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So geht die Diagnose von Typ-2-Diabetes

Volkskrankheit

Methoden zur Diagnose von Diabetes mellitus Typ 2 und Arztwahl

Diagnose von Diabetes mellitus Typ 2
Um Diabetes mellitus Typ 2 sicher zu diagnostizieren, kommen meist mehrere Tests zum EinsatzFoto: iStock/megaflopp

Mehr als 10 Prozent der Deutschen leiden in Deutschland unter Typ-2-Diabetes. Hinzu kommt eine relevante Dunkelziffer, denn die Krankheit bleibt lange unbemerkt. Umso wichtiger ist es, frühzeitig einen möglichen Verdacht abzuklären und eine eindeutige Diagnose zu bekommen. FITBOOK erklärt, wie diese erfolgen kann und worauf Diabetiker bei der Wahl des Arztes achten sollten.

Nicht selten ist es ein Zufallsbefund: Bei einer Routineuntersuchung werden im nüchternen Zustand Blutzuckerwerte im prädiabetischen oder gar schon diabetischen Bereich festgestellt. Oder aber der Patient klagt über Symptome wie verstärktes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen oder Missempfindungen an den Gliedmaßen. In allen Fällen folgen in der Regel weitere Untersuchungen, mit dem Ziel, einen Diabetes mellitus Typ 2 auszuschließen oder aber die Diagnose zu sichern. Dabei kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz, die sich häufig ergänzen.

Möglichkeiten zur Diagnose von Diabetes mellitus Typ 2

Bei der Diagnose einer eventuellen Erkrankung kommen drei Testverfahren zur Anwendung:

  1. der Nüchternblutzuckertest
  2. der Langzeitblutzuckertest, auch HbA1c genannt
  3. der orale Glukosetoleranztest (oGTT)

Der Nüchternblutzucker-Test

Dieser Test gilt aufgrund seiner Einfachheit als besonders wichtig bei der Diagnose eines Diabetes-Typ-2. Für die Untersuchung ist es nötig, nüchtern beim Arzt zu erscheinen. Deshalb findet er in der Regel morgens statt. Ideal ist es, acht bis zwölf Stunden zuvor nichts gegessen zu haben. Auch kalorienreiche Getränke oder sowie solche mit Koffein wie Schwarzer Tee, Kaffee oder Mate-Tee und Nikotin sollten tabu sein, weil sie das Ergebnis verfälschen können.

Um den Blutzuckerwert zu ermitteln, wird Blut aus der Vene abgenommen. Kapillarblut aus der Fingerbeere, wie es bei Blutzuckermessgeräten zur Selbstkontrolle genutzt wird, ist meist niedriger. Hersteller eichen die Geräte zwar mittlerweile entsprechend, dennoch ist venöses Plasma aussagekräftiger.

Liegt der Blutzuckerwert unter 100 mg/dl, ist alles im normalen Bereich. Wer dennoch zu den Risikopersonen zählt, sollte den Blutzucker weiterhin regelmäßig kontrollieren lassen. Werte zwischen 100 und 125 mg/dl können auf einen Prädiabetes, also die Vorstufe, hindeuten. Hier ist regelmäßige Kontrolle nötig. Mit einer Änderung des Lebensstils – Gewichtsreduktion, gesündere Ernährung und mehr Bewegung – ist es gut möglich, einen manifesten Diabetes zu vermeiden. 

Ab einem Blutzuckerwert von mindestens 126 mg/dl stellt der Arzt in der Regel die Diagnose Typ-2-Diabetes und empfiehlt eine medikamentöse Therapie und überdies unterstützende Maßnahmen wie eine Ernährungsumstellung und Bewegung. Möglicherweise erfolgen zunächst jedoch weitere Tests, auch des Nüchternblutzuckers, um etwaige Falsch-Diagnosen aufgrund von Störfaktoren auszuschließen.

Nüchternblutzuckerwert 
unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l)Normal
100 bis 125 mg/dl (5,6 to 6,9 mmol/l)Prädiabetes
über 126 mg/dl (7 mmol/l)Diabetes

Auch interessant: Studie findet überraschende Erklärung für die Entstehung von Diabetes Typ 2

Der HbA1c-Test

HbA1c steht für Hämoglobin A1c, wobei es sich bei Hämoglobin um den roten Blutfarbstoff handelt, der Sauerstoff im Körper transportiert. HbA1c ist glykiertes Hämoglobin, d. h.: Es ist mit Teilchen von Glukose (Zucker) verbunden. Der in Prozent angegebene Wert gilt daher auch als das Blutzucker-Langzeitgedächtnis, weil er eine Art Durchschnitt der letzten zwei bis drei Monate widerspiegelt.

Bei unter 5,7 Prozent liegt meist kein Diabetes vor. Bei einem Wert von 5,7 bis 6,4 Prozent besteht ein Verdacht auf Prädiabetes. In diesem Fall dürfte der Arzt weitere Untersuchungen vornehmen oder anordnen. Werte von 6,5 Prozent und höher deuten auf Diabetes mellitus Typ 2 hin.

