 24 Stunden ist der Kopf der limitierende Faktor
Die Belastung des Hormonsystems
Ein stark unterschätzter Faktor ist der Schlafentzug. Ohne Tiefschlaf schüttet der Körper kaum noch Wachstumshormone aus – jene Botenstoffe, die Muskeln nach dem Training reparieren und stärken. Gleichzeitig steigt das Stresshormon Cortisol massiv an. Cortisol ist der natürliche Gegenspieler des Muskelaufbaus: Es signalisiert dem Körper Gefahr und leitet den Abbau von Muskelgewebe ein. Das paradoxe Ergebnis wäre bei Iron Cage also: Je länger die Athleten schuften, desto mehr zerstören ihre eigenen Stresshormone genau die Muskeln, die sie gerade benutzen.3
Sehnen und Gelenke – zu langsam für diesen Wahnsinn
Was viele nicht wissen: Muskeln passen sich an Belastung deutlich schneller an als Sehnen und Gelenke. Während ein Muskel innerhalb von Tagen erste Anpassungsreaktionen zeigt, benötigen Sehnen Wochen bis Monate. Bei 72 Stunden Dauerbetrieb werden sie schlicht überrollt. Die Folgen reichen von Sehnenentzündungen über Mikrorisse bis zu kompletten Sehnenrissen – etwa an Schulter, Knie oder Achillessehne.4 Dazu kommt: Je erschöpfter der Körper wird, desto schlechter wird die Hebetechnik. Wer mit zitternden Muskeln und leerem Kopf noch eine Langhantel stemmt, hebt nicht mehr kontrolliert – und genau dann passieren die wirklich gefährlichen Verletzungen. Deshalb würde Markus Bremen als Trainer klar davon abraten, solche extremen Formate unvorbereitet im Fitnessstudio nachzustellen.