24. August 2026, 13:04 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Wie viele Stunden schlafen Sie pro Nacht? Und macht es einen Unterschied, ob am nächsten Morgen der Wecker klingelt oder Wochenende ist? Das Robert Koch-Institut hat das Schlafverhalten von Erwachsenen in Deutschland untersucht. Dabei zeigen sich auffällige Unterschiede zwischen Wochentagen und Wochenende – aber auch zwischen Männern und Frauen sowie verschiedenen Altersgruppen. Vor allem eine Gruppe fällt beim Blick auf die Schlafdauer besonders auf.
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Wie viel schlafen die Menschen in Deutschland wirklich?
Schlaf ist für zahlreiche Vorgänge im Körper wichtig. Die Autoren der Untersuchung verweisen auf frühere Studien, nach denen kurze Schlafzeiten unter anderem mit Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Angstzuständen und Depressionen in Zusammenhang stehen.1 Diese möglichen gesundheitlichen Folgen wurden in der aktuellen Untersuchung allerdings nicht selbst untersucht.
Das Robert Koch-Institut (RKI) wollte vielmehr wissen: Wie verbreitet sind kurze Schlafzeiten in Deutschland – und welche Menschen sind besonders häufig betroffen? Dafür werteten die Autoren Daten aus der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2023) aus. Als kurze Schlafdauer galt weniger als sieben Stunden pro Nacht. Diese Grenze orientiert sich an internationalen Schlafempfehlungen für Erwachsene.2
Die Autoren untersuchten, wie viele Menschen unter dieser Marke bleiben und ob sich Unterschiede zwischen Wochentagen und Wochenende zeigen. Zusätzlich verglichen sie Männer und Frauen, vier verschiedene Altersgruppen sowie Menschen mit unterschiedlichem Bildungsniveau.
Damit sollte ein möglichst genaues Bild davon entstehen, welche Bevölkerungsgruppen in Deutschland besonders häufig weniger als sieben Stunden schlafen.
So hat das RKI den Schlaf der Deutschen untersucht
Für die Schlafanalyse nutzten die Autoren Angaben von 8.026 Erwachsenen ab 18 Jahren. Die Befragungen zum Schlaf fanden zwischen Mai 2023 und Februar 2024 statt. Es handelt sich um eine telefonische Querschnittserhebung. Vereinfacht gesagt liefert eine solche Untersuchung eine Momentaufnahme: Sie kann zeigen, wie verbreitet ein bestimmtes Merkmal ist und welche Gruppen sich unterscheiden.
Die Teilnehmer berichteten selbst über ihren Schlaf
Die Teilnehmer wurden gefragt, wann sie in den vergangenen vier Wochen gewöhnlich zu Bett gingen, wie lange sie zum Einschlafen brauchten und wann sie morgens aufwachten. Dabei wurde zwischen Wochentagen und Wochenenden unterschieden. Aus diesen Angaben berechneten die Autoren die Schlafdauer.
Teilnehmer mit fehlenden Angaben für Wochentage oder Wochenende wurden ausgeschlossen. Das galt auch für errechnete Schlafzeiten von weniger als drei oder mehr als 13 Stunden.
Alter, Geschlecht und Bildung wurden verglichen
Für weitere Vergleiche teilten die Autoren die Teilnehmer in vier Altersgruppen ein: 18 bis 29 Jahre, 30 bis 44 Jahre, 45 bis 64 Jahre sowie 65 Jahre oder älter. Außerdem wurden Männer und Frauen sowie Menschen mit niedrigem, mittlerem und hohem Bildungsniveau miteinander verglichen.
Die Ergebnisse wurden statistisch gewichtet. Vereinfacht bedeutet das: Unterschiede zwischen der untersuchten Gruppe und der Bevölkerung Deutschlands wurden bei wichtigen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, Bundesland und Bildung rechnerisch berücksichtigt.
