30. September 2026, 13:46 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Die Menopause hat nicht nur Auswirkungen auf den weiblichen Körper, sondern kann auch mit Veränderungen von Gedächtnis, Konzentration und Stimmung einhergehen. Frühere Studien haben bereits untersucht, wie die Wechseljahre die Psyche und kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen. Eine neue Untersuchung betrachtete nun genauer, ob das Alter, in dem Frauen ihre Menopause erreichen, mit der späteren Gehirngesundheit zusammenhängt.
Warum die Menopause auch Gehirn und Psyche verändert
Die Menopause markiert das Ende der natürlichen Monatsblutungen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Produktion weiblicher Geschlechtshormone deutlich ab, insbesondere die von Östrogen. Das Hormon ist an zahlreichen wichtigen Vorgängen im Körper beteiligt: Es spielt eine zentrale Rolle für die Fruchtbarkeit, daneben trägt es zur Erhaltung der Knochensubstanz bei, und auch auf Gefäße und Stoffwechsel wirkt Östrogen, unter anderem indem es den Fettstoffwechsel beeinflusst und die Funktion der Blutgefäße unterstützt.
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Neben den rein physischen ist Östrogen auch maßgeblich an Prozessen beteiligt, die das Nervensystem betreffen. Hierzu zählen die Kommunikation zwischen Nervenzellen, die Bildung und Erhaltung ihrer Verbindungen sowie die Funktion der Mitochondrien, die als Energielieferanten der Zellen gelten. Dass der hormonelle Übergang während der Menopause auch das Gehirn und die Psyche betrifft, liegt nahe.
Frühere Untersuchungen, über die auch FITBOOK berichtete, hatten bereits einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Menopause und einem erhöhten Risiko für geistigen Abbau sowie Alzheimer gezeigt.1 Unklar blieb jedoch bislang, ob und gegebenenfalls wie sich diese Zusammenhänge auch Jahrzehnte später an messbaren Veränderungen der Gehirnstruktur erkennen lassen. An dieser Stelle setzte die hier vorliegende Studie an.2
Studie zur Rolle des Zeitpunkts der Menopause aufs Gehirn
Die Forscher wollten zunächst herausfinden, ob das Alter beim Eintritt in die Menopause damit zusammenhängt, wie sich die geistige Leistungsfähigkeit im weiteren Leben entwickelt, wann eine Alzheimer-Diagnose gestellt wird und wie stark das Gehirn langfristig an Volumen verliert.
Dabei interessierte sie auch, ob es einen Unterschied macht, auf welche Weise die Menopause eintritt. In einer natürlichen Menopause nimmt die Hormonproduktion der Eierstöcke allmählich ab. Werden dagegen beide Eierstöcke operativ entfernt, sinkt die Produktion von Östrogen und anderen Eierstockhormonen abrupt – die Menopause wird dadurch unmittelbar ausgelöst. Die Forscher untersuchten deshalb, ob sich die späteren Zusammenhänge mit der Gehirngesundheit zwischen einer natürlich und einer operativ herbeigeführten Menopause unterscheiden.
Details zur Untersuchung
Es handelte sich bei der Untersuchung um eine langfristige Beobachtungsstudie. Die Forscher werteten Daten aus zwei US-amerikanischen Forschungsprojekten aus, der Religious Orders Study und dem Rush Memory and Aging Project.3,4 Beide untersuchen seit vielen Jahren die geistige und körperliche Gesundheit älterer Menschen.
In die Hauptauswertung flossen Daten von 2603 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 78,3 Jahren bei Studienbeginn ein. Der Nachbeobachtungszeitraum betrug bis zu 18 Jahre (im Median rund sieben Jahre). Die Probandinnen wurden regelmäßig medizinisch untersucht und absolvierten standardisierte Gedächtnis- und Denktests. Von einem Teil der Teilnehmerinnen lagen zudem Gehirngewebsuntersuchungen von nach dem Tod vor.
