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Erfahrungsbericht

14 Tage Yoga im Ashram – das passierte mit meinem Körper und Geist

FITBOOK-Autor Martin Lewicki beim Yoga
Das bewegungslose Sitzen bereitete FITBOOK-Autor Martin Lewicki anfangs schmerzen – jetzt schafft er problemlos eine halbe Stunde
Foto: privat

Endlich Yoga und Meditation lernen – und zwar so intensiv wie möglich: Mit dieser Erwartungshaltung ging unser Autor zwei Wochen in ein indisches Ashram. Das Ganze hat wenig mit Urlaub zu tun – doch danach waren seine Kopf- und Rückenschmerzen wie weggepustet.

Unter Ashram (selten auch Aschram) versteht man ein Meditationszentrum mit Kloster ähnlichen Strukturen. Dort leben nicht nur die Anhänger einer spirituellen Lehre, sondern auch Besucher, die am Alltag dieser Gemeinschaft interessiert sind. Sie sind eine willkommene Einkommensquelle, können im Gegenzug aber Yoga und Meditation nach traditioneller Art erlernen – und das für einen Bruchteil dessen, was es in Deutschland kosten würde.

Ich fand diese Idee faszinierend und habe mir ein Ashram im Süden Indiens ausgesucht, in dem grünen Bundesstaat Kerala. Das von mir ausgewählte Programm nennt sich Yoga Vacation. Diese „Yoga-Ferien“ gibt es für Anfänger und für Fortgeschrittene und dauern jeweils zwei Wochen. Wobei: Mit Ferien hat das Ganze nichts zu tun… aber dazu später mehr.

Was macht man in einem Ashram?

In meinem Ashram wurde traditionelles Hatha Yoga unterrichtet. Bei dieser Richtung werden die zwölf Grundhaltungen (Asanas) mit Atemübungen und Meditation kombiniert. Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen Körper und Seele zu erreichen. Das gelingt natürlich nicht in zwei Wochen – aber einem wird das Werkzeug an die Hand gegeben, um selbst daran arbeiten zu können.

Wer an solch einem Yoga-Intensivkurs interessiert ist, sollte wissen: Das Leben im Ashram besteht aus strikten Regeln und Strukturen. Aufstehen um halb sechs Uhr morgens, Meditation sowohl morgens als auch abends, gemeinnützige Arbeit (Karma Yoga), Unterricht – und das alles mit nur zwei vegetarischen (meist veganen) Mahlzeiten im Bauch. Auch sexuelle Enthaltsamkeit sowie sittsame Kleidung gehören dazu: keine ärmellosen T-Shirts und lange Hosen selbst bei  über 30 Grad Außentemperatur.

Meditation am See – Ashram-Erfahrung

Jeden Morgen wurde am See zum Sonnenaufgang meditiert
Foto: privat

Wer sich nicht unterordnen kann, ist hier falsch

Im Ashram bleibt wenig Freiraum für persönliche Wünsche und Bedürfnisse. Wer sich nicht unterordnen kann, ist hier fehl am Platz. Dem Regelwerk des Ashrams müssen Besucher schriftlich zustimmen. Das unterstreicht den Ernst der Sache.

Ich habe das alles in Kauf genommen, um endlich Yoga und Meditation zu lernen und zwar so intensiv, wie möglich. Das sind meine Erkenntnisse daraus.

Das sind meine Erkenntnisse aus der Zeit im Ashram

Das bewegungslose Sitzen ist eine Tortur

Ich hätte nicht gedacht, dass man im Ashram so viel sitzen muss. Beim Meditieren, beim Singen, bei den Vorlesungen, beim Essen und ganz häufig bei den Yoga-Übungen. Immer auf dem Boden, meistens im Schneidersitz. Wer das nicht gewohnt ist – und das dürfte für die meisten der Fall sein – für den wird es zur Tortur.

Beim Schneidersitz hatte ich erst mit den Füßen zu kämpfen und hielt es nur wenige Minuten aus. Irgendwann ist immer ein Fuß eingeschlafen. Auch die Knöchel taten höllisch weh. Dann kam der Rücken dazu. Wer wie ich zum Rundrücken neigt, muss ihn immer und immer wieder gerade aufrichten. Ein ständiger Arbeitsprozess an der Wirbelsäule und definitiv kein Vergnügen.

Erstaunlicherweise gewöhnt sich der Körper aber an die ungewohnte Haltung. In den zwei Wochen habe ich sogar Hornhaut an den Fußaußenseiten entwickelt. Inzwischen kann ich problemlos eine halbe Stunde bewegungslos im Schneidersitz verharren.

