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Expertin erklärt

Die 8 Stufen des Yoga

Eine Frau in der Baum-Position während einer Yoga-Stunde
Yoga wird im Westen oft mit den körperlichen Übungen gleichgesetzt. Der Lehre nach gehört zum Yoga jedoch einiges mehr.
Foto: Getty Images

Yoga wird im Westen meist mit den Asanas, also den körperlichen Übungen gleichgesetzt. Tatsächlich bedeutet Yoga aber etwas anderes beziehungsweise viel mehr als nur der sportliche Aspekt – die Asanas sind nur ein Teil einer ganzen, riesigen Lehre. Yogalehrerin und Autorin Anna Wengel erklärt, was hinter dem Begriff „Yoga” steckt und wieso die Asanas nur einer von acht Teilen sind, die Yoga ausmachen.

Je nachdem, wen man fragt, hat der Begriff Yoga verschiedene Bedeutungen. Ich habe während meiner Yogalehrer-Ausbildung in Indiens Norden diese gelernt: Yoga stammt von dem Sanskrit-Wort Yuj ab, das soviel bedeutet wie „verbinden, verknüpfen oder vereinen“. Gemeint ist die Vereinigung des individuellen und universellen Bewusstseins. Anders ausgedrückt: Yoga ist die Einheit von Körper, Geist und Seele. In dieser generalisierten Definition sind sich vermutlich die meisten einig.

Yoga-Definition nach den Yoga Sutras

Eine wichtige Yoga-Definition kommt von Patañjali, dem Mann hinter vielem, was wir heute als Yoga kennen. Er hat Yoga zwar nicht erfunden (die ersten Hinweise auf Yogaposen wurden bereits in Steinzeichnungen im alten Industal entdeckt und sind damit grob 5000 Jahre alt und seitdem wurde Yoga von zahlreichen Lehrern weiterentwickelt), der indische Gelehrte war aber einer der ersten, der all das mündliche Wissen systematisch aufgeschrieben hat. Das war irgendwann zwischen dem ersten Jahrhundert vor und fünften Jahrhundert nach Christus – so richtig sicher scheint sich die Forschung hier nicht zu sein. Seine systematische Präsentation des Yoga in den 195 Yoga Sutras wird als die klassische Periode des Yoga verstanden.

Zurück zur Definition: Nach Patañjali ist Yoga eine Disziplin, die Selbstkontrolle verlangt und Zurückhaltung von all dem, was wir nicht wollen, wie etwa einem unruhigen Geist, Leiden oder Illusionen. Die Yoga Sutras beschreiben Yoga als den Weg zur wahren Freiheit und Selbstverwirklichung. Diese Reise findet im Inneren eines Menschen statt und passiert laut Patañjali in acht Schritten. Diese sind bekannt als die acht Glieder oder Stufen des Yoga oder auch Ashtanga (Ashta ist Sanskrit für „acht“ und Anga bedeutet soviel wie „Körperteil oder Stufe).

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Die acht Stufen des Yoga im Einzelnen

Diese acht Glieder des Yoga sind eine Reihe an Schritten oder Disziplinen, die Körper und Geist reinigen und schließlich zur vollkommenen Erleuchtung führen sollen. Die ersten fünf Stufen sind dabei die aktiven Disziplinen des Yoga, die auf die letzten drei, die (passiven) Errungenschaften, vorbereiten.

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Das sind die acht Stufen:

  1. Yamas: Regeln des persönlichen Verhaltens (Dont’s)

Die Yamas erklären dem Yogi, was er nicht tun soll. Sie sind also so etwas wie Verbote oder moralische Anweisungen, die sich den niederen Neigungen des Menschseins widersetzen. Gleichzeitig sind die Yamas der Verhaltenskodex gegenüber anderen.

Ahimsa (Gewaltlosigkeit)

Ahimsa meint in erster Linie das gewaltlose Denken und Handeln, also die Abwesenheit von Brutalität als auch negativem Denken. Im Umkehrschluss kann Ahimsa aber auch als Anweisung verstanden werden, sich nett und rücksichtsvoll zu verhalten und positiv zu denken.

