24. März 2026, 21:22 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Er ist der Klassiker unter den Morgenritualen – vor allem als Muntermacher. Eine große Langzeitstudie liefert Hinweise darauf, dass Kaffee auch für die mentale Gesundheit eine Rolle spielen könnte. Dabei wurden etwa Depression und Folgestörungen von Stress genauer betrachtet. Wichtig dabei: die richtige Tassenanzahl pro Tag.
Verschiedene Kaffeeformen im Fokus
Chinesische Wissenschaftler der Fudan-Universität untersuchten, ob tägliches Kaffeetrinken mit dem späteren Risiko für psychische Störungen in Verbindung steht. Ist Kaffee eher günstig, ungünstig oder ohne klaren Zusammenhang für die psychische Gesundheit? Zusätzlich interessierte sie, ob es Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt und ob die genetisch beeinflusste Fähigkeit, Koffein zu verstoffwechseln, eine Rolle spielt.1
Dafür betrachteten sie nicht nur Kaffee insgesamt, sondern auch verschiedene Untertypen:
- Instantkaffee
- gemahlener Kaffee
- entkoffeinierter Kaffee
Die Krankheiten kurz erklärt
Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Stimmungs- und Stressstörungen (auch: affektive Störungen und Belastungsstörungen). Stimmungsstörungen umfassen Erkrankungen, die die Gefühlslage deutlich beeinflussen, etwa Depressionen. Stressstörungen betreffen psychische Beschwerden als Reaktion auf traumatische Ereignisse (z. B. Gewalt) oder anhaltenden, extremen Stress. Zu den Hauptformen zählt die posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS.
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Daten von über 400.000 Menschen
Grundlage der Studie waren Daten der UK Biobank, einer großen prospektiven Bevölkerungsstudie. Insgesamt 461.586 Teilnehmer wurden zunächst erfasst und dann über Jahre beobachtet, um zu sehen, wer später psychische Störungen entwickelte. 46,4 Prozent der Teilnehmer waren Männer und das Durchschnittsalter lag bei 57 Jahren.
Zu Beginn machten die Teilnehmer Angaben zu ihrem Kaffeekonsum, darunter auch zur Art des Kaffees wie Instantkaffee, gemahlener oder entkoffeinierter Kaffee. Im weiteren Verlauf erfassten die Autoren Stimmungsstörungen und stressbezogene Störungen anhand von ICD-10-Codes aus stationären Krankenhausdaten.
Für die statistische Auswertung nutzten sie bestimmte Regressionsmodelle, die dabei helfen, Erkrankungsrisiken über die Zeit zu berechnen und auch nichtlineare Muster sichtbar zu machen. Zudem prüften die Forscher, ob Geschlecht oder genetische Unterschiede im Koffeinstoffwechsel den Zusammenhang beeinflussten.
2 bis 3 Tassen Kaffee mit geringem Risiko verbunden
Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 13,4 Jahren erkrankten 18.220 Personen an Stimmungsstörungen und 18.547 an Stressstörungen. „Median“ meint, dass die eine Hälfte der Teilnehmer kürzer und die andere Hälfte länger beobachtet wurde.
Die zentrale Beobachtung war ein J-förmiger Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und psychischen Erkrankungen. Das heißt: Das Risiko war nicht einfach mit jeder zusätzlichen Tasse niedriger, sondern erreichte seinen günstigsten Bereich bei mäßigem Konsum. Diejenigen, die zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag tranken, hatten im Vergleich zu Menschen, die gar keinen oder mehr als drei Tassen tranken, das geringste Risiko, psychische Probleme zu entwickeln. Fünf und mehr Tassen standen sogar mit einem erhöhten Risiko für Stimmungssörungen im Zusammenhang. Das zeigt, dass „mehr“ nicht automatisch „besser“ bedeutet.
Koffein, Gene und Geschlecht
Das J-Muster blieb über die verschiedenen Kaffeearten hinweg bestehen. Das spricht dafür, dass der Zusammenhang nicht ausschließlich durch Koffein erklärt werden kann. Zudem war der Zusammenhang für Stimmungsstörungen bei Männern ausgeprägter als bei Frauen. Dagegen fanden die Forscher keinen Hinweis darauf, dass Genvarianten des Koffeinstoffwechsels die beobachteten Zusammenhänge wesentlich veränderten.
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Bedeutung der Ergebnisse
Der Hintergrund der Arbeit ist gesundheitspolitisch relevant: Psychische Störungen zählen seit Jahren zu den wichtigen Belastungen für die öffentliche Gesundheit. Psychische Erkrankungen lagen 2024 auf dem dritten Platz der Erkrankungsgruppen, die die meisten Ausfalltage bei der Arbeit verursachen. Laut dem Psychbericht 2025 der DAK verursachten Depressionen im Jahr 2024 davon die meisten: rund 183 Fehltage je 100 Versicherte.2 Generell zählen Stimmungsstörungen mit 9,8 Prozent Erkrankten zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland (davon Depression: 8,2 Prozent).3
Entsprechend groß ist das Interesse an einfach umsetzbaren Präventionsansätzen. Die Ergebnisse sind insofern spannend, als sie auf einen alltagsnahen Zusammenhang hinweisen. Kaffee gehört weltweit zu den am häufigsten konsumierten Getränken. Wenn ein mäßiger Konsum mit einem geringeren Risiko für bestimmte psychische Störungen verbunden ist, wäre das für viele Menschen praktisch relevant.
Einordnung der Studie und Fazit
Wichtig zu verstehen ist, dass die Studie keine Ursache-Wirkungs-Beziehung, sondern einen statistischen Zusammenhang zeigt. Dennoch ist es bemerkenswert, dass in dieser Langzeitstudie mit über 400.000 Probanden moderater Kaffeekonsum mit dem niedrigsten Risiko für Stimmungs- und stressbezogene Störungen verbunden ist. Der ermutigende Punkt dabei: Selbst alltägliche Gewohnheiten wie Kaffeetrinken könnten für die mentale Gesundheit bedeutsamer sein als lange angenommen.