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Meine Kopfschmerzen sind verschwunden

Schon Monate vor meiner Indienreise hatte ich häufig Kopfschmerzen, selbst morgens direkt nach dem Aufstehen. Es waren keine starken Kopfschmerzen, aber sie beeinträchtigten mein Wohlbefinden. Tagsüber trank ich viel Wasser und Kaffee, um sie in den Griff zu bekommen, da ich auf die Einnahme jeglicher Art von Schmerzmitteln seit längerer Zeit verzichte. Woher die Kopfschmerzen kamen, kann ich nicht eindeutig sagen.

In den zwei Wochen im Ashram hatte ich nur ein einziges Mal leichte Kopfschmerzen, weil ich zu wenig gegessen hatte. Kurz nach dem Essen waren sie wieder weg. Woran liegt’s? Ich glaube, dass der feste Tagesablauf mit vorgegebenen Schlafens- und Essenszeiten, Meditation, das Yoga mit vielen Atemübungen und Entspannungsphasen, der Verzicht auf Kaffee, Zucker, Alkohol und meistens auch Milchprodukte geholfen haben.

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Ich schlafe jetzt besser

Ich bin nich nur meine Kopfschmerzen losgeworden, auch die Qualität meines Schlafes hat sich verbessert. Im Ashram ist man den ganzen Tag draußen, alle Räume sind nach Außen geöffnet, man ist viel frischer Luft und viel Licht ausgesetzt. Auf mich wirkt das belebend, sorgt aber am Ende eines abwechslungsreichen Tages aber eben auch für eine gesunde Müdigkeit.

Es klingt unglaublich, aber: Im 30-Männer-Schlafsaal auf einem brettharten Bett schlief ich besser als in meinem kuscheligen Bett zu Hause. Und dazu regelmäßig etwa 7 bis 7,5 Stunden pro Nacht. Hilfreich war wahrscheinlich auch die Tatsache, dass ich meine letzte Mahlzeit stets rund drei Stunden vor dem Zubettgehen zu mir genommen hatte: also gegen 19 Uhr.

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Meine Rückenschmerzen sind nahezu verschwunden

Vor meinem Einzug ins Ashram war ich körperlich fit, hatte zumindest keine Schmerzen und Beschwerden. Allerdings leide ich schon seit Jahren an sporadischen Rückenschmerzen, die meistens auftreten, wenn ich zu viel sitze und mich zu wenig bewege. So kann es die Kombination aus viel Sitzen, wenig Bewegung außerhalb des Ashrams sowie die anspruchsvollen Dehnübungen beim Yoga gewesen sein, die bei mir Schmerzen im unteren Rücken ausgelöst haben.

Es ist kein permanenter, sondern ein punktuell stechender Schmerz. Wenn ich schnell aufstehe oder aufrichte blockiert er mich derart, dass ich mich nicht weiterbewegen kann. Ich war deswegen schon häufiger bei Ärzten und alle rieten mir dasselbe: Ich solle regelmäßig Sport treiben, Rückenübungen machen und grundsätzlich viel Bewegung in meinen Alltag integrieren. Bloß nicht zu viel sitzen oder liegen! 

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Doch gerade das ließ sich im Ashram schwer realisieren. Das Sitzen gehörte genauso dazu wie das ständige Dehnen und Strecken des Körpers, das bei mir auf den Rücken ging. Weil ich wusste, dass Bewegung die beste Medizin für meinen Rücken ist, bin ich anfangs jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren gegangen und habe beim Yoga Übungen gemieden, die besonders auf den Rücken gehen.

 

So kämpfte ich mich die erste Woche immer wieder unter Schmerzen durch. Die zweite Woche war schon etwas besser. Am Ende waren die Rückenschmerzen nahezu komplett weg. Das Sitzen habe ich – soweit es ging – reduziert.

Ich empfehle jedem, der Rückenprobleme hat, einen Orthopäden zu konsultieren, bevor er sich für ein Yoga-Programm im Ashram anmeldet.

Ich wurde meinen Winterspeck los

Das (meist vegane) Essen im Ashram ist eine Mischung aus Salatbeilagen, Reis oder Brotfladen, dazu gibt es abwechselnd gekochte Linsen-, Curry- oder Kartoffeleintöpfe. Die Mahlzeiten sind nicht nur gesund, sondern schmeckt aufgrund der intensiven Gewürze auch sehr lecker. Zudem sättigt es für mehrere Stunden. Insgesamt isst man etwas weniger als im normalen Alltag. Es wird so oft nachgereicht, bis man satt ist.  Gegessen wird übrigens auf dem Boden ohne Besteck und mit der Hand.