Satya (Wahrhaftigkeit)

Satya meint so viel wie: Du sollst nicht lügen. Das bedeutet sowohl immer die Wahrheit zu sagen, als auch sich selbst nicht zu belügen. Gleichzeitig bedeutet Satya auch, die Wahrheit so zu formulieren, dass sie den anderen nicht verletzt, die eigenen Worte also weise und mit Bedacht zu wählen. Satya kann auch bedeuten nicht zu sprechen, wenn die Wahrheit das Gegenüber verletzt.

Asteya (Nicht stehlen)

Das dritte Yama verbietet das Stehlen – gemeint sind sowohl materielle Dinge als auch geistiges Eigentum.

Brahmacharya (Zurückhaltung)

Brahmacharya wird je nach Schule unterschiedlich interpretiert. Für manche Yogis bedeutet dieses vierte Yama die sexuelle Enthaltsamkeit. Andere interpretieren sie etwas wohlwollender und verstehen die Zurückhaltung dahingehend, dass der Yogi sich auf das Wesentliche konzentriert, also nur Beziehungen zu Menschen und Dingen eingeht, die ihm in seinem Streben nach Weisheit förderlich sind, entsprechend nicht exzessiv ist.

Aparigraha (keine Besitzgier)

Auch das fünfte Yama mahnt zur Zurückhaltung, allerdings eher im materiellen Sinne. Es kann so verstanden werden, dass Yogis sich nicht bereichern oder andere ausnutzen und nur das nehmen sollen, was sie brauchen.

  1. Niyamas: Regeln des persönlichen Verhaltens (Do’s)

Die Niyamas sind ebenfalls fünf Regeln des persönlichen Verhaltens. Anders als die Yamas sind sie aber keine Verbote, sondern erklären, was der Yogi tun soll. Gleichzeitig sind die Niyamas der Verhaltenskodex des Yogis gegenüber sich selbst.

Saucha (Reinheit)

Saucha meint sowohl die Körperhygiene und ein sauberes Umfeld als auch die innere Reinheit. Unter der inneren Reinheit wird sowohl ein gesunder Körper ohne Einschränkungen, als auch ein reiner Geist verstanden. Beides kann mittels körperlicher Übungen und Atemtechniken sowie Meditation erreicht werden.

Santosha (Zufriedenheit)

Santosha meint in erster Linie Demut oder Zufriedenheit. Yogis sollen üben, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, sie akzeptieren und aus ihnen lernen, anstatt über Gegebenes zu klagen. Das meint sowohl äußere Umstände, als auch den eigenen Körper.

Tapas (Strenge oder Disziplin)

Das dritte Gebot der Niyamas meint soviel wie Disziplin und Engagement und ist darauf ausgerichtet, den Körper in einer guten Kondition zu halten. Das bedeutet zum Beispiel nur zu essen, wenn man hungrig ist, jeden Tag zurück auf die Matte zu kommen und zu üben oder jeden Tag aufs Neue zu versuchen, den Geist zur Meditation zu leeren. Tapas bedeutet ein stetes Dabeibleiben. Aber: Tapas bedeutet keinen Zwang und auch nicht, dass der Yogi es übertreiben soll.

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Svadhyaya (Selbststudium)

Im Grunde ist dieses vierte Niyama der Kern des Yoga: das Verständnis des Selbst. Denn Svadhyaya meint soviel wie Selbstreflexion, also das Erforschen und Verstehen unserer Selbst.

Isvaraparidhana (Hingabe zu Gott)

Streng genommen kann Isvaraparidhana als Hingabe zu Gott oder einer höheren Macht verstanden werden. Vielfach wird dieses fünfte Niyama aber einfach so verstanden: der Yogi hat das Beste getan, das er konnte. Was jetzt passiert, liegt nicht mehr in seiner Hand und er kann darauf vertrauen, dass das Richtige geschehen wird. Im Umkehrschluss soll er sich also von seinen Zukunftssorgen befreien, im Moment leben und vertrauen.

  1. Asanas: Die Praxis der Yoga-Posen

Die körperlichen Übungen im Yoga heißen Asanas. Sie sollen den Körper darauf vorbereiten, lange in der Meditation sitzen zu können. Das tun sie einerseits, indem sie helfen den Körper fit zu halten und andererseits, indem sie den Geist vorbereiten, da die Posen (je nach Stilrichtung) über einen längeren Zeitraum gehalten werden.

