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von FITBOOK

Nachgefragt bei der Gynäkologin

Was passiert im Körper der Frau, wenn sie lange keinen Sex hatte?

Frau liegt auf dem Bett
Gewöhnt sich der Körper an Abstinenz? FITBOOK hat‘s herausgefunden.Foto: Getty Images

„Use it or lose it“, also „benutze es, oder es verschwindet“ – diese Regel gilt unter anderem für Muskeln. Und im übertragenen Sinne auch für Geschlechtsteile? FITBOOK hat bei einer Expertin nachgefragt, ob und gegebenenfalls wie sich der weibliche Körper verändert, wenn er lange nicht mehr sexuell aktiv war.

Wenn Frauen länger keinen Sex hatten, kann er dann etwas holprig werden, wenn es wieder soweit ist. Das bestätigt Prof. Dr. med. univ. Doris Maria Gruber. Die Betroffenen reagieren auf Stimulation womöglich langsamer und werden nicht mehr so schnell feucht. Dann kann es beim Sex logischerweise etwas wehtun.

Dieser verlorene „Appetit“ lasse sich aber wieder anregen. „Er kommt mit dem Verliebtsein und mit einem interessierten und interessanten Gegenüber“, erklärt die Gynäkologin. Auch ein vorhandener Kinderwunsch könne die Lust steigern.

Was bedeutet es überhaupt als Frau, „lange“ keinen Sex zu haben?

Das ist zum Glück absolut individuell. Für die eine fühlt sich eine sexfreie Woche schon endlos an. Andere hingegen können Monate ohne „Körperlichkeit“ problemlos vergehen lassen.

Kann man sich Sex abgewöhnen?

So sollte man es vielleicht besser nicht formulieren. Tatsächlich aber reduziert sich die Lust, wenn Frauen (und Männer!) lange abstinent waren – nach dem Motto ‚aus dem Auge, aus dem Sinn‘. Das erinnert an den Magen, der irgendwann kleiner wird, wenn er über einen längeren Zeitraum nur sehr wenig Nahrung zugeführt bekommen hat.

Und dass die Libido zurückgeht, ist eine normale körperliche Reaktion auf eine „Dürrephase“ und im Grunde etwas Gutes. Wäre es anders, würde das für die Betroffenen schließlich einen ziemlichen Leidensdruck bedeuten.

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Gibt es eine „Vagina-Depression“, wenn Frau lange keinen Sex hatte?

Verschiedene Medien warnen vor einer „Vagina-Depression“ – auch „Vaginale Atrophie“ genannt. Das weibliche Geschlechtsteil soll atrophieren (= sich zurückbilden), wenn man es lange nicht zu sexuellen Zwecken einsetzt. Durch die fehlende Stimulation sollen die Scheidenwände schlechter durchblutet werden, wodurch ihre Elastizität dauerhaft leiden soll. Klingt dramatisch – und kann tatsächlich passieren, bestätigt Prof. Gruber – allerdings in der Regel erst später.

Die Erklärung hat wenig mit Sex zu tun: In der Menopause wird immer weniger vom weiblichen Sexualhormon Östrogen produziert und in der Folge (unter anderem) weniger Scheidensekret gebildet, das für die Kollagenfasern und somit das Bindegewebe der Scheidenwand wichtig wäre. Scheidenschleimhaut-Atrophie sei ab einem gewissen Alter tatsächlich ein Problem, dem frau jedoch mit Cremes begegnen könne – und auch solle! Aber: „Die junge Vagina bildet Sekret“, sagt uns die Ärztin, „mit oder ohne Sex.“ Wenn das Phänomen bereits früher auftritt, hätte das ihrer Meinung nach krankhafte Ursachen und sollte untersucht werden.

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Der erste Sex seit einer Weile – worauf ist zu achten?

Da die Schleimhäute beim ersten Akt nach längerer Pause schlechter durchfeuchtet sein können, kann es leicht zu kleineren Verletzungen kommen. Deshalb ist laut Prof. Gruber nach Abstinenz der Infektionsschutz besonders wichtig. „Sie sollten auch auf Ihren Bauch hören“, fügt die Ärztin hinzu, „sprich darauf, ob es sich richtig anfühlt.“

Fazit

Dass die Vagina komplett vertrocknet und sich „zurückbildet“, ist natürlich Quatsch. Im weitesten Sinn gilt „use it or lose it“ aber schon: Sex verliert an Wichtigkeit und Präsenz, man kommt aus der Übung und rostet ein wenig ein – das ist zwar nicht dramatisch ungesund, aber auf jeden Fall schade. Damit es wieder flutscht, hilft eigentlich nur eines – beziehungsweise das Eine.

Und wenn der Richtige nicht zur Hand ist, kann Frau bestens selbst (wieder) erkunden, was sich für sie gut anfühlt.