Süßspeisen gibt es keine. Ich habe mir ab und zu aber zusätzlich frische Fruchtsäfte und Früchte gegönnt. Dennoch habe ich es geschafft, in den zwei Wochen meinen Winterspeck loszuwerden. Kein Wunder, denn zwischen der letzten Mahlzeit (19 Uhr) und der ersten Mahlzeit (10 Uhr) lagen rund 15 Stunden – was auch als Intervallfasten bezeichnet wird.

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Die vier Stunden Yoga täglich hören sich zwar nach viel Bewegung an, effektiv gesehen besteht aber ein großer Teil davon aus Ruhe- und Entspannungsphasen, sowie langen Dehnübungen. So ist der Kalorienverbrauch hier vermutlich etwas geringer als man zunächst vermutet.

Ich habe jetzt Yoga-Skills

Keine große Überraschung nach 14 Tagen Yoga: Ich bin wesentlich beweglicher als zuvor. Kein Wunder, denn seit Jahren besteht mein Arbeitsalltag vor allem aus Computerarbeit am Schreibtisch. Als Ausgleich habe ich immer versucht, regelmäßig Sport zu treiben, aber Dehnübungen habe ich nur sporadisch gemacht.

So konnte ich beispielsweise den Sonnengruß, einen flüssigen Bewegungsablauf mit zwölf verschiedenen Yoga-Positionen und dazu passender Atmung, zu Beginn kaum richtig ausführen. Nach zwei Wochen täglicher Übung flutscht es. Auch bei der sogenannten Krähe.

Die Krähe im Yoga

Die Krähe gehört zu den anspruchsvollen Gleichgewichtsübungen im Yoga. Es braucht gezielte Kräftigung und Technik.
Foto: privat

Aufgrund meiner Rückenprobleme konnte ich vier der Asanas nicht richtig ausführen. Die restlichen acht konnte ich einigermaßen gut halten. Und das nach nur zwei Wochen.

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 Ich habe mehr innere Ruhe und kann mich besser konzentrieren

Eine Überraschung ist hingegen der Zugewinn an Konzentrationsvermögen und innerer Ruhe. Das hängt damit zusammen, dass im Ashram Yoga und Meditation zusammen gelehrt werden. Man meditiert morgens und abends jeweils bis zu einer halben Stunde. So wird Meditation zur Alltagsroutine.

Und tatsächlich tut es meinem Geist gut, morgens nach dem Aufstehen erst zu meditieren und meinen Verstand zu beruhigen, anstatt als Erstes auf das Smartphone zu schauen und ihn dadurch mit Nachrichten zu fluten. Ich werde diese Routine in meinen Alltag übernehmen.

Meditation ist allerdings ein kontinuierlicher Arbeitsprozess. Dabei versucht man nicht nur seine wirren Gedanken zu beruhigen und sich zu fokussieren. Man arbeitet auch an den körperlichen Beschwerden. Aufgrund der geraden und bewegungslosen Sitzhaltung schmerzt immer wieder ein Körperteil. Hier hilft eben Yoga, um den Körper zu stärken, ihn beweglicher und ausdauernder zu machen, damit er besser die Meditation aushält.

 2 Wochen im Ashram – mein Fazit

Die zwei Wochen im Ashram waren sehr lehrreich. Mit der Alltagsroutine und den Ritualen konnte ich mich arrangieren. Doch mein Freiheitsdrang ist größer, als dass ich mich über einen längeren Zeitraum den Strukturen anpassen würde. Zwei Wochen waren für mich genau richtig.

Es hat mir Spaß gemacht, Hatha Yoga zu erlernen. Doch vier Stunden Training täglich empfand ich streckenweise als zu viel. Zwischendurch war ich körperlich ziemlich erschöpft. Richtige Ruhephasen gab es in den zwei Wochen kaum, denn selbst an den zwei freien Tagen wurde noch um 6 Uhr sowie 20 Uhr meditiert.

Für mich kann Yoga weder Ausdauersport noch Kraftsport ersetzen, aber ich werde versuchen, es regelmäßig als Ergänzung zu betreiben. Besonders überrascht hat mich der positive Effekt der Meditation. Als Morgenritual zur Beruhigung und Fokussierung des Geistes ist es der perfekte Start in den Tag.

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