Gesundheitspartner
von FITBOOK

DAK-Report 2020

Krankmeldungen aufgrund psychischer Leiden erreichen Höchststand

Eine Frau sitzt traurig auf dem Sofa und umklammert ein Kissen
Frauen hatten 2019 laut DAK-Report deutlich mehr Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen als Männer
Foto: Getty Images

Die Zahl der Fehltage deutscher Arbeitnehmer aufgrund psychischer Erkrankungen ist seit dem Jahr 2000 um 137 Prozent gestiegen. Das ist ein Ergebnis des DAK-Psychoreports 2020. Am häufigsten handle es sich dabei um Depressionen. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den beiden Geschlechtern, den einzelnen Bundesländern und den Arbeitsbranchen.

In Deutschland ist die Zahl der Krankmeldungen aufgrund psychischer Leiden rasant gestiegen. Von 2000 bis 2019 gab es bei den Fehltagen aufgrund von psychischen Erkrankungen insgesamt einen Anstieg um 137 Prozent. Frauen waren wesentlich häufiger wegen Seelenleiden krankgeschrieben als ihre männlichen Kollegen. Das sind zentrale Ergebnisse des Psychoreports 2020 der DAK-Gesundheit.

Der aktuelle DAK-Psychoreport ist eine Langzeit-Analyse, für die das IGES Institut die anonymisierten Daten von mehr als zwei Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet hat. Demnach erreichten die Krankschreibungen von Arbeitnehmern aufgrund von psychischen Leiden im Jahr 2019 mit rund 260 Fehltagen pro 100 Versicherte einen Höchststand. Der Blick auf die Einzel-Diagnosen zeigt, dass Depressionen und Anpassungsstörungen die meisten Ausfalltage verursachten. 2019 gingen 105 Fehltage je 100 Versicherte auf das Konto von Depressionen, bei den Anpassungsstörungen waren es 59. Auf Platz drei rangierten neurotische Störungen mit 26 Fehltagen je 100 Versicherte. Angststörungen kamen auf 19 Fehltage je 100 Versicherte.

Auch interessant: So kann man Depressionen vorbeugen

Insbesondere Anpassungsstörungen zunehmend problematisch

„Psychische Erkrankungen sind nicht nur eine große Belastung für die Betroffenen, sie stellen unsere ganze Gesellschaft vor enorme Herausforderungen“, kommentiert DAK-Vorstandschef Andreas Storm die Ergebnisse. Vor allem die Ausfalltage wegen Anpassungsstörungen haben in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Seit 2000 hat sich ihre Anzahl bezogen auf 100 Versicherte vervierfacht.

Storm begrüßt die Pläne der Bundesregierung, eine Offensive für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu starten. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte vor einer Woche gesagt, im Kampf gegen das Problem müssten Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsschutz und Gesundheits- sowie Familienpolitik Hand in Hand gehen. „Zentral ist, dass auch Arbeitgeber psychische Belastungen und Probleme aus der Tabuzone holen und ihren Mitarbeitern Hilfe anbieten“, erklärt Storm.

Auch interessant: Wie bekommt man eine Psychotherapie – und wie läuft sie ab?

Frauen mit deutlich mehr Fehltagen wegen psychischer Leiden

Wie der DAK-Report zeigt, nahmen die Fehlzeiten für psychische Erkrankungen bei beiden Geschlechtern mit dem Alter kontinuierlich zu. Frauen hatten 2019 erneut wesentlich mehr Fehltage wegen Seelenleiden als ihre männlichen Kollegen (328 Fehltage je 100 Versicherte gegenüber 203 Fehltagen bei Männern). Die öffentliche Verwaltung hatte 2019 überproportional viel Arbeitsausfall aufgrund psychischer Leiden. Die Branche lag mit 382 Fehltagen je 100 Beschäftigte 47 Prozent über dem DAK-Durchschnitt. Ebenfalls viele Fehltage wegen Seelenleiden hatten zudem das Gesundheitswesen mit 338 Fehltagen und der Bereich Verkehr, Lagerei und Kurierdienste (249 Tage).

Auch interessant: Funktioniert Psychotherapie auch digital?

In welchen Bundesländern gibt es die meisten Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen?

Bei den Fehltagen durch psychische Erkrankungen gab es deutliche regionale Unterschiede. Während im Saarland im vergangenen Jahr 340 Fehltage je 100 Versicherte mit den entsprechenden Diagnosen begründet wurden, waren es in Baden-Württemberg lediglich 207 Fehltagen je 100 Versicherte. Berlin und Brandenburg belegten mit 303 und 301 Fehltagen je 100 Versicherte die Plätze zwei und drei der Statistik.