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Laut Studie

Zuckerhaltige Getränke erhöhen Risiko für häufige Leberkrebs-Unterformen

glas cola
Zuckergetränke stehen erneut im Verdacht, das Leberkrebsrisiko zu erhöhen Foto: Getty Images/Catherine Falls Commercial
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Isa Kabakci
Redakteur

2. Juli 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Schon vor einigen Jahren sorgten Hinweise für Aufsehen, dass zuckerhaltige Getränke das Risiko für Leberkrebs erhöhen könnten. Eine neue, größere Untersuchung greift diese Frage nun erneut auf – und liefert weitere wichtige Erkenntnisse.

Studie findet erhöhtes Risiko für Leberkrebs-Unterformen

Frühere Forschung hatte bereits einen möglichen Zusammenhang zwischen Softdrinks und Leberkrebs beschrieben. So berichteten Forscher 2022 anhand einer Langzeitstudie mit rund 90.500 Frauen, dass der tägliche Konsum zuckerhaltiger Getränke mit einem deutlich höheren Leberkrebsrisiko verbunden sein könnte.1 Die neue Studie geht einen entscheidenden Schritt weiter: Sie wertete die Daten von mehr als 1,5 Millionen Erwachsenen aus und untersuchte neben zuckerhaltigen erstmals in diesem Umfang auch künstlich gesüßte Getränke. Ergebnis: Während das Leberkrebsrisiko insgesamt statistisch nicht signifikant anstieg, gab es bei den beiden häufigsten Unterformen, HCC (hepatozelluläre Karzinome) und ICC (intrahepatische Cholangiokarzinome), klare Trends. Entwarnung gab es bei künstlichen Süßstoffen.2

Daten von über 1,5 Millionen Menschen

Für die im Fachjournal „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie wertete ein internationales Forscherteam die Daten aus elf prospektiven Langzeitstudien in den USA und Europa aus. Ziel war es, den Zusammenhang zwischen dem Konsum künstlich gesüßter und zuckerhaltiger Getränke sowie dem Risiko für Leberkrebs und dessen häufigsten Unterformen zu untersuchen. In die Analyse gingen die Daten von insgesamt 1.518.411 Erwachsenen ein, die zu Studienbeginn keine Krebserkrankung hatten. Den Getränkekonsum erfassten die Forscher über Ernährungsfragebögen. Die Teilnehmer wurden im Durchschnitt rund 18 Jahre lang beobachtet.

Im Verlauf dieses Zeitraums wurden 2811 Neuerkrankungen von Leberkrebs registriert. Darunter befanden sich 1699 HCC-Fälle, die häufigste Form von Leberkrebs, sowie 444 ICC-Fälle – eine Krebsform der Gallengänge innerhalb der Leber und zweithäufigster primärer Leberkrebs-Subtyp. Für ihre Auswertung berücksichtigten die Forscher zudem zahlreiche potenzielle Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI), Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Diabetes.

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Ergebnisse: Zucker-Drinks mit eigenständigem Risiko – Entwarnung bei Süßstoffen

Jedes zusätzliche zuckerhaltige Getränk pro Tag war mit einem statistisch um zehn Prozent höheren Risiko für HCC und einem um 15 Prozent höheren Risiko für Gallengangskrebs in der Leber (ICC) verbunden.

Im Gegensatz zu den zuckerhaltigen Varianten lieferte die Analyse nach vollständiger Berücksichtigung möglicher Störfaktoren für künstlich gesüßte Getränke keinen starken Beleg für ein erhöhtes Leberkrebsrisiko insgesamt – auch nicht für HCC und ICC. Dies ist besonders bedeutsam, da die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Aspartam erst 2023 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft hatte.

Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Menschen, die häufiger zu Diätgetränken greifen, oft einen höheren Body-Mass-Index (BMI) haben oder bereits an Diabetes leiden. Da Übergewicht und Diabetes wissenschaftlich belegte Risikofaktoren für Leberkrebs sind, stellt sich die Frage: Verursacht der Süßstoff den Krebs, oder ist es das Gewicht?

Nachdem die Forscher das Gewicht mathematisch herausrechneten, zeigte sich: Der Zusammenhang zwischen Süßstoffen und Leberkrebs verschwand komplett. Das Risiko war bei Süßstoff-Trinkern dann nicht mehr höher als bei anderen mit gleichem Gewicht. Laut den Autoren deutet alles darauf hin, dass das Übergewicht das eigentliche Problem ist. Die Süßstoffe sind in diesem Fall nur ein „Begleitsymptom“ eines Lebensstils oder einer körperlichen Verfassung, die das Krebsrisiko erhöht.

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Was das konkret bedeutet

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem zuckerhaltige Getränke das Risiko für bestimmte Formen von Leberkrebs erhöhen könnten. Als mögliche Erklärung nennen die Forscher unter anderem, dass ein hoher Zuckerkonsum Übergewicht, Typ-2-Diabetes und eine Fettleber begünstigen kann – alles bekannte Risikofaktoren für Leberkrebs. Auch Fruktose, die überwiegend die Leber verarbeitet, könnte dabei eine Rolle spielen. Welcher Mechanismus tatsächlich verantwortlich ist, lässt sich mit der Studie jedoch nicht klären.

Für künstlich gesüßte Getränke fanden die Forscher hingegen keine Hinweise auf einen eigenständigen Zusammenhang mit Leberkrebs. Dennoch betonen sie, dass weitere Studien nötig sind, um mögliche langfristige Auswirkungen genauer zu untersuchen.

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Einordnung der Studie und mögliche Schwächen

Die Forscher betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie zeigt statistische Zusammenhänge, kann aber nicht beweisen, dass zuckerhaltige Getränke Leberkrebs verursachen. Außerdem beruhte die Erfassung des Getränkekonsums überwiegend auf Selbstangaben und erfolgte in den meisten Studien nur einmal. Veränderungen der Trinkgewohnheiten im Laufe der Zeit konnten deshalb nur eingeschränkt berücksichtigt werden. Auch andere mögliche Einflussfaktoren ließen sich nicht vollständig erfassen.

Dennoch handelt es sich nach Angaben der Autoren mit mehr als 1,5 Millionen Teilnehmern und 2811 dokumentierten Leberkrebsfällen um die bislang größte Untersuchung zu diesem Thema. Die lange Nachbeobachtungszeit von fast 18 Jahren verleiht den Ergebnissen zusätzlich Gewicht. Die Ergebnisse sprechen dafür, den Konsum zuckerhaltiger Getränke weiter kritisch zu betrachten. Für künstlich gesüßte Getränke fanden die Wissenschaftler dagegen keinen unabhängigen Zusammenhang mit dem Leberkrebsrisiko.

Quellen

  1. Zhao L, Coday M, Garcia D, et al. (2022). Association Between Sugar-Sweetened Beverage Intake and Liver Cancer Risk in the Women's Health Initiative. Curr Dev Nutr ;6(Suppl 1):259. doi:10.1093/cdn/nzac052.026 ↩︎
  2. Watling CZ, Zhao L, Zhang X, et al. (2026). Artificially Sweetened and Sugar-Sweetened Beverage Intake and Risk of Liver Cancer. JAMA Netw Open. ;9(6):e2617754. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.17754 ↩︎

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