Diese Gruppe schläft besonders häufig weniger als sieben Stunden
Das zentrale Ergebnis: An Wochentagen schlafen 39,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland weniger als sieben Stunden. Am Wochenende sind es 22,7 Prozent.
Männer schlafen häufiger kurz als Frauen
Unter der Woche schlafen 43,2 Prozent der Männer weniger als sieben Stunden, bei den Frauen sind es 36,2 Prozent. Am Wochenende sinken die Anteile auf 25,5 Prozent bei Männern und 20,0 Prozent bei Frauen. Damit zeigte sich das gleiche Muster sowohl an Wochentagen als auch am Wochenende: Männer blieben häufiger unter der Sieben-Stunden-Marke als Frauen.
Besonders auffällig: Männer zwischen 45 und 64 Jahren
Eine Altersgruppe sticht besonders hervor. Von den 45- bis 64-jährigen Männern schlafen an Wochentagen 53,0 Prozent weniger als sieben Stunden. Damit betrifft die kurze Schlafdauer mehr als jeden zweiten Mann in diesem Alter. Bei den Frauen derselben Altersgruppe sind es 42,1 Prozent. Auch insgesamt zeigte sich an Wochentagen bei Männern und Frauen zwischen 30 und 64 Jahren häufiger eine kurze Schlafdauer als bei den 18- bis 29-Jährigen und den Menschen ab 65 Jahren.
Junge schlafen am Wochenende deutlich häufiger länger
Besonders groß ist der Unterschied zwischen Woche und Wochenende bei jungen Erwachsenen.
Von den 18- bis 29-jährigen Frauen schlafen unter der Woche 32,7 Prozent weniger als sieben Stunden. Am Wochenende sind es nur noch 12,0 Prozent. Bei den gleichaltrigen Männern sinkt der Anteil von 42,0 Prozent unter der Woche auf 16,6 Prozent am Wochenende.
Die Zahlen zeigen damit, dass kurze Schlafzeiten bei jungen Erwachsenen am Wochenende wesentlich seltener vorkommen. Ob die Teilnehmer damit gezielt Schlaf aus der Woche „nachholen“, wurde in dieser Untersuchung allerdings nicht geprüft.
Ab 65 verschwindet der Unterschied zwischen Woche und Wochenende
Bei Menschen ab 65 Jahren sieht das Muster anders aus. Unter der Woche schlafen 28,9 Prozent der Frauen und 30,0 Prozent der Männer weniger als sieben Stunden. Am Wochenende sind es 25,5 beziehungsweise 26,4 Prozent.
Die Autoren fanden in dieser Altersgruppe keinen Unterschied zwischen Wochentagen und Wochenende. Beim Bildungsniveau war das Bild ebenfalls weniger eindeutig. Unter der Woche zeigte sich nur bei Männern ein statistisch belastbarer Unterschied zwischen den Bildungsgruppen. Am Wochenende fanden die Autoren keine Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen.
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Kann man den fehlenden Schlaf am Wochenende nachholen?
Die GEDA-Auswertung zeigt zunächst nur: Bei Menschen unter 65 Jahren kommen kurze Schlafzeiten am Wochenende deutlich seltener vor als unter der Woche. Sie kann nicht beantworten, warum das so ist oder ob die Teilnehmer bewusst versuchen, Schlaf nachzuholen.
Ausschlafen am Wochenende gleicht nicht alles aus
Zur Einordnung verweisen die Autoren auf frühere Untersuchungen. Unterschiede zwischen Wochentagen und Wochenende mit längerer Schlafdauer am Wochenende sind demnach schon länger bekannt. Gerade jüngere Erwachsene gleichen kürzere Schlafzeiten während der Woche kurzfristig teilweise durch längeren Schlaf am Wochenende aus.
Allerdings ersetzt das laut einer von den Autoren zitierten früheren Untersuchung keinen regelmäßigen, ausreichenden Schlaf und gleicht nicht alle biologischen Folgen aus.
