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Aufgepasst beim Sammeln

So unterscheidet man gesunden Bärlauch von giftigen Doppelgängern

Die Blätter von Bärlauch (links) und Maiglöckchen (rechts, stark giftig) ähneln sich stark. Woran man sie eindeutig unterscheiden kann, erklären wir hier.
Die Blätter von Bärlauch (links) und Maiglöckchen (rechts, stark giftig) ähneln sich stark. Woran man sie eindeutig unterscheiden kann, erklären wir hier. Foto: FITBOOK/Getty Images
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15. März 2026, 18:17 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Wer Bärlauch sammeln möchte, sollte wie bei der Pilzsuche vorgehen: die Unterschiede zu giftigen Doppelgängern genau kennen. So lassen sich Bärlauch-Blätter bedenkenlos genießen. Ein Überblick.

Im Frühjahr bevölkern zarte Blätter des Bärlauchs Wälder und Gärten. Etwa zur gleichen Zeit gesellen sich die grünen Blatttriebe der Herbstzeitlosen dazu und etwas später zeigen sich erste Spitzen der Maiglöckchen. Auf den ersten Blick sehen sich die Blätter des Trios sehr ähnlich. Die Krux daran: Während der Bärlauch essbar und eine begehrte Zutat der Frühlingsküche ist, sind Maiglöckchen und Herbstzeitlose giftig. Daher ist es wichtig, die Unterschiede zwischen dem Bärlauch und seinen giftigen Doppelgängern zu kennen. Wie geht das?

So gesund ist Bärlauch

Zunächst die guten Nachrichten: Bärlauch sammeln lohnt sich – nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Gesundheit. Die heimische Pflanze bringt nämlich einige gute Nährstoffe und gesundheitliche Effekte mit sich.1

Bärlauch enthält reichlich sekundäre Pflanzenstoffe sowie Vitamin C. Außerdem liefert Bärlauch (auch „wilder Knoblauch“ genannt) Sulfide – mehr noch als herkömmlicher Knoblauch.2 Sulfide (Schwefelverbindungen) wirken antioxidativ, antimikrobiell und entzündungshemmend und modulieren das Immunsystem. Ihnen wird außerdem nachgesagt, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs senken zu können.

Eine Studie konnte zudem aufzeigen, dass Bärlauch mit einer positiven Wirkung auf den Blutdruck sowie den Gesamtcholesterin verbunden ist. Eine Untersuchung an Ratten lieferte Hinweise dafür, dass Bärlauch auch hier Knoblauch überlegen ist.3 Bluthochdruckpatienten können also die Pflanze also ruhig öfter in ihren Speiseplan integrieren.

Allerdings ist beim selbstständigen Sammeln von Bärlauch Vorsicht angesagt, da hier im schlimmsten Fall eine Bußgeldstrafe drohen kann. Wie hoch diese sein kann und worauf man achten sollte, berichten unsere Kollegen von myHOMEBOOK.

Wie stelle ich eindeutig fest, dass es Bärlauch ist?

„Beim Bärlauch sprießen zuerst die Blätter. Erst nach sechs Wochen folgen die Blütentriebe. Bei den Maiglöckchen kommen die Glöckchen-Stiele gleich mit den Blättern aus der Erde“, zitierte die „dpa“ 2021 Stefanie Klein, Autorin des Kochbuchs „Bärlauch“.4

Geruch

Typisch für Bärlauch sei, dass er oft über große Flächen, manchmal mehrere hundert Quadratmeter im Wald wachse und den Boden komplett bedecke. „Am charakteristischsten sei aber der Geruch: Nur Bärlauchblätter riechen nach Knoblauch“, so die Bärlauch-Expertin. Wer also denkt, dass er Bärlauchblätter gefunden hat, sollte eins davon zerreiben. Er riecht dann schnell, ob er richtig liegt oder nicht.

Warum der Geruchstest so wichtig ist:
Dieser Geruchstest ist besonders wichtig, weil Bärlauch im April leicht mit Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen verwechselt werden kann, da auch diese Pflanzen zu dieser Zeit ihre Blätter ausbilden. Allerdings entwickeln weder Herbstzeitlose noch Maiglöckchen beim Zerreiben den charakteristischen Knoblauchgeruch, der für Bärlauch typisch ist.

