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Als Wundermittel gefeiert

Was bringt CBD-Öl wirklich?

CBD-Öl
CBD-Öl soll für Entspannung sorgen – und das angeblich ohne Nebenwirkungen. FITBOOK klärt, was dran ist.
Foto: Getty Images

Entspannung kann man sich seit einiger Zeit in Form von CBD-Öl unter die Zunge träufeln – sagen die, die es als das neue Wundermittel feiern. Das Geschäft mit dem legalen Hanf-Präparat boomt – obwohl die gesundheitlichen Wirkungen bisher nicht ausreichend untersucht sind. Wie klug ist es, Cannabidiol einzunehmen?

Die Wirkung setzt nach einer halben Stunde ein. Eine Welle der Entspannung durchströmt seinen Körper. „Subtil, unterschwellig“, beschreibt der Konsument das Gefühl gegenüber FITBOOK. „Locker, ohne high zu sein.“ Für den 24-Jährigen sind die goldenen Tropfen genau das Richtige, um in einen stressigen Arbeitstag zu starten. So geht es auch Tina (35). Sie vergleicht die Wirkung mit der von Baldrian: „Es entspannt mich, ich fühle mich ausgeglichener.“

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Cannabidiol (dafür steht die Abkürzung CBD) ist der nicht-high-machende Wirkstoff der Hanfpflanze. Aufgrund seines niedrigen THC-Gehalts sind CBD-Produkte theoretisch legal – was sie zum Liebling der Lebensmittelindustrie macht: Nach Recherchen von Report Mainz haben Hersteller allein in Deutschland in den letzten zwei Jahren an die 100 Nahrungsergänzungsmittel mit CBD auf den Markt gebracht.

Die Idee von der natürlichen Entspannung vermarktet sich hervorragend. Brownies und Kaffee werden mit CBD versetzt, genauso wie Cremes, Shampoos und Kaugummis. Besonders beliebt ist es in Form von Öl: mit Hanfsamen-Öl vermischtes CBD-Extrakt, das man sich unter die Zunge träufelt. Die kleinen Fläschchen gibt es mit 2,5/5/10 oder 15 Prozent Wirkstoff. Je nach Extraktionsverfahren hat CBD-Öl eine dunkelbraune bis goldene Farbe, die an Olivenöl erinnert. Konsumenten beschreiben den Geschmack als „erdig, herb bis mild“.

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Zu kaufen gibt es CBD-Öle in Apotheken, Online-Shops sowie Hanfläden – doch der beste Beweis, dass CBD in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist: Die Drogerieketten dm und Rossmann führten das Hanfextrakt, hatten es dann aber wegen rechtlicher Bedenken wieder aus dem Sortiment genommen, denn die EU ist sich noch unsicher, ob CBD-haltige Erzeugnisse weiterhin als Nahrungsergänzungsmittel gelten oder ob es für den Arzneimarkt zugelassen werden soll. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) will sich mit einer abschließenden Antwort bisher nicht aus dem Fenster lehnen. Im Moment müssen Produzenten zunächst einen Prüfungsantrag stellen, wie auf der Seite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nachzulesen ist. Die Drogeriekette dm führt inzwischen wieder ein CBD-Öl mit fünf Prozent Wirkstoff.

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Dem Hype um CBD steht die Frage nach dem gesundheitlichen Nutzen gegenüber – und damit verbunden auch die Frage nach möglichen Risiken. Denn dem vermeintlichen Wundermittel wird über die Entspannungsaspekte hinaus so viel heilende Wirkung nachgesagt, dass einem bei der Aufzählung fast schwindelig wird. Es soll schmerzlindernd und antidepressiv wirken, von Krämpfen befreien, entzündungshemmend sein und Nervosität verschwinden lassen.

Große Wirkung – oder alles nur Placebo?

All das würde Franjo Grotenhermen unterschreiben. Der Allgemeinmediziner mit Praxis in Rüthen (NRW) glaubt an die therapeutische Wirkung von Hanf, ist Vorsitzender des Vereins „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ und hat ein Buch über Anwendung und Wirkung von CBD geschrieben. Grundsätzlich, so Grotenhermen, müsse man jedoch die zahlreichen, frei verkäuflichen Lifestyle-Produkte von medizinischem (rezeptpflichtigem), hochdosiertem CBD unterscheiden: „Mit täglich drei Mal drei Tropfen CBD-Öl mit einer geringen Konzentration sind wir fast im Placebo-Bereich. Das ist mit geringen Baldrian-Dosen vergleichbar.“ Letzteres könne, je nach individueller Ansprechbarkeit, „starke pharmakologische Wirkungen“ erzielen. Aber gibt es dafür wissenschaftliche Beweise?