Der Fokus vieler Asanas liegt auf der Gesundheit des Rückens, seiner Stärke und Flexibilität. Durch die Bewegung der Wirbelsäule wird die Durchblutung gefördert und die Nerven mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Das Ausführen der Asanas hat außerdem Einfluss auf die inneren Organe und den Hormonhaushalt.

Die Asanas selbst sind in verschiedene Gruppen unterteilt. Es gibt stehende, sitzende, kniende und liegende Posen, Vorwärts- und Rückwärtsbeugen, Drehungen, Asanas über Kopf, Balance- und Bauchmuskelübungen. Je nach Schule werden die Posen zusammengruppiert oder noch weiter unterteilt.

 

Eine Frau bei der Ausübung der Asanas

Die körperlichen Übungen des Yoga nennen sich Asanas und sind die dritte Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung
Foto: Getty Images

  1. Pranayama: Die Praxis der Atemtechniken

Die Atemtechniken des Pranayama sind die Verbindung zwischen den mentalen und physischen Übungen. Im Yoga lernen wir, den Atem zu kontrollieren und die volle Kapazität unserer Lungen auszuschöpfen. Das dient dazu, den Körper gesund zu halten und den Geist zu beruhigen, zu stärken und zu kontrollieren. Pranayama bereitet schließlich darauf vor, tiefschichtigere Level unserer Existenz zu begreifen.

Gerade in Stresszeiten – die für viele von uns Alltag sind – ist tiefes kontrolliertes Atmen umso wichtiger. Das schafft in kürzester Zeit Beruhigung, selbst in akuten Stresssituationen. Probieren Sie das mal: Atmen Sie tief in den Bauch ein, so dass dieser sich nach außen wölbt. Dann halten Sie den Atem für einen Moment an und atmen langsam und bewusst wieder aus. Der Bauch zieht sich dabei wieder ein. Kleine Hilfestütze fürs Bewusstsein: Zählen Sie beim Ein- und Ausatmen jeweils langsam bis vier. Wiederholen Sie das ein paar Mal. Ein bisschen beruhigt?

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  1. Pratyahara: Rückzug der Sinne

Die Sinne sind zwar bereits im Pranayama deutlich ruhiger, dennoch gibt es im Yoga diesen sechsten Punkt Pratyahara. Dabei geht es darum, den Verstand wirklich zu beruhigen, wenn möglich zum Stillstand zu bringen. Währenddessen kann sich das Nervensystem beruhigen und der Geist wieder sammeln. Wie die Asanas und Pranayama dient auch Pratyahara der Vorbereitung auf die Meditation.

An sich komplett aktionslos, gibt es auch für Pratyahara eine Übung zur Hilfe. Die nennt sich Shanmukhi Mudra und sollte nur probiert werden, wenn schon etwas Übung im Pranayama besteht.

  1. Dharana: Konzentration

Dharana ist die erste von drei innerlich stattfindenden Meditationsstufen. Im Dharana wird der Fokus gezielt auf ein Objekt gelegt. Das kann zum Beispiel eine brennende Kerze sein, das dritte Auge oder auch ein Mantra, das stetig wiederholt wird. Wichtig ist die Konzentration selbst, das Hilfsmittel ist dabei nebensächlich. Hier ist vielleicht ein bisschen Ausprobieren gefragt, um den für sich richtigen Weg zur Meditation zu finden.

  1. Dhyana: Meditation

Dharana und Dhyana sind eng miteinander verknüpft. Klappt das mit dem Fokus, beginnt schon das eigentliche Meditieren. Durch das stete Konzentrieren beruhigt sich der Geist nach einer Weile und leert sich. Mit Übung wird so schließlich die letzte Stufe erreicht: Samadhi, das absolute Bewusstsein.

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  1. Samadhi: Verschmelzen mit der Unendlichkeit

Das absolute Bewusstsein wird häufig mit dem Wort Erleuchtung umschrieben. Bei dieser überbewussten Erfahrung ist der Meditierende eins mit sich, der Welt, Gott/ dem Universum oder wie auch immer er es nennen möchte.

Es gibt viele Ansätze vieler Menschen diesen glückseligen Zustand zu beschreiben. Wirklich wissen, was Samadhi ist, kann jedoch jeder wohl erst, wenn er oder sie es selbst erfahren hat.

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