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5,3 Millionen Erwachsene betroffen

Diese Symptome können auf eine Depression hinweisen

Depressiver Mann lehnt an Fenster
Verminderter Antrieb ist eines von drei Kernsymptom von Depressionen. Auch körperliche Beschwerden bei depressiven Menschen nicht ungewöhnlich! Welche das konkret sein können, lesen Sie bei FITBOOK. Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

25. Februar 2026, 10:50 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Depressionen werden noch immer viel zu oft als Charakterschwäche missverstanden: „Sie ist einfach nicht sehr belastbar“ oder „er muss sich nur mal einen Ruck geben“, heißt es dann häufig hinter vorgehaltener Hand. Diese Haltung ist nicht nur falsch, sie ist gefährlich! Tatsächlich verändern Depressionen den Hirnstoffwechsel, erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und sind die häufigste Ursache für Suizid. Welche Anzeichen es gibt und aus welchen Bausteinen die Therapie besteht, sagt FITBOOK.

Auf fachliche Richtigkeit geprüft von
Prof. Dr. med. Frank Erbguth
Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Psychiater und Neurologe, Präsident der Deutschen Hirnstiftung

Wenige Zahlen reichen aus, um die Relevanz dieses Themas zu verdeutlichen: Jede vierte Frau und jeder achte Mann in Deutschland erleidet im Laufe des Lebens eine Depression – insgesamt 5,3 Millionen der erwachsenen Deutschen.1 Bei den Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren liegt die Zahl derer, die wegen depressiver Episoden stationär in Behandlung waren, bei knapp 22.000 jährlich (Zahl für 2021).2

Trotz dieser alarmierenden Zahlen dauert es häufig viel zu lange, ehe Betroffene Hilfe erhalten, eine Diagnose gestellt und die Depression adäquat behandelt wird. Auch, wenn das Thema in weiten Teilen der Gesellschaft inzwischen enttabuisiert ist, fällt es vielen Menschen nach wie vor schwer, es bei anderen anzusprechen oder sich selbst einzugestehen, dass sie Hilfe benötigen (und diese dann auch einzufordern).

Anzeichen einer Depression

Wer an einer Depression erkrankt, fühlt sich niedergeschlagen, innerlich leer und hat das Interesse an Dingen verloren, die sonst Spaß gemacht haben. Das kann das Hobby, das Treffen mit Freunden oder auch der Job sein. Viele ziehen sich zurück und sind antriebslos. Betroffenen fällt es oft zunehmend schwer, Entscheidungen zu treffen. Sie können sich schlechter konzentrieren, einige leiden auch unter Schlafstörungen. Hinzu kommen negative und pessimistische Gedanken sowie Schuldgefühle. Auch körperliche Beschwerden sind bei depressiven Menschen nicht ungewöhnlich.

Kernsymptome

  • depressive Stimmung
  • Verlust von Freude und Interesse an Aktivitäten, die einmal Freude bereitet haben
  • verminderter Antrieb, Neigung zu schneller Ermüdung

Zusatzsymptome

  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • unbegründete Selbstvorwürfe, Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Suizid

Körperliche Beschwerden

  • deutlicher Gewichtsverlust
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Verlust des sexuellen Interesses

Die unterschiedlichen Ausprägungen von Depressionen

Je nach Anzahl und Ausprägung der Symptome unterscheidet man zwischen einer leichten, mittelgradigen und schweren Depression. Wer länger als zwei Wochen Anzeichen der Erkrankung bei sich beobachtet, sollte einen Arzt aufsuchen, damit sich die Symptome nicht weiter verschlechtern und chronifizieren.

Leichte Ausprägung

Die hochfunktionale Depression (auch hochfunktionale Dysthemie) wird als leichte Ausprägung eingestuft. Betroffene „funktionieren“: Sie schaffen es, ihr Leben teilweise jahrelang zu meistern, obwohl sie unglücklich und depressiv sind. Diese Form der Depression, die über Jahre anhalten kann, bleibt häufig unentdeckt.

Die Beschwerden erreichen in der Regel nicht das Ausmaß einer ausgeprägten depressiven Störung. Dazu gehören:

  • Müdigkeit
  • Traurige, niedergeschlagene Grundstimmung
  • Vieles wird als anstrengend empfunden

Auch interessant: Symptome, Ursachen und Behandlung einer bipolaren Störung

Mittelgradige Ausprägung

Diese Ausprägung beeinträchtigt Betroffene im Alltag stark. Im Unterschied zur leichten Ausprägung sind bei einer mittelgradigen Depression vier oder mehr Zusatzsymptome vorhanden (siehe oben).

Schwere Ausprägung

Eine schwere Depression ist gekennzeichnet durch mehrere intensive Symptome (siehe Kernsymptome oben). Schwer Erkrankte können etwa häufig an den Programmen aus unterschiedlichen Psychotherapieverfahren nicht mehr teilnehmen. Eine schwere depressive Episode ist häufig begleitet von Suizidgedanken und -handlungen.

