19. Juli 2026, 8:46 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Schlaf kann indirekt unser Körperfett beeinflussen. Zu diesem Schluss kam eine neue Studie und unterstreicht damit frühere Forschungsergebnisse. Wer morgens früher aktiv ist, frühstückt oft mehr und isst abends weniger. Spätaufsteher haben dagegen laut der Untersuchung eher Gewohnheiten, die sich ungünstig auf den Stoffwechsel auswirken. FITBOOK kennt die Details.
Ob jemand morgens voller Energie aus dem Bett springt oder erst spät am Abend richtig produktiv wird, ist teilweise genetisch vorgegeben. Dieser sogenannte Chronotyp beeinflusst aber offenbar nicht nur den Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern auch das Essverhalten – mit möglichen Folgen für Gewicht und Stoffwechsel. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Forschern der Massey University in Neuseeland, die im Fachjournal „Frontiers in Nutrition“ erschienen ist.1
Abendtypen essen später – und bringen mehr Gewicht auf die Waage
Für die Untersuchung wurden Daten von 287 gesunden Frauen zwischen 18 und 45 Jahren ausgewertet. Die Wissenschaftler bestimmten den Chronotyp mithilfe des „Munich Chronotype Questionnaire“ (MCTQ).
Sie ließen die Teilnehmerinnen über fünf Tage detaillierte Ernährungsprotokolle führen. Zusätzlich wurden mittels DXA-Körperscan Körperfett und Fettverteilung gemessen. Außerdem analysierten die Forscher verschiedene Stoffwechselmarker im Blut, darunter Blutzucker, Insulin sowie Blutfettwerte.
Von den Teilnehmerinnen gehörten:
- 54 Prozent zum intermediären Chronotyp,
- 34 Prozent zum Abendtyp („Nachteule“),
- 12 Prozent zum Morgentyp („Lerche“).
Dabei zeigte sich: Die Abendtypen hatten im Durchschnitt einen BMI von 31,4, während Morgen- und Mischtypen zusammen auf 26,1 kamen. Auch der Körperfettanteil und insbesondere das Bauchfett fielen bei den Nachteulen höher aus.
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Nicht die Kalorienmenge, sondern der Zeitpunkt machte den Unterschied
Interessant ist, dass sich die tägliche Energieaufnahme insgesamt kaum unterschied (ein Plus von etwa 50 Kilokalorien bei den späten Chronotypen). Zwar nahmen Abendtypen im Mittel etwas mehr Energie zu sich, der Unterschied war jedoch relativ gering. Deutlich stärker unterschied sich die Verteilung der Kalorien über den Tag.
Frühaufsteher und Personen mit mittlerem Chronotyp nahmen vor 10 Uhr deutlich mehr Energie sowie mehr Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett auf. Abendtypen dagegen aßen morgens vergleichsweise wenig und verlagerten einen deutlich größeren Teil ihrer Kalorien auf die Zeit nach 20 Uhr. Besonders ausgeprägt war dieses Muster bei Frauen mit erhöhtem Körperfettanteil oder mehr Bauchfett.
Die Autoren berechneten, dass Abendtypen nur rund neun Prozent ihrer täglichen Energie vor 10 Uhr aufnahmen, während es bei den früheren Chronotypen etwa 15 Prozent waren. Nach 20 Uhr entfielen dagegen rund 23 Prozent der Tagesenergie auf die Abendtypen – gegenüber lediglich etwa elf Prozent bei den Morgen- und Mischtypen.
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Schlechtere Stoffwechselwerte bei Nachteulen
Neben den Unterschieden beim Essverhalten fanden die Forscher auch Unterschiede bei verschiedenen Stoffwechselmarkern.
Frauen mit Abendchronotyp wiesen unter anderem auf:
- höhere Insulinwerte,
- höhere HbA1c-Werte (ein Langzeitmarker für den Blutzucker),
- höhere Triglyzeride,
- niedrigere HDL-Cholesterinwerte („gutes“ Cholesterin)
Diese Werte gelten insgesamt als ungünstigeres Stoffwechselprofil.
