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Repräsentative Umfrage

Deutsche trainieren seit Beginn der Pandemie häufiger als zuvor

Deutsche trainieren in der Pandemie
Wie trainieren Deutsche in der Pandemie und wie haben sich ihre Workouts und ihre Einstellung zum Fitnessstudio verändert?Foto: Getty Images

Die Pandemie hat so gut wie jeden Aspekt der Gesellschaft verändert: Arbeit, soziale Kontakte, Schule, Konsum, Unterhaltung – und natürlich auch den Sport. In welcher Form sich die Corona-Pandemie auf das individuelle Trainingsverhalten der Deutschen ausgewirkt hat, klärt eine aktuelle Umfrage.

Die wichtigste Erkenntnis der repräsentativen Befragung: Die Deutschen trainieren seit Beginn der Pandemie mehr. Außerdem gewinnen psychische und physische Gesundheit an Wichtigkeit. Welche Gründe für diese Entwicklung gesorgt haben, welche Sportart am beliebtesten ist und warum sich die Fitnessstudios berechtigte Sorgen über ihre Zukunft machen sollten, lesen Sie bei FITBOOK.

Für die Umfrage wurden 1.000 Frauen und Männer aus Deutschland im Alter von 18 bis 57 Jahren befragt. Sie fand im April 2021 statt und wurde von Freeletics in Auftrag gegeben. Die deutsche Fitness- und Lifestyle-App bietet auf Basis von künstlicher Intelligenz (AI – Artificial Intelligence) personalisiertes Training und Coaching. Laut eigenen Angaben nutzen 51 Millionen User in 175 Ländern „Freeletics“.

Wie oft trainieren die Deutschen?

Im Durchschnitt trainieren die Deutschen an drei Tagen in der Woche, fand die Befragung heraus. Das ist ein Zuwachs um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2020. 47 Prozent der Umfrageteilnehmer*innen nannten den flexiblen Zeitplan als großen Vorteil des Trainings in den eigenen vier Wänden. 37 Prozent freuen sich, dass sie nicht mehr zum Fitnessstudio pendeln müssen, während 32 Prozent die prüfenden Blicke im Gym nicht vermissen.

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Sport als kontrollierbaren Faktor in der Pandemie

Außerdem wurde gefragt, weshalb der Sport den Menschen besonders während der Corona-Zeit wichtig ist. Zwei Drittel (67 Prozent) antworteten, dass sie sich über ihr Training freuen, da es zu den wenigen Dingen gehört, die sie während der Pandemie kontrollieren können. Zudem ist 72 Prozent ihre psychische Gesundheit wichtiger geworden – das sind noch sieben Prozent mehr als 2020. Und wie ein bekanntes Sprichwort sagt: „Mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper.

Mentale Gesundheit immer wichtiger

„Regelmäßiges körperliches Training, aber auch Achtsamkeit, ist im letzten Jahr zur absoluten Priorität geworden“, erzählt Dr. Kianoush Missaghi, Senior Training Experience Manager bei Freeletics. „Die soziale Isolation hatte körperliche und geistige Auswirkungen und der Lockdown hat bei den Menschen eine Menge Stress und Angst verursacht. Wir sind überzeugt, dass dieser Fokus auf Gesundheit, Bewegung und mentales Wohlbefinden ein Trend ist, der sich in Zukunft fortsetzen wird.“ Passend dazu gaben 71 Prozent der Befragten an, auch nach der Pandemie vermehrt auf geistige und körperliche Gesundheit achten zu wollen.

Deutsche trainieren in der Pandemie
Die Befragten versprechen sich vom Sport vor allem mentale und körperliche GesundheitFoto: Freeletics

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40 Prozent finden, dass die Pandemie den Zugang zu Fitness erleichtert hat

Vier von zehn befragten Deutschen gaben an, dass es leichter sei, zu trainieren, da die Pandemie den Zugang zu Fitness vereinfacht habe. Als Gründe nannten 45 Prozent günstigere Fitnessgeräte für zu Hause, 43 Prozent personalisierte Fitness-Apps und 39 Prozent Online-Fitnesskurse.

Beliebteste Sportarten in der Pandemie

Während viele Deutsche während der Pandemie Fitnessgeräte gekauft haben und mit Online-Fitnessangeboten trainieren, ist die Liebe zum klassischen Laufen ungebrochen. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gab an, regelmäßig zu laufen. Mit 31 Prozent weit abgeschlagen landet Wandern auf dem zweiten Platz, dahinter Gewichtheben (26 Prozent) und HIIT-Training (24 Prozent).

Deutsche trainieren in der Pandemie
Bei mehr als der Hälfte der Befragten gehört Laufen zu den sportlichen FavoritenFoto: Freeletics

Auch sie entdeckte im Lockdown das Laufen für sich: Dreifach-Mama Elly (34) – das Laufen ist seit zehn Monaten ihr Stressventil

Gehört das klassische Gym der Vergangenheit an?

Die Deutschen trainieren während der Pandemie mehr – das klingt nach einer vielversprechenden Zukunft für die derzeit noch geschlossenen Fitnessstudios. Ist es aber nicht. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer*innen glaubt, dass Gyms der Vergangenheit angehören werden. Das ist eine Steigerung von 18 Prozent im Vergleich zum Sommer 2020! Weiterhin fühlen sch 58 Prozent durch die Corona-Zeit bestätigt, dass sie für ihre Fitness kein Studio benötigen.

Dr. Missaghi erläutert, dass die Schließung der Fitnessstudios die Menschen dazu gezwungen habe, neue Wege zu gehen und alte Trainingsroutinen zu hinterfragen: „Auch Trainings, die nicht in einem Fitnessstudio durchgeführt werden, können individuell und effektiv sein. Die Pandemie hat einen regelrechten Boom im digitalen Fitnessbereich ausgelöst, der die Branche jetzt aufrüttelt und revolutioniert.“

Die Ergebnisse von Freeletics zeigen in dieser Hinsicht eine ähnliche Tendenz wie die Umfrage eines britischen Sportschuhherstellers (FITBOOK berichtete). Dort waren 11.193 Fitnessstudio-Mitglieder in 142 Ländern gefragt worden, was sie für die Zeit nach der Pandemie planen. 27,5 Prozent der Befragten gaben ab, dass sie nicht vorhaben, ins Gym zurückzukehren, selbst, wenn sie geimpft sein sollten. 55,6 Prozent hatten ihre Mitgliedschaft während der Corona-Krise entweder bereits gekündigt oder pausiert.