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Mindestens einmal die Woche

Regelmäßiger Sex hat für Frauen ab 40 gesundheitliche Vorteile

Sex kann laut einer Studie dafür sorgen, dass bei Frauen die Wechseljahre später einsetzen
Sex hat offenbar einen Einfluss darauf, wann bei einer Frau die Menopause einsetzt Foto: Getty Images
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6. August 2025, 10:52 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Es ist einerseits Veranlagung, doch offenbar können Frauen auf genussvolle Weise dazu beitragen, dass ihre Wechseljahre tendenziell später eintreten: durch regelmäßigen Sex jenseits der 40.

Zwei Forscherinnen des „University College London“ (UCL) wollten u. a. der Frage auf den Grund gehen, warum bei verheirateten Frauen die Menopause tendenziell später einsetzt als bei alleinstehenden. Könnte ihr Sexualleben dabei eine Rolle spielen?

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Zusammenhang zwischen Sex und Wechseljahren – die Studie

Um das herauszufinden, begann das Team um Megan Arnot und Ruth Mace bereits 1996 mit einer großangelegten Datenerhebung.1 Hierfür wurden 2936 US-Frauen zwischen 42 und 52 Jahren, die noch nicht in den Wechseljahren waren und im Schnitt zwei Kinder hatten, über einen Zeitraum von zehn Jahren regelmäßig zu ihrer sexuellen Aktivität befragt:

  • Wie häufig hatten sie Geschlechtsverkehr?
  • Was waren ihre Vorlieben und Praktiken?

Parallel dazu wurden weitere Faktoren wie Östrogenspiegel, körperliche wie psychische Gesundheit, Bildungsstand und Gewicht gemessen. Als möglicher Faktor wurde auch das Zusammenleben mit Männern – unabhängig vom sexuellen Kontakt – berücksichtigt.

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Jede Form von Sex schob Menopause nach hinten

Am Ende zeichnete sich ein spannendes Bild ab: Frauen mit einem regelmäßigen Sexualleben von mindestens einmal Sex pro Woche waren zu 28 Prozent weniger von einem frühen Eintritt in die Menopause betroffen als jene, die sich seltener als einmal im Monat mit einem Partner vergnügten. Auch monatlicher Sex hatte bereits einen Effekt. Dabei erwies es sich als völlig unerheblich, welche Praktik bevorzugt wurde: Ob mit oder ohne Penetration, Oralsex oder einfach nur nackt kuscheln – sämtliche Spielarten der erotischen Begegnung scheinen die Wechseljahre auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Dieser Effekt verstärke sich laut den Forscherinnen noch, wenn sich Frauen ihrer Lust sogar mehrmals die Woche hingäben: Ihre Chancen, erst mit weit über 52 Jahren (das ermittelte Durchschnittsalter der Studie) in die Menopause zu kommen, lägen in dem Fall besonders hoch. Die Beziehung zwischen Sexualhäufigkeit und Menopausezeitpunkt war nahezu linear: je häufiger Sex, desto später die Menopause.

Dagegen hatte weder das Zusammenleben mit einem männlichen Partner noch mit anderen Männern im Haushalt einen messbaren Einfluss auf den Zeitpunkt der Menopause.

Sex-Studie stützt die Großmutter-Hypothese

Für Arnot und Mace sind diese Ergebnisse ein Hinweis darauf, dass hier die sogenannte „Großmutter-Hypothese“ greife. Diese besagt, dass der Körper bei sexuell inaktiven Frauen früher Signale dafür freisetze, den energiezehrenden Vorgang von Zyklus, Eisprung und Menstruation einzusparen. Auf diese Weise sollen mehr Ressourcen für den bereits vorhandenen Nachwuchs zur Verfügung stehen. „So können Frauen auch im reiferen Alter fit und gesund bleiben und sich um die Sippe kümmern“, so Arnot. Gesellschaftlich spiegelt sich das vor allem wider, indem in nahezu allen Kulturen die Großmutter seit jeher eine besondere Rolle bei der Aufzucht und Pflege der Enkelkinder spielt. Ein Phänomen, das so im Tierreich nicht zu finden ist.

