24. August 2026, 4:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Er nahm sie alle mit in die Wildnis, ob Barack Obama, Shaquille O’Neal, Roger Federer und sonst all die größten Sternchen, die es so gibt. Der Outdoor-Experte Bear Grylls ist bekannt als Überlebenskünstler in der Wildnis, er wird aber zunehmend auch zum Longevity-Künstler. Wir zeigen, wie er trainiert und sich ernährt.
Auch wenn sich Grylls zunehmend der Optimierung seiner Langlebigkeit hingibt, ist er für die Szene nicht Feuer und Flamme. Früher wären ihm die Anhänger der Longevity-Bewegung reichlich schräg vorgekommen – „ziemlich alternativ“, wie er es beim Interview mit dem „Telegraph“ nennt. Dennoch ist er zehn Jahre später vorsichtiger geworden und denkt sich, „dass da vielleicht was dran ist“. „Oft sind die Pioniere in allen Lebensbereichen die Sonderlinge und Exzentriker, und wir lachen sie anfangs alle aus“, erzählt er weiter. Als Biohacker sieht er sich dennoch nicht: „Ich bin zwar davon fasziniert, aber ich konzentriere mich lieber darauf, das Leben zu genießen und Spaß zu haben, anstatt ein wissenschaftlich optimiertes Leben zu führen.“ Sein Rezept lautet daher: „Sonnenschein, kaltes Wasser, hartes Training, natürliche Ernährung und einfach das Leben genießen.“ Am wichtigsten sei ihm dabei, niemandem vorzuschreiben, was er zu tun habe. Er spreche nur davon, was bei ihm und seiner Familie funktioniere.
Natürliche Ernährung
Für eine Sache würde der Outdoor-Experte bis zum Tode kämpfen: für die Bedeutung von Ernährung. À la Credo: Verarbeitete Lebensmittel meiden.
„Stellen Sie sich eine Gruppe von Menschen vor, die nie nach draußen gehen, sich nie herausfordern, sich ausschließlich von Fertigprodukten ernähren und den ganzen Tag am Handy hängen, und vergleichen Sie diese mit einer anderen Gruppe, die draußen trainiert, in Flüsse springt, lacht, sich natürlich ernährt und niemals verarbeitete Lebensmittel anrührt“, sagt er. „Ich kann Ihnen sagen, der Unterschied zwischen diesen Gruppen wird in 20 Jahren eklatant sein.“
Bis 2020 lebte Grylls rund fünf Jahre vegan, bevor er auf seine inzwischen reichlich fleischlastige, carnivore-artige Ernährung umstellte. Anlass war laut Grylls sein Sohn, der auf rein pflanzlicher Kost gesundheitliche Probleme bekommen habe. Diese hätten sich gebessert, sobald er wieder Fleisch gegessen habe. Auch bei sich selbst habe Grylls eine positive Veränderung erlebt: „Ich hatte jahrelang Nierenschmerzen, und sobald ich aufgehört habe, jeden Tag rohe Säfte zu trinken, waren sie weg.“
Nun landen laut ihm riesige Steaks zu allen drei großen Mahlzeiten des Tages auf seinem Teller. „Mit allem Fett, mit allem Knorpel. Ich esse Leber, die eine natürliche, extrem nährstoffreiche Quelle ist, viele Eier – und ich fühle mich großartig“, so Grylls zum „Telegraph“. Innereien isst er dabei nicht nur beruflich, bekannt aus seinen Sendungen, in denen er sich an Rattenhirn oder Kamel-Innereien wagte, sondern greift auch privat zu gewöhnungsbedürftigen Dingen wie zum Beispiel Hoden. Scherzhaft merkt er an, dass es schwer sei, das den eigenen Kindern schmackhaft zu machen. Dabei bestehe für ihn kein Zweifel, dass wir alle mehr von diesem Zeug essen sollten: „Schauen Sie sich Löwen an, die gehen direkt auf Blut und Innereien. Es ist eine einfache Möglichkeit, bioverfügbare Nährstoffe aufzunehmen.“
Einordnung: Ernährung. Wir sind keine Löwen
Erst einmal hat Grylls recht, wenn es um die positiven Aspekte von Innereien geht. Sie sind besonders nährstoffdicht, liefern oft mehr Vitamin B, Eisen und Zink als das übliche Fleisch.1 Dennoch ist eine Carnivore-Ernährung nicht empfehlenswert. Eine umfassende Analyse Forschender aus Münster diesen Jahres stellte erhöhte Cholesterinwerte sowie einen Mangel an Vitamin C und D, Magnesium und Ballaststoffen fest.2 Auch rotes Fleisch selbst ist nicht frei von Risiken. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft es als „wahrscheinlich krebserregend“ ein, verarbeitetes Fleisch sogar als „krebserregend“, mit einem um 18 Prozent erhöhten Darmkrebsrisiko pro 50 Gramm täglich.3
Dass ausgerechnet viel Fleisch aber der Schlüssel zu einem langen Leben sei, lässt sich wissenschaftlich kaum belegen, im Gegenteil zeigen Modellrechnungen sogar, dass weniger rotes Fleisch und mehr Hülsenfrüchte, Vollkorn und Fisch die Lebenserwartung eher um Jahre verlängern könnten.4
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Hartes Training?