Wiederkehrende depressive Störung

Nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe erleiden mehr als 70 Prozent nach dem ersten Ausbruch immer wieder Krankheitsphasen – man spricht dann von einer rezidivierenden Depression. Zwischen den Episoden ist die betreffende Person beinahe symptomfrei.

Winterdepression

Wissenschaftlich ist die Rede von der „saisonal bedingten Depression“ (SAD). Ausgelöst werden kann sie durch Lichtmangel – die kurzen Tage und die niedrigere Lichtintensität als im Sommer führen bei einigen Menschen dazu, dass weniger Botenstoffe im Gehirn produziert werden. Beschwerden liegen bei einer SAD über mindestens zwei Wochen vor. Wie man sich vor einer Winterdepression schützen kann, erfahren Sie hier.

Mögliche Ursachen einer Depression

Es gibt viele Gründe, die eine Depression auslösen können: Traumata nach einem Unfall oder Missbrauch, der Verlust eines nahestehenden Menschen, Mobbing am Arbeitsplatz, Geldschulden und damit verbundene Gefühle der Ausweglosigkeit, dauerhafter Stress sowie allgemeine Über-, aber auch Unterforderung. Das sind nur einige Beispiele von vielen.

Eine Depression ist zugleich erblich bedingt. Betroffene können also eine Veranlagung für die Krankheit in sich tragen. 2021 haben US-Forscher das Erbgut von etwa 1,2 Millionen Menschen untersucht – sie fanden 178 Gen-Varianten, die im Zusammenhang mit Depressionen stehen.3

Auch Medikamente wie bestimmte Hormonpräparate oder Arzneimittel gegen Bluthochdruck können Depressionen auslösen. Wer das bei sich beobachtet, sollte das seinem Arzt unbedingt mitteilen.

Ob Fettleibigkeit zu Depressionen führt – oder umgekehrt –, war Gegenstand einer Studie, die 2018 im „International Journal of Epidemiology“ veröffentlicht wurde.4 Es zeigte sich dort ein Zusammenhang zwischen Adipositas und Depressionen. Vor allem adipöse Frauen waren gefährdet, an Depressionen zu erkranken.

Mögliche Folgekrankheiten

Bei einer Depression gerät der Nervenstoffwechsel im Gehirn aus den Fugen. Grund dafür ist häufig eine dauerhafte Überaktivierung des Stresshormonsystems. Außer Kontrolle geraten dann vor allem die Botenstoffe Serotonin (oft als „Glückshormon“ bezeichnet), Noradrenalin sowie Dopamin. Deren Überaktivierung wiederum kann langfristig das Risiko für

Diese möglichen Folgeerkrankungen sind der Grund, warum Depressionen mit einer deutlich reduzierten Lebenserwartung assoziiert sind. Epidemiologische Studien zeigen, dass Menschen mit diagnostizierter Depression je nach Setting eine um 6 bis über 20 Jahre niedrigere Lebenserwartung haben können.5

Wichtig ist also, frühzeitig zu handeln und professionelle Hilfe aufzusuchen.  

    Behandlung

    Ziel aller Behandlungsformen ist es, Symptome zu lindern, Rückfälle zu verhindern und langfristig Stabilität und Lebensqualität zurückzugewinnen. Die Behandlung einer Depression beruht meist auf mehreren Bausteinen:

    Medikamentöse Therapie

    Antidepressiva können das Ungleichgewicht im Gehirn in Ordnung bringen. Es gibt viele verschiedene Präparate auf dem Markt. Einige wirken antriebssteigernd, andere eher angstlösend. Gemeinsam mit dem Psychiater wird das Mittel ausgewählt, das am geeignetsten erscheint. Auch müssen Nebenwirkungen mit einem möglichen Nutzen abgewogen werden.

    Wer beispielsweise zugleich am Restless-Legs-Syndrom erkrankt ist, sollte unter Umständen sogenannte SSRI meiden; selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können das Syndrom noch verstärken.

    Ambulante Psychotherapie

    Neben der medikamentösen Behandlung ist es ratsam, dass sich Betroffene Unterstützung beim Psychotherapeuten holen. In der kognitiven Verhaltenstherapie lernt man Schritt für Schritt, das Leben so zu gestalten, dass es wieder zunehmend Freude bereitet. Oft geht es auch darum, Strategien zur Stressbewältigung zu finden und ungünstige Denkmuster wie Schwarzmalerei oder zu hohe Erwartungen an sich und andere abzulegen. Meist finden die Sitzungen zu Anfang einmal die Woche statt, später werden die Abstände vergrößert.

