23. Februar 2026, 4:16 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Bei Menschen, die an einem Magnesiummangel leiden, ist häufig auch der Vitamin-D-Spiegel zu niedrig. Das ist kein Zufall, denn Magnesium ist ein zentraler Cofaktor im Vitamin-D-Stoffwechsel und notwendig. Es wird gebraucht, damit der Körper das Vitamin in seine aktive, wirksame Form überführen kann. Daher ist die gleichzeitige Supplementierung von Vitamin D und Magnesium ein Diskussionsthema in der Ernährungsmedizin. FITBOOK geht näher auf die Forschungslage zu diesem Thema ein.
Kombinierte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln
Bei der Einnahme verschiedener Arzneimittel muss man mögliche Wechselwirkungen im Blick behalten. Und auch bei Nahrungsergänzungsmitteln entscheidet nicht nur die Menge, sondern auch ihr Zusammenspiel über die Wirkung im Körper. So sollten beispielsweise Eisenpräparate nicht gleichzeitig mit Calcium- oder Zink-Supplementen eingenommen werden. Denn diese Mineralstoffe können teilweise um ähnliche Transport- und Aufnahmewege konkurrieren, wodurch die Eisenresorption vermindert werden kann.1 Andere Mikronährstoffe wiederum entfalten, gemeinsam eingenommen, synergetische Effekte. Genaueres dazu erklärt eine FITBOOK-Ernährungsexpertin in diesem Beitrag. Etwa ist die gemeinsame Einnahme von Eisen und Vitamin C sinnvoll. Denn der Körper kann das essenzielle Spurenelement durch den Einfluss des Vitamins besser nutzen.
In diesem Beitrag soll es um das eng gekoppelte Duo Magnesium und Vitamin D gehen.
Studien zum Zusammenhang zwischen Vitamin D und Magnesium
Man sollte wissen, dass das sogenannte Sonnenvitamin im Körper zunächst biologisch inaktiv ist. Erst verschiedene Umwandlungsschritte in Leber und Niere wandeln Vitamin D in das Hormon Calcitriol um. Dieses entfaltet die gewünschte Wirkung auf u. a. Knochen, Immunsystem, Gedächtnis und Stimmung. An besagten Schritten sind Enzyme beteiligt, und diese benötigen Magnesium als Cofaktor, wie eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 sehr anschaulich zeigte.2 Man geht heute fest davon aus, dass Magnesium eine wesentliche Rolle im Vitamin-D-Stoffwechsel übernimmt. Fehlt Magnesium, kann das die Aktivierung beeinträchtigen.
In einer placebokontrollierten Interventionsstudie aus dem gleichen Jahr erhielten Erwachsene über mehrere Wochen Magnesium oder ein Placebo.3 Dabei zeigte sich, dass Magnesium die Konzentrationen verschiedener Vitamin-D-Metaboliten veränderte und insbesondere den Anstieg von 25-Hydroxy-Vitamin D (= Speicherform von Vitamin D, dient als Marker im Blut) bei Personen mit niedrigen Ausgangswerten begünstigte. Die Autoren schlossen daraus, dass Magnesium eine modulierende Rolle im Vitamin-D-Stoffwechsel spielt, wobei der Nutzen vor allem bei Personen mit unzureichender Ausgangsversorgung relevant sein könnte. Die Effekte fielen nicht bei allen Teilnehmern gleich aus.
Wichtig: Die bisher betrachteten Arbeiten sagen nicht automatisch aus, dass man Vitamin D und Magnesium zwingend gemeinsam einnehmen muss. Zunächst wissen wir nur, dass ein Mangel des Spurenelements die Wirkung von Vitamin D begrenzen kann – und das auch nicht unbedingt bei allen Nutzern.
Betrachtung der gleichzeitigen Einnahme beider Supplements
Spannend im betrachteten Zusammenhang sind die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2022.4 Sie untersuchte zwölf Wochen lang unter randomisierten, doppelblinden Bedingungen die Wirkung einer kombinierten Vitamin‑D‑ und Magnesiumgabe im Vergleich zu Vitamin D allein und Placebo. Insgesamt nahmen 95 übergewichtige oder adipöse Frauen und Männer teil. Je nach Gruppenzuteilung erhielten die Teilnehmer einmal täglich drei Einheiten Vitamin D à 1000 IU. Einige nahmen zusätzlich 360 Milligramm Magnesiumglycinat ein, andere nur Vitamin D oder ein Placebo.
Das Ergebnis: Die Kombinationsgruppe zeigte einen deutlich stärkeren Anstieg der Serum‑25‑Hydroxy‑Vitamin‑D‑Konzentrationen als die Gruppe, die nur Vitamin D erhielt. Besonders interessant war ein Nebeneffekt bei Teilnehmern mit hohem systolischen Blutdruck: Hier konnte das Forscherteam einen signifikanten Blutdruckabfall beobachten. Diese Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass Magnesium nicht nur die Aufnahme und Aktivierung von Vitamin D unterstützt. Es kann offenbar unter bestimmten Bedingungen auch funktionelle Effekte auf kardiovaskuläre Parameter haben.
