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Jennifer Lawrence offenbart postpartale Depression

Jennifer Lawrence offenbart postnatale Depression
Jennifer Lawrence erlebte eine postpartale Depression Foto: Getty Images
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28. Oktober 2025, 12:57 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Schauspielerin Jennifer Lawrence ist für gefeierte Darstellungen auf der Leinwand und für ihre Komik bei öffentlichen Auftritten und in Interviews bekannt. Doch da ist auch eine andere Seite, die sie zuletzt im Zusammenhang mit ihrer jüngsten Filmrolle offenbarte. Im betreffenden Thriller verkörpert Lawrence – selbst zweifache Mutter – eine Ehefrau, die nach der Geburt ihres ersten Kindes eine psychische Krise erleidet. Eine Geschichte mit Parallelen zu ihrem eigenen Privatleben, in dem sie, wie sie nun öffentlich machte, eine postpartale Depression (PPD) erlebt hat.

Im Mai dieses Jahres, bei der Pressevorführung ihres neuen Films „Die, My Love“ (2025) in Cannes, beschrieb die Hollywood-Schauspielerin ihre Gefühle während der Dreharbeiten. Sie war zu dieser Zeit schwanger mit ihrem zweiten Kind, und es sei herzzerreißend schwer gewesen, ihre eigenen Erfahrungen von denen der Filmfigur zu trennen. So zitierte sie im Frühjahr 2025 das Branchen-Portal „Variety“. Sich emotional in diese schwierige, düstere Situation hineinversetzen zu müssen, während man gerade eigentlich das Gegenteil erleben will: Vorfreude auf das eigene Kind.

Damals hat sie wohl noch nicht geahnt, wie sehr sie selbst nach der Geburt ihres Kindes leiden würde. In einem jetzt erschienenen Porträt im US-amerikanischen Magazin „The New Yorker“ beschreibt sie offen, wie sie ihre postpartale Depression (PPD) erlebte.

Expertin erklärt das Krankheitsbild postpartale Depression (PPD)

FITBOOK sprach mit der Paartherapeutin Susanne Brümmerhoff. Ihr begegnet das Thema postnatale Depression in ihrer beruflichen Praxis häufiger. So wird das Krankheitsbild auch oft genannt. Die Expertin verwendet dafür allerdings den medizinisch präziseren Begriff „postpartale“ Depression. Dieser bezieht sich konkret auf die Mutter, während „postnatal“ das Kind meint. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe jedoch oft synonym für die Zeit nach der Geburt verwendet.

Es handele sich um eine ernstzunehmende depressive Erkrankung, die Wochen oder sogar Monate nach der Geburt auftreten kann. Auch der Ausdruck „Wochenbettdepression“ sei streng genommen irreführend. Die Erkrankung äußerte sich ganz ähnlich wie eine „normale“ Depression, schildert Brümmerhoff. „Junge Mütter fühlen sich hoffnungslos, sie haben Ängste, sind plötzlich tief traurig oder fühlen sich wertlos und schuldig.“

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So erlebte Jennifer Lawrence die Erkrankung

Bei Jennifer Lawrence waren es vermehrt Ängste und dunkle Gedanken, wie sie dem „New Yorker“ beschreibt. Auch fühlte sie sich extrem unsicher. „Ich dachte, ich mache alles falsch und würde meine Kinder ruinieren“, so die 35-Jährige. Wenn das Baby weinte, habe sie dies so gedeutet, dass es unglücklich sei, am Leben und ein Teil seiner Familie zu sein. Zwischenzeitlich habe sie sich aufmunternde Worte bei ChatGPT eingeholt. Die Künstliche Intelligenz (KI) habe ihr auf ihre Anfrage hin versichert, eine liebevolle Mutter zu sein und ihr Bestes zu geben.

Das Bild, das sie zeichnet, unterscheidet sich stark von dem, wie man Jennifer Lawrence fernab ihrer Rollen kennt. In Interviews präsentiert sie sich stets schlagfertig und äußerst humorvoll. Es gibt zahlreiche Zusammenschnitte von urkomischen Szenen mit ihr auf dem roten Teppich oder in TV-Sendungen. Das zeigt: Auch Menschen, die nach außen hin selbstbewusst und stark wirken, können von psychischen Belastungen betroffen sein.

Sind Sie betroffen? Lassen Sie sich helfen!

Man geht davon aus, dass bis zu 15  Prozent aller Mütter nach der Geburt eine postpartale Depression (PPD) entwickeln.1 Laut Therapeutin Brümmerhoff sind es weltweit sogar bis zu 17,7 Prozent der Frauen, wobei sie erneut betont, dass auch Männer betroffen sein können. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, doch Hormone spielen dabei eine wichtige Rolle. „Es kann verschiedene, begünstigende Faktoren geben, zum Beispiel depressive Phasen vor der Geburt, mangelnde Unterstützung durch das Umfeld, finanzielle Sorgen, Überlastung oder Traumata wie häusliche Gewalt“, erklärt die Expertin. Viele Betroffene leiden unter Schuld- und Schamgefühlen.

Betroffene sollten wissen: Sie sind kein schlechter Mensch. „Niemand kann etwas für diese Depression“, bestätigt Susanne Brümmerhoff. Und: Es gibt Hilfe. Psychotherapeutische Angebote können die Symptome lindern, gegebenenfalls auch in Kombination mit Medikamenten. Wenden Sie sich dafür an Ihren Hausarzt, Gynäkologen oder direkt an einen Psychiater. Die Therapeutin mahnt: „Frauen, die unter Suizidgedanken leiden oder Ängste haben, ihrem Baby etwas anzutun, sollten sich unbedingt in eine Notaufnahme begeben.“

Behandlung mit neuartigem PPD-Medikament

Die Symptome waren so schwerwiegend, dass Jennifer Lawrence medizinische Hilfe in Anspruch nahm. Wie sie erzählt, nahm sie Zurzuvae ein: das erste orale Medikament (Wirkstoff Zuranolone) zur Behandlung postpartaler Depressionen. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hatte es im August 2023 zugelassen, seit September 2025 kann es auch in der EU verschrieben werden.2 Zuranolone wirkt auf bestimmte Nervenzellen im Gehirn, die für Stimmung und emotionale Verarbeitung verantwortlich sind, und kann so depressive Symptome lindern. Studien bestätigen seine Wirksamkeit, und auch Lawrence berichtet von einer schnellen und deutlichen Besserung ihrer Beschwerden. Wichtig: Wie alle Medikamente darf Zurzuvae nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, da es nicht frei von Nebenwirkungen ist.

Quellen

  1. Stiftung Deutsche Depressionshilfe: In der Schwangerschaft und nach der Geburt (aufgerufen am 28.10.2025) ↩︎
  2. Europäische Kommission: Kommission genehmigt Arzneimittel zur Behandlung von postpartaler Depression (aufgerufen am 28.10.2025) ↩︎

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