Informationen zur Datensammlung
Für die bildgebenden Analysen standen 774 Frauen mit wiederholten MRT-Aufnahmen zur Verfügung. Per Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich Veränderungen der Gehirnstruktur erkennen, ohne dass ein operativer Eingriff in den Körper nötig ist. Die Forscher erfassten unter anderem das gesamte Gehirnvolumen sowie die Menge sogenannter weißer Substanz-Hyperintensitäten. Dabei handelt es sich um helle Bereiche in bestimmten MRT-Aufnahmen, die häufig mit Veränderungen kleiner Blutgefäße und Schädigungen der weißen Hirnsubstanz in Verbindung stehen.
Das Alter bei der Menopause wurde anhand eigener Angaben der Frauen zu ihrem letzten Menstruationszyklus ermittelt. Zusätzlich berechneten die Forscher ihre reproduktive Lebensspanne, also die Jahre zwischen der ersten Monatsblutung und der Menopause. Die Auswertung berücksichtigte unter anderem Alter, Bildung, Körpergewicht, Rauchen, genetische Risikofaktoren und die Einnahme einer menopausalen Hormontherapie. Statistische Verfahren halfen den Forschern dabei, Unterschiede zwischen den Teilnehmerinnen sowie mögliche Verzerrungen durch die Auswahl der MRT-Gruppe zu berücksichtigen.
Ergebnisse: frühe Menopause, mehr Veränderungen im Gehirn
Die Auswertung zeigte verschiedene Zusammenhänge zwischen dem Alter beim Eintritt in die Menopause und der späteren Gehirngesundheit.
Geistige Leistungsfähigkeit und Gedächtnis
Frauen mit einer früher einsetzenden Menopause zeigten im Verlauf der Beobachtung einen schnelleren Rückgang ihrer allgemeinen geistigen Leistungsfähigkeit. Auch das episodische Gedächtnis nahm schneller ab. Dies ist wichtig für die Fähigkeit, sich an persönliche Erlebnisse sowie kürzlich stattgefundene Ereignisse zu erinnern.
In anderen kognitiven Bereichen, wie dem semantischen Gedächtnis (darin sind Allgemein- und Faktenwissen gespeichert) und dem Arbeitsgedächtnis, zeigten sich zwar ebenfalls Zusammenhänge in die gleiche Richtung. Nach der statistischen Korrektur für Mehrfachvergleiche waren diese jedoch nicht mehr eindeutig. Daneben fanden die Forscher keinen Zusammenhang zwischen dem Menopausealter und der Verarbeitungsgeschwindigkeit bzw. räumlichen Fähigkeiten.
Zeitpunkt einer Alzheimer-Diagnose
In der Gesamtheit der Datenauswertung war eine frühere Menopause mit einem früheren Auftreten einer Alzheimer-Diagnose verbunden. Das statistische Modell ergab ein Zeitverhältnis von 0,998 pro Jahr früherem Menopausenalter. Vereinfacht bedeutet dies, dass mit jedem Jahr, um das die Menopause früher eintrat, der Zeitpunkt der Alzheimer-Diagnose statistisch etwas früher war. Wichtig: Der Wert beschreibt einen statistischen Zusammenhang – er lässt keine Aussage darüber zu, wie wahrscheinlich es für eine einzelne Frau ist, an Alzheimer zu erkranken.
Bei einer getrennten Betrachtung nach Menopausentyp zeigte sich ein anderes Bild. Bei Frauen mit natürlicher Menopause ließ sich kein statistisch eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Alzheimer-Diagnose und dem Zeitpunkt der Menopause nachweisen. Frauen mit operativer Menopause wiesen einen ähnlichen Trend auf, doch nach der Korrektur für Mehrfachvergleiche war er nicht mehr eindeutig.
Veränderte Gehirnstruktur
Bei Frauen mit einer früheren Menopause ging das gesamte Gehirnvolumen etwas schneller zurück. Der Zusammenhang war allerdings sehr klein – er lag sogar unterhalb der Schwelle, die üblicherweise als kleiner Effekt bezeichnet wird. Die Forscher mahnen daher zu einer vorsichtigen Interpretation dieses Befunds.
Deutlich ausgeprägter war der Zusammenhang bei den sogenannten White-Matter-Hyperintensitäten. Dabei handelt es sich um Veränderungen der weißen Hirnsubstanz. Bei Frauen mit natürlicher Menopause war ein früherer Eintritt in die Menopause mit einer deutlich schnelleren Zunahme dieser Veränderungen verbunden.