Blätter

Klein nennt in ihrem Buch wichtige Unterschiede zu den giftigen Bärlauch-Doppelgängern: Während sich bei Herbstzeitlosen und Maiglöckchen mehrere Blätter umeinanderrollen, sieht man bei Bärlauchblättern deutlich einen einzelnen Stiel. Zudem glänzt bei den Blättern des Bärlauchs nur die Oberseite des Blattes, die Unterseite ist matt. Bei der Herbstzeitlosen und dem Maiglöckchen ist es genau umgekehrt.

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Merkmale und Entwicklung von Maiglöckchen

Maiglöckchen erreichen eine Wuchshöhe von etwa 15 bis 25 Zentimetern. Im Frühjahr treiben ihre länglichen bis lanzettförmigen, dunkelgrünen Blätter aus, deren Oberseite deutlich glänzt. Charakteristisch sind zudem die Blattadern, die sich bogenförmig ausbreiten und zur Spitze hin zusammenlaufen. Im Mai und Juni wachsen die Blütenstängel heran, an denen sich bis zu zwölf glockenförmige, weiße Blüten bilden. Sie verströmen einen intensiven Duft und locken damit zahlreiche Insekten an. Im Juli entstehen daraus schließlich rote Beeren.5

Herbstzeitlose: Vorkommen und Besonderheiten

Die Herbstzeitlose tritt regional unterschiedlich häufig auf. Nördlich einer gedachten Linie vom nordwestlichen Nordrhein-Westfalen über das Gebiet nördlich von Hannover bis nach Berlin ist sie teilweise selten, da dort ihre natürliche Ausbreitungsgrenze verläuft. Besonders geeignete Standorte sind Au- und Bruchwälder sowie feuchte, halbschattige Wiesen. Darüber hinaus wächst sie auch auf Kalk-Halbtrockenrasen, allerdings vielerorts überwiegend in Naturschutzgebieten. In anderen Regionen wurde die Pflanze aufgrund ihrer Giftigkeit für Mensch und Tier zurückgedrängt. Daher gilt sie mancherorts als gefährdet und wird in Roten Listen geführt. Im Volksmund ist sie unter Bezeichnungen wie „Leichenblume“ oder „Totenblume“ bekannt.6

Auffällig sind außerdem die Besonderheiten ihrer Blüte. Die blassvioletten, mitunter ins Weiße übergehenden Blüten bilden eine lange Röhre, die nur teilweise aus dem Boden herausragt und eine Gesamtlänge von 25 Zentimetern oder mehr erreichen kann. Während der Blütezeit befindet sich der Fruchtknoten unterirdisch oberhalb der Speicherknolle. Die geöffneten Blüten verfügen über sechs Staubblätter und drei Griffel, wobei aus einer Knolle höchstens drei Blüten wachsen.

Folgen der Vergiftung durch Herbstzeitlose oder Maiglöckchen

Die Herbstzeitlosen gelten laut der Gitzentrale Bonn als sehr giftig. Nach etwa zwei bis sechs Stunden zeigen sich Symptome. Schweres Erbrechen und massiver Durchfall kann dann auch zu einem Schock führen. Lähmungen und Herz-Kreislauf-Versagen sind möglich.7

Auch der Verzehr von Maiglöckchen kann zu Vergiftungserscheinungen führen, genauer zu Durchfällen und Erbrechen sowie gelegentlich zu Herzrhythmusstörungen.8

Giftstoffe und konkrete Symptome beim Maiglöckchen

Maiglöckchen enthalten mehrere stark wirksame Giftstoffe, darunter Convallatoxin, Convallatoxol, Convallosid und Desglucocheirotoxin. Schon ein Kontakt mit der Pflanze kann Reizungen an Haut, Schleimhäuten und Augen verursachen. Nach dem Verzehr setzen Vergiftungserscheinungen häufig innerhalb weniger Stunden ein. Dazu zählen Übelkeit, Durchfall, Schwindel und ein Engegefühl in der Brust. Wird eine größere Menge aufgenommen, können zudem Herzrhythmusstörungen auftreten. Bei entsprechenden Beschwerden sollte unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Besondere Gefahr für Kinder und Haustiere

Bei Maiglöckchen befinden sich besonders hohe Konzentrationen der Giftstoffe sowohl in den Blättern als auch in den Blüten und Früchten. Deshalb stellt die Pflanze insbesondere für Kinder und Haustiere ein erhöhtes Risiko dar, zumal die auffälligen roten Beeren sowie der süße Duft eine starke Anziehungskraft ausüben können.

