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von FITBOOK

Auswertung von über 300 Studien

Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen sind wirkungslos bis gefährlich

Nahrungsergänzungsmittel abnehmen
Wirkung meist nicht bewiesen: Nahrungsergänzungsmittel zum AbnehmenFoto: Getty Images

Abnehmen mit Nahrungsergänzungsmitteln – unzählige, frei verkäufliche Produkte versprechen dies. Eine US-Studie hat nun 315 bestehende klinische Untersuchungen zu dem Thema überprüft und kommt zu einem sehr ernüchternden Ergebnis.

Das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln, die raschen Gewichtsverlust versprechen, ist milliardenschwer. Dazu zählen Präparate mit diversen angeblichen Wundersubstanzen wie u.a. Grüntee-Extrakt, Guarana oder Linolsäure. Solche Supplements gelten rechtlich nicht als Medikamente, sondern fallen unter die Kategorie Lebensmittel. Damit unterliegen sie weniger strengen Standards und Regularien als Medikamente. Trotzdem sind Millionen Menschen dazu bereit, viel Geld dafür auszugeben. Eine umfassende Auswertung der Universität North Carolina (USA) hat jetzt ergeben, dass sich mit einem Nahrungsergänzungsmittel nicht abnehmen lässt. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen. FITBOOK hat sich die Auswertung genauer angesehen.

Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen – Forschende untersuchten 315 Studien

Die Frage, wie viel an den Versprechen der Hersteller unzähliger Pülverchen, Kapseln und Tees wirklich dran ist, ist extrem relevant, wenn man sich vor Augen führt, dass jeder dritte Erwachsene1 regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln greift. Für die Beantwortung begutachteten die Forscherinnen und Forscher 315 randomisierte, kontrollierte Studien. Neben einer Vielzahl an Verzerrungen fanden sie am Ende lediglich 16 Studien, in denen überzeugend ein Gewichtsverlust nachgewiesen worden war. Dieser habe von 300 Gramm, also nicht nennenswert, bis knapp fünf Kilogramm gereicht, heißt es. Die Auswertung wurde in der Fachzeitschrift „Obesity“ veröffentlicht.2

Untersuchte Substanzen

Untersucht wurden dabei unter anderem folgende Substanzen:

  • Kalzium und Vitamin D
  • Chitosan
  • Schokolade/roher Kakao
  • Chrom
  • Ephedra (in Deutschland nicht frei verkäuflich) oder Koffein
  • Garcinia und/oder Hydroxycitrat
  • Grüner Tee
  • Guarkernmehl
  • Konjugierte Linolsäure (CLA)
  • Phaseolus
  • Phenylpropylamin
  • Pyruvat

Expertin: »Pillen bringen nichts, wenn Sie Ihren Lebensstil nicht ändern

Dass diese Art von Nahrungsergänzungsmitteln eher den Geldbeutel als die Taille schmälern, verwundert die Forschenden keineswegs. „Fettleibigkeit ist eine sehr komplexe Krankheit. Es wird nie eine magische Pille geben, sie zu heilen“, zitiert das US-Gesundheitsmagazin „Healthline“ Adipositas-Expertin Sharon Zarabi.3 „Die Einnahme einer Kakao-Pille oder eines Ginseng-Präparats bringt nichts, wenn Sie Ihren Lebensstil nicht ändern.“, so die Leiterin des Bariatric Program am Lenox Hill Hospital in New York City. Jeder Körper sei darauf programmiert, an seinen Kilos für Notzeiten festzuhalten. Es ist daher ein Irrglaube darauf zu vertrauen, dass sich mit simplen Nahrungsergänzungsmitteln ohne weitere Eigeninitiative abnehmen lässt.

Dies aufzuzeigen, war laut Studien-Hauptautor Dr. John Batsis auch einer der Hauptgründe, die Untersuchung trotz erwartbarer Resultate durchzuführen: „Unsere Ergebnisse sind für medizinisches Fachpersonal, Forscher und die Industrie gleichermaßen wichtig, da sie die Notwendigkeit einer strengen Bewertung von Produkten zur Gewichtsreduktion nahelegen. Nur dann können wir Daten produzieren, die es Fachpersonal ermöglicht, ihren Patienten mit größerer Sicherheit Input und Ratschläge zu geben.“4

Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen können der Gesundheit schaden

Es gibt also nicht nur mangelnde Beweise für den Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln beim Abnehmen, in einigen Fällen kann es zu Komplikationen kommen. Eine im „Journal of Adolescent Health“ veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2019 ergab, dass zwischen 2004 und 2015 etwa 1000 Menschen im Alter von 25 Jahren und jünger gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln hatten.5 Von ihnen wurden 166 Menschen ins Krankenhaus eingeliefert, 22 starben.

Forschende: Industrie sollte endlich kritisch geprüft werden

Aufgrund fehlender Kontrollen ist schwer zu beurteilen, welche Marken und Produkte von hoher Qualität sind und welche potenziell die Gesundheit gefährden könnten. Die Forschenden der Metastudie plädieren: „Wir fordern die Aufsichtsbehörden auf, die Nahrungsergänzungsmittelindustrie kritisch zu prüfen, einschließlich ihrer Rolle bei der Förderung irreführender Behauptungen und der Vermarktung von Produkten, die das Potenzial haben, Patienten zu schaden.“ Für den Verbraucher bedeutet das: lieber Finger weg!

Quellen