    Manchmal kann statt der kognitiven Verhaltenstherapie (oder im Anschluss) eine Psychoanalyse sinnvoll sein. Bei dieser Therapieform geht es hauptsächlich darum, traumatische Erfahrungen und gestörte Beziehungsmuster (vorwiegend aus der Kindheit) aufzuarbeiten. Hilfreich können auch Selbsthilfegruppen sein. Mittlerweile gibt es auch Online-Programme. Hier eine Auswahl:

    • Das „iFightDepression Tool“ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention für für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren.
    • Moodgym“ ist ein interaktives Trainingsprogramm zur Vorbeugung und Verringerung von depressiven Symptomen
    • Selfapy“ ist ein Online-Therapieprogramme für Betroffene psychischer Erkrankungen und bietet schnellen und flexiblen Zugang zu fachgerechter Hilfe, die Wege aus der Depression zeigen.

    Tagesklinik oder Psychiatrie?

    Je nach Schwere der Depression und abhängig davon, wie stark bei der Depression auch körperliche Beschwerden bestehen, sind psychiatrische oder psychosomatische Kliniken geeignet.

    Eine stationäre oder auch tagesklinische Behandlung ist dann notwendig, wenn Betroffene nicht mehr in der Lage sind, zu arbeiten oder an einer ambulanten Psychotherapie teilzunehmen. Der Aufenthalt beträgt in der Regel mindestens sechs Wochen und setzt voraus, dass Erkrankte zumindest noch so viel Kraft haben, dass sie bei den täglichen Programmen aus unterschiedlichen Psychotherapieverfahren sowie Sport- und Bewegungstherapie mitmachen können. Ist das nicht möglich, ist eine vorübergehende Unterbringung in der Psychiatrie sinnvoller. Das ist auch der Fall, wenn Betroffene Suizidgedanken haben.

    Auch interessant: Wie bekommt man eine Psychotherapie?

    Elektrokrampftherapie bei schweren Fällen

    Bei Patienten mit schwerer oder chronischer Depression, die auf medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungen nicht ausreichend ansprechen, kann die Elektrokrampftherapie helfen. Dabei löst man durch eine kurze elektrische Reizung des Gehirns (20 bis 30 Sekunden) einen epileptischen Krampfanfall aus. Die Patienten sind währenddessen unter Vollnarkose.

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    Depressionen häufigste Ursache für Suizid

    2022 starben in Deutschland insgesamt 10.119 Menschen durch Suizid – das sind im Durchschnitt fast 28 täglich. Männer nehmen sich deutlich häufiger das Leben als Frauen, rund 75 Prozent der Selbsttötungen werden von Männern begangen.6 Depressionen sind die häufigste Ursache für Suizid.7

    Auch als Angehöriger, Freund oder sonst nahestehende Person ist es enorm wichtig, eine Depression ernst zu nehmen und sie nicht zu bagatellisieren. Das Vorurteil, dass sich ein Mensch, der von Suizid spricht, nichts antut, hält sich hartnäckig – ist aber falsch! Sagt jemand beispielsweise so etwas wie „Es hat ja doch alles keinen Sinn mehr“, ist das ein klares Alarmzeichen.

    Hier gibt es Hilfe

    Die Deutsche Depressionshilfe rät, Betroffene offen darauf anzusprechen und ihnen bei Bedarf dabei zu helfen, einen Arzt oder Psychotherapeuten zu kontaktieren. Manchmal kann es auch notwendig sein, sie in eine psychiatrische Notfallambulanz zu bringen.

    Sollten Sie selbst Suizidgedanken haben: Die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 ist kostenfrei und steht rund um die Uhr zur Verfügung. Holen Sie sich bitte Hilfe!

    Quellen

    1. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: Häufigkeit von Depressionen. (aufgerufen am 25.02.2026) ↩︎
    2. Statistisches Bundesamt: Krankenhausbehandlungen 2021 von 10- bis 17-Jährigen. (aufgerufen am 25.02.2026) ↩︎
    3. Levey, D. F., Stein, M. B., Wendt, F. R. et al. (2021). Bi-ancestral depression GWAS in the Million Veteran Program and meta-analysis in >1.2 million individuals highlight new therapeutic directions. Nature. ↩︎
    4. Jessica, Tyrrell., Anwar, Mulugeta. et al. (2019). Using genetics to understand the causal influence of higher BMI on depression. International Journal of Epidemiology.  ↩︎
    5. Korhonen K., Moustgaard H., Tarkiainen L. et al. (2021): Contributions of specific causes of death by age to the shorter life expectancy in depression: a register-based observational study from Denmark, Finland, Sweden and Italy. Journal of Affective Disorders. ↩︎
    6. Statistisches Bundesamt: Todesursachen – Suizide (aufgerufen am 25.02.2026) ↩︎
    7. Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention: Suizidalität. (aufgerufen am 25.02.2026) ↩︎

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