Colchicin: Das Gift der Herbstzeitlosen

Bei der Herbstzeitlosen wird das gebildete Colchicin als besonders starkes Gift eingestuft. Der Wirkstoff greift in die Zellteilung ein und kann dabei auch Chromosomen schädigen. Wird eine zu hohe Menge aufgenommen, besteht sogar Lebensgefahr. Vergiftungen sind unter anderem dadurch entstanden, dass die Pflanze mit Bärlauch verwechselt wurde.

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Bärlauch-Doppelgänger „Wunderlauch“ sehr gesund

Nicht schlimm ist hingegen eine Verwechslung mit dem (ebenfalls nach Knoblauch riechenden) Wunderlauch. Der wurde im 19. Jahrhundert nach Berlin gebracht und verbreitete sich von dort ausgehend rasant aus. Das brachte ihm den Namen „Berliner Bärlauch“ ein. Im Unterschied zum „Original“ hat er schmale, grasartige Blätter. Sammeln ist unbedingt ratsam, denn Wunderlauch enthält beachtliche Mengen an Vitamin C, MagnesiumEisen und Mangan. Woran man ihn eindeutig erkennen kann, erklärt FITBOOK hier.

Worauf sollte man bei der Zubereitung von Bärlauch beachten?

Bei der Zubereitung von Bärlauch sollte man Folgendes beachten:

  1. Man darf Bärlauch nicht verkochen, sonst verliert er seine ätherischen Öle.
  2. Die Blätter sollte man nicht wie Knoblauch zerhacken, weil sie dabei zerquetscht werden.
  3. Viele Köche schwören darauf, nur junge Blätter bis etwa sieben Zentimeter Länge zu verwenden, weil sie feiner im Aroma sind und knackiger.

Vor dem Verarbeiten sollten zunächst die festen Stielansätze entfernt werden. Anschließend die Blätter gründlich waschen und – je nach Rezept – in feine Streifen oder Stücke schneiden. In warmen Speisen wie Suppe, Pasta-Soße oder Risotto empfiehlt es sich, Bärlauch nur kurz zu erhitzen und möglichst erst zum Ende der Garzeit unterzuheben. Alternativ kann er frisch geschnitten unmittelbar vor dem Servieren über das fertige Gericht gegeben werden, damit das typische Aroma erhalten bleibt. Auch die Blüten sind essbar und eignen sich als dekorative und geschmackliche Ergänzung, etwa für Salate. Zu beachten ist jedoch: Nach der Blüte verliert Bärlauch deutlich an Intensität und schmeckt weniger kräftig als in der Phase davor.

Quellen

  1. VerbraucherService Bayern. Bärlauch - gesund und voll im Trend (aufgerufen am 13.03.2026)) ↩︎
  2. Voća, S. , Šic Žlabur, J., Fabek Uher, S. et al. (2022). Neglected Potential of Wild Garlic (Allium ursinum L.)—Specialized Metabolites Content and Antioxidant Capacity of Wild Populations in Relation to Location and Plant Phenophase. Horticulturae. ↩︎
  3. Preuss, H.G., Clouatre, D., Mohamadi, A., Jarrell, S.T. (2001). Wild garlic has a greater effect than regular garlic on blood pressure and blood chemistries of rats. Int Urol Nephrol. ↩︎
  4. Mit Material von dpa. ↩︎
  5. Mein schöner Garten. Maiglöckchen: Wie giftig sind sie wirklich? (aufgerufen am 13.03.2026) ↩︎
  6. NABU. Die Herbstzeitlose. (aufgerufen am 13.03.2026) ↩︎
  7. Gitzentrale Bonn. Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). (aufgerufen am 13.03.2026) ↩︎
  8. Universitätsklinikum Freiburg. Vorsicht beim Bärlauchsammeln (aufgerufen am 13.03.2026)) ↩︎

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