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Der wissenschaftliche Beweis fehlt

Ganz anders sieht das Prof. Dominik Irnich, Leiter der Schmerzambulanz am Klinikum der Universität München (LMU). Für ihn ist insgesamt nicht nachgewiesen, dass Cannabinoide schmerzlindernd sind. „Es gibt bisher keine hochwertigen Studien, die das belegen“, sagt er gegenüber FITBOOK. Eine „sehr spezielle Ausnahme“ sei die gute Wirkung von hochdosiertem, isoliertem CBD bei der Behandlung von Epilepsie bei Kindern. Ebenfalls erfolgreich eingesetzt würden (synthetische) Cannabinoide in der Chemotherapie (übelkeitssenkend) sowie Palliativmedizin (appetitsteigernd). An der Berliner Charité wird gerade erforscht, ob CBD bei Schizophrenie helfen kann.

Die subjektiven Erfahrungsberichte, wie sie zu Tausenden in Internet-Foren nachzulesen sind, die CBD als das neue Wundermittel für alles feiern, sei davon zu trennen. Irnich: „Mag sein, dass der Konsum von CBD-Produkten dem einen oder anderen guttut, vielleicht sind auch Kommentare interessengesteuert. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es nicht.“

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„Sich Entspannung mit Öl zu kaufen, ist kurzsichtig“

Für weitaus problematischer als die Frage nach der medizinischen Wirkung hält der Schmerzmediziner den lockeren Umgang mit frei verkäuflichen CBD-Produkten. „Ich würde nicht sagen, dass es hochgradig gefährlich ist“, sagt Irnich zu FITBOOK. Sich Entspannung mit Öl zu kaufen, hält er für kurzsichtig: „Das ergibt keinen Sinn. CBD hat sehr viele unterschiedliche Wirkungen im Körper und wir kennen die Langzeitfolgen noch nicht.“

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WIE CBD IM KÖRPER WIRKT

Cannabinoide sind eine körpereigene Substanz. Diese sogenannten Endocannabinoide wirken entscheidend auf unseren Stoffwechsel, das Immun- und Hormonsystem (insbesondere die Geschlechtshormone), steuern Geistesfähigkeiten (bspw. das Lernen), Gefühlsverarbeitung, Wahrnehmung und Schmerzempfinden. Wird dieser Stoff nun von außen ersetzt, fängt der Körper an, umzustellen: Die eigene Produktion verkümmert.

Wer sich nach Entspannung sehne, solle Stressfaktoren abbauen oder versuchen, seine Stressverarbeitung zu verbessern. Der Tipp des Professors: „Konzentrieren Sie sich auf die eigenen Kräfte, anstatt Ihren Stoffwechsel langfristig durcheinanderzubringen!“

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Fazit

Vom gefeierten Wundermittel CBD bleibt nicht mehr viel übrig, wenn man nach wissenschaftlichen Belegen für dessen Wirkung fragt. Von drei Mal drei Tropfen pro Tag, wie es viele Lifestyle-Konsumenten praktizieren, ist nicht viel mehr als ein Placebo-Effekt zu erwarten. Aussagen über die entspannende Wirkung sind als solche zu betrachten, was sie sind: subjektive Erfahrungsberichte, für die es bisher keine Belege gibt. Und wenn man Entspannung braucht, ist es vielleicht auch ratsam, sich auf sich selbst zu konzentrieren – um vielleicht etwas an den Bedingungen zu ändern, die eine Entspannung im Alltag verhindern.

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Wen all das nicht abschreckt und CBD-Öl ausprobieren möchte, für den hat Nico Primbas ein paar Tipps. Der 24-Jährige vertreibt CBD-Produkte über eine Online-Apotheke und hat auch selbst schon viele Öle getestet: „Was vom Hanfsamen bis zum fertigen Extrakt von ein und demselben Produzenten kommt, ist meist in der Reinheit gut. Von Produkten aus China würde ich die Finger lassen. Für ein hochwertiges 5-Prozent-CBD-Öl sollte man 30 bis 35 Euro ausgeben, für eins mit 15 Prozent Extrakt mindestens 100 Euro.“ Außerdem rät er Konsumenten, sich die Mühe zu machen, die Webseite des Herstellers auf Analysezertifikate zu checken.