HbA1c ist in Bezug auf eine definitive Diagnose allein jedoch nicht geeignet, da einige Faktoren den Wert beeinflussen können. So kann etwa die Medikation bei der Behandlung von Eisen- bzw. Vitaminmangelanämie den HbA1c senken und das Vorliegen einer Anämie aufgrund von Eisen- oder Vitaminmangel zu einer Erhöhung führen. Ebenso steigt Hämoglobin A1c mit zunehmendem Alter.

HbA1c-Referenzwerte bei Nicht-Diabetikern1
AlterHbA1c
unter 40 Jahren4,0–6,0 % (20–42 mmol/mol)
40 bis 60 Jahre4,1–6,2 % (21–44 mmol/mol )
über 60 Jahren4,4–6,6 % (25–49 mmol/mol)

Wichtig zu wissen: Als Früherkennungsuntersuchung ist dieser Test eine individuelle Gesundheitsleistung, kurz IGeL genannt. Man muss ihn aus eigener Tasche bezahlen. Er kostet zwischen 12 und 15 Euro. Für bereits an Diabetes erkrankte Menschen und beim Check-up übernimmt die Kasse die Kosten.

Der orale Glukosetoleranz-Test (oGTT)

Das Kürzel oGTT steht für oraler Glukosetoleranztest. Er kommt bei einer unklaren Diagnose zum Einsatz und läuft folgendermaßen ab: Zunächst bestimmt der Arzt den Nüchternblutzuckerwert. Liegt dieser im Bereich 100 bis 125 mg/dl (5,6-6,9 mmol/l) handelt es sich um eine abnorme Nüchternglukose mit dem Verdacht auf Prädiabetes.

Anschließend muss der Patient eine Zuckerlösung trinken, in der sich eine standardisierte Menge – z. B. 75 Gramm – reiner Glukose befindet. Damit wird eine Nahrungsaufnahme simuliert und der Arzt kann austesten, wie schnell der Körper den Zucker aus dem Blut in die Zellen aufnehmen kann. Zwei Stunden nach der Zuckerlösung wird dann noch einmal der Blutzucker gemessen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Einordnung der Werte.

Oraler Glukosetoleranz-Test (oGTT)

Blutzuckerwert 2 Stunden nach Gabe von 75 g Glukose in 300 ml Wasser
Diagnosevenös (bspw. aus der Armvene)kapillar (bspw. aus der Fingerbeere)
normalunter 120 mg/dl (6,7 mmol/l)unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
Prädiabetes bzw. gestörte Glukosetoleranz120–179 mg/dl (6,7–10 mmol/l)140–199 mg/dl (7,8–11 mmol/l)
Diabetesüber 180 mg/dl (≥ 10 mmol/l)über 200 mg/dl (11 mmol/l)

In Vorbereitung auf den am Morgen stattfindenden oGTT gilt:

  • Nüchterner Zustand: 8 bis 12 Stunden vor dem Test sollte man nicht essen sowie keinen Alkohol oder Nikotin konsumieren.
  • Eine kohlenhydratarme Ernährung (low carb) kann den Test verfälschen, weshalb empfohlen wird, in den drei Tagen vor dem oGTT die Kohlenhydratzufuhr auf ein übliches Maß zu erhöhen (≥ 150 g pro Tag).
  • Während des Tests sollte man sitzen oder liegen.

Richtige Arztwahl nach einer Diagnose von Typ-2-Diabetes

Menschen, bei denen sicher Typ-2-Diabetes diagnostiziert wurden, benötigen gute medizinische Betreuung. Das ist leider nicht immer der Fall, aber die Situation hat sich in den letzten Jahren deutlich gebessert. Erster Ansprechpartner ist zwar in der Regel der Hausarzt. Doch dieser hat oft nicht genügend Zeit, sich um einen an Diabetes erkrankten Patienten zu kümmern. Deshalb ist es ratsam, sich zusätzlich in die qualifizierten Hände eines Diabetologen zu begeben. Dort ist sichergestellt, dass man umfassend über die Erkrankung und die Therapie aufgeklärt wird.

Je nach Schwere der Erkrankung im Sinne von mehr oder weniger hohen Blutzuckerwerten spielt die tägliche Kontrolle und entsprechend auch Steuerung des Blutzuckers eine wichtige Rolle. Diese muss jeder Patient selbst vornehmen. Um das richtig hinzubekommen, sind Schulungen nötig, die häufig von Diabetesberatern einzeln oder in Gruppen durchgeführt werden. Ideal ist es, wenn Hausarzt und Diabetologe eng zusammenarbeiten. Auch viele Krankenkassen bieten entsprechende Schulungen für ihre Versicherten an.

Mit dieser Checkliste kann jeder selbst überprüfen, ob der behandelnde Arzt der richtige ist:

  1. Haben Sie das Gefühl, dass sich Ihr Arzt ausreichend Zeit für Sie nimmt?
  2. Glauben Sie, dass Ihr Arzt Sie ausreichend gut über Ihre Krankheit informiert?
  3. Kann sich Ihr Arzt verständlich ausdrücken?
  4. Werden Sie in die Entscheidungen, vor allem, was die Therapie angeht, einbezogen?
  5. Ist es für Ihren Arzt okay, dass Sie sich bei Zweifeln eine Zweitmeinung einholen?
  6. Ist die Arztpraxis gut für Sie zu erreichen?
  7. Werden Ihre Termine vom Arzt eingehalten?

Quellen

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