Verbesserung nur einzelner Biomarker
Eine weitere randomisierte Studie aus dem Jahr 2023 bestätigte, dass eine kombinierte Gabe von Vitamin D und Magnesium die Serum‑Vitamin‑D-Spiegel wirksamer anheben kann als Vitamin D allein.5 Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass dies nicht automatisch zu Verbesserungen anderer Biomarker führt. Etwa blieben Werte für Osteocalcin (= von den knochenbildenden Osteoblasten produziertes Hormon, benötigt für die Einlagerung von Calcium in den Knochen) und Insulinresistenz über die zwölfwöchige Studiendauer weitgehend unverändert. Und das, obwohl die Vitamin‑D-Spiegel deutlich anstiegen.
Insgesamt verdeutlichen diese Studien, dass Magnesium die Aktivierung und Wirkung von Vitamin D unterstützen kann, insbesondere bei Personen mit Übergewicht oder niedrigen Ausgangswerten. Effekte auf andere Stoffwechselparameter sind noch nicht abschließend belegt.
Tipps für Vitamin-D-Präparate zum Supplementieren finden Sie bei unseren Kollegen von BILD.
Expertin erklärt, worauf man bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln achten sollte
Sollte man Magnesium vor oder nach dem Sport einnehmen?
Mögliche Risiken einer gemeinsamen Einnahme
Bisher gibt es keine überzeugenden Hinweise darauf, dass Vitamin D und Magnesium zwingend gleichzeitig eingenommen werden müssen. Statt des genauen Einnahmezeitpunkts scheint entscheidend zu sein, dass der Magnesiumstatus im Körper ausreichend ist. Man könnte die beiden Supplemente aber wohl zusammen einnehmen. In den üblichen Dosierungen sind keine echten Risiken bekannt.
Gleichzeitig zeigen biochemische und molekulare Daten, dass die Wechselwirkung zwischen Vitamin D und Magnesium in beide Richtungen funktioniert: Magnesium ist notwendig für die Aktivierung von Vitamin D, während umgekehrt Vitamin D die Magnesiumverfügbarkeit im Körper beeinflussen kann. So zeigte eine jüngere Studie aus Italien an Profisportlern, dass eine intensive Vitamin‑D‑Supplementierung den Magnesiumstoffwechsel stärker beanspruchen kann.6 Besonders relevant ist dies, wenn die Ausgangsversorgung mit Magnesium bereits eingeschränkt ist. Dann wird mehr Magnesium für die Verarbeitung von Vitamin D benötigt, was bestehende Mängel verschärfen kann.
Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass Vitamin-D-Therapien bei Personen mit latentem Magnesiummangel sorgfältig geplant sein sollten. Dies ist jedoch nicht darauf zurückzuführen, dass Vitamin D Magnesium direkt „verbraucht“, sondern darauf, dass die gesteigerte metabolische Aktivität einen zusätzlichen Magnesiumbedarf erzeugt.
Vitamin D und Magnesium nun zusammen einnehmen oder nicht?
Zusammenfassend belegen wissenschaftliche Daten eindeutig eine biochemische Wechselwirkung zwischen Vitamin D und Magnesium: Magnesium ist essenziell für die Aktivierung von Vitamin D und damit für seine physiologischen Wirkungen im Körper. Darüber hinaus könnte eine ausreichende Magnesiumversorgung den Anstieg von Vitamin‑D-Spiegeln und teilweise auch funktionelle Parameter wie Muskelkraft oder Blutdruck verbessern. Dies betrifft womöglich im Speziellen Personen mit bestehenden Mangelzuständen.
Die Daten zeigen aber auch, dass eine gleichzeitige Einnahme von Vitamin D und Magnesium zumindest nicht zwingend erforderlich ist. Der Magnesiumstatus im Körper sollte ausreichend sein – der genaue Einnahmezeitpunkt scheint eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Einschränkend sollte erwähnt werden, dass die bisher zu diesem Thema durchgeführten Studien meist klein, kurzzeitig oder auf spezifische Populationen (z. B. übergewichtige Personen oder Sportler) beschränkt waren. Die meisten von ihnen untersuchten vor allem biochemische Endpunkte wie den 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel, Muskelparameter oder Entzündungsmarker. Wie sich die Supplementierung konkret auf den Körper auswirkt, etwa auf das Risiko von Knochenbrüchen oder kardiovaskulären Ereignissen, bleibt unklar. Zudem erschweren die unterschiedlichen Dosierungen und Ausgangswerte je nach Studie die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Allgemeinbevölkerung.