Der Zusammenhang nahm mit zunehmendem Alter weiter zu. Die Studienautoren schätzen auf Basis einer Hochrechnung auf Grundlage der beobachteten jährlichen Unterschiede, dass Frauen, deren Menopause fünf Jahre früher eintrat, über einen Zeitraum von zehn Jahren etwa 15 Prozent mehr dieser Veränderungen der weißen Hirnsubstanz aufweisen könnten als Frauen mit späterer Menopause. Bei Frauen mit operativer Menopause zeigte sich dieser Zusammenhang dagegen nicht.
Ähnliche Ergebnisse zeigten sich übrigens für eine kürzere reproduktive Lebensspanne: Auch wer über sein gesamtes Leben hinweg insgesamt weniger Jahre menstruierte, wies im Alter mehr dieser Gefäßveränderungen auf.
Bei Frauen, deren Gehirn nach dem Tod untersucht wurde, fanden die Forscher keinen statistisch eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Alter bei Eintritt in die Menopause und der Gesamtbelastung mit Alzheimer-typischen Veränderungen im Gehirngewebe.
Kipppunkt! Ab diesem Alter beeinflussen Hirnveränderungen das Gedächtnis
Wie schnelles Gehen das Gehirn jung halten könnte
Mögliche Bedeutung der Ergebnisse
Die Auswertung der Daten legt nahe, dass das Alter beim Eintritt in die Menopause mit der langfristigen Entwicklung der Gehirngesundheit zusammenhängen könnte. Bemerkenswert ist, dass sich diese Zusammenhänge nicht nur bei Gedächtnis- und Leistungstests zeigten, sondern teilweise auch in MRT-Aufnahmen des Gehirns – teils Jahrzehnte nach der Menopause.
Besonders interessant ist der Befund zu den Veränderungen der weißen Hirnsubstanz. Diese besteht vor allem aus Nervenfasern, die verschiedene Bereiche des Gehirns miteinander verbinden. Dass sie zugenommen hat, kann auf eine stärkere Belastung der weißen Hirnsubstanz hindeuten. Die Studie zeigt jedoch nicht, dass diese Veränderungen bei den Teilnehmerinnen zwangsläufig zu Demenz führten.
Die Ergebnisse liefern derzeit vor allem wertvolle Ansatzpunkte für weitere Forschung. Auf Basis der Beobachtungen wäre es denkbar, dass das Alter zum Zeitpunkt der Menopause künftig dabei helfen könnte, Frauen mit einem möglicherweise erhöhten Risiko für bestimmte Veränderungen des Gehirns früher zu erkennen. Ob sich solche Veränderungen durch gezielte Maßnahmen oder etwa eine Hormontherapie beeinflussen lassen, bleibt offen.
Einschränkungen
Eine der wesentlichen Einschränkungen der Studie liegt in ihrer Eigenschaft als Beobachtungsstudie. Es wurden zwar verschiedene Einflussfaktoren berücksichtigt, dennoch könnten andere, nicht erfasste Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben. Ein früherer Eintritt in die Menopause könnte beispielsweise auch ein Hinweis auf andere Alterungsprozesse sein und muss nicht selbst die späteren Gehirnveränderungen verursachen.
Hinzu kommt, dass sich das Menopausenalter nicht mit Sicherheit festlegen ließ. Die genutzten Daten basierten auf der Erinnerung der Teilnehmerinnen. Zudem fehlten systematische Informationen zu weiteren Faktoren der reproduktiven Lebensgeschichte wie Schwangerschaften, hormoneller Verhütung oder Stillzeiten. Bei der operativen Menopause ließ sich außerdem nicht immer eindeutig unterscheiden, welche Art von Eingriff durchgeführt worden war.
Eine weitere Einschränkung betrifft die MRT‑Auswertungen. Die Frauen, die daran teilnahmen, waren im Durchschnitt gesünder und geistig leistungsfähiger als das Gesamtkollektiv. Dadurch könnten stärker betroffene Frauen in diesen Analysen unterrepräsentiert gewesen sein.
Schließlich zeigten sich einige Ergebnisse nur in bestimmten Untergruppen. Die Unterschiede zwischen natürlicher und operativer Menopause müssen daher durch weitere Studien bestätigt werden.