10. Juli 2026, 21:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Auch „It-Girls“ haben ADHS. Paris Hilton erhielt die Diagnose in ihren 20ern – und macht heute kein Hehl mehr daraus. Sogar ihr Zuhause hat sie neurodivers eingerichtet, wie sie in ihrer Videoserie „Inclusive by Design“ zeigt. Was dabei nicht so auf der Hand liegt: Was bedeutet neurodiverse Einrichtung überhaupt, und wie hat Hiltons ADHS sie geprägt?
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„Etwas stimmt nicht mit mir“ – ADHS in der Kindheit
ADHS hinterlässt oft Spuren bei Kindern. Eine Studie im „Journal of Pediatric Psychology“ zufolge haben Kinder mit ADHS häufiger schlechtere Schulnoten, schwächere Ergebnisse in Lese- und Mathetests und bleiben öfter sitzen.1 Und nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch bei der psychischen Gesundheit hinterlässt ADHS seine Spuren. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2025 zeigt, dass betroffene Kinder und Jugendliche ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Depression haben, sowie ein deutlich erhöhtes Risiko für Angststörungen.2
Die Schwierigkeiten, mit denen ADHS Kinder belastet, erfuhr auch Paris Hilton am eigenen Leib. Auch wenn ihre Diagnose erst Jahre später kam. Wie sie „People“ erzählt, fiel es ihr in der Schule schwer, sich Dinge zu merken, sie verlor ständig ihre Hausaufgaben und bekam deswegen Ärger mit den Lehrern. „Als ich aufwuchs, sprach niemand über ADHS“, sagt Hilton. Dadurch habe sie das Gefühl gehabt, dass etwas nicht mit ihr stimme, und sie habe früh gelernt, ihre Emotionen zu überspielen, statt sie zu zeigen.
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Heute blickt Hilton anders auf diese Zeit zurück
Erst im Austausch mit anderen Betroffenen habe sie gelernt, ihre damaligen Gefühle einzuordnen. Was sie früher als Makel empfunden habe, betrachte sie heute als Stärke: „Jetzt sehe ich es als eine Art Superkraft, und ohne sie wäre ich nicht die Person, die ich heute bin.“
Diese Botschaft will Hilton auch nach außen tragen – im wahrsten Sinne des Wortes. Also öffnete die Unternehmerin buchstäblich ihre Haustür: In der dreiteiligen Videoserie „Inclusive by Design“ zeigt sie, wie sie ihr Zuhause und ihr Büro gezielt auf ihre Neurodivergenz – und die ihres Teams – zugeschnitten hat.
Was ist Neurodivergenz?
Neurodivergenz beschreibt, wenn das Gehirn eines Menschen anders funktioniert als bei der Mehrheit. Darunter fallen ADHS, Autismus oder Legasthenie. Es geht nicht um eine Krankheit, sondern um eine andere Art, zu denken, zu lernen oder Reize zu verarbeiten.
Warum bei Hilton alles sichtbar sein muss
Ein zentrales Problem für Hilton ist die sogenannte Objektpermanenz. Sie beschreibt ihre ADHS-Erfahrung so: „Bei ADHS gibt es etwas, das man Objektpermanenz nennt. Wenn man etwas nicht sieht, existiert es im Grunde nicht im Kopf.“ Dinge geraten schnell in Vergessenheit, wenn sie hinter geschlossenen Türen verschwinden. Deshalb hat sie ihr Bastelzimmer mit durchsichtigen Schubladen ausgestattet. Auch ihr Kleiderschrank folgt diesem Prinzip, denn Schränke und Schubladen ohne Glastüren sind konsequent beschriftet, damit sie auf einen Blick weiß, was sich darin befindet.
„Ich muss alles beschriften, damit ich alles sehen kann und mein Gehirn sich dann merkt, wo sich die einzelnen Dinge befinden“, erklärt Hilton.
Auch im Büro hat Hilton umgestellt. Ein spezieller Stuhl, der sich in verschiedene Positionen bringen lässt, soll ihr helfen, sich zu konzentrieren. Denn manchmal sei es mit ADHS einfach schwer, stillzusitzen, erklärt Hilton: „Man fühlt sich einfach entspannter und kann sich besser konzentrieren.“
Objektpermanenz und ADHS
Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, selbst eine ADHS-Diagnose haben, sollten Sie an dieser Stelle nicht voreilig sein und die Objektpermanenz einfach auf sich übertragen. Was hier schnell zusammengedacht wird – auch von Hilton selbst –, ist wissenschaftlich nicht so eindeutig, wie es das „It-Girl des Jahres 2005“ darstellt.
Objektpermanenz ist ursprünglich ein entwicklungspsychologisches Konzept aus der frühen Kindheit und kein offiziell anerkanntes ADHS-Symptom. Dass viele Menschen mit ADHS trotzdem ähnliche Erfahrungen machen – etwa dass Dinge schnell „aus den Augen, aus dem Sinn“ geraten –, ist zwar ein in der Community viel diskutiertes Phänomen. Ein wissenschaftlich belastbarer Zusammenhang zwischen ADHS und einer gestörten Objektpermanenz konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden.3