Wichtig: Das ist kein Ergebnis der aktuellen GEDA-Untersuchung selbst. Die Autoren ziehen frühere Forschung heran, um ihre eigenen Ergebnisse einzuordnen.
Weniger als sieben Stunden sind nicht automatisch zu wenig
Auch die Sieben-Stunden-Grenze muss richtig verstanden werden. In der Untersuchung gilt eine Schlafdauer von weniger als sieben Stunden entsprechend einer internationalen Empfehlung als „kurz“. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jeder Mensch unter dieser Grenze an gesundheitsschädlichem Schlafmangel leidet.
Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass laut den zugrunde gelegten Empfehlungen für Erwachsene zwischen 26 und 64 Jahren auch sechs bis zehn Stunden und für Menschen ab 65 Jahren sechs bis neun Stunden angemessen sein können.
Für den Einzelnen zählt zudem nicht allein die Zahl der geschlafenen Stunden. Auch die Qualität des Schlafs, nächtliches Aufwachen, Tagesmüdigkeit oder Schlafstörungen können eine Rolle spielen. Diese Punkte untersuchte die aktuelle Auswertung jedoch nicht.
Warum die Zahlen nicht bedeuten, dass Millionen Deutsche Schlafmangel haben
Eine Stärke der Untersuchung ist ihre große Datenbasis. Die aktuelle Analyse beruht auf Angaben von 8.026 Erwachsenen. Die Teilnehmer wurden über zufällig ausgewählte Festnetz- und Mobilfunknummern erreicht.
Zusätzlich wurden die Ergebnisse statistisch gewichtet, um Abweichungen zwischen der untersuchten Gruppe und der Bevölkerung Deutschlands bei wichtigen Merkmalen zu berücksichtigen.
Der Schlaf wurde nicht mit einer Uhr gemessen
Eine wichtige Einschränkung ist jedoch: Die Schlafdauer wurde nicht objektiv gemessen. Die Teilnehmer gaben selbst an, wann sie gewöhnlich ins Bett gingen, wie lange sie zum Einschlafen benötigten und wann sie morgens aufwachten. Daraus berechneten die Autoren ihre Schlafdauer. Ob diese Angaben exakt der tatsächlich geschlafenen Zeit entsprechen, lässt sich damit nicht feststellen. Die Autoren schreiben deshalb, dass für eine detailliertere Erfassung künftig der Einsatz von Messinstrumenten wie Wearables geprüft werden sollte.
Sieben Stunden sind keine magische Grenze
Eine weitere Einschränkung betrifft die Definition von „kurzem Schlaf“. Die Grenze von weniger als sieben Stunden stammt aus internationalen Schlafempfehlungen. Sie ist aber keine harte Trennlinie, ab der Schlaf automatisch ungesund wird.
Genau deshalb sollte aus dem Ergebnis „39,6 Prozent schlafen weniger als sieben Stunden“ nicht die Aussage werden, 39,6 Prozent der Erwachsenen hätten gesundheitsschädlichen Schlafmangel. Das hat die Untersuchung nicht festgestellt.
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Guter Schlaf ist mehr als die Zahl der Stunden
Hinzu kommt: Die Schlafdauer ist nur ein Teil des Schlafverhaltens. Die Autoren konnten in dieser Auswertung beispielsweise nicht berücksichtigen, wie gut die Teilnehmer schliefen, ob sie nachts häufig aufwachten, tagsüber müde waren oder unter Schlafstörungen litten.
Gerade solche Faktoren können aber ebenfalls für Erholung und gesundheitliche Risiken wichtig sein. Die Studie liefert daher vor allem Informationen darüber, wie lange die Befragten nach eigenen Angaben schlafen – nicht darüber, wie erholsam dieser Schlaf tatsächlich ist.
Die GEDA-Studie wurde mit Mitteln des Robert Koch-Instituts und des Bundesministeriums für Gesundheit finanziert. Die Autoren geben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Der Artikel wurde vor der Veröffentlichung wissenschaftlich begutachtet.