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Laut koreanischer Studie

Die Anzahl an Tassen Kaffee pro Tag, die das Sterberisiko senkt

Tassen Kaffee pro Tag
Wie viele Tassen Kaffee pro Tag sind gesundheitlich unbedenklich?Foto: Getty Images

Mehrere Studien zeigen, dass der Konsum von Kaffee durchaus Positives für die Gesundheit bringen kann. Eine aktuelle Untersuchung hat beispielsweise herausgefunden, dass drei und mehr Tassen pro Tag das Sterberisiko senken können. Auch ab welcher Menge Kaffee ungesund ist, haben Forschende untersucht.

FITBOOK berichtete schon mehrfach über Studien rund um Kaffee und den Einfluss des Wachmacher-Getränks auf die Gesundheit. So enthält Kaffee neben Koffein auch Phenylindane, ein durch das Rösten der Kaffeebohne entstehender Stoff. Dieser soll vor neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Demenz schützen. Offenbar soll auch die Leber von einem vernünftigen Kaffeekonsum profitieren. Eine aktuelle Studie spricht dem Getränk sogar eine lebensverlängernde Fähigkeit zu. Allerdings stellt sich auch die Frage: Ab wie vielen Tassen trinkt man zu viel?

Mehr als drei Tassen Kaffee täglich können das Leben verlängern

Eine Studie der Chung-Ang University und der „Korea Disease Control and Prevention Agency“ kommt zu dem Schluss: „Ein hoher Kaffeekonsum steht in Verbindung mit einem geringeren Risiko für die Gesamtsterblichkeit“. Laut dem südkoreanischen Forschungsteam zeigt sich der echte Nutzen nur, wenn man mehr als drei Tassen Kaffee täglich trinke. Dabei sei die Art und Sorte des Kaffees unerheblich.

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Studie mit über 170.000 Proband*innen

Für ihre Studie rekrutierten die Forschenden zwischen 2004 und 2013 insgesamt 173.209 Proband*innen, die mindestens 40 Jahre alt waren. Nachträglich wurden alle ausgeschlossen, die an Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen oder Krebs erkrankt waren. Danach blieben noch 110.920 Teilnehmende. Die Wissenschaftler*innen analysierten, wie viel und welche Art von Kaffee die Personen tranken. Zudem überprüften sie, welche Proband*innen bis einschließlich 31. Dezember 2018 verstorben waren und wie sich ihr Kaffeekonsum auf die Sterblichkeit ausgewirkt hatte.

Gesundheitliche Vorteile von mehr als drei Tassen Kaffee pro Tag

Das Forscherteam kam zu der Erkenntnis, dass Menschen, die mindestens drei Tassen Kaffee pro Tag tranken, ein geringeres Gesamtsterblichkeits-Risiko hatten als Nicht-Kaffeetrinker. Bei Teilnehmer*innen, die weniger als drei Tassen täglich tranken, war zumindest noch das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, geringer als bei Nicht-Kaffeetrinkern. Bereits 2015 war eine Studie der Harvard’s T.H. Chan School of Public Health mit mehr als 200.000 Proband*innen zu dem Ergebnis gekommen, dass bis zu fünf Tassen täglich das Risiko eines frühzeitigen Todes um bis zu 15 Prozent senken könnten. Dabei sei es unerheblich, ob es sich um Kaffee mit oder ohne Koffein handle.

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Forscher nennen tägliche Kaffee-Obergrenze von sechs Tassen

Alleine in Deutschland lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Bohnenkaffee 2020 bei rund 168 Litern. Laut der EU-Lebensmittelbehörde EFSA sind bis zu 400 Milligramm Koffein pro Tag für einen Erwachsenen ohne gesundheitliche Vorbelastungen unbedenklich. Dies entspricht etwa vier Tassen à 200 Milliliter Filterkaffee oder vier einfachen Espresso.

Viel mehr als das sollten es nicht sein: Laut einem australischen Forscherduo wird koffeinhaltiger Kaffee spätestens ab der sechsten Tasse ungesund. Dr. Ang Zhou und Professor Elina Hyppönen von der University of South Australia stellten 2019 in einer Untersuchung eine Verbindung zwischen starkem Kaffeekonsum und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen fest. Mehr als sechs Tassen täglich könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 22 Prozent erhöhen.

Studie mit über 347.000 Proband*innen

Gegenstand der Studie waren Gesundheitsdaten und Informationen zum Lebensstil von rund 347.100 Personen zwischen 37 und 73 Jahren. Die Daten waren der UK Biobank entnommen worden, einer Datenbank, in der Studienteilnehmer über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Faktoren wie Genetik und äußere Umwelteinflüsse wurden berücksichtigt. Die Forschenden hatten auch etwaige Genvarianten, die den Abbau von Koffein im Körper beeinflussen, in ihre Auswertung miteinbezogen.

Gesundheitliche Nachteile von mehr als sechs Tassen Kaffee pro Tag

Dabei fanden sie heraus, dass ein hoher Kaffeekonsum – mehr als sechs Tassen täglich – die Blutfettwerte stark ansteigen lässt. Das wiederum begünstigt Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Laut Professor Hyppönen besteht eine Wechselwirkung: Je mehr Kaffee man trinkt, desto größer wird auch das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Ganz überraschend kam das Ergebnis für die Studienleiterin offenbar nicht. „Die meisten Menschen sind sich darüber einig, dass man nervös und gereizt wird oder sogar Übelkeit entwickeln kann, wenn man viel Kaffee getrunken hat“, erklärt sie in einer Pressemitteilung. „Das liegt daran, dass Koffein den Körper schneller und härter arbeiten lässt.“ Der (oftmals gewünschte) Stoffwechsel anregende Effekt von Koffein kann laut Hyppönen also gefährliche Ausmaße annehmen.

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Wie definiert man „eine Tasse“ Kaffee?

Es ist aus beiden Studien nicht ersichtlich, was genau mit „einer Tasse Kaffee“ gemeint ist. Diesen Haken hat der an der australischen Studie beteiligte Dr. Ang Zhou auf Nachfrage von FITBOOK eingeräumt. Gleichzeitig erklärte er, dass eine Tasse Cappuccino und eine Tasse Espresso in der Regel eine ähnliche Koffein-Menge beinhalten würden. Im Schnitt enthält eine Tasse Filterkaffee etwa 95 Milligramm Koffein. Somit würde man bei sechs Tassen 570 Milligramm konsumieren – dies übersteigt die von der EFSA als maximale Menge empfohlene Dosis von 400 Milligramm erheblich.

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Bei der Dosierung auf den eigenen Körper hören

Zhou unterstreicht, dass es wichtig sei, auf die körpereigenen Signale zu hören und gegebenenfalls zu reagieren. Sprich: Hat man das Gefühl, schon genug Koffein zu sich genommen zu haben – auch wenn es vielleicht „nur“ vier Tassen waren – sollte man den nächsten Kaffee auf den Folgetag verschieben. Da verhält man sich wahrscheinlich ganz automatisch, wie Forscherin Hyppönen es empfiehlt, maßvoll. Denn, „womit auch immer übertrieben wird, man zahlt dafür mit seiner Gesundheit“.

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