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Studie aus Basel

Die Wirkung von Probiotika auf Depressionen

Probiotika Depressionen
Probiotika beeinflussen die Darmgesundheit und damit auch das Gehirn und die PsycheFoto: Getty Images

Längst gilt der Darm nicht mehr einfach nur als Verdauungsorgan. Immer mehr Studien belegen die Wechselwirkung zwischen Darm und Gehirn, die durch den sogenannten Vagusnerv miteinander verbunden sind. Forscher aus Basel haben nun herausgefunden, dass ein gesundes Darmmikrobiom sogar förderlich für psychische Gesundheit sein kann.

Die Studie der Universität Basel in Kooperation mit den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) untersuchte die Wirkung von Probiotika auf Menschen, die an Depressionen litten. Dabei handelt es sich um Nahrungsmittel, die lebensfähige Mikroorganismen wie z. B. Milchsäurebakterien enthalten. Das Ergebnis: Offenbar sind Probiotika dazu in der Lage, die Wirkung von Antidepressiva zu fördern und somit Depressionen zu lindern.

Verbindung zwischen Darm und Hirn

Laut dem Bundesministerium für Gesundheit erkranken schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie).1 Diese wird dann oftmals mit einer Psychotherapie oder mit Medikamenten behandelt. Doch der Leidensdruck der Patienten ist groß. Daher ist die Wissenschaft stets auf der Suche nach wirkungsvollen, unterstützenden Maßnahmen.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Darm-Hirn-Achse, der Vagusnerv. Demnach stehen Darm und Hirn in wechselseitiger Beziehung zueinander. So sind Darmbakterien z. B. fähig, über Stoffwechselprodukte das Nervensystem zu beeinflussen.

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Probiotika lindern die Symptome von Depressionen

In ihrer Studie untersuchten Wissenschaftler aus Basel die Auswirkung von Probiotika auf Patienten mit Depressionen. Um den Grad der Depression zu messen, führten sie zunächst einige Tests mit den Studienteilnehmern durch. Alle Probanden hielten sich während des Studienzeitraums stationär an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) auf und wurden mit Antidepressiva behandelt. 21 von ihnen erhielten zusätzlich zum Antidepressivum ein Probiotikum. Dieses enthielt ein breites Spektrum an Bakterien, ähnlich den gängigen frei verkäuflichen Präparaten. 26 Probanden bekamen ein Placebo. Nach 31 Tagen wurden die Studienteilnehmer schließlich erneut getestet.

Bei der anschließenden Analyse wurde dann ersichtlich: In beiden Gruppen nahmen die depressiven Symptome dank der Gabe von Antidepressiva ab. In der Gruppe, die zusätzlich ein Probiotikum erhielt, verbesserte sich der positive Effekt sogar noch mehr im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Außerdem veränderte sich – zumindest für einen kurzen Zeitraum – die Zusammensetzung des Darmmikrobioms.2

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Bei der Probiotika-Gruppe zeigte eine Untersuchung von Stuhlproben am Ende der Behandlung eine Zunahme von Milchsäurebakterien – ein Effekt, der mit einer Verringerung der depressiven Symptome einherging. Allerdings nahm die Anzahl der gesundheitsfördernden Darmbakterien in den folgenden vier Wochen wieder ab. „Es kann sein, dass eine vierwöchige Behandlung nicht ausreicht und es länger dauert, bis sich die neue Zusammensetzung der Darmflora stabilisiert“, so Anna-Chiara Schaub, eine der Erstautorinnen der Studie.3

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Gehirnaktivität verändert sich durch Probiotika

Aber auch die Gehirnaktivität veränderte sich durch die Gabe von Probiotika. Das zeigen Bilder eines MRT. Bei Patienten mit Depressionen verhalten sich bestimmte Gehirnregionen zur emotionalen Verarbeitung anders als die von Menschen, die psychisch gesund sind. Doch nach vierwöchiger Einnahme von Probiotika normalisierte sich diese Gehirnaktivität. In der Placebo-Gruppe blieb sie hingegen gleich.

Um Probiotika noch gezielter zur Behandlung von Depressionen einsetzen zu können, bedarf es jedoch noch einiger Forschungsarbeit. So muss insbesondere die Wirkweise einzelner Bakterienstämme auf ihre Wirkung hin untersucht werden. „Mit zusätzlichem Wissen über die spezifische Wirkung bestimmter Bakterien lässt sich möglicherweise die Auswahl der Bakterien optimieren und die beste Mischung einsetzen, um die Behandlung von Depressionen zu unterstützen“, so Schaub.

Quellen

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