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von FITBOOK

„Die Höhle der Löwen"

Was taugt die Fitnessmatte „FitterYOU“ wirklich?

„FitterYOU“ ist eine Trainingsmatte mit dazugehöriger Coaching-App für die Fritz Grünewalt in „Die Höhle der Löwen“ Investoren sucht. FITBOOK hat mit dem Gründer gesprochen sowie das Produkt vorab für Sie getestet. Ob die Matte unserer Meinung nach wirklich etwas taugt, lesen Sie hier!

Die Fitnessmatte FitterYOU bei „Die Höhle der Löwen“

Hinter FitterYOU steht Diplom-Betriebswirt Fritz Grünewalt. Der 41-Jährige ist leidenschaftlicher Fußballfan, doch Sport ist für ihn nicht nur Hobby, sondern auch Beruf. So war er sechs Jahre lang Vorstandsmitglied beim Fußball-Traditionsverein 1.FC Kaiserslautern. Heute ist er unter anderem Start-Up-Unternehmer und möchte in der „Höhle der Löwen“ (dienstags ab 20.15 Uhr bei Vox) einen Investor von seinem Konzept aus Trainingsmatte und Coaching-App überzeugen. Sein Angebot an die Löwen: 500.000 Euro für 10 Prozent der Unternehmensanteile an FitterYOU. Ob er damit einen Deal an Land ziehen kann?

Wie kam es zur Idee für FitterYOU?

Die Idee für FitterYOU hatte Fritz Grünewalt 2014 nach einem schweren Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule. „Trotz einer sehr guten Reha, blieb in meinem linken Arm und in der Hand ein Taubheitsgefühl. Die Ärzte sagten mir, ich soll mich damit abfinden. Mein Physiotherapeut schickte mir aber jeden Tag kurze Videos, in denen er mich zu Übungen animierte, die ich auch im Büro, im Zug und im Hotel ausführen konnte. Dabei hat er meinen jeweiligen Fortschritt berücksichtigt. In diesem Moment habe ich erkannt, dass regelmäßige, in den Alltag integrierte Bewegung der Schlüssel für mehr Mobilität, mehr Lebensqualität und sogar schnellere Heilungsprozesse ist“, so der Gründer im FITBOOK-Interview. Ihm sei es vor allem ein Anliegen, statt nur die Folgen eines bereits entstandenen gesundheitlichen Schadens abzuschwächen, bereits früher anzusetzen. „Meine Vision ist eine fittere und damit auch gesündere und zufriedenere Gesellschaft“, erklärt uns Fritz Grünewalt.

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Wie funktioniert das Produkt?

FitterYOU erscheint auf den ersten Blick wie eine etwas buntere, größere Fitnessmatte. Aber was unterscheidet sie von der Konkurrenz auf dem Markt? Auf diese Frage hin erläutert der Start-Up-Unternehmer: „FitterYOU ist eine Kombination aus Motivation, personalisierter Trainingsmatte und Personal-Coaching-App.“ Die Matte gibt es je nach Körpergröße des Benutzers in verschieden Ausführungen. Die farbigen Positionsmarkierungen für Hände, Füße und Knie sollen dafür sorgen, dass die Übungen richtig, sauber und effektiv ausgeführt werden. Die zugehörige App verfügt laut Fritz Grünewalt über eine so genannte „Trainingsintelligenz“, die dem User für jede Session sein persönliches Trainingsprogramm zusammenstellen soll. „Die Anwendung lernt bei jeder Nutzung dazu, optimiert so das folgende Training und baut eine passende Steigerung ein. Der große Benefit für jeden User ist aber auch, dass er die Übung auch direkt auf der Matte gezeigt bekommt und sie so viel schneller erfassen und effektiver ausführen kann, weil alles aufeinander abgestimmt ist“, beschreibt Grünewalt die Funktionsweise des FitterYOU-Konzepts. Auch gäbe es noch ein zusätzliche Team-Challenge Funktion. „Damit sollen Impulse geschaffen werden, sich gemeinsam mit anderen Nutzern gegenseitig zu motivieren“, so der Gründer.

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Welche Varianten gibt es und was kosten sie?

Die FitterYOU-Matte gibt es immer in Kombination mit der Coaching-App zu kaufen. Momentan bietet das Start-Up sein „Premium Paket“ mit einer Premium Matte und 90 Tagen vollem App-Zugang zu einem „Die Höhle der Löwen“-Angebot für 59 Euro an. Außerdem gibt es auch ein günstigeres Einsteiger-Paket mit einer „Do-It-Yourself-Matte“ aus reißfestem Kohlepapier für 19 Euro. Die Preise variieren generell je nach der Dauer des App-Abos. Fritz Grünewalt selbst empfiehlt für langfristige Ergebnisse die Variante „Premium 180“ mit Matte und App-Zugang für mind. sechs Monate (Preis 84,99 Euro).

