Wer Meister werden will, der muss vom Meister lernen. Und auch wenn Bankdrücken das ikonische Fundament des Bodybuildings zu sein scheint, erzählen uns die heutigen Meister des Sports etwas anderes. Durch die Bank berichten die Weltklasse-Bodybuilder, dass sie kein Bankdrücken mehr machen. Woran liegt das und was können wir von ihnen lernen?
Jay Cuttler: „Weißt du, jeder reißt sich den Brustmuskel“
Man findet inzwischen zuhauf Aussagen der erfolgreichsten Bodybuilder, dass sie nicht mehr auf Bankdrücken setzen. Und das sagen nicht nur Athleten der neuen Generation wie ein Urs Kalecinski, sondern auch Bodybuilder der alten Schule wie ein Jay Cutler, viermaliger Mister-Olympia-Sieger, der es dabei auch noch in einem YouTube-Video mit dem Titel „Die schlechteste Übung?“ genau auf den Punkt bringt: „Es belastet das Schultergelenk viel zu stark und, weißt du, jeder reißt sich den Brustmuskel.“
So gut wie alle Profi-Bodybuilder haben einen Großteil ihrer Brustmuskulatur mit dem Bankdrücken aufgebaut. So berichten es viele. Bankdrücken ist auch schlichtweg eine hervorragende Übung für den Muskelaufbau. Sie erreicht eine besonders hohe Muskelaktivierung und fördert die Maximalkraft. Kein Wunder, dass Cutler auch sagt: „Mir gefiel, wie es sich anfühlte, weil ich davon einen krassen Pump bekomme.“ Das Problem beim schweren Bankdrücken ist jedoch das Verletzungsrisiko. Nicht einmal unbedingt wegen Fehlern in der Technik, die beim Bankdrücken übrigens ebenfalls zuhauf zu beobachten sind. Sondern auch, weil, wie Cutler erklärt, „was den Brustmuskel mit der Schulter verbindet, eine sehr kurze Sehne ist“. Cutler hat damit nicht ganz unrecht. Tatsächlich ereignen sich rund 85 Prozent aller Risse des großen Brustmuskels im Kraftsport, vorwiegend beim Bankdrücken.1 Und die Sehne ist tatsächlich sehr kurz. Das führt dazu, dass sie in der untersten Phase des Bankdrückens unter hoher Last einer starken Dehnung ausgesetzt ist, was insbesondere bei schweren Gewichten zu Anrissen oder sogar kompletten Sehnenabrissen führen kann. Eine geringe Wiederholungszahl in Kombination mit sehr hohem Gewicht ist daher eine besonders risikoreiche Kombination.
Der Trumpf der Brustpresse
Die Brustpresse bringt einige Vorteile mit sich, die sie sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene zu einer sinnvollen Übung machen. Gerade Anfänger profitieren davon, dass die Bewegung geführt ist und sich leicht erlernen lässt. Anders als beim Bankdrücken mit freien Gewichten sind weder viel Übung noch ausgeprägte technische Vorkenntnisse erforderlich. Zudem fällt es vielen leichter, an einer Maschine zunächst ein Gefühl für die beanspruchte Muskulatur zu entwickeln.
Griffe auf Höhe der Brustwarzen
Doch auch Fortgeschrittene können von der Brustpresse profitieren. Wer möglichst viel Gewicht bewegen möchte, kann dies hier oft sicherer tun als beim klassischen Bankdrücken. Ein Trainingspartner ist nicht zwingend nötig, und auch Sätze bis zum Muskelversagen lassen sich ohne das Risiko durchführen, unter einer Hantelstange festzustecken. Hinzu kommt, dass die Brustmuskulatur an der Maschine etwas isolierter arbeitet. Beim Bankdrücken sind dagegen mehr stabilisierende Muskeln beteiligt, um die Bewegung zu kontrollieren.
Für die richtige Einstellung sollte der Sitz so positioniert werden, dass sich die Griffe etwa auf Höhe der Brustwarzen befinden.
Je nach Hersteller unterscheidet sich der Bewegungsumfang der Geräte teilweise deutlich. Empfehlenswert sind Modelle, die einen möglichst großen Bewegungsradius erlauben. Dadurch lässt sich die Brustmuskulatur in eine stärkere Dehnungsposition bringen, was den Trainingsreiz erhöhen kann.
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