Zudem war ihre Ernährung insgesamt nährstoffärmer. Die Abendtypen nahmen unter anderem weniger Ballaststoffe sowie geringere Mengen an Vitamin A, Vitamin E, Folsäure, Magnesium, Kalium, Calcium und Jod auf.
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Die Studie beweist keine Ursache
Trotz der auffälligen Zusammenhänge mahnen die Autoren zur Vorsicht bei der Interpretation. Es handelt sich um eine Querschnittsstudie. Sie kann deshalb lediglich zeigen, dass bestimmte Schlaf- und Essgewohnheiten mit höherem Körperfett und ungünstigeren Stoffwechselwerten zusammen auftreten – nicht aber, dass spätes Essen oder ein später Chronotyp diese Veränderungen verursachen.
Hinzu kommen weitere Einschränkungen: Untersucht wurden ausschließlich gesunde Frauen zwischen 18 und 45 Jahren. Zudem bestand die Gruppe der Abendtypen überwiegend aus Frauen pazifischer Herkunft, wodurch ethnische und soziale Unterschiede die Ergebnisse mitbeeinflusst haben könnten. Die Ernährung wurde per Selbstprotokoll erfasst, was grundsätzlich fehleranfällig ist, während die Blutproben ohne Berücksichtigung des Menstruationszyklus genommen wurden, was die Hormonwerte und den Appetit beeinflussen könnte.
Fazit
Die Studie spricht dafür, dass nicht nur die Kalorienmenge, sondern auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme mit Körpergewicht und Stoffwechsel zusammenhängen könnte. Frühaufsteher (Lerchen) frühstückten häufiger und verteilten ihre Energieaufnahme gleichmäßiger über den Tag, während Abendtypen (Eulen) einen größeren Anteil ihrer Kalorien spät am Abend zu sich nahmen. Ob eine bewusste Verlagerung der Mahlzeiten tatsächlich zu einer besseren Gesundheit führt, müssen allerdings Interventionsstudien erst noch zeigen.
Was sind eigentlich Chronotypen?
„In der Schlafforschung unterscheidet man verschiedene Schlaftypen. Ihre inneren Uhren, die den Rhythmus von Wach-, Müdigkeits- und Schlafphasen bestimmen, laufen leicht verschoben zueinander. Bei den Frühtypen (Lerchen) ist der Körper hormonell bedingt früh am Tag bereit, erholt aufzuwachen und mit Energie den Tag zu starten. Dementsprechend erleben sie auch die ersten Müdigkeitsphasen, denen weitere energievolle Phasen folgen, früh am Tag. Und – das wird Sie sicher nicht wundern – auch bereit zum Schlafen sind sie früher als die beiden anderen Schlaftypen.
Am anderen Ende der Skala befinden sich die Spättypen (Eulen). Ihre biologische Uhr läuft im Vergleich zu den Lerchen nach hinten verschoben. Ihr natürlicher Erwachensprozess erfolgt also eigentlich später am Tag. Sie werden erst später erholt wach, erleben dann aber auch die zuvor genannten Müdigkeits- und Energiephasen später und gehen bevorzugt auch spät ins Bett.
Zwischen den beiden Extremen liegen die sogenannten Normaltypen (Tauben), die sich sowohl mit ihrer natürlichen Aufstehzeit als auch mit ihrer bevorzugten Schlafenszeit mittig der Skala befinden. Und das Wort ‚Skala‘ kommt hier nicht von ungefähr; auch innerhalb eines Schlaftypen kann man sich an verschiedenen Stellen dieser Skala wiederfinden. Das heißt, nicht alle Frühtypen sind etwa um sieben Uhr morgens fit und nicht alle Spättypen gehen nach Mitternacht schlafen. Es gibt viele Variationen der drei Schlaftypen.“