15. Oktober 2025, 11:07 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Leberkrebs zählt in Deutschland zwar zu den selteneren Krebsarten – doch die Zahl der Neuerkrankungen nimmt zu. Die tückische Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und bleibt im Frühstadium häufig unentdeckt. Dabei steigen die Heilungschancen erheblich, wenn der Tumor früh erkannt wird. Warum Prävention so wichtig ist, welche Warnzeichen es gibt und wie neue Therapieverfahren Hoffnung geben, erklärt FITBOOK.
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Erste Anzeichen und Symptome
Leberkrebs verursacht im Frühstadium selten Symptome. Erste Beschwerden treten mehrheitlich erst bei fortgeschrittener Erkrankung auf und sind oft unspezifisch. Dazu gehören unter anderem:
- Druckschmerz im rechten Oberbauch
- Eine tastbare Schwellung unter dem Rippenbogen
- Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Fieber unbekannter Ursache
- Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall
- Abgeschlagenheit, körperliche Schwäche und Leistungsminderung
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Gelbsucht und Juckreiz
Diese Anzeichen können auch andere Ursachen haben – trotzdem sollte bei solchen Beschwerden frühzeitig eine ärztliche Abklärung erfolgen. Für eine dauerhafte und vollständige Heilung kann es dann allerdings bereits zu spät sein.1
Wie häufig ist Leberkrebs?
In Deutschland erkranken pro Jahr rund 9800 Menschen an einem primären Lebertumor. In etwa 59 Prozent der Fälle handelt es sich um ein Leberzellkarzinom (hepatozelluläres Karzinom, HCC) – das entspricht rund 5780 Personen jährlich. Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen, und mit steigendem Alter nimmt das Risiko weiter zu.
In den meisten Fällen entsteht Leberkrebs auf dem Boden einer vorgeschädigten Leber – etwa infolge einer Leberzirrhose oder chronischen Entzündung.2
Leberkrebs oder Lebermetastasen – was ist der Unterschied?
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen primärem Leberkrebs und Lebermetastasen. Letztere entstehen durch Tumorzellen, die sich von einem anderen Ursprungstumor – z. B. im Darm, Magen, in der Bauchspeicheldrüse oder Speiseröhre – abgelöst haben und über den Blutkreislauf in die gut durchblutete Leber gelangt sind. Die Behandlung richtet sich in diesen Fällen primär nach dem Ausgangstumor.
Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht Leberkrebs?
In rund neun von zehn Fällen ist Leberkrebs die Folge einer lang anhaltenden Leberschädigung, die über Jahre hinweg zu einer Fibrose und schließlich zu einer Leberzirrhose führt. Diese narbige Umwandlung des Lebergewebes gilt als wichtigster Risikofaktor.3
Zu den wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren zählen:
- Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)
- Chronische Hepatitis-B- oder -C-Infektion
- Starker Alkoholkonsum
- Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes
- Stoffwechselerkrankungen wie Hämochromatose oder Morbus Wilson
- Seltene Ursachen wie Autoimmunhepatitis, bestimmte Medikamente, Drogen oder Umweltgifte
Wenn zusätzlich geraucht wird, steigt das Risiko weiter an. In Deutschland sind Alkoholkonsum und Hepatitis C die häufigsten Auslöser. In anderen Regionen – wie Südostasien oder Afrika – spielen Hepatitis B, Leberparasiten oder Schimmelpilzgifte eine größere Rolle.
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Gutartige und bösartige Lebertumoren
Lebertumoren lassen sich grundsätzlich in gutartige und bösartige Tumoren unterteilen. Zu den gutartigen Lebertumoren zählen beispielsweise Hämangiome, Adenome oder Hamartome. Über einige dieser gutartigen Tumore – insbesondere Adenome – wird vermutet, dass sie sich unter bestimmten Umständen bösartig entwickeln könnten.
Das häufigste bösartige Leberkarzinom ist das hepatozelluläre Karzinom (HCC). Es macht etwa 90 Prozent aller primären Leberkrebserkrankungen aus. Obwohl die genauen Entstehungsmechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, scheinen chronische Entzündungsprozesse der Leberzellen eine zentrale Rolle zu spielen.
Früherkennung und Prognose
Ein gesetzliches Früherkennungsprogramm für Leberkrebs gibt es bislang nicht. Doch für Menschen mit chronischen Lebererkrankungen oder bekannten Risikofaktoren ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig. Bei fast allen Betroffenen liegt bereits eine Leberzirrhose vor, wenn der Krebs entsteht.
In einem fortgeschrittenen Stadium oder bei stark eingeschränkter Leberfunktion ist eine Heilung dagegen meist nicht mehr möglich. Dennoch können Ärzte das Tumorwachstum verlangsamen und Beschwerden lindern.
Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt in Deutschland bei etwa 15 Prozent – eine der niedrigsten unter den Krebsarten. Nur bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die Prognose noch schlechter.
Behandlungsmöglichkeiten: von Operation bis SIRT
Im Frühstadium kann Leberkrebs durch eine Operation oder eine sogenannte Radiofrequenzablation (RFA) erfolgreich behandelt werden. Bei der RFA wird das Tumorgewebe mit hochfrequentem Strom lokal erhitzt und zerstört.
Ein innovatives Verfahren für fortgeschrittene, nicht operierbare Tumoren ist die selektive interne Radiotherapie (SIRT). Dabei werden radioaktive Mikrokügelchen direkt in die Blutgefäße der Leber eingebracht, um die Krebszellen gezielt von innen zu bestrahlen. Das umliegende gesunde Gewebe bleibt dabei weitgehend verschont.
SIRT ermöglicht eine punktgenaue Bestrahlung der Krebszellen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen oder den Körper zu belasten. Die Methode eignet sich auch, um die Zeit bis zu einer möglichen Lebertransplantation zu überbrücken oder einen Tumor so weit zu verkleinern, dass eine Operation wieder möglich wird.
Allerdings ist die SIRT-Therapie noch relativ neu und wird bislang nur an spezialisierten Zentren durchgeführt – ihre Bedeutung wird jedoch künftig weiter zunehmen.
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Vorbeugung: Schutz durch Impfung und Lebensstil
Ein effektiver Schutz vor Leberkrebs beginnt mit der Vermeidung der Risikofaktoren. Dazu gehören insbesondere:
- Verzicht auf übermäßigen Alkoholkonsum
- Normalgewicht halten und ausgewogene Ernährung
- Behandlung und Kontrolle von Diabetes
- Verzicht auf Rauchen
- Frühe Erkennung und Behandlung von Hepatitis-Infektionen
Die Impfung gegen Hepatitis B ist ein wichtiger Baustein der Prävention. Sie wird in Deutschland für Säuglinge, Kinder und gefährdete Erwachsene empfohlen. Weitere Informationen dazu bieten das Robert Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Fazit
Leberkrebs bleibt eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung mit meist schlechter Prognose. Da die Krankheit oft lange unbemerkt bleibt, ist die Früherkennung bei Risikogruppen entscheidend. Neue Verfahren wie die SIRT-Therapie bieten Hoffnung – doch Prävention bleibt der wichtigste Schutz.