9. Februar 2026, 10:54 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In der Alternsforschung haben sich sogenannte Kennzeichen des Alterns etabliert. Sie beschreiben grundlegende biologische Veränderungen, die sich im Verlauf des Lebens allmählich entwickeln. Bewegung gilt dabei als ein Faktor, der auf viele dieser Prozesse Einfluss nehmen kann. Wie genau körperliche Aktivität dabei wirkt, haben Wissenschaftler nun genauer untersucht.
Was wurde in der Studie untersucht?
Dafür hat ein internationales Forscherteam zahlreiche Studien zusammengetragen, die sich mit den „Hallmarks of Aging“ (z. Dt.: „Kennzeichen des Alterns“) befassen, wobei die Daten je nach Bereich aus Humanstudien, Tiermodellen oder Zellstudien stammen. Die Übersichtsarbeit erschien im Fachjournal „Journal of Sport and Health Science“.1
Diese biologischen Prozesse umfassen Veränderungen, die typischerweise mit zunehmendem Alter auftreten. Dazu zählen unter anderem Schäden an der Erbsubstanz, eine Verkürzung der sogenannten Telomere, also schützender Endkappen der Chromosomen, Funktionsverluste der Mitochondrien, chronische niedriggradige Entzündungsreaktionen sowie eine nachlassende Fähigkeit der Zellen zur Selbstreinigung, auch als Autophagie bezeichnet.
Als konzeptioneller Rahmen werden diese Mechanismen häufig unter den „Hallmarks of Aging“ zusammengefasst. Ursprünglich wurden neun solcher Kennzeichen beschrieben; in neueren Arbeiten werden einzelne Prozesse weiter differenziert, sodass erweiterte Modelle von bis zu 14 Kennzeichen sprechen.
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Die Ergebnisse
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass regelmäßige körperliche Aktivität mit günstigen Veränderungen in allen in dieser Übersichtsarbeit betrachteten 14 Kennzeichen des Alterns verbunden ist. Dabei zeigen sich Effekte auf unterschiedlichen Ebenen des Körpers. Schon moderate Bewegung kann messbare Auswirkungen haben.
- Erbsubstanz: In Studien mit Erwachsenen gingen nach mehreren Wochen kombinierten Ausdauer- und Krafttrainings messbare Marker für DNA-Schäden im Blut zurück.
- Lebenserwartung: Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, leben in großen Beobachtungsstudien im Durchschnitt länger. Bereits etwa 15 Minuten Bewegung pro Tag waren mit einer im Mittel rund drei Jahre höheren Lebenserwartung verbunden.
- Chromosomen: Körperliche Aktivität steht in mehreren Studien mit längeren Telomeren in Verbindung. Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden der Chromosomen, die mit dem biologischen Alter zusammenhängen und sich im Laufe des Lebens verkürzen. Besonders Ausdauer- und Intervalltraining zeigten hier Effekte, während reines Krafttraining weniger Einfluss hatte.
- Gehirn und geistige Leistungsfähigkeit: Regelmäßige Bewegung ist mit einer besseren Gedächtnisleistung und einem langsameren altersbedingten Abbau geistiger Fähigkeiten verbunden. Diese Effekte wurden vor allem in Studien mit älteren Erwachsenen beobachtet.
- Entzündungen: Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, weisen langfristig niedrigere Werte bestimmter Entzündungsmarker im Blut auf, die im Zusammenhang mit vielen altersbedingten Erkrankungen stehen.
- Mitochondrien: Bewegung kann die Funktion der Mitochondrien, also der „Kraftwerke“ der Zellen, verbessern. Das wurde auch bei älteren Menschen beobachtet, die zuvor wenig oder keinen Sport betrieben hatten.
- Darmmikrobiom: Körperliche Aktivität geht mit einer größeren Vielfalt günstiger Darmbakterien einher. Diese Veränderungen stehen mit einer geringeren Entzündungsneigung des Körpers in Verbindung und könnten auch für die Gehirngesundheit eine Rolle spielen.
- Zellalterung: In Trainingsstudien nahm nach einigen Wochen der Anteil sogenannter seneszenter Immunzellen ab. Diese Zellen sammeln sich mit dem Alter an und gelten als ein Treiber chronischer Entzündungen.
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Was bedeutet die Studie?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bewegung eine wirkungsvolle Möglichkeit ist, um altersbedingte Veränderungen im Körper positiv zu beeinflussen. Regelmäßige körperliche Aktivität kann dazu beitragen, Zellfunktionen länger aufrechtzuerhalten und das Risiko vieler mit dem Altern verbundener Erkrankungen zu senken.
Wichtig dabei: Viele detaillierte Einblicke in die zugrunde liegenden Zellprozesse stammen bislang aus Tier- und Laborstudien. Beim Menschen lassen sich diese Mechanismen meist nur indirekt über Marker im Blut oder Gewebe erfassen. Zudem wirkt Bewegung nicht bei jedem Menschen gleich stark.
Die Autoren betonen daher, dass körperliche Aktivität am besten wirkt, wenn sie langfristig durchgeführt und an Alter, Gesundheitszustand und Leistungsfähigkeit angepasst wird. Insgesamt gilt Bewegung als sehr sichere Maßnahme mit einem günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis.
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