Bear Grylls’ Krafttrainingsprogramm trägt den Namen seines Freundes und ehemaligen Marinesoldaten William Charters. Dreimal pro Woche absolviert er die Einheiten, zwischen den Trainingstagen liegen jeweils 48 Stunden Regenerationszeit. Dabei setzt Grylls auf schwere Gewichte und peilt pro Satz etwa sechs Wiederholungen an. Auch zwischen den Sätzen gönnt er seinem Körper ausreichend Erholung. Meist trainiert er früh am Morgen. Vor dem Workout trinkt er Wasser mit Elektrolyten, anschließend folgen ein Proteinshake und oft noch eine Schwimmeinheit.
Die Reihenfolge seines Workouts in absteigender Reihenfolge
| Übungen | Anzahl an Sätzen |
|---|---|
| Kniebeugen (Squats) | 5 |
| Bankdrücken (Chest Press) | 5 |
| Klimmzüge (Pull-ups) | 3 |
| Schulterdrücken hinter dem Nacken | 3 |
| Langhantelrudern (Pendly Rows) | 3 |
| Sit-ups | 3 |
Bear Grylls benutzt außerdem Langhantel und führt seine Klimmzüge mit Zusatzgewicht aus. Bei den Sit-ups gibt er noch einen Tipp mit auf den Weg. Die Knie fest zusammenpressen, so fest, dass man eine Kreditkarte dazwischenhalten könnte, was die Übung laut seiner Aussage dreimal härter und effektiver für den Rumpf macht.
FITBOOKS Workout-Einschätzung
Bear Grylls vermittelt einige Trainingsprinzipien, die sinnvoll sind. So sind 48 Stunden Pause zwischen zwei Belastungen derselben Muskelgruppe meist ausreichend, damit sich die Muskulatur regenerieren kann. Nach besonders intensiven oder sehr umfangreichen Einheiten können jedoch auch längere Erholungszeiten sinnvoll sein. Auch ausreichend lange Satzpausen sind wichtig. Vor allem bei schweren Gewichten helfen sie dabei, die Leistung über das gesamte Training aufrechtzuerhalten. Mit etwa sechs Wiederholungen pro Satz trainiert Grylls zudem in einem Bereich, der sowohl Kraft als auch Muskelaufbau fördern kann. Entscheidend bleibt dabei, dass die Übung technisch sauber ausgeführt wird. Für die meisten Trainierenden sind sechs bis acht kontrollierte Wiederholungen eine gute Grundlage für den Muskelaufbau.5
Kritischer zu sehen ist das hohe Trainingsvolumen. Grylls absolviert vergleichsweise viele Arbeitssätze, obwohl für die meisten Freizeitsportler bereits drei bis vier Sätze pro Übung, einschließlich eines Aufwärmsatzes, ausreichen. Die Übungsauswahl insgesamt wirkt jedoch solide. Lediglich beim Schulterdrücken gibt es Optimierungspotenzial. Die Variante hinter dem Kopf erfordert eine hohe Schulterbeweglichkeit und gilt daher nicht für jeden als ideal. Die klassische Ausführung vor dem Kopf ist meist die unkompliziertere Alternative.6