Für wen soll sich FitterYOU eignen?

„Da wir uns voll auf die Person und das individuelle Fitnesslevel einstellen, ist es für Einsteiger, Fortgeschrittene und Pros geeignet. Auf der Matte kann der User, wenn er neue Übungen möchte, sein Bewegungsrepertoire ständig verbessern“, erklärt Grünewalt. Die Zielgruppe seien aber besonders alle, die nicht regelmäßig zu festen Zeiten ins Fitnessstudio gehen können oder wollen – beispielsweise Berufstätige und  Eltern – aber dennoch im Alltag etwas für ihren Körper tun wollen.

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Sechs Millionen Euro wurden bereits investiert

FitterYOU ist übrigens bereits seit 2019 auf dem Markt. „Davor haben wir über zwei Jahre an unserer Trainingsintelligenz gearbeitet. Dazu haben wir unter anderem in einem eigenen Filmstudio mit Drehbuchautoren und neuester Kameratechnik sehr viel darüber gelernt, wie man Fitnessvideos produzieren muss, damit sie über einen längeren Zeitpunkt motivierend bleiben“, erzählt der FitterYOU-Gründer. In sein Produkt sei auch schon eine Menge an Geld geflossen. „Wir sind komplett eigenkapitalbetrieben und haben gut sechs Millionen in Trainingsintelligenz, Videotechnologie, Physioanwendungen, Matten-Entwicklung und Produktion investiert. Richtig investiert haben wir auch in unser Trainings-Lab, in dem wir mit echten Nutzern mehr als 21.000 Trainings betreffend Ausführung, Verständlichkeit, Effektivität und Motivation getestet und ausgewertet haben“, so Fritz Grünewalt weiter. Aber der Einsatz habe sich nach seiner Aussage mittlerweile gelohnt: „Seit Januar 2020 schreiben wir schwarze Zahlen!“

Zusammenarbeit mit Fußball-Weltmeister André Schürrle

Durch seine Tätigkeit als Vorstandsmitglied beim 1.FC Kaiserslautern konnte sich Fritz Grünewalt ein breites Netzwerk an Top-Physiotherapueten und Reha-Spezialisten sowie verschiedenen Profi-Sportlern aufbauen, die er zum Teil auch für die Entwicklung von FitterYOU zu Rate gezogen hat. Einer davon ist Fußball-Weltmeister André Schürrle! „André hat zwar nicht direkt mitentwickelt, aber immer mit getestet, Feedback gegeben und uns so geholfen, das Training weiter zu verbessern“, berichtet der Gründer von der Zusammenarbeit mit dem Spitzensportler. Daneben seien zudem Olympiasiegerin Miriam Welte (Bahnrad) und Athletiktrainer Mike Steverding unterstützend tätig gewesen. Auch Handball-Nationalspieler Uwe Gensheimer sei aktuell neu mit im Boot. Bei der Zusammenarbeit ist Fritz Grünewalt vor allem immer eines wichtig: „Für uns kommt es darauf an, dass es mit unseren Partnern auch menschlich passt und sie voll hinter unserer Idee stehen“.

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FitterYOU im Praxis-Test – was taugt die Fitnessmatte?

Schon vor Ausstrahlung der Sendung durfte FITBOOK-Autorin Carolin Berscheid die FitterYOU-Matte plus App testen. Ob Sie sie weiterempfehlen würde, lesen Sie hier.

Erste Schritte – App-Konfiguration und Fitnesscheck

Gleich zu Beginn ein Pluspunkt, das FitterYOU-Paket kam, trotz Corona-Lieferchaos, innerhalb von zwei Werktagen bei mir an. Enthalten waren die Fitnessmatte für kleine Menschen (Größe S) und ein sogenanntes „Motivations-Kit“, bestehend aus einem Fitnessband plus einer kleinen Motivationskarte. Was mir hier bereits aufgefallen ist, die Matte braucht ordentlich Platz und ist eher nichts für sehr kleine Wohn- oder Schlafzimmer.

Den Zugangscode für die Premium-App-Version habe ich per Mail erhalten. Zu Beginn musste man Angaben zu Alter, Größe und Gewicht machen sowie sein persönliches Fitnessziel auswählen (Abnehmen, Fitness steigern oder Kraftaufbau). Darauf folgte ein Fitnesscheck, der aus fünf verschiedenen Übungen bestand, mit denen die Kraft und Ausdauer getestet werden sollten. Nach jeder Übung musste man Angaben zu geschafften Wiederholungen oder dem Puls machen. Anhand dessen sollten dann die für mich passenden Übungen ausgewählt werden.