Sex als „Gegenmittel“ bei Hitzewallungen

Die Studie offenbart ebenso, dass eine lange Ehe keineswegs bedeutet, dass die Libido einschlafen muss. Selbst Paare, die schon Jahrzehnte zusammen sind, haben mehr Sex als Singles im gleichen Alter. Auch wenn zu Ursache und Wirkung noch weiterer Forschungsbedarf besteht, gibt Arnot den Frauen einen praktischen Tipp mit auf den Weg: „Wer das Einsetzen von unangenehmen Begleitsymptomen (der Menopause, Anm. d. Red.) wie Hitzewallungen hinauszögern möchte, ist gut damit beraten, es mit mehr Sex zu versuchen.“

Einordnung der Studie

Eine Stärke der Studie ist die Größe der Probandinnenzahl. Zudem wurden neben dem Sexleben diverse weitere Faktoren berücksichtigt. Dennoch kann die Untersuchung keine kausalen Zusammenhänge belegen und auch nicht ausschließen, dass etwa Ernährung oder schlicht genetische Veranlagung eine Rolle spielten. Sex kann womöglich einen Beitrag leisten, ist aber wahrscheinlich längst nicht der einzige Einflussfaktor für den Beginn der Wechseljahre.

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Auch während der Wechseljahre hat Sex laut Forschung positiven Einfluss

Auch, wenn die Wechseljahre schließlich begonnen haben, kann ein reges Sexualleben positive Auswirkungen auf die Frauen haben. So kam eine Studie aus dem Jahr 2023 zu dem Schluss, dass sexuell aktive Frauen weniger starke Wechseljahresbeschwerden hatten.2 Wie genau der Zusammenhang tatsächlich funktioniert, konnte aber nicht abschließend geklärt werden. So könnte Sex die Stärke der Beschwerden beeinflussen, andererseits könnte der bessere Gesundheitszustand der besagten Frauen umgekehrt für mehr Lust und sexuellen Genuss sorgen.

Sex im Alter – das sagt eine Expertin

Auch wenn die Menopause schon eingesetzt hat oder sich eine Frau schon in der Post-Menopause befindet, kann Sex – neben Nähe und Spaß – gesundheitliche Vorteile bringen. Die positiven Effekte von Intimitäten gelten für junge und alte Menschen gleichermaßen. Voraussetzung ist natürlich, dass keine gesundheitlichen Gründe, z. B. Vorerkrankungen, Sex im Weg stehen.

„Sex hat auch einen Trainingsaspekt und wir schwitzen und der Schweiß ist gut für den pH-Wert und für das Immunsystem der Haut“, erklärte Dr. Yael Adler, Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Venenheilkunde und Ernährungsmedizin (DGEM) 2023 in einem FITBOOK-Interview. „Er hat eine reinigende Funktion, stärkt den Säureschutzmantel und durchfeuchtet die Haut. Außerdem wird beim Sex das Herz-Kreislauf-System ähnlich trainiert wie beim Sport. Wir setzen das Oxytocin, das Bindungshormon frei, was uns auch geduldiger und entspannter werden lässt. Außerdem werden das Belohnungshormon Dopamin, das Glückshormon Serotonin sowie weitere Hormone freigesetzt, die unsere Sinne schärfen.“

Aber: Es bleibt nicht aus, dass der Körper einer Frau sich durch die Wechseljahre verändert – und sich dies auch auf die Lust und Freude am Sex auswirken kann. Welche Mittel und Wege es gibt, Frauen, die an Beschwerden und den negativen Auswirkungen auf ihr Sexleben leiden, hat Dr. Adler hier verraten.

Quellen

  1. Arnot, M., Mace, R. (2020). Sexual frequency is associated with age of natural menopause: results from the Study of Women's Health Across the Nation. Royal Society Open Science. ↩︎
  2. Fausto, D.Y., Martins, J.B.B., da Silveira, J. et al. (2023). Association between menopausal symptoms, sexual function, and sexual activity - a cross-sectional study. Prz Menopauzalny. ↩︎

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