16. September 2026, 17:32 Uhr |
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Hüttenkäse erlebt zurzeit ein Comeback: Erstmals wurde er als fitnessbewusstes Lebensmittel während der „Trimm dich“-Bewegung in den 70ern bekannt. Jetzt startet er auf Social Media durch. Pizzaboden, Wraps und sogar Desserts sollen aus dem körnigen Frischkäse gezaubert werden können. Warum das Ganze? Der Hüttenkäse sorgt für eine Extra-Portion Protein in den abgewandelten Rezepten. Welche Vorteile er hat und warum Sie ihn nicht überschätzen sollten.
Viel Protein, wenig Fett – die Vorteile von Hüttenkäse
Die Nährwerte von Hüttenkäse können sich sehen lassen. Laut Bundeslebensmittelschlüssel belaufen sie sich auf:
Da Hüttenkäse aus Kuhmilch hergestellt wird, liefern die enthaltenen Proteine zudem alle essenziellen Aminosäuren und punkten durch eine hohe biologische Wertigkeit, wodurch der Körper das Eiweiß besonders effizient nutzen kann.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Wer mehr als fünf Stunden Sport in der Woche treibt, kann individuell seine Zufuhr auf bis zu 2,0 Gramm hochschrauben.2
Zwar liefert Hüttenkäse viel Eiweiß und zählt damit zweifellos zu den proteinreichsten Milchprodukten. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das aber nicht. Auch andere beliebte Produkte aus dem Kühlregal kommen auf ähnliche Werte. Je nach Herstellerangabe sind das pro 100 Gramm:
Griechischer Joghurt (natur): etwa 9 bis 11 Gramm Protein pro 100 Gramm
Dass Hüttenkäse auf Social Media häufig als die ultimative Proteinbombe gefeiert wird, greift deshalb etwas zu kurz. Wer vor allem seinen Eiweißkonsum steigern möchte, findet auch bei anderen Milchprodukten vergleichbare Optionen.
Außerdem heißt mehr Protein nicht gleich mehr Gesundheit. Skyr liefert ähnlich viel Eiweiß, enthält oft aber weniger Kalorien. Naturjoghurt punktet durch seine probiotische Wirkung. Und Magerquark schneidet beim Verhältnis von Protein zu Kalorien häufig sogar besser ab als Hüttenkäse. Einen detaillierten Vergleich von Magerquark und Hüttenkäse finden Sie in diesem FITBOOK-Artikel.
Woher der Hype kommt
Dass Hüttenkäse aktuell als besonders gesund wahrgenommen wird, liegt vermutlich nicht daran, dass er anderen Milchprodukten ernährungsphysiologisch klar überlegen wäre. Vielmehr profitiert der körnige Frischkäse vom anhaltenden High-Protein-Trend und trifft den aktuellen Zeitgeist: viel Protein, wenig Kalorien und unzählige virale Rezeptideen. Auf TikTok erzielen Rezepte mit Hüttenkäse millionenfach Aufrufe, Suchanfragen rund um Hüttenkäse und proteinreiche Rezepte haben laut Google Trends in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Lebensmittelindustrie hat längst reagiert und bringt regelmäßig neue High-Protein-Versionen von gängigen Lebensmitteln auf den Markt.
„Eiweiß ist ohne Frage wichtig. Es unterstützt den Muskelaufbau und kann in einer Diät dabei helfen, länger satt zu bleiben. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass viele Menschen dem Nährstoff inzwischen deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken, als nötig wäre. Denn in Deutschland essen wir laut der Nationalen Verzehrsstudie II ohnehin genügend Protein. Wer immer nur zu den proteinreichsten Lebensmitteln greift, läuft Gefahr, andere wichtige Lebensmittelgruppen zu vernachlässigen. Milchprodukte wie Hüttenkäse liefern zwar hochwertiges Eiweiß, enthalten aber beispielsweise keine Ballaststoffe. Diese stecken vor allem in Gemüse, Obst, und Hülsenfrüchten und kommen in der Ernährung vieler Menschen zu kurz. Für die Gesundheit kommt es deshalb nicht darauf an, möglichst viel Protein zu essen, sondern insgesamt ausgewogen zu essen.“
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