Das Training mit FitterYOU-Matte und App

In der App kann man zwischen einer 20 oder 40 Minuten Trainingseinheit wählen. Ich habe mich für das 20-minütige Workout gemeinsam mit Trainerin Luisa entschieden. Das Programm bestand aus drei Phasen: Aktivierung, Training und Regeneration. Dazu wurde jeweils Übungen zusammengestellt. Bei mir waren es zwei Dehnübungen (zwei Sätze), zwei Beinübungen (drei Sätze) und zum Abschluss eine Koordinationsübung (ein Satz).

Die Ausführung wurde zu Beginn von der Trainerin erklärt. Hier muss ich allerdings sagen, dass ich das etwas zu ausführlich fand und letztlich übersprungen habe. Während des Trainings wird man von Luisa immer wieder motiviert, hier ist sie mir allerdings eine Spur zu aufgesetzt fröhlich. Auch, dass sie nach den Einsteiger-Übungen „völlig außer Atem“ war, fand ich (auch wenn dahinter sicher irgendein Motivationszweck stecken sollte) nicht unbedingt glaubwürdig. Ich selbst habe es eher als locker empfunden und würde mein Sportlichkeits-Level sicher nicht mit dem einer Personal Trainerin gleichsetzen.

Generell fand ich das gesamte Training wenig anspruchsvoll und so richtig in Schwitzen gekommen, bin ich leider nicht. Hier müsste man sich noch genauer mit den einzelnen Konfigurationen in der App auseinandersetzen. Ich habe auf die Schnelle nicht herausfinden können, ob man z.B. zwischen Ganzkörper- oder speziellem Training wählen kann. Weiteres Manko, ich hatte mit meinen knappen 1,60m Größe trotz kleinster Matte teilweise Probleme mit Abständen einzelner Markierungen, die für mich zu weit auseinander waren.

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Viele gute Ansätze – aber noch Verbesserungspotential

Zugegebenermaßen konnte ich mir natürlich noch kein genaues Bild über die langfristige Effektivität eines Trainings mit FitterYOU machen. Ich bin sicherlich auch keine Trainingsexpertin, aber das Produkt soll schließlich auch Alltags-Sporler wie mich ansprechen. Auf den ersten Blick erscheint mir die Matte recht gut verarbeitet und die App einfach und verständlich. Den persönlichen Fitnesscheck am Anfang finde ich sehr sinnvoll. Ebenso, dass man ohne diesen absolviert zu haben, gar nicht erst los trainieren darf. Ein richtiges Feedback zu meinem aktuellen „Stand der Dinge“ habe ich aber leider am Ende des Checks nicht bekommen. Das finde ich verbesserungswürdig.

Die mögliche Auswahl zwischen den zwei Trainern bringt Abwechslung.  Sicherlich sinnvoll sind die Markierungen auf der Matte für einen richtigen Stand. Gerade bei Übungen wie der Plank oder Liegestützen habe ich persönlich oftmals das Problem, meine Arme nicht korrekt in einer Linie zu meinen Schultern aufzustellen. Was die Matte allerdings nicht bemerkt, sind Haltungsfehler, zum Beispiel ein krummer Rücken. Wiederum sehr gut finde ich aber, dass man in der App Schmerzzonen angeben kann, woran die Übungen angepasst werden.

Mein Fazit: FitterYOU ist nichts für Gelegenheitssportler

Persönlich denke ich, dass das Ganze vor allem für Menschen sinnvoll ist, die Zeit und Lust haben, sich sehr im Detail mit der App und den Konfigurationsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Außerdem macht das FitterYOU-Programm nur Sinn, wenn man es diszipliniert und auf lange Sicht nutzen will. Dann ist es denke ich ein gutes, professionelles Konzept. Für mal eben eine schnelle Runde Sport zwischendurch eignet sich das Ganze meiner Meinung nach aber nicht. Dafür sind die Trainings zu erklärungsintensiv und kommen nur langsam richtig in Gang. Ich werde mir selbst aber sicherlich noch einmal Zeit nehmen und einen weiteren Versuch mit FitterYOU starten. Die App und das Trainings-Setup finde ich angenehm gestaltet und Spaß gemacht hat es mir auf jeden Fall! Das Fitnessstudio, auch wenn es gerade geschlossen ist, wird FitterYOU aber für mich nicht ersetzen können.

Deal oder kein Deal?

Für einen Deal hat es für Fritz Grünewalt in der „Höhle der Löwen“ nicht gereicht. Die Investoren sahen vor allem die Schwierigkeit, den Nutzer dauerhaft bei der Stange zu Halten und die Gefahr einer zu hohen Abbrecher-Quote.