3. August 2026, 17:01 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Tomaten gehören zu den bekanntesten Bestandteilen der mediterranen Ernährung, doch können sie auch dabei helfen, eine Fettleber zu reduzieren? Dieser Frage sind Forscher aus Italien in einer aktuellen Studie nachgegangen. Dafür ließen sie Menschen mit einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) sechs Wochen lang täglich Tomaten essen.
Tomatenkonsum reduziert die Leberverfettung
Die Teilnehmer, die täglich 200 Gramm rohe Tomaten und 50 Gramm Tomatensauce verzehrten, zeigten nach sechs Wochen eine stärkere Abnahme der Leberverfettung als die Kontrollgruppe mit tomatenfreier Ernährung. Gemessen wurde dies mithilfe des sogenannten CAP-Werts, der den Fettgehalt der Leber erfasst.
Ablauf der Studie
MASLD ist die häufigste chronische Lebererkrankung weltweit und ist durch eine Fettleber gekennzeichnet. Sie tritt häufig zusammen mit Übergewicht, Insulinresistenz und anderen Stoffwechselstörungen auf. Da die mediterrane Ernährung mit einer besseren Lebergesundheit in Verbindung gebracht wird, wollten die Forscher aus Italien herausfinden, welchen Beitrag Tomaten als einzelnes Lebensmittel leisten können. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Nutrients“.1
An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 79 Erwachsene mit MASLD teil. Sie wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe aß sechs Wochen lang täglich rohe Tomaten und Tomatensauce, die andere verzichtete vollständig auf Tomaten. Währenddessen sollten die Teilnehmer ihre sonstigen Lebensgewohnheiten beibehalten. Die Leberverfettung wurde vor und nach der Intervention mithilfe eines Fibroscans gemessen. Das ist eine schmerzfreie Untersuchung, die ähnlich wie ein Ultraschall funktioniert. Damit lässt sich feststellen, wie viel Fett sich in der Leber angesammelt hat und ob das Lebergewebe bereits verhärtet oder vernarbt ist. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und kommt ohne Nadel oder Operation aus.
Veränderungen des Leberfettgehalts
In der Kontrollgruppe sank der CAP-Wert um durchschnittlich 18 dB/m. In der Tomatengruppe war der Rückgang mit 35 dB/m fast doppelt so groß. Die statistischen Auswertungen zeigten, dass dieser Unterschied wahrscheinlich nicht durch Zufall zu erklären ist. Der CAP-Wert misst den Fettgehalt der Leber, wobei niedrigere Werte auf eine geringere Leberverfettung hinweisen.
Interessant ist zudem, dass sich weder Körpergewicht noch Bauchumfang, Körperfettanteil oder viszerales Fett zwischen den Gruppen unterschiedlich entwickelten. Auch bei Leberenzymen, Blutzuckerwerten, Blutfetten oder Entzündungsmarkern fanden die Forscher keine signifikanten Unterschiede. Das spricht dafür, dass der beobachtete Effekt nicht einfach auf eine Gewichtsabnahme zurückzuführen war.
Die Autoren vermuten, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Tomate, insbesondere Lycopin und andere antioxidativ wirkende Pflanzenstoffe, eine Rolle spielen könnten.
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Stärken und Schwächen der Studie
Zu den Stärken der Studie zählen das randomisierte kontrollierte Studiendesign, verblindete Lebermessungen sowie die umfassende Erfassung von Körperzusammensetzung und Stoffwechselwerten.
Allerdings hatte die Studie auch Einschränkungen: Mit 79 Teilnehmern war sie relativ klein und lief nur über sechs Wochen. Zudem wurde die Einhaltung der Ernährungsvorgaben nicht objektiv überprüft, und Blutspiegel von Lycopin oder anderen Tomateninhaltsstoffen wurden nicht gemessen. Deshalb sehen die Autoren die Ergebnisse als vorläufig an, die in größeren und längerfristigen Studien bestätigt werden müssen. Die Studie wurde vom italienischen Gesundheitsministerium finanziert; Interessenkonflikte geben die Autoren keine an.
Eingeschlossen wurden zudem nur Menschen mit einem BMI bis 30, also Normal- und Übergewichtige, aber keine Menschen mit Adipositas. Da eine Fettleber häufig gerade bei starkem Übergewicht auftritt, lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle Betroffenen übertragen.
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Was andere Studien zu diesem Thema zeigen
Dass eine mediterrane Ernährung Leberfett reduzieren kann, hatte zuvor die israelische DIRECT-PLUS-Studie 2021 gezeigt.2 294 Erwachsene mit Bauchfett oder erhöhten Blutfetten ernährten sich darin 18 Monate lang nach einer von drei Vorgaben – 62 Prozent hatten zu Beginn eine Fettleber. Wer eine besonders polyphenolreiche „grüne“ Mittelmeerkost mit Walnüssen, Grüntee und wenig rotem und verarbeitetem Fleisch aß, verlor rund 39 Prozent des Leberfetts – fast doppelt so viel wie die klassische Mittelmeer-Gruppe mit knapp 20 Prozent.
Speziell zu Tomaten liefert eine Auswertung der italienischen NUTRIHEP-Kohorte einen Hinweis aus dem Jahr 2024.3 Bei 969 Teilnehmern, die zwischen 2005 und 2016 begleitet wurden, war eine höhere Aufnahme von Lycopin aus frischen und gekochten Tomaten mit einem geringeren Risiko für eine Lebererkrankung verbunden – als günstigste Menge errechneten die Forscher rund 